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Ernährung

Laktoseintoleranz: Wenn Milch krank macht

Von Sabine Abel (20. November 2012)

Milch kann bei Menschen mit einer Laktoseintoleranz Unwohlsein und Durchfall auslösen. Foto: Getty Images/Imagebroker

Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall können Symptome einer Laktoseintoleranz sein. Helfen laktosefreie Lebensmittel und Enzym-Präparate zum Einnehmen gegen die Beschwerden?

"Ist das Gericht mit Sahne oder Milch zubereitet? Ich vertrage nämlich keinen Milchzucker", fragt Susanne Hübner regelmäßig bei der Bestellung im Restaurant. So wie ihr geht es nach Expertenschätzungen zwischen 15 und 20 Prozent der Deutschen – sie leiden an einer Laktoseintoleranz.

Noch vor einigen Jahren waren Restaurant-Besuche schwierig, Milch-Trinken tabu. Doch inzwischen haben sich Köche, Lebensmittelproduzenten und Pharmafirmen auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingestellt. In den meisten Restaurants ist es kein Problem, ein Gericht auf Wunsch des Gastes laktosefrei zuzubereiten, im Supermarkt erhält man laktosefreie Milch und Milchprodukte, Apotheken und Drogeriemärkte verkaufen Tabletten, Tropfen und Pulver, die Milchprodukte für Menschen mit Laktoseintoleranz besser bekömmlich machen sollen.

Laktoseintoleranz: Sichere Diagnose durch Atemtest beim Arzt

Blähungen, Bauchkrämpfe, Darmgeräusche, Durchfall oder Übelkeit nach dem Verzehr von Milch oder Produkten, die Milchzucker enthalten, können Anzeichen für eine Laktoseintoleranz sein. Doch man sollte lieber keine Selbstdiagnose betreiben, sondern den Verdacht vom Arzt abklären lassen, rät Dr. Dagmar Mainz vom Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands. "Manche Patienten stellen fest, dass sie diese oder jene Lebensmittel nicht gut vertragen und lassen sie deshalb weg. Am Ende ernähren sie sich ganz einseitig und sind trotzdem nicht beschwerdefrei", sagt sie. Zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom oder eine Fructose-Unverträglichkeit können ganz ähnliche Symptome verursachen.

Der Arzt stellt die Laktoseintoleranz meist durch einen Atemtest fest. Der Patient nimmt auf nüchternen Magen eine bestimmte Menge Laktose zu sich. Im Dünndarm wird der Milchzucker mit Hilfe des Enzyms Laktase in Glucose und Galaktose aufgespalten. Produziert der Körper nicht genug Laktase, gelangt die Laktose in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zersetzt. Es entsteht unter anderem Wasserstoff (H2), dieser gelangt über das Blut in die Lunge und ist dann in der Ausatemluft messbar.

Geringe Mengen Laktose machen oft keine Probleme

Beim Test können sich natürlich auch die mit einer Laktose-Aufnahme verbundenen Beschwerden einstellen. Da die Laktose-Dosis in Stufen gesteigert wird, kann der Grad der Unverträglichkeit ermittelt werden. "Einige Patienten reagieren bereits auf geringste Mengen, viele vertragen jedoch etwa acht bis zehn Gramm Laktose am Tag", so Dr. Mainz.

Manche Menschen leiden von Geburt an an einem Laktase-Mangel, bei den meisten Betroffenen lässt die Produktion des Enzyms jedoch erst mit der Zeit nach. "Eine Laktoseintoleranz kann man in jedem Lebensalter entwickeln, aber meist sind es jüngere Patienten, die in die Sprechstunde kommen", so Dr. Mainz. Der Grad der Empfindlichkeit könne sich im Lauf des Lebens aber auch ändern.

Laktoseintoleranz als Nebenwirkung der Adipositas-Chirurgie

Eine Laktoseintoleranz kann auch Folge einer Erkrankung sein, durch die die Dünndarmschleimhaut geschädigt wird, zum Beispiel einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, einer Infektionskrankheit oder einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Wird die Krankheit behandelt, kann die Schleimhaut sich erholen und auch wieder Laktase freisetzen. "Auch nach Operationen, bei denen man in den Magen-Darm-Trakt eingreift wie zum Beispiel auch bei der Adipositas-Chirurgie, entwickelt sich häufig eine Laktoseintoleranz", sagt Doris Steinkamp, Präsidentin des Verbands der Diätassistenten.

Enzym-Präparate helfen nicht allen Betroffenen

Wenn eine Unverträglichkeit diagnostiziert wurde, empfiehlt Dr. Mainz zunächst eine konsequent laktosefreie Ernährung. "Wenn die Beschwerden dann ganz verschwinden, kann man sicher sein, dass es keine andere Ursache gibt." Anschließend sollte jeder selbst ausprobieren, wie viel Laktose er verträgt.

"So viel wie man verträgt, sollte man auch zu sich nehmen", betont Diätassistentin Doris Steinkamp. "Was nicht nachgefragt wird, produziert der Körper auch nicht mehr, also lässt die natürliche Bildung des Laktase-Enzyms weiter nach." Deshalb rät sie auch davon ab, die Ernährung auf laktosefreie Produkte umzustellen, wenn die Laktoseintoleranz nicht sicher nachgewiesen wurde. "Gerade laktosefreie Milch und Sahne sind eine wertvolle Hilfestellung für Menschen mit einer Unverträglichkeit", sagt sie, "doch für alle anderen sind solche Lebensmittel nicht sinnvoll."

Dosierung der Mittel ist oft schwierig

Tabletten, Tropfen oder Pulver, die das Enzym Laktase enthalten, sollen die Laktose-Verdauung unterstützen. Viele Betroffene mit einer Laktoseintoleranz versprechen sich davon, mal wieder unbeschwert im Restaurant oder auf einer Party eine Mahlzeit genießen zu können. Doch die Präparate sind kein Allheilmittel. Auch hier muss jeder ausprobieren, ob und in welcher Dosierung sie helfen. "Bei manchen wirken die Tabletten überhaupt nicht", ist die Erfahrung von Dr. Mainz. "Außerdem reagieren die Patienten unterschiedlich auf Laktose, manche haben gleich nach dem Essen Beschwerden, andere erst vier Stunden später. Es ist zum Teil schwierig, die Dosierung der Mittel darauf abzustimmen."

Auch Doris Steinkamp sieht die Laktase-Präparate nicht als einfache Lösung für Patienten mit Laktoseintoleranz - eher als Notfall-Helfer, wenn man nicht genau weiß, was im Essen enthalten ist oder auch, wenn man zum Beispiel mal Lust hat auf eine Kugel Sahneeis. "Die Mittel müssen aber immer direkt zur Mahlzeit genommen werden, sonst funktionieren sie gar nicht", betont sie.

Lesen Sie auch: Alternativen zur Kuhmilch - von Sojamilch bis Hafermilch

Ernährungstipps:

Etiketten Menschen mit Laktoseintoleranz müssen beim Einkauf sorgfältig Etiketten lesen. Nicht nur Milch, Quark, Joghurt oder Sahnedesserts sind laktosehaltig, auch Fertiggerichte, Tütensuppen sowie Gebäck, Brot, Gewürzmischungen oder Wurstwaren können Laktose enthalten.

Laktosefrei Milch, Sahne und andere Milchprodukte werden inzwischen auch als laktosefreie Varianten angeboten. In diesem Fall ist dem Produkt das Enzym Laktase zugesetzt, das die Laktose schon vor dem Verzehr spalten soll. Doch auch diese Lebensmittel werden nicht von allen Patienten vertragen. "Butter und Hartkäse enthalten sowieso nur noch Spuren von Laktose", sagt Diätassistentin Doris Steinkamp, "hier machen teurere, als laktosefrei deklarierte, Produkte keinen Sinn." Gut vertragen werden häufig auch Joghurt-Sorten, die nicht wärmebehandelt wurden und sogenannte "lebende Milchsäurebakterien" enthalten. Wer Milchprodukte meidet, sollte darauf achten, dass er trotzdem genug Kalzium zu sich nimmt, rät Dr. Dagmar Mainz.

Buchtipps:

Karin Hofele: "Richtig einkaufen bei Laktose-Intoleranz", mehr als 900 Lebensmittel werden bewertet, Trias, 9,99 €
Christiane Hof: "Köstlich essen bei Laktose-Intoleranz", Tipps zur Ernährungsumstellung, mehr als 140 Rezepte, Trias, 17,99 €


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Quellen

Gespräch mit Dr. Dagmar Mainz, Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen, Saalouis, November 2012
Gespräch mit Doris Steinkamp, Präsidentin des Verbands der Diätassistenten, November 2012
Karin Hofele: "Richtig einkaufen bei Laktose-Intoleranz", Trias
Christiane Hof: "Köstlich essen bei Laktose-Intoleranz", Trias






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