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Liebe ForumsteilnehmerInnen,
in letzter Zeit habe ich häufiger Informationen über Selen gefunden, die aber zum Teil widersprüchlich war. Die einen raten dazu, Selen in Tablettenform einzunehmen, weil in der modernen Nahrung nicht genug vorhanden sein soll, die anderen warnen vor Selensubstitution, weil niemand weiß, wieviel wirklich gesund ist und ab wann es toxisch wird. Zu wenig Selen allerdings scheint auch für den Körper schädlich zu sein. Was soll man also tun? Ich lebe seit Jahren vegetarisch, habe Normalgewicht, achte auf Vollkorn, Obst Gemüse und esse oft fettarme Milchprodukte.
Herzlichen Dank schon mal für alle, die mir hierauf antworten.
Sina
Wenn Du Dich wohlfühlst, fehlt Dir wohl nichts, auch kein Selen!
Hallo Sina!
Selen gehört zu den Spurenelementen und ist in tierischen wie pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Entdeckt wurde es 1818. Das es im menschlichen Körper ebenfalls vorkommt stellte man allerdings erst 1975 fest.
Nun zur Funktion und Vorkommen:
Selen ist ein Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxidase, das in menschlichen Zellen vorkommt und diese vor der Entstehung zellschädigender freier Radikale schützt. Selen ist außerdem am Stoffwechsel der Schilddrüse beteiligt. Zudem bindet Selen Schwermetalle wie Kadmium, Blei, Arsen und Quecksilber, sodass diese den Körperzellen weniger Schaden zufügen können. Selen spielt auch im Immunsystem eine Rolle, es stärkt die Immunabwehr.
Gute Selenquellen sind (Angaben beziehen sich auf 100g) Nahrungsmittel:
Fisch bis 140ug; Fleisch bis 400ug;Getreide bis 2000ug (z.B. Gerstenkorn); Nüsse bis 40ug; Hülsenfrüchte bis 45ug.
Der geschätzte Wert für eine angemessene Zufuhr liegt bei Erwachsenen zwischen 30 - 70 ug pro Tag.
50 -90% werden im oberen Dünndarmabschnitt aufgenommen, ausgeschieden hauptsächlich über den Harn. Der Körperbestand an Selen liegt bei 10 - 15 mg, der größte Teil befindet sich in der Muskulatur , aber auch inLeber, Nieren und Herz.
Beim Einkauf von Lebensmitteln sollten Produkte aus biologischem Anbau bevorzugt werden. Allerdings ist mir bewusst, dass man sich darauf auch nicht 100%ig verlassen kann. Pflanzen aus biologischen Anbau dürfen nicht mit schwefelhaltigen Düngemitteln behandelt werden, daher enthalten sie mehr Selen. Bei schwefelhaltiger Düngung nehmen die Pflanzen anstelle von Selen vorrangig Schwefel aus dem Boden auf. Da vor allem Getreideprodukte (insbesondere Vollkorn) und Fleisch reich an Selen sind, sollte auf eine ausreichende Zufuhr dieser Nahrungsmittel geachtet werden. Allerdings Fleisch nicht im Überkonsum. Die Vitamine A,C und E verbessern die Bioverfügbarkeit von Selen und sollten auch ausreichend in der Nahrung vorhanden sein.
Mangelerscheinungen:
Selen kommt in manchen Böden nur in geringer Konzentration vor, insbesondere der mit Schwefeldioxid belastete saure Regen sowie die schon genannten schwefelhaltigen Düngemittel tragen dazu bei, dass Pflanzen weniger Selen und stattdessen mehr Schwefel aufnehmen. In manchen Gebieten (insbesondere betimmte Gegenden in China) kann es zu Selenmangel kommen. außerdem bei chronischen Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und bei Niereninsuffizienz (Nierenschwäche). Zu den Symptomen eines Selenmangels zählen Veränderungen an den Nägeln und eine geringe Pigmentierung der Haare. Man vermutet auch dass Selenmangel auch an der Trübung der Augenlinse beteiligt ist.
Ein Selenmangel kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden (muß privat bezahlt werden).
Ein Überschuß an Selen, d.h. langandauernde zu hohe Zufuhr von mehr als 8ug pro Kilogramm Körpergewicht kann zu Haarausfall, Leberschäden bis zur Leberzirrhose, Herzmuskelschwäche und Nervenstörungen führen. In der Regel werden über die Nahrung jedoch keine so hohe Dosen aufgenommen.
Es wird zur Zeit diskutiert, ob die Gabe von Selen bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises hilfreich sein kann. Ergebnisse medizinischer Studien deuten darauf hin, dass Selen eine vor Krebs schützende Wirkung hat.
Liebe Sina, wenn Sie mir bis hierhin gefolgt sind, wrden Sie sicherlich erkennen, dass Sie keine Tabletten zusätzlich nehmen müssen. Eine ausgewogene Lebensmittelauswahl deckt den Selenbedarf und schützt vor zuviel Selen.
Viele Grüße
G. Walter-Friedrich (medicine-worldwide)
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