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Ernährung

Hanf: Gesundes Lebensmittel statt Droge

Von Maggie Riepl (8. November 2012)

Nutz-Hanf liefert Grundstoffe für Textilien oder Farben. Die Früchte sind vielfältig in der Küche verwendbar. Foto: PA

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Seine Nüsschen liefern viel Eiweiß, das Öl ist reich an essenziellen Fettsäuren. Rauschwirkung ausgeschlossen.

Die meisten Menschen assoziieren mit Cannabis eine Droge. Seit einiger Zeit hat auch die Medizin die Hanf-Pflanze, die zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt gehört, wegen ihrer schmerz- und entzündungshemmenden Wirkung entdeckt, und seit 2011 ist sie in Deutschland als Medikament zugelassen. Doch die wenigsten wissen, dass die Ölfrucht seit Jahrtausenden ein besonders wertvolles Lebensmittel ist.

Die Legende sagt, dass Buddha während seiner Fastenzeit einen Hanf-Samen pro Tag zu sich genommen hat. Und in vielen Regionen wurde Hanf "das Kraut der Armen" genannt, weil bereits eine Handvoll von Cannabis-sativa-Samen ausreichte, um den Körper mit notwendigen Proteinen und Fettsäuren zu versorgen.

Nutz-Hanf enthält keine berauschenden Stoffe

Gleich vorweg: Hanf ist nicht gleich Hanf. In Deutschland darf seit 1996 Nutz-Hanf angepflanzt werden, der allerdings kein bzw. nur verschwindend geringe Mengen an Tetrahydrocannabinol enthält, so erklärt das Bundesinstitut für Landwirtschaft und Ernährung. Dieses TCH ist für die berauschende Wirkung verantwortlich. Man braucht also keine Angst zu haben, dass man von Hanf-Produkten high wird.

Die Blätter des Nutz-Hanfs können zu Tee verarbeitet werden, aber interessanter sind die Früchte. Die Kleinsten aller Nüsse (100 Körner wiegen nur ca. 20 Gramm) sind schmackhafte und gesunde Powerkörner. Sie haben einen Eiweißgehalt von 22 Prozent (mehr als Soja) und enthalten alle acht essenziellen Aminosäuren, aus denen der Körper Protein herstellen kann. Darüber hinaus sind auch die Vitamine B und E reichlich enthalten.

Knabber-Hanf als Alternative zu Chips

Da Hanf-Nüsse nur eine dünne Fruchtschale haben, kann man sie ungeschält wie geschält verwenden. Durch leichtes Rösten und Salzen werden die braunen Nüsschen noch veredelt. Dieser "Knabber-Hanf" schmeckt ähnlich wie Pistazien und ist eine gute Alternative zu Chips jeglicher Art. Man kann die Hanf-Nüsse aber auch wie Sesam oder Sonnenblumenkerne über den Salat streuen oder ins Müsli geben.

Bild: Aus den Hanf-Nüsschen wird auch das gesunde Hanf-Öl gewonnen. Foto: PA/Wildlife

Vorteil: Die Hanf-Nüsse werden auch von Nussallergikern vertragen, sagt der Internist und Naturheilkundler Dr. Siegfried Bäumler, Oberarzt im Kneippianum in Bad Wörishofen. Hanf-Nüsse kann man auch zermahlen und daraus Brot, Kuchen und Waffeln backen oder einen Nudelteig zubereiten. Da Hanf-Mehl kein Klebereiweiß enthält und dadurch glutenfrei ist, muss es aber zu 50 Prozent mit normalem Mehl gemischt werden.

Hanf-Öl schützt das Herz und stärkt das Immunsystem

Ein besonderes Produkt ist das aus ungeschälten Samen kalt gepresste Hanf-Öl, das aufgrund seines Chlorophyllgehalts eine grünliche Farbe hat. Es verleiht nicht nur Speisen eine besonders nussige Note, es enthält überdies einen hohen Gehalt ungesättigter Fettsäuren und ist damit eines der besten Speiseöle. "Es ist ebenso wertvoll wie Raps-, Walnuss-, Lein- und Distelöl", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Das Hanf-Öl hat vor allem einen Anteil an der zweifach ungesättigten Linolsäure und der dreifach ungesättigten Alpha-Linolensäure. In anderen pflanzlichen Ölen sind diese beiden Fettsäuren ebenfalls vorhanden - allerdings nicht in dem für den menschlichen Organismus optimalen Verhältnis von 3:1. "Ungesättigte Fettsäuren wirken gegen Bluthochdruck und stärken das Immunsystem", sagt Steffen Geyer vom Hanf Museum in Berlin, "ein Esslöffel pro Tag ist außerdem gut für Haut, Haar und Nägel."

Hanf-Öl kann auch äußerlich angewendet werden

Auch Dr. Bäumler erklärt : "Omega-3-Säuren wirken sich positiv auf einen erhöhten LDL-Cholesterinspiegel aus. Im Organismus zeigt sich außerdem ein entzündungshemmender Effekt. Hanf-Öl wirkt aufgrund seiner Omega-3-Fettsäuren auch schützend für das Herz. Hilfreich kann die Einnahme auch bei rheumatischen Erkrankungen sein." Er empfiehlt es außerdem Veganern und Vegetariern, die auf Fisch verzichten, als eine der besten Quellen an ungesättigten Fettsäuren.

Hanf-Öl sollte möglichst kühl und dunkel gelagert werden. Man darf es allerdings nicht stark erhitzen, denn dann verliert es seine guten Eigenschaften. Da Hanf-Öl auch Gamma-Linolensäure enthält, kann man es auch äußerlich bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis anwenden.

Informationen:

Hanf In fast allen Kulturen der Welt wurde zu allen Zeiten Hanf genutzt. Hanf gehört zu den höchstentwickelten Pflanzen der Erde, gedeiht in fast allen Klimazonen und auf allen Böden. Er ist gegen Schädlinge sehr resistent und kann daher ohne Pflanzenschutzmittel angebaut werden. Neben Samen und Öl bekommt man z. B. auch Proteinpulver mit Hanf und Hanfbier, bei dem die Blüten den Hopfen ersetzen. Lebensmittel aus Hanf (Öl, Nüsse, Kekse, Schokolade, Crunchy Riegel ) gibt es u. a. in Bioläden und Reformhäusern.

Rezepte Brotaufstrich: 100 g geschälte Hanf-Samen gemahlen mit 100 g Butter und 100 g Honig verrühren, kalt stellen.
Hanf-Buletten: 250 g mehlig kochende Kartoffeln kochen und zerstampfen. Mit 100 g gewürfelten Zwiebeln, 250 g Quark, 50 g Hanf-Mehl, 1 Ei, Pfeffer, Salz und frischen Kräutern nach Wahl mischen. Buletten formen, in vier EL Hanf-Samen panieren, in Rapsöl ausbacken.


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Quellen

Gespräch mit Dr. Siegfried Bäumler, Oberarzt im Kneippianum in Bad Wörishofen, Oktober 2012
Gespräch mit Antje Gahl, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Oktober 2012
Gespräch mit Steffen Geyer, Hanf Museum Berlin, Oktober 2012






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