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Ist ketogene Ernährung gesund?

Von Manfred Pantförder (26. August 2015)

Ketogene Ernährung setzt gute Fette voraus, wie etwa die der Olive. Foto: picture-alliance

Der weitgehende Verzicht auf Kohlenhydrate kann bei Erkrankungen wie Brustkrebs hilfreich sein. So die Erfahrungen von manchen Medizinern. Wem kann ketogene Ernährung helfen?

Satt ohne Kohlenhydrate – geht das? Und schmeckt das überhaupt? Das Zuviel beim Essen ist ein Dauerbrenner, besonders das Zuviel an Kohlenhydraten, also Zucker in verschiedener Form. Während einige Ernährungsexperten zu mäßigem Essen von Fleisch und Fett raten, empfehlen manch andere das Gegenteil: mehr Fett und weniger Kohlenhydrate. Eine extreme Art dieses Ansatzes ist die sogenannte ketogene Ernährung.

Die ketogene Diät ist deshalb bemerkenswert, weil sie in manchen Kliniken teils als alternative Ernährung für Krebspatienten angeboten wird. Auch bei weiteren Erkrankungen wie Diabetes und Epilepsie ist die ketogene Diät ausprobiert worden.

Körper bildet Ketone aus Fett

Wenn Zucker/Kohlenhydrate minimal gegessen werden, stattdessen viel Fett, beginnt der Körper, aus Fett sogenannte Ketone zu bilden. Diese versorgen die Zellen mit Energie. Ketone bildet der Körper auch in Hunger- oder Fastenzeiten.

Ketogene Diät nach ärztlicher Beratung

Nur bei einigen seltenen Stoffwechselstörungen oder Lebererkrankungen können die betroffenen Menschen keine Ketone bilden. Wer ketogene Diät als Weg beschreiten will, sollte dies nur nach ärztlicher Beratung unternehmen, so der Rat von Ernährungsmedizinern. Denn nicht bei jedem Krankheitsbild ist die ketogene Ernährung erfolgversprechend.

Beim Fett kommt es auf die richtigen Fettsäuren an. Fett heißt nicht vorrangig tierisches in Form von Speck und Fleisch. Im Gegenteil: Wird zuviel Protein gegessen, können Ketone ausbleiben, selbst wenn auf Kohlenhydrate verzichtet wird.

Besonders geeignet für die ketogene Diät sind folgende Lieferanten günstiger Fettsäuren:

  • Avocado
  • Macadamianuss
  • Kokonuss, -öl und -milch
  • Hering
  • Sardinen
  • Butter, Sahne
  • Käse.

Ketogene Diät und die Wirksamkeit

Die wissenschaftliche Datenlage, ob eine stark kohlenhydratreduzierte Ernährung wie die ketogene Diät tatsächlich nutzt, ist dennoch so dünn, dass belastbare Aussagen zur Wirksamkeit von Experten nur zurückhaltend getroffen werden. Forscher gehen weiter Hinweisen auf Behandlungserfolge mit Studien nach.

Kolibri-Studie

"Wir können beobachten, dass die Patienten mit ketogener Kost diese bislang gut vertragen und dass es durchaus möglich ist, eine solche ‚extreme‘ Ernährungsform auch über einen längeren Zeitraum im Alltag durchzuführen. Viele Patienten berichten über ein besseres subjektives Befinden sowie Stabilisierung des Gewichts", sagt Prof. Monika Reuss-Borst, Ärztliche Direktorin der Rehaklinik Am Kurpark. "Bisherige Erfahrungen zeigen, dass Frauen nach vier Monaten ketogener Ernährung – fast kohlenhydratfrei – gerne auf die kohlenhydratreduzierte Kostform Logi umstellen." Dabei wird keine Ketose erreicht. Ob eine solche Form auch positive Effekte auf das Tumorwachstum habe, sei noch völlig unklar, sagt die Onkologin.

Für die Studie seien etwa 150 Patientinnen gefunden worden. Belastbare Ergebnisse sollen bis Mitte 2016 vorliegen.

Ergo-Studie

  • Mit der Ergo-Studie in Frankfurt/M. wird die Wirkung kohlenhydratarmer Nahrung bei Patienten mit Gehirntumor untersucht.

An der Ergo-Studie nahmen 20 Patienten teil, bei denen Strahlen- oder Chemotherapie keine Heilung erbracht hatten. Wegen der hohen Zuckeraufnahme von Tumorzellen ging es um die Frage, ob mit Verzicht auf Zucker/Kohlenhydrate das weitere Wachsen des Tumors verhindert werden könne.

"Die Umstellung auf ketogene Ernährung lief gut, es gab keine drastischen Gewichtsverluste", sagt Dr. Johannes Rieger. "Die Wirksamkeit war aber sehr begrenzt." Eine Vergleichsgruppe zu diesem ersten vorsichtigen Versuch habe es nicht gegeben. Eine weitere Studie soll dennoch folgen. Dabei werde ketogene Ernährung mit intermittierendem Fasten kombiniert, so der Leitende Oberarzt am "Dr. Senckenbergischen Institut für Neuroonkologie" am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M. Denn die wissenschaftliche Literatur lege nahe, dass eine Kalorienreduktion während einer Krebstherapie sinnvoll sein könne.

  • An der Universitätsklinik Würzburg wird bereits seit 2007 ketogene Ernährung angeboten. Prof. Ulrike Kämmerer bezeichnet diese als "hilfreiche Ernährung" und hat ihre Erfahrungen und Erkenntnisse über den Zuckerstoffwechsel von Krebszellen in dem Buch "Ketogene Ernährung bei Krebs" zusammengefasst. Die grundsätzliche Beobachtung ist, dass Krebszellen bei Entzug von Zucker langsamer wachsen. "Krebszellen lieben Zucker" lautet analog dazu ein griffiger Satz.

70 Prozent Fett, 20 Prozent Proteine

Ketogene Diät verändert den Stoffwechsel: Der Mangel an Zucker und stattdessen eine sehr fettreiche Nahrung führen dazu, dass der Körper aus Fettsäuren sogenannte Ketone bildet. Der Stoffwechselzustand wird als Ketose bezeichnet.

  • Zu 70 Prozent sollten die Kalorien der Nahrung aus Fett, Ölen und fettreichen Nahrungsmitteln wie etwa Nüssen oder Sahne bestehen, bemisst Dipl.-Ökotrophologin Ulrike Gonder in "Ketoküche für Einsteiger".
  • Der Proteinanteil soll 20 Prozent betragen.

"Wer bislang sehr kohlenhydratreich und fettarm gegessen hat, braucht zumindest mehrere Tage, bisweilen bis zu drei, vier Wochen, um Ketone zu bilden", sagt Gonder. Kohlenhydrate sollten täglich nur 20 bis maximal 50 Gramm betragen, so die Empfehlung. Zum Vergleich: Ein Brötchen mit Marmelade bestrichen entspricht annähernd 50 Gramm Kohlenhydrate. In der Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sind Kohlenhydrate hingegen eine tragende Säule und sollen mehr als die Hälfte der Energiezufuhr ausmachen.

Ketogene Ernährung bei starkem Übergewicht

Ketogene Diät ist nach Ansicht von Befürwortern demnach nicht nur begleitend in der Krebstherapie geeignet, sondern auch zur Verringerung von hohem Übergewicht. Denn mit der Ernährungsumstellung und der Bildung von Ketonkörpern verändere und verbessere sich auch die Fettverbrennung. Krebszellen vermehren sich schnell, wenn sie Energie aus viel Zucker beziehen.

Der Blutzuckerspiegel sollte also möglichst niedrig gehalten werden, was ja auch wichtig bei der Vorbeugung von anderen Krankheiten wie Diabetes gilt. Wenn Zucker ausbleibt oder knapp ist, ändert sich der Stoffwechsel notgedrungen, und in der Leber werden die Ketonkörper produziert. Diese werden zur Energiegewinnung genutzt, daher auch der Begriff Fettverbrennung. Der hohe Anteil Fett, der den Verzicht auf Kohlenhydrate wettmachen muss, damit man auch satt wird, soll dem Körper also nicht zusetzen.

Ketogene Diät bei Epilepsie, MS, Alzheimer

Das Besondere an Ketonen: Daraus gewinnen Körper- wie auch Gehirnzellen Energie.

  • Daher wird die ketogene Ernährung schon seit Jahren bei der Behandlung von Epilepsie bei Kindern angewendet.
  • Und es gibt Hinweise, dass die Ernährungsform auch präventiv gegen Alzheimer schützen könnte.
  • Auch bei Multipler Sklerose (MS), einer Nervenerkrankung, haben Mediziner in einer kleinen Studie positive Wirkung beobachtet. Demnach sei die Energiegewinnung effizienter.

Bei vielen neurologischen Erkrankungen, wie neben MS und Alzheimer auch noch Parkinson, spiele oxidativer Stress eine Rolle. Ein Zuviel an Kohlenhydraten könne diesen oxidativen Stress verstärken, formulierte der Neurologe Friedemann Paul vom Universitätsklinikum Charité in Berlin. Oxidativer Stress heißt, dass sogenannte freie Radikale beim Stoffwechsel entstehen, welche die Entstehung von Krebs verursachen könnten.

Die Umstellung auf ketogene Diät und damit auf die vergleichsweise schwere Kost führt meist zu Müdigkeit, berichten Probanden. Die lege sich aber nach einiger Zeit. Und manche Studienteilnehmer hätten später berichtet, dass sie geistig wacher seien. Probanden der MS-Studie der Charité sagten, deutlich verbessert habe sich auch ihre Beweglichkeit.

Ketogene Ernährung braucht Gemüse, Kräuter, Gewürze

Bei der Umstellung auf ketogene Diät darf nicht darauf verzichtet werden, Vitamine und Mineralstoffe über Gemüse wie kohlenhydratarmen Kohl und Brokkoli, Blattsalat und Kräuter zu sich zu nehmen. Auch Gewürze spielen eine besondere Rolle, um sich mit sekundären Pflanzenstoffen zu versorgen und das Essen attraktiv zuzubereiten.

"Die Ketose zu unterbrechen, geht ganz schnell", sagt Ernährungsexpertin Gonder. "Ein Stück normaler Kuchen, zu viel Obst, Stress oder auch zu viel Eiweiß, alles das kann die Ketonbildung in der Leber rasch unterbrechen. "

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ketogene Rezepte zum Ausprobieren

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