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Schmauen - das gesündere Kauen

Von Sabine Abel (8. Juli 2011)

Ob Pizza oder Kuchen, bei richtigem Kauen muss man auf nichts verzichten. Foto: PA/Chromorange

Wer sich gesünder ernähren und dabei auch noch abnehmen möchte, sollte bewusster auf das Kauen achten. Schauspieler Jürgen Schilling nahm durch das sogenannte Schmauen 33 Kilo ab

Morgens gibt's schnell ein Brot, wenn man schon halb auf dem Weg ist. Das Mittagessen wird hastig in der Kantine hinuntergeschlungen, abends macht man es sich auf dem Sofa vor dem Fernseher gemütlich und merkt gar nicht, was man so eben mal nebenbei verputzt. Das Resultat dieser Ernährungsgewohnheiten sind nicht selten Verdauungsbeschwerden sowie Übergewicht mit allen seinen gesundheitlichen Folgen. Auch Schauspieler Jürgen Schilling hatte damit zu kämpfen. Als Gegenmittel entwickelte er für sich eine spezielle Esstechnik, die er Schmauen nennt – eine Kombination von Schmecken und Kauen. Er lernte so auch, das Essen wieder zu genießen. Inzwischen gibt er seine Erfahrungen sogar in Seminaren weiter.

Das neue Kauen am besten ohne Ablenkung üben

Um seine Verdauungsbeschwerden zu bekämpfen, versuchte Schilling zunächst, das Essen gründlicher zu kauen. Doch Kauen und Schlucken sind Prozesse, die im Allgemeinen unbewusst ablaufen. Auch wer sich gesund ernähren möchte oder vielleicht mit Hilfe einer Diät abspecken will, achtet eher darauf, was er isst als wie er es isst. Jürgen Schilling nahm sich vor, intensiver zu kauen und jeden Bissen bewusster zu genießen. So erreichte er außerdem, dass der Speichel die Nahrung besser aufschließen konnte. "Ich habe entdeckt, dass man am Anfang alles aus der Hand legen muss, sei es Messer und Gabel oder das Stück Brot, von dem man abgebissen hat." Nur so könne man sich auf das Kauen, Schmecken und Schlucken konzentrieren. "Das gilt allerdings nur für die erste Trainingsphase", betont Schilling, "zuerst sollte man in meditativer Stimmung üben, bis der neue Ablauf verinnerlicht ist." Auch auf mögliche Ablenkungen wie Zeitung lesen, Fernsehen oder Radiohören sollte man bei den Übungen zunächst verzichten.

Beim Kauen die Enzyme im Speichel wirken lassen

Beim Schmauen wird der Bissen gründlich gekaut und mit Speichel vermischt. "Vom Geschmack geleitet, sortiert die Zunge immer nur den ausgereiften Anteil des Bissens heraus. Es wird portionsweise geschluckt", erläutert Jürgen Schilling. "So wird der überhastete Schlingreflex abgestellt", betont er. Wer Brot lange kaut, stellt fest, dass es nach einiger Zeit süß schmeckt. "Es werden Kohlenhydrate abgebaut, und einzelne Zuckermoleküle entstehen, dadurch nehmen wir eine Geschmacksveränderung wahr", erläutert Prof. Florian Schweigert vom Institut für Ernährungswissenschaft an der Universität Potsdam. "Beim Kauen wird die Nahrung nicht nur mechanisch zerkleinert, im Speichel befinden sich viele Inhaltsstoffe, die wichtig für die Verdauung sind: "Zum Beispiel Enzyme für die Verdauung von Kohlenhydraten und Fett sowie Enzyme, die Eiweiße abbauen und damit auch gegen Krankheitserreger wirken", erläutert der Wissenschaftler.

Neues Essempfinden beim Kauen nach einer Woche

Wer schmaut, sorgt nicht nur für eine optimale Vorbereitung der Nahrung für die weitere Verdauung, er kann auch den Geschmack der einzelnen Lebensmittel intensiver genießen. "Überwürzte Fertiggerichte oder mit Aromastoffen und Geschmacksverstärkern verfälschte, industriell hergestellte Nahrungsmittel schmecken dann auf einmal nicht mehr", hat Jürgen Schilling festgestellt. Seine Seminarteilnehmer probieren die neue Art zu Kauen mit Apfelstückchen, aber man kann auch mit allen anderen Lebensmitteln üben. Wer sich täglich Zeit nimmt, beherrscht die neue Esstechnik oft schon nach einer Woche, so die Erfahrung von Jürgen Schilling. Bald schon geschehe das richtige Kauen unbewusst. Und man könne auch schneller essen und trotzdem werde die Nahrung optimal verdaut.

Schmauen statt Kauen: Abnehmen mit Genuss

Durch das Schmauen hat der Schauspieler nicht nur seine Verdauungsprobleme gelöst, er hat auch 33 Kilo abgenommen – ohne Hunger und Verzicht, sondern mit Genuss, wie er betont. Wer schmaut, nimmt nicht nur kleinere Bissen zu sich (größere lassen sich nicht gut durchkauen, da das Volumen durch den Speichel noch zunimmt), er braucht auch insgesamt weniger Nahrung, um satt zu werden. Das Sättigungsgefühl entsteht durch die Dehnung des Magens, aber auch durch hormonelle Signale. "Diese Hormone werden mit etwas Verzögerung ausgeschüttet", erläutert Prof. Schweigert. "Wenn man das Essen runterschlingt und diese Verzögerung sozusagen überrennt, nimmt man mehr auf, als man braucht." Ein Schmauer wird demnach angenehm satt, ohne dass sich ein Völlegefühl einstellt. Wer übergewichtig ist, hat ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Schon durch das maßvolle Essen sinkt dieses Risiko. Der Stoffwechselforscher Priv. Doz. Dr. Wilfried Bieger aus München hat in Versuchsreihen außerdem festgestellt, dass das genussvolle Schmauen im Vergleich zum normalen Kauen positive Auswirkungen auf den Blutzucker- und Insulinspiegel hat und dass bei längerer Anwendung die Insulinsensitivität verbessert und damit das Diabetes-Risiko gemindert wird.

Informationen:

Buch  Jürgen Schilling: "Kau Dich gesund!",  Trias Verlag, 12,99 €, hier wird die Technik des Schmauens ausführlich erläutert

Internet Auf der Webseite www.schmauen.de finden sich Informationen rund ums Schmauen und zahlreiche Erfahrungsberichte


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Quellen

Gespräch mit Jürgen Schilling, Schauspieler und Autor, Juni 2011
Gespräch mit Prof. Florian Schweigert, Institut für Ernährungswissenschaft an der Universität Potsdam, Juni 2011
Informationen auf www.schmauen.de
Jürgen Schilling: "Kau Dich gesund", Trias Verlag


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