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Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

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  • Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

    Liebe Leserinnen und Leser

    In letzter Zeit beobachte ich bei meinem Vater (61) Handlugen, die ich von ihm so eigentlich nicht kenne. Ich möchte Euch gerne ein paar Beispiele erzählen:

    - Papa ist ein Arbeitstier und handwerklich sehr geschickt. Laut heiterer Erzählungen meines Bruders und meiner Mutter passieren ihm in den letzten Monaten vermehrt "kleinere" Unfälle (er fällt vom Dach (Gott Lob und Dank ohne ernsthafte Verletzungen); kommt immer mal wieder mit Beulen und kleinen Wunden am Kopf nach Hause, kann aber nicht sagen, wie sie entstanden sind, etc.
    - Bei Geburtstagsfesten hat er ein Namenchaos (das habe ich auch, aber er war darin immer besser als ich). Bei der Verabschiedung gibt es Küsschen auf die Wange für die Verwandtschaft, ein Händedruck für die Bekanntschaft. Er scheint zunehmend Schwierigkeiten zu haben auf die Schnelle zu unterscheiden wer "verküsst" wir und wer nicht.
    - beim Kartenspiel ist Papa ein Genie wie eh und je. Er ist strategiestark und rechnet Zahlenkombinationen in Windeseile. Aber er schafft es nicht, allen Spielern auf Anhieb gleich viele Karten auszuteilen. Das wird natürlich charmant überspielt, aber es passiert immer und immer wieder.
    - Er ist eine ganze Ecke rechthaberischer und aufbrausender als früher.
    - ...

    Nun mache ich mir natürlich meine Gedanken. Papa ist jetzt ziemlich genau in dem Alter, in dem bei seinem Vater die klaren Symptome der Alzheimererkrankung aufgetreten sind.
    Ich bin mir nicht schlüssig, ob ich etwas unternehmen soll, oder ob es klüger wäre, noch ein Bisschen abwartend zu beobachten... Meine Mutter leidet an einer Persönlichkeitsstörung und ich versuche deswegen nicht mehr Staub aufwirbeln als nötig ist.

    Ich möchte Euch gerne um Eure Meinungen und Erfahrungen bitten. Was würdet Ihr an meiner Stelle tun?

    Herzlichen Dank fürs Lesen und Antworten!
    Liebe Grüsse
    Ela

  • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

    Hallo Ela,

    so wie Sie die Dinge beschreiben, kommt mir das auch so vor, als sei da „was im Busche“. Nun weiß man ja nicht genau, was da sein könnte, und man bräuchte eigentlich professionellen Rat bzw. eine Untersuchung und Diagnose, um wirklich sicher zu gehen. Ich verstehe aber Ihre Zurückhaltung völlig, Ihren Vater auf diese Defizite anzusprechen, denn schließlich steht ja eine ungeheuerliche Vermutung im Raum.

    Aus eigener Erfahrung und einiger Lektüre weiß ich, dass es sehr auf den Einzelfall ankommt. Meine Mutter (Ende mittleres Stadium Demenz) leugnet bis heute, dass ihr „irgendetwas fehlt“, obwohl sie ohne mich überhaupt nicht in der Lage wäre, die einfachsten Dinge im Leben zu organisieren. Nein, sie fühlt sich gesund und akzeptiert auch nicht ihr weit fortgeschrittenes Lebensalter. Es gelingt mir nicht, sie zum Arzt mitzunehmen, obwohl sie körperlich dazu in der Lage wäre. So kommt der Arzt zu ihr.

    In Ihrem Fall denke ich, hat Ihr Vater mit Sicherheit seine Defizite gemerkt und hat große Angst – mit Recht – vor einer schlimmen Diagnose. Deshalb die Rechthaberei und das Aufbrausen. Wahrscheinlich würde ein Gespräch mit ihm in dieser Sache, seine Abwehrhaltung noch verstärken.

    Mein Rat wäre: Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt doch einmal über Ihre Vermutungen, ohne dass Ihr Vater davon weiß und der davon auch nichts erfahren sollte (was ich in diesem Fall nicht als Vertrauensbruch ansehen würde, mehr würde ich mich auch nicht „einmischen“). Beim nächsten Arztbesuch Ihres Vaters, der doch gewiss seine Routinechecks hat, auf die man Männer auch immer mal wieder hinweisen muss, könnte Ihr Hausarzt vielleicht einige vorsichtige Nachforschungen anstellen und Ihrem Vater eine sinnvolle Medikation verordnen.

    Vielleicht steckt hinter dem Ganzen ja auch „nur“ eine Depression, die bei älteren Menschen oft mit einer Demenz verwechselt wird? Ich fürchte, mehr kann man im Moment nicht machen, wenn die Einsicht fehlt oder abgeblockt wird.

    Liebe Grüße und alles Gute!

    Sadsoul

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    • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

      Hallo Ela,
      ich sehe es auch so, wie Sadsoul.

      Spontan meine Gedanken dazu:

      Sind Sie bereit, viel Zeit zu investieren, um der Sache auf den Grund zu gehen und können Sie die Persönlichkeitsstörung Ihrer Mutter ertragen oder erst mal außen vor lassen?

      Wenn ja, dann würde ich an Ihrer Stelle ein paar Wochen lang verstärkt den Kontakt zum Vater suchen, aber nichts von den Gedanken erzählen (das wird sicher schwierig, aber das ist wohl zunächst besser, damit man nicht von vornherein alle Wege verbaut). Versuchen Sie, ihm positiv, mutmachend und freundschaftlich zu begegnen. Stresssituation vermeiden, Rechthabereien überspielen, denn der Appell an Vernunft und Einsicht oder gar Konfrontation mit den Defiziten würde im Falle einer Erkrankung NICHTS bewirken!!!!

      Dann alle Beobachtungen möglichst sachlich aufschreiben und fachlichen Rat suchen, falls Ihr Verdacht sich erhärtet.
      Mit den beim Beratungsgespräch gewonnenen Erkenntnissen den Hausarzt des Vaters um ein Gespräch bitten und wenn der nicht will, ihm eine schriftliche Information zukommen lassen.

      Vielleicht stellt sich ja heraus, dass es nur Überarbeitung, oder zu wenig Flüssigkeit oder sonstwas ist. Das wünsche ich Ihnen.

      LG, Eva Franziska


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      • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

        Liebe Sadsoul
        Liebe Eva Franziska

        Herzlichen Dank für die einfühlsamen und hilfreichen Antworten!
        Sie bestärken mich in meinem Plan, vorerst zu beobachten. Am letzten Wochenende habe ich meinen Vater indirekt auf seine Gesundheit angesprochen. Ich habe dazu seine eigene Technik gewählt. „Du siehst nicht gut aus, willst du darüber reden?“. Er meinte, er sei vielleicht etwas überarbeitet im Moment, und wollte dann offensichtlich nicht mehr darüber reden.
        Um den wirren der Krankheit meiner Mutter etwas zu entfliehen, beschränke ich mich auf zwei bis drei monatliche Besuche im Elternhaus. Mit meinem Vater telefoniere ich aber wöchentlich. Die Telefongespräche sind sehr ungezwungen und an keinem bestimmten Ziel orientiert. Wir plaudern über Gott und die Welt. Da bemerke ich so gut wie gar keine Auffälligkeiten (ausser, dass ich ihn ständig daran erinnere, dass ich ihn nicht verstehen kann, wenn er den Finger vor das Mikrofon des Hörers hält *zwinker*).
        Ich könnte mir vorstellen, die Besuche wieder zu intensivieren.
        Die Strategie mit der Info an den Hausarzt finde ich gut. Leider geht Papa erst dann zum Arzt, wenn er den Kopf schon fast unter dem Arm trägt. Er sagt, wenn er zum Arzt geht, sei er danach krank. Er flickt sich eine Wunde lieber selber mit Nähfaden zu, bevor er sich beim Doktor vorstellt. Das muss ich mir noch überlegen, wie das gehen könnte.
        Mein Vater ist zu Hause (wie auch bei der Arbeit) treibende Kraft. Er organisiert, strukturiert und fängt auf. Anscheinend funktioniert das alles soweit gut. Wie lange wohl?
        Ich befürchte, es bleibt nichts anderes, als den Punkt abzuwarten, an dem er darüber sprechen will oder gar selber dazu bereit ist, einen Arzt aufzusuchen. Ich werde bereit sein und mich als Unterstützung anbieten.

        Vielen herzlichen Dank!
        Ela

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        • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

          Hallo, liebe Ela,
          das hört sich klug und sehr menschlich an. Vielleicht ist er tatsächlich nur überlastet und die Krankheit der Mutter zehrt ja auch bestimmt. Je älter man wird, um so schwerer steckt man sowas weg.
          Wie auch immer es sich herauskristallisiert, ist sicher der beste Weg, wenn er in Ihnen eine freundschaftliche Unterstützung auf Augenhöhe hat.

          Ich muss an Richard Taylor denken, der sehr intelligent mit seiner Krankheit umgeht.
          Ein lesenswertes Interview mit ihm:
          http://www.fr-online.de/panorama/interview-mit-Alzheimer-patient--ich-bin-hier-derjenige--der-stirbt-,1472782,8451720("Punkt")html (habe es so geschrieben, weil das Forum evt. Internetadressen löscht)
          Kann auch das Buch sehr empfehlen.: Alzheimer und Ich − Leben mit Dr. Alzheimer im Kopf.

          Alles Gute, Eva Franziska


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          • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

            Hallo, Ela,
            falls es wirklich Alzheimer ist, ist doch sowieso nicht viel zu machen.

            Meines Erachtens gibt es zwei Möglichkeiten:
            Entweder er ahnt selbst, dass mit ihm etwas nicht stimmt und versucht das so lange wie möglich zu überspielen.
            Oder er hält seine Aussetzer tatsächlich für Folgen von Überarbeitung etc. Was ja durchaus möglich wäre.

            Im ersten Fall hätte er noch eine "Galgenfrist" bis zur unausweichlichen Diagnose. Ich würde ihm die gönnen, solange er sich und andere nicht gefährdet. Dann kann er sich noch eine Zeitlang einen kleinen Hoffnungsschimmer bewahren.
            Wenn es tatsächlich nur an Überarbeitung läge, würden ihm die Untersuchungen unnötig Angst machen, er würde sich ständig selbst beobachten.
            LG louisanne

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            • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

              Liebe Eva Franziska
              Vielen Dank für den Link. Das Interview ist von unglaublicher Kraft. Faszinierend und bewegend. Ich denke, ich werde mir das Buch kaufen.
              Was muss es für eine Erniedrigung sein, wenn das eigene Umfeld die Handlungsfähigkeit oder sogar die Gefühlswelt eines Menschen in Frage stellt? Ich möchte meinen Vater nicht verletzen! Ich hoffe, dass mir das gelingen mag.

              Liebe Louisanne
              Herzlichen Dank auch Ihnen für die Antwort. Ich finde die Aussage mit dem „Bewahren des Hoffnungsschimmers“ sehr schön. An dem halte ich mich auch gerne fest. Wir ziehen also an einem Strang, mein Vater und ich.
              Ich habe mich hier gemeldet, weil ich sehr unsicher war, ob ich mich mit dem „Entlarven“ der Ursache für das Verhalten meines Papas beeilen muss. Man liest und spricht immer wieder von der Wichtigkeit der Früherkennung. Ich selbst würde aus dem Bauch heraus eher die Befindlichkeit des Betroffenen in den Mittelpunkt stellen. Wann ist er soweit sich dieser Sache zu stellen..? Aber ich bin weder Medizinerin noch habe ich grossartig Erfahrung auf diesem Gebiet, als dass ich das beurteilen könnte. Ich möchte ihm ja keine Möglichkeiten verbauen, nur weil ich beschliesse mal abzuwarten.
              Ich bin sehr froh, dass ich mich an Euch gewendet habe. Dieser Austausch hat mir sehr geholfen!
              Nun übe ich mich in Geduld, intensiviere langsam die Besuche und schau, was die Zeit so bringt. Bis dahin klammere ich mich an den Schimmer der Hoffnung, der ja durchaus besteht.
              Herzlichst
              Ela

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              • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

                Liebe Leserinnen und Leser

                Nun ist es mehr als ein Jahr her, seit ich mich an Euch gewandt habe. Ich habe mich hier so gut beraten gefühlt, dass ich gerne erzählen möchte, wie es in unserer Geschichte weiter gegangen ist.


                Plangemäss habe ich meine Besuche im Elternhaus intensiviert. Ich habe die wöchentlichen Telefonate mit meinem Vater beibehalten und begonnen, immer öfter etwas „nur mit ihm“ zu unternehmen.
                Im letzten Jahr hatte mein Vater zwei Arbeitsunfälle. Eine der Verletzungen bedurfte grössere Abklärungen und Kontrollen im Krankenhaus. Es war schwierig, ihn zu einem vernünftigen Mass an Arztbesuchen zu animieren. Ich witterte jedoch die Gelegenheiten, den Hausarzt meines Vaters ins Vertrauen zu ziehen. Er war nicht sehr empfänglich für mein Anliegen.

                Meine Mutter bestätigte mir meine Beobachtungen in Bezug auf meinen Vater, indem sie plötzlich der Überzeugung war/ist, dass sie dement sei. Bei ihr sehe ich allerdings keinerlei Anzeichen. Ich treffe bei meinen Besuchen also eine Person, die Symptome einer Demenz aufweist und vorgibt, dass alles in Ordnung ist und eine, die glaubt, dement zu sein.
                Auch solche Situationen könnte man nützlich umsetzten, so habe ich mir gedacht; und habe vorgeschlagen, dass meine Eltern sich gemeinsam einer Untersuchung stellen könnten. Aber Mama hat zu viel Angst davor und Papa „braucht das ja nicht“.
                Also bleibt es dabei, wir schwimmen weiter so wie bisher.

                Mein Vater selbst, funktioniert in der Arbeitswelt immer noch sehr gut. Weil er ohnehin vor dem Pensionsalter steht, wird mehr und mehr sein Nachfolger in die verantwortungsvollen Aufträge und Entscheidungen mit einbezogen und so kann er mehr in Deckung gehen.
                Im Alltag läuft alles noch soweit im Rahmen. Obschon langsam aber sicher auch andere Familienangehörige und Freunde hellhörig werden. Interessanter Weise spielen alle irgendwie mit und tragen dazu bei, dass eine Art verrückte Normalität aufrechterhalten wird. Es ist spannend zu zuschauen, wie kreativ unangenehme Situationen aufgefangen werden. Wenn er beispielsweise in einem Jass-Karten Spiel beim Ausspielen der zweitletzten Karte „Uno“ ruft, hat bestimmt jemand einen Spruch parat, der die Situation rettet ohne, dass mein Vater richtig blossgestellt wird. Ich bin sehr dankbar für dieses Umfeld.
                Mittlerweile geht mein Vater damit recht cool um. Er ist eine Person, die um keinen Spruch verlegen ist und deshalb kriegt jeder sein Fett weg. Mehr und mehr, geht allerdings auch diese Schlagfertigkeit verloren.
                Ich beobachte auch, dass sich die Sprache meines Vaters zu verändern beginnt. Plötzlich benutzt er Dialektausdrücke aus dem Wortschatz seiner Mutter. Und immer öfter ersetzt er Worte durch Umschreibungen. Nennt den Schwingbesen beispielsweise das „unmotorisierte Handrührgerät“ u.s.w.
                Es scheint für ihn immer schwieriger zu sein, in Gesprächen zu folgen. Das merke ich an Antworten, die zwar meistens themenbezogen aber nicht auf dem Moment zugeschnitten sind. Er kann nicht mehr lange zuhören und adäquat reagieren oder wechselt im Satz das Thema. Letzthin, habe ich ihm am Telefon von einem Problem erzählt, dass mich sehr beschäftigt hat. Plötzlich sagt er, ganz aufgeregt: „hör zu, das ist nicht das grösste Problem der Welt, ich habe gerade die Eier trocken gekocht. Ich muss jetzt auflegen.“ So endete das Gespräch. Ich habe ihn wieder angerufen und ihm mitgeteilt, dass es sich bei den Eiern in der glühenden Pfanne wohl auch nicht um eine existentielle Sorge handle. Dann mussten wir beide herzlich lachen.
                Es wird mir schmerzlich bewusst, dass er - einer meiner engsten Vertrauten - nicht für ewig mein Ratgeber sein wird.

                Obwohl sich die Symptome ausgebaut haben, glaube ich zu beobachten, dass es meinem Vater heute „besser“ geht als vor einem Jahr. Er wirkt entspannter. Für den Moment hat sich alles etwas beruhigt und eingependelt.

                Ihr seht, die Bewegungen in unserem Leben sind nicht spektakulär und doch zeichnet sich etwas Unaufhaltsames ab.
                Ich habe mich dafür entschieden, mit meinem Vater im Moment zu leben und mir keine Prognosen auszumalen. Glücklicherweise gelingt es mir im Moment ganz gut, die Angst vor der Zukunft in die Zukunft zu verschieben.

                Ganz liebe Grüsse schicke ich Euch!

                Ela

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                • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

                  Liebe Ela,
                  "Ich habe mich dafür entschieden, mit meinem Vater im Moment zu leben und mir keine Prognosen auszumalen. "

                  Ich meine, das ist die richtige Einstellung. Ich würde ihn auch nicht zu Untersuchungen schleppen, es gibt ja sowieso keine Heilung. Höchstens ein kurzzeitiges Hinausschieben durch Medikamente, die auch noch Nebenwirkungen haben. Und letzten Endes kann es ja tatsächlich auch nur eine normale Altersvergesslichkeit sein, die bei ihm vielleicht etwas früher auftritt als bei anderen.

                  Ich kann mir vorstellen, wie Ihrem Vater zu Mute ist, und verstehe auch sein Verhalten, weil ich selbst befürchte, dement zu werden. Es liegt bei mir in der Familie.
                  Es ist oft qualvoll, ich beobachte mich selbst - ich bin verzweifelt, wenn ich etwas nicht finde oder mir ein Wort nicht einfällt. Noch kann ich das gut kaschieren, weil ich durch meinen Beruf einen reichen Wortschatz habe. Wenn ein Termin ansteht, werde ich unruhig, ich kontrolliere, ob ich die Haustür auch wirklich abgeschlossen habe usw. Auch die Arbeit ist stressiger, denn die Kollegen dürfen ja nichts merken, niemand darf es merken - ich muss perfekt sein.

                  Ich habe mich immerhin entschlossen, meinem Mann von diesen Ängsten zu erzählen. Das war für mich eine Erleichterung, er muss ja wissen, was möglicherweise auf ihn zukommt.

                  Vielleicht wird sich ihr Vater Ihnen anvertrauen, wenn die Last irgendwann zu schwer wird. Machen Sie ihm Mut, sagen Sie ihm, dass fast jeder mit zunehmendem Alter vergesslich wird, der eine mehr, der andere weniger - und dass ein altes Hirn, das schon so viel gespeichert hat, auch mal was "über Bord werfen darf"
                  Viele Grüße, Louisanne

                  Kommentar


                  • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

                    Liebe Ela,
                    "Ich habe mich dafür entschieden, mit meinem Vater im Moment zu leben und mir keine Prognosen auszumalen. "

                    Ich meine, das ist die richtige Einstellung. Ich würde ihn auch nicht zu Untersuchungen schleppen, es gibt ja sowieso keine Heilung. Höchstens ein kurzzeitiges Hinausschieben durch Medikamente, die auch noch Nebenwirkungen haben. Und letzten Endes kann es ja tatsächlich auch nur eine normale Altersvergesslichkeit sein, die bei ihm vielleicht etwas früher auftritt als bei anderen.

                    Ich kann mir vorstellen, wie Ihrem Vater zu Mute ist, und verstehe auch sein Verhalten, weil ich selbst befürchte, dement zu werden. Es liegt bei mir in der Familie.
                    Es ist oft qualvoll, ich beobachte mich selbst - ich bin verzweifelt, wenn ich etwas nicht finde oder mir ein Wort nicht einfällt. Noch kann ich das gut kaschieren, weil ich durch meinen Beruf einen reichen Wortschatz habe. Wenn ein Termin ansteht, werde ich unruhig, ich kontrolliere, ob ich die Haustür auch wirklich abgeschlossen habe usw. Auch die Arbeit ist stressiger, denn die Kollegen dürfen ja nichts merken, niemand darf es merken - ich muss perfekt sein.

                    Ich habe mich immerhin entschlossen, meinem Mann von diesen Ängsten zu erzählen. Das war für mich eine Erleichterung, er muss ja wissen, was möglicherweise auf ihn zukommt.

                    Vielleicht wird sich ihr Vater Ihnen anvertrauen, wenn die Last irgendwann zu schwer wird. Machen Sie ihm Mut, sagen Sie ihm, dass fast jeder mit zunehmendem Alter vergesslich wird, der eine mehr, der andere weniger - und dass ein altes Hirn, das schon so viel gespeichert hat, auch mal was "über Bord werfen darf"
                    Viele Grüße, Louisanne

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                    • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

                      Tut mir leid - gleich dreimal - das hat nix mit Demenz zu tun, sondern mit dem katastrophalen Server.

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                      • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

                        Liebe Louisanne

                        Herzlichen Dank für Ihre berührenden Worte!
                        Es tut mir sehr leid, dass Sie an sich Züge einer Demenz erkennen müssen. Ich stelle mir das ganz furchtbar vor. Und ich bewundere Ihren Umgang damit.
                        Ich habe von genetischen Tests gelesen, die man machen lassen kann. Käme so etwas für Sie in Frage?

                        Die letzten Monate waren etwas turbulent in unserer Familie. Meine Mutter hatte eine Krise und ich habe gemerkt, dass das mein Vater nicht mehr ganz alleine stemmen mag. Deshalb kommt meine Antwort erst jetzt.

                        Am letzten Wochenende hat mein Vater für uns gekocht. Es gab Salat aus der Auflaufform und Gratin aus dem Römertopf. Die Salatsauce war (experimentell) mit Holunderblütensirup veredelt – ein echter Geheimtipp

                        Vielen Dank für Ihre Offenheit, Louisanne. Ich würde mich sehr freuen, wieder von Ihnen zu lesen.

                        Liebe Grüsse
                        Ela

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                        • Re: Beobachtungen ansprechen? ...aber wie?

                          Liebe Ela,
                          experimentell, neue deutsche Küche - hört sich echt gut an. Aber das ist keine Frage des Alters. In den ersten Ehejahren hat mein Mann mich auch ab und zu mit ungewöhnlichen Kompositionen verwöhnt - da muss man tapfer sein und die Gesichtszüge in Zaum halten.
                          Re: genetische Tests
                          Ich trau mich nicht - klar, wäre es toll, wenn herauskäme, dass alles ok ist, aber wenn nicht ... tja, dann wäre auch das letzte kleine Fitzelchen Hoffnung weg (das ich an guten Tagen doch manchmal noch habe).
                          Liebe Grüße, louisanne

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