Startseite > Foren > Forum Narkose & örtliche Betäubung > Bewußtlosigkeit, Krampfanfälle nach Narkose
Hallo, ich bin neu im Forum und habe eine Frage.
Ich bin internistisch neurologisch, bis auf eine Migräne (2x/ Jahr) gesund. Ich nehme keine Medikamente ein.
2007 (38 Jahre alt) hatte ich eine Vollnarkose bei eienr Gebärmutterentfernung. Die OP sei komplikationslos verlaufen. Voroperationen in Vollnarkose in den Jahren zuvor waren stets komplikationslos. In der sogenannten Ausleitungsphase der Narkose (u.a. Fentanyl) erlangte ich nicht wieder das Bewußtseins und hatte noch auf dem OP-Tisch einen cerebralen Krampfanfall. Ich sei etwas ateminsuffizient gewesen. Ich erhielt sofort 1 Ampulle Neostigmin, Atropin, Solu-decortin, Bronchoparat und 0,5ml Anexate. Dennoch erlangte ich nicht das Bewußtseins und zeigte rezidivierende cerebrale Krampfanfälle, so dass ich auf die Intensivstation verlegt werden musste. Dort hätte ich in den zahlreichen Krampfanfällen hohe Dosen an Medikamenten gebraucht (15mg Dormicum und 20mg Diazepam im Anfall, sowie 1-2 Ampullen Rivotril, das ganze mehrfach täglich). Nach 19 Stundenpostoperativ erlangte ich wieder das Bewußtsein, hatte im Anschluss noch 2 Wochen Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, habe mich im Anschluss komplett von diesem Narkoseereignis erholt.
Eine neurologische Untersuchung, einschließlich MRT (sehr große Cisterna magna (wohl eine Normvariante), sonst unauffällig), EEG: (konnte im Anfall nicht geschrieben werden) nicht wegweisend, keine Zeichen einer Epilepsie, theta-Herd frontal bei Sedierung. Später ambulantes Kontroll-EEG unauffällig.
Man sagte mir damals, dass man nicht wisse, was die Ursache für dieses Ereignis gewesen sei, es vielleicht ein "Exizationsereignis" (ich weis nicht, ob ich das Wort richtig schreibe), ein Durchgangssyndrom gewesen sei.
Nun muss ich eventuell eine Gallenblasenentfernug durchführen lassen und habe natürlich große Angst, dass sich wieder Narkosekomplikationen ergeben könnten.
Kann das passieren? Wäre es sinnvoll, postoperativ auf der Intensivstation beobachtet zu werden? Wären theoretisch ambulante Operationen in Tageskliniken/ Arztpraxen, in Vollnarkose, ein Risiko? (fehlende Intensivstationsmöglichkeiten)?
Kennt jemand solche Symptome nach einer Narkose? Was ist das?




Hallo Kathys,
leider birgt jede Narkose ein potentielles Risiko. Was genau die Ursache bei Ihnen war, wird man nun im Nachinein leider nicht sagen können. Sie schreiben auch nicht mit welchem/n Mittel/n die Narkose geführt wurde. Aber lassen wir dies dahingestellt, an Ihrer Position würde ich ambulante OPs nicht in Erwägung ziehen. Sicher sind diese Ärzte mit Notfallmedis und Geräten ausgerüstet, denn sonst dürften sie derartige Dinge nicht tun. Da es aber eben diesen Zwischenfall gab, würde ich derartige OPs nicht erwägen. Eine Klinik mit Intensivstation bietet hier eine bessere Versorgung und auch schnellere Wege im Bedarfsfall. wobei man nicht sagen kann, dass bei der nächsten Narkose erneut derartige Symptome auftreten müssen.
Ob hier eine Exsikkose die Ursache war -kann man von außen her nicht sagen.
Auf jedem Fall würde ich vorsichtig an die bevorsthende narkose herangehen. Wichtig wäre es, dem narkosearzt davon eingehend zu berichten. Somit kann er sich von vornherein auf dies Situation einstellen. Auch kann er durch Infusionen vorbeugen.
Alles Gute!
LaSa


Hallo,
vor geplanter Narkose wäre Einsichtnahme in die Kopie des damaligen Narkoseprotokolls bzw. in die Dokumentation der Intensivtherapie hilfreich. Sie sollten sich diese aushändigen lassen.
Vor ambulanten Einrichtungen würde ich in Ihrem Fall dringend abraten.
Gruß
---MarcEN---
Hallo MarcEN,
das ist ein guter Tipp. Erhalte ich denn solche Protokolle einfach so in der Klinik?
Gruß
Kathys


Hallo Kathys,
ja - Sie haben ein Anrecht auf diese Unterlagen in Kopie (gegen Erstattung der Kosten).
Und noch ein Tipp: machen Sie einen Termin mit dem zuständigen Oberarzt aus und lassen Sie sich alles nochmals erklären. Mit etwas Abstand zu den Ereignissen sehen alle Beteiligten es i. d. R. nüchterner und sachlicher.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei.
---MarcEN---
okay, das werde ich machen!
Vielen Dank und beste Grüße
kathys
Hallo MarcEN,
ich habe heute die Narkoseunterlagen von damals erhalten.
Leider ist alles handschriftlich verfasst und die Schrift ist schwierig zu entziffern.
An Medikamenten habe ich damals (2007), als TIVA, folgende Medikamente erhalten:
-Sufentanil
-Ethomidat
-Propofol
-Cisatracurium
Intraoperativ erhielt ich zusätzlich
-Clont
-Cefuroxin
-2x 0,5mg Atropin
Laut Bericht sei ich bei der Ausleitung der Narkose nicht wach geworden und hätte nicht ausreichend eine Spontanatmung gehabt.
Daraufhin hat man mir folgende Medikamente gespritzt (wobei die zeitliche Abfolge nicht dokumentiert ist):
-Atropin 0,5mg
-Bronchoparat 10ml
-Anexate 2x 0,5mg
-Neostigmin 2 Ampullen
-Solu-Decortin 100mg
Unmittelbar nach der "Antagonisierung" hätte ich noch auf dem OP-Tisch einen tonisch-klonisch generalisierten Krampfanfall gehabt, der mit einer Sedierung mit 20mg Diazepam und 15mg Dormicum behandelt wurde. Im Anschluss daran sei ich auf die Intensivstation verlegt worden, wo sich die generalisierten Krampfanfälle mehrfach wiederholt hätten, sowie psychomotorische Unruhezustände nach den Krampfanfällen. Ich habe in diesen Anfällen Diazepam, Rivotril und Dormicum i.v. erhalten, hätte sehr hohe Dosierungen davon benötigt. Insgesamt sei ich 25h ohne Bewußtsein gewesen.
Bei der Verlegung auf die Intensivstation hätte ich sehr enge Pupillen gehabt.
Das EEG habe man versucht, am Monitor zu schreiben, was nicht funktioniert habe. Erst am Folgetag, als ich endlich wach wurde, habe man ein EEG schreiben können, wo sich keine Krampfpotentiale gezeigt hätten. Ich habe keinerlei Erinnerungen an die Zeit nach der OP bis zum nächsten Morgen.
Ich habe vorder OP nie Medikamente eingenommen, trinke nicht und habe noch nie Drogen genommen. Ich bin ansonsten kerngesund, insbesondere habe ich keine Krampfanfälle.
Was das jetzt war, was die Ursache dieses Narkoseereignisses war, konnte man mir leider nicht beantworten.
Nun steht ja leider eine unumgängliche OP (Gallenentfernung, bei Choledochuslithiasis) an. Ich habe schreckliche Angst, dass bei
der Narkose wieder etwas passiert, ich vielleicht gar nicht mehr aufwache oder Hirnschäden davontrage.
Können Sie mir einen Rat geben????????
Beste Grüsse
kathys


Hallo Kathys,
nach Durchsicht der Unterlagen sende ich Ihnen die Antwort an Ihre Mailadresse.
Gruß
---Marc-EN---


Es wäre ganz reizend, wenn man nach Durchsicht und ausführlicher Kommentierung der Unterlagen wenigstens eine Rückmeldung in Form einer Lesebestätigung erhielte.
---MarcEN---
Hallo Kollega,
daß eine fachlich fundierte Stellungnahme ggfs. auch mit einigem Aufwand und Nachdenken verknüpft ist, ist manchen Nutzern dieses Forums leider nicht bewußt. Deshalb bitte nicht wundern!
Kollegiale Grüße
F. V.
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