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Forum: Brustkrebs

Eröffnungsbeitrag des Themas:

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(1029 mal gelesen)
Status: Med-Beginner Stern

Sehr geehrter Herr Dr. Glöckner,


momentan bin ich total ratlos, vor 8 Jahren bin ich an Brustkrebs erkrankt und damals wurde mir die linke Brust abgenommen. Es folgte Chemo und Bestrahlung. Da meine Periode nach der ersten Chemo weggeblieben ist, mußte ich damals kein Tamoxifen oder ähnliches nehmen. Ich leide bis heute unter starken Hitzewallungen und ein Hormonspiegel vor einer Woche hat ergeben, daß ich die Wechseljahre hinter mir habe. Nun bin ich erneut an Brustkebs erkrankt, jetzt die rechte Brust. Ich bin brusterhaltend operiert worden, obwohl ich die Brust entfernt haben wollte, da Zweiterkrankung und ich eh eine Minibrust habe.Ich würde mich dann einfach sicherer fühlen. Zum Glück konnte der Tumor restlos entfernt werden, Ränder frei bis ins Gesunde. Die Ärzte meinten wohl sie würden mir Gutes tun, wenn sie brusterhaltend operieren. Mein Tumor ist wie beim ersten Mal hormonabhängig.
ER:pos.(IRS12)
PR:pos.(IRS6)
Tumorformel: pT1c pNO (O/2sn) cMO L1 VO RO G2
Nun meine eigentliche Frage: Ich soll jetzt eine Hormonentzugstherapie machen um dem Körper auch die Östrogene zu entziehen, die im Fettgewebe sitzen. Wie gesagt mein Hormonspiegel ist schon ganz unten und ich fühle mich wie eine alte Frau, bin 50 Jahre alt. Ich war auch immer sehr sportlich, bis zu meiner Erkrankung. Heute bin ich 1,75 und wiege 62 Kilo. , also auch sehr schlank. Macht diese Therapie da Sinn? Ich würde gerne darauf verzichten, zu gunsten einer besseren Lebenqualität.
Wie würde es sich verhalten,wenn ich mir die Brust doch noch entfernen lasse, müßte ich dann trotzdem Tamoxifen oder ähnliches nehmen?
Zudem kommt, wie ich gestern in der Klinik erfahren habe, daß ich keine Bestrahlung gebraucht hätte, wäre die Brust entfernt worden.


Nur zum Verständniss meines geschriebenen, es geht mir nicht nur um jeden Preis weiterzuleben, sondern um ein noch einigermaßen annehmbares Weiterleben. Durch die viel zu plötzlich einsetzenden Wechseljahre, habe ich alle Nebenwirkungen, wie nicht schlafen können, meine Migräne hat sich so verschlimmert, daß ich im Monat bis zu 15 Anfälle habe, die ich nur noch mit Triptanen behandeln kann,(bin austherapiert) Gelenkschmerzen, Depressionen usw.
Wenn das nun alles noch schlimmer wird, weiß ich wirklich nicht ob ich das möchte.


Für Ihre Antwort bedanke ich mich schon im voraus.


Lieben Gruß
Schneeflocke


PS: Den Verlust meiner ersten Brust habe ich von Anfang an gut weggesteckt und ich hätte überhaupt kein Problem mit der Entfernung der Zweiten, wenn dadurch eine für mich größere Sicherheit einer Dritterkrankung erreicht würde und ich nicht so viel Therapien danach hätte.

Antworten zu diesem Thema:

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Autor
Datum
D. Glöckner
(434 mal gelesen)
Status: Experte

Das Problem ist, dass man vor der OP nicht immer sagen kann, ob man bestrahlen muss. Bei der brusterhaltenden Operation ist es klar: Man muss. Bei der Entfernung der Brust kann es sein.
Nun ist klar, dass es nicht notwendig gewesen wäre...
Trotzdem hätte ich Ihnen nichts Anderes empfohlen.


Die antihormonelle Behandlung sollten Sie auf jeden Fall machen. Zusammen mit der Bestrahlung haben Sie dann eine gute Chance nichts mehr davon zu hören.
Andererseits wäre die Behandlung, nur ohne Bestrahlung, auch nach Entfernung der Brust genau identisch.
Auch das Risiko einer erneuten Erkrankung, wie jetzt, oder eines Rezidivs ist so nicht, bzw. nicht viel höher als ohne Brust.
Und sollte es doch mal zu einem Rezidiv in der Brust kommen, kann man sie dann immer noch entfernen.
Hinsichtlich der Heilungschancen besteht auch dann insgesamt gar kein Unterschied.


Daher ist für mich ein Leben mit Brust (bei eben gleichem Risiko) besser als ohne.

(336 mal gelesen)
Status: Med-Beginner Stern

Sehr geehrter Herr Dr. Glöckner,


vielen Dank für die schnelle Antwort. Eines ist mir aber noch unklar. Es soll auch geprüft werden, ob der Krebs genbedingt ist. Sollte ich hier positiv getestet werden, müßte die Brust auch entfernt werden. Nun rät man doch Frauen, die ein erhöhtes genbedingtes Brustkrebsrisiko haben ihre Brüste zu entfernen. Warum, wenn die Heilungschance oder das Rückfallrisiko mit oder ohne Brust gleich ist.


Gruß Schneeflocke

D. Glöckner
(328 mal gelesen)
Status: Experte

Die Untersuchung auf eine genetische Disposition ist eigentlich nur angezeigt, wenn mehrere eng verwandte Frauen oder ein Mann auch Brustkrebs hatten, oder in einem sehr frühen Alter.


Die Entfernung der Brustdrüse bei Frauen mit einem hohen Risiko für Brustkrebs ist eine vorbeugende Maßnahme. Man entfernt also völlig gesunde Brustdrüsen.


Sollte man nach einer Untersuchung ein solches Risiko bei Ihnen finden, könnte man über eine Entfernung nachdenken. Ich würde dann sogar überlegen, die Eierstöcke zu entfernen, da auch das Risiko eines Eierstockkrebses in diesem Fall erhöht wäre.

(287 mal gelesen)
Status: Med-Beginner Stern

Ein Eierstock wurde mir schon entfernt, wegen Verdacht auf Tumor. War aber zum Glück nichts. Deshalb warscheinlich auch meine starken Wechseljahrsbeschwerden. Daher auch meine Zweifel bezüglich der AHT.
Ich bin immer noch am zögern, ob ich auf eine Entfernung der Brust bestehe, oder die geplante Bestrahlung anfange aber auf die AHT verzichte und eine dichte Nachsorge MRT usw. anstrebe und beim kleinsten Tumor oder wie von Ihnen auch gesehen, nach genetischer Disposition sofort die Brust entfernen lasse. Alles unter dem Aspekt Risiko-Nutzen und Lebensqualität.


Gruß Schneeflocke

D. Glöckner
(311 mal gelesen)
Status: Experte

Der Aspekt Risiko-Nutzen und Lebensqualität ist wichtig.
Ich denke aber, dass Sie wahrscheinlich kaum zusätzliche Probleme durch die AHT hätten.
Zwischen einer nochmaligen Operation und der Bestrahlung jetzt zu entscheiden, halte ich für problematisch. Da sollten Sie dann die Genetik abwarten.

(242 mal gelesen)
Status: Med-Beginner Stern

Sehr geehrter Herr Dr. Glöckner,
vielen Dank für die Antwort. Bis zur Genetik dauert es ja eine ganze Weile. Langsam nehmen sie mir etwas die Angst vor der AHT. Meine Ärztin meinte, wenn ich die AHT mache, muß ich zusätzlich Bisphosphonate nehmen, da bei mir eine Osteopenie festgestellt wurde. Nun sind ja die Bisphosphonate auch nicht gerade gut "verdaulich".
Sie meinte auch, bevor ich die AHT wegen den Bisphos. ablehne, wäre es ihr noch lieber, ich nehme Tamoxifen, da man hier keine Bisphos. geben muß. Tamoxifen würden aber nach dem heutigen Stand nicht so gut wirken.
Stimmt das? Was meinen Sie dazu?
Ihre Meinung ist mir sehr wichtig. Vielen Dank!
Was halten Sie eigentlich von der Brachytherapie (mit Schläuchen, die 3-5 Tage in der Brust bleiben) bei einer sehr kleinen Brust-AA-. Ich habe Angst daß die Brust dermaßen zerstochen wird (es war ja auch schon Stanze), daß sie mehr Schaden nimmt als Nutzen. Eventuell doch nur normale Bestrahlung?


Lieben Gruß Schneeflocke

D. Glöckner
(294 mal gelesen)
Status: Experte

Die Brachytherapie wird derzeit nur an wenigen Zentren durchgeführt, könnte aber mal eine Alternative zur herkömmlichen Bestrahlung werden.


Die Antihormontherapie kann man mit Tamoxifen oder Aromatasehermmern machen. In Einzelfällen kann es bei den Aromatasehemmern sinnvoll sein, Bisphosphonate zusätzlich zu geben. Die Veträglichkeit der Aromatasehemmer, wie auch der Bisphosphonate, ist gar nicht so schlecht wie oft befürchtet. Auch Tamoxifen ist immer noch eine echte Variante. Die Aromatasehemer sind in Studien zwar stärker wirksam, was aber bislang kein Grund ist, Tamoxifen völlig zu verlassen.

(230 mal gelesen)
Status: Med-Beginner Stern

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Werde mir nun anhand Ihrer Antworten nochmals alles gur überlegen und hoffentlich die für mich richtige Entscheidung treffen.
Abschließend noch eine letzte Frage.
Bei mir will man nun 36 Bestrahlungen machen und zusätzlich die Brachytherapie. Sollte man nicht entweder die Bestrahlung oder die Brachytherapie machen?


Lieber Gruß Schneeflocke

(280 mal gelesen)
Status: Med-Junior SternStern

Hallo,
ich möchte jetzt dem Herrn Dr. Glöckner nicht vorgreifen, aber möglicherweise schaut er in den nächsten Tagen nicht mehr hier rein. Also mein bescheidenes Wissen:


Die Brachytherapie ist eine Teilbrustbestrahlung, es wird nur das Tumorbett bestrahlt. Sie kann also den "Boost" ersetzen, aber nicht die ganze Bestrahlung, es sei denn, es besteht nur ein geringeres Risiko.


L.G.
elly

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