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Forum: Männergesundheit

Eröffnungsbeitrag des Themas:

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  • (2131 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Hallo Herr Dr. Kreutzig,


bei mir wurde links eine Varikozele Grd. III und rechts Grd. I-II diagnostiziert.
Bei unterschiedlichen Untersuchern (Urologe, Krankenhaus) wurde festgestellt, dass mal beide und mal nur der linke Hoden verkleinert sind.


Bisher wurden vier SG gemacht, die abhängig vom Untersucher unterschiedlich aber pathologisch ausgefallen sind:


Dezember 2006:
(KiWu)
Vol.: 2,7 ml
ph: 7,2
Dichte: 50 Mio/ml
Motilität:
a: 10 %
b: 35 %
c: 15 %
d: 40 %
Morphologie (strict criteria):
7 % Normalformen
Diagnose: Asthenozoospermie Grd. I, Teratozoospermie Grd. II


März 2007:
(Urologe)
Vol.: 2,5 ml
Dichte: 5 Mio/ml
Beweglichkeit: 20 %
schnell: 10 %
Morphologie (nach WHO):
40-50 % Normalformen
Diagnose: Oligozoospermie


Mai 2007:
(Urologe)
Vol.: 2,0 ml
Dichte: 10 Mio/ml
Morphologie (nach WHO):
20-30 % Normalformen
Diagnose: Oligozoospermie


Mai 2007:
(KiWu)
nativ/ nach Swim-up / nach 24 h
Vol.: 2,2 ml
ph: 7,0
Dichte: 83 Mio/ml /55 Mio/ml
Motilität:
a: 8 % /45 % / 20 %
b: 37 % / 50 % / 60 %
c: 10 % / 2 % / 5 %
d: 45 % / 3 % / 15 %
Morphologie (strict criteria):
6 % Normalformen


TZI: 1,53
SDI: 1,44
FSH: 4,28
LH: 3,33
Testosteron: 6,22
Diagnose: Asthenozoospermie Grd. I, Teratozoospermie Grd. II


Kann es sein, dass unbehandelt eine Azoospermie eintritt oder beide Hoden vollständig wegschrumpfen oder ist das jetzt das "Endstadium" ?


Von allen Ärzten wurde mir eine Operation oder Verödung angeraten.
Je nach SG (Urologe oder KiWu) ist die Ausgangslage ja recht unterschiedlich.
Wie können die Werte so schwanken und welche stimmen denn nun ?


Außerdem stellt sich mir die Frage, welche Operation/Verödung bei beidseitiger Varikozele die geeigneteste ist.
Ich habe die Befürchtung, dass vielleicht nur der rechte Hoden noch produziert.
Das Risiko einer Hodenschädigung sollte bei der OP/Verödung also äußerst minimal sein !


In Hamburg wird in mehreren Krankenhäusern die antegrade Sklerosierung favorisiert.
Jetzt habe ich aber gelesen, dass es durch das Verödungsmittel auch zu einer Hodenatrophie kommen kann, wenn etwas davon in eine Arterie gelangt.
Es kann auch zu einer Nebenhodenentzündung kommen und dann wär' der Hoden ja auch hin, oder ?
Wie häufig sind denn solche Komplikationen ?


Im Krankenhaus vor Ort wird nur die Schnitt-OP (nach Bernardi/Palomo) durchgeführt.
Das Problem dabei ist, dass bei ungünstiger Lage evtl. neben den Hodenvenen auch die Hodenarterie durchtrennt wird.
Da der Hoden von zwei weiteren Arterien versorgt wird, sei das nicht so schlimm.
Aber trotzdem kommt es in sehr seltenen Fällen dann doch zur Hodenatrophie.


In einigen Hamburger Krankenhäusern wird auch die laparoskopische beidseitige Varikozelenligatur durchgeführt.
Die Risiken scheinen aber wohl die gleichen zu sein wie bei der Schnitt-OP.


Die retrograde Sklerosierung scheint mir in Bezug auf Hodenschädigung eine sichere Methode zu sein.
Der Radiologe kann sich ja mit dem Katheter von der Oberschenkelvene aus nicht in die Hodenarterie verirren - dann müsste er schon durch die Niere gehen ...
Eine Hodenschädigung ist bei diesem Verfahren doch kaum möglich, oder ?


Auch die mikrochirurgische Varikozelenligatur nach Ivanissevich ist doch eigentlich eine sichere Methode, da hier die Hodenvenen von der Hodenarterie gut unterschieden werden können ?


Leider ist mir nicht bekannt, wo in Hamburg und Umgebung die retrograde Sklerosierung oder die mikrochirurgische Varikozelenligatur durchgeführt werden.
Wissen Sie das ?
Oder wie/wo man das außer google evtl. noch herausfinden kann ?


Ich bin völlig verzweifelt und unentschlossen, da bei Nichthandeln wohl eine Verschlechterung bis hin zur Azoospermie droht und bei Wahl der falschen OP-/Verödungstechnik das gleiche.
Wie soll ich mich da als Laie/Patient entscheiden ?


Gibt es für beidseitige Varikozelen bei evtl. nur einem funktionsfähigen Hoden und Kinderwunsch eine allgemeingültige Therapie-Empfehlung ?


Vielen Dank schon mal im Voraus.

Antworten zu diesem Thema:

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Autor
Datum
  • (687 mal gelesen)
  • Status: Experte

Ich würde in jedem Fall eine Behanndlung machen!
Welche Op hängt immer davon ab wer es wie gut kann. In HH kenn ich mich dazu wirklich nicht aus. In Ulm und Freinburg gbt es sehr gute Erfahrugen mit der Sklerosierung. Auch die anterograde Sklerosierung nach Tabber (machen wir auc in der Praxis) ist eine Variante...


Lieben Gruß


Dr. T. Kreutzig

  • (432 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Vielen Dank für die schnelle Antwort.


Kann eine Varikozelenbeseitigung bei den SG denn noch etwas bringen oder sind hier die OP-Risiken größer als der Nutzen ?


Ich hab gelesen, dass bei der antegraden Sklerosierung die Nebenhodenentzündung die häufigste Komplikation sein soll. Das würde ja dem eigentlichen Sinn dieses Verfahrens widersprechen, da man ja die Fruchtbarkeit erhalten/wiederherstellen möchte.
Kommt das in der Praxis tatsächlich so häufig vor ?
Kann man dieses Risiko irgendwie senken ?


Eine spezielle Vorgehensweise bei bds. Varikozele gibt es nicht ?


Wieviel Zeit bleibt mir denn noch für eine Entscheidung bzw. wie schnell können sich die Werte denn jetzt verschlechtern ?


Mit freundlichen Grüßen


Frank

  • (475 mal gelesen)
  • Status: Experte

Ziel der Therapie ist es, die Verschlechterung des Spermiogramms zumindest zu stoppen.
Zu den Risiken kann man individuell nie etwas sagen! Statistik gilt NIE für den Einzelfall (hier gilt 100% oder 0%).
Sicher ist nur, daß es MIT Varicocele NICHT besser werden wird.


Lieben Gruß


Dr. T. Kreutzig

  • (399 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Wahrscheinlich wird es mit Varikozelen wohl noch schlechter. Deshalb sollen die ja auch entfernt werden, aber auch mit möglichst geringen Risiken !


Bei einseitiger Varikozele mit schlechtem SG sind die Risiken ja noch vertretbar, da selbst bei (Funktions-)Verlust eines Hodens, der andere das noch kompensieren kann und sich vom Hitzestau der gegenüberliegenden Varikozele erholen kann.
Also eine Win-Win-Situation. Hier sind die Risiken vertretbar.


Bei beidseitiger Varikozele und zwei funktionsfähigen Hoden würde man erst die eine und bei Erfolg dann die andere Seite operieren/veröden.
So würde wenigstens ein funktionsfähiger Hoden gerettet werden.


Bei beidseitiger Varikozele und evtl. nur einem funktionsfähigen Hoden ist man aber auf ein komplikationsarmes Verfahren angewiesen.


Bei antegrader (und wohl leider auch retrograder) Sklerosierung besteht ein Risiko für Entzündungen und bei der Schnitt-OP (auch mit Laparoskop) ist die Hodenarterie gefährdet.


Wirklich komplikationsarm ist wohl nur die mikrochirurgische Varikozelenligatur, da hier nicht direkt am Hoden operiert wird und die Hodenarterie erhalten bleibt. Dieses Verfahren wird auch in verschiedenen Studien gelobt, aber wo wird das gemacht ???


Mit freundlichen Grüßen


Frank

  • (402 mal gelesen)
  • Status: Experte

Sorry, ich kann Ihnen da keine Adresse nennen. Es dürfte aber überall dort gemacht werden, wo auch lapraskopisch operiert wird. Die Indikation ist bei beidseitiger VC auch nicht anders zu sehen als bei einseitiger. Das "statistische" Risiko ist für jenen Hoden gleich...


Lieben Gruß



Dr. T. Kreutzig

  • (303 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Zwar ist das statistische Risiko für jeden Hoden gleich. Allerdings ist das Risiko für Zeugungsunfähigkeit durch OP-Komplikationen bei beidseitigen Eingriffen stark erhöht !


Mir ist kein Krankenhaus in Hamburg bekannt, an dem die mikrochirurgische Varikozelenligatur durchgeführt wird - laparoskopische dagegen schon.
Bisher habe ich herausgefunden, dass nur die Med. Uni Gießen und die Paracelsus Klinik in Düsseldorf diese OP durchführen.


In einem OP-Blatt zur antegraden Sklerosierung wird Patienten mit Kinderwunsch eine Sperma-Kryokonservierung empfohlen - also kann diese OP ja nicht so ganz ohne sein !?!?


Schade, dass es im 21. Jhd. anscheinend nicht möglich ist, so eine kleine Ader stillzulegen und den Hoden gleichzeitig zu schonen :-(


Vielen Dank für Ihre Informationen.


Mit freundlichen Grüßen


Frank

  • (343 mal gelesen)
  • Status: Experte

Ich hatte zum OP-Risiko ja bereits Stellung bezogen. Das Risiko für die Zeugungsfähigkeit ist für die Varicocele höher als durch die Op (dazu gibt es auch keine Zahlen). Ich wiess auch nicht woher Sie Ihre Informationen beziehen. Ich habe das Gefühl, sie brauchen eigentlich Unterstützung bei IHRER Entscheidung. Denn ei ist in 21 Jahrhundert durchaus möglich eine "Ader stillzulegen". Aber eben nie ohne Risiko. Über eben dies muss in der Medizin aufgeklärt werden. Wenn Sie über die Strasse gehen gibt es auch ein (kleines) Risiko zu sterben... Sie müssen dafür nur nicht unterschreiben....
Wenn irgendwo ein Rat zu einer Kryokonservierung steht, ist dadurch nicht automatisch auf das Risiko rückschließen!


Lieben Gruß


Dr. T. Kreutzig

  • (306 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Meine Informationen habe ich aus verschiedenen Studien und Doktorarbeiten zum Thema Varikozelen-OP, die im Internet abrufbar sind (weiß nicht, ob ich hier Links angeben darf) und aus den Gesprächen mit Urologen/Chirurgen, die diese OP durchführen.


In einer Studie habe ich gelesen, dass es in bis zu 5 % bei antegrader Sklerosierung zu einer Nebenhodenentzündung mit anschließend einer Hodenentfernung gekommen ist. Bei evtl. nur einem funktionsfähigen Hoden wäre das Risiko dann also 1:20, niemals eigene Kinder zu haben.
In meinem Leben habe ich bestimmt schon mehr als 20 Straßen überquert (ohne Unterschrift) und es ist niemals etwas passiert.


Bei dieser Entscheidung geht es um ALLES ODER NICHTS !
Mit den Folgen müsste ich den Rest meines Lebens klar kommen.
Wer könnte mich bei dieser Entscheidung unterstützen ?


Mit freundlichen Grüßen


Frank

  • (318 mal gelesen)
  • Status: Experte

Ich weiss nicht, was ich noch für Sie tun kann. Sie sollten eine Entscheidung treffen. OP zuerst mal links!
Lieben Gruß


Dr. T. Kreutzig

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