Startseite > Foren > Forum Augenheilkunde > Fragen über Fragen zur Schieloperation
Hallo ihr lieben,
am 14.dezember werde ich in der Uniklinik in Göttingen operiert.
Seit meiner Geburt schiele ich.Ich kann auch nicht in 3D sehen und sehe deshalb auch immer nur mit einem Auge.Das "passive" Auge ist dann das,dass nach innen schielt.
Mein Lieblingsauge (so wie der Augenarzt sagte) ist das linke.
Jedenfalls hatte mein damaliger AA aus Kindertagen immer von der OP abgeraten,was meine jetzigen Ärzte nicht nachvollziehen können,weil ich absolut für die OP geeignet bin.
Natürlich wurde ich auf das Risiko das Doppeltsehens und der Überkorrektur hingewiesen,aber ich will diese OP trotzdem,weil ich schon immer große Probleme damit hatte.
Nun zu meinen Fragen:
Ist die Uniklinik Göttingen empfelenswert (laut meinen AA soll die ganz gut sein)??
Ich kann "schummeln".also ich trage schon immer eine Brille,sehe aber ohne relativ gut.kann sogar die Schriften auf Shampooflaschen hinten lesen etc.wenn ich aber nicht sehr doll schielen will,weil ich mich schäme etc.,kann ich das schielen minimieren indem ich absichtlich unscharf sehe.Ist das "normal"??
wie sind die schmerzen nach der OP?ab wann kann ich autofahren,lesen.duschen,...???
ich würde mich sehr über Antworten freuen und danke jetzt schon.
Liebe Grüße
NashiKiwi


Hallo, zur Beantwortung Ihrer Fragen:
- die Uni-Augenklinik Göttingen hat seit vielen Jahren eine Schwerpunktabteilung "Strabologie und Neuroophthalmologie". Sie sind dort also sehr gut aufgehoben.
- Zur Abklärung, ob es zu postoperativen Doppelbildern kommen könnte, kann man vor der Operation probeweise eine sog. Prismenkorrektur mittels einer Folie verordnen, die in etwa den Zustand nach einer OP simuliert.
- Was Sie "schummeln" nennen, ist der sog. "akkommodative" Anteil eines Schielwinkels, der dann zum Tragen kommt, wenn nicht Ihre Brille das Korrektiv Ihrer Fehlsichtigkeit (Hyperopie) darstellt, sondern Sie selbst diesen Aufwand leisten müssen. "Akkommodieren" ist über einen Reflexkreis immer auch mit einer Augenbewegung nach innen hin verbunden (Konvergenz). Setzen Sie die Brille ab und wollen scharf sehen, vergrößert sich der Innenschielwinkel durch Ihre Akkommodation. Sehen Sie nicht scharf, akkommodieren Sie auch nicht, und der Winkel vergrößert sich nicht. Tragen Sie eine Brille, so ist Akkommodieren nicht notwendig, und der Schielwinkel wird ebenfalls nicht größer. Das Phänomen, das Sie beschreiben, ist also normal.
- Der Heilungsprozess ist eine individuelle Angelegenheit und geht bei dem einen schneller, bei dem anderen langsamer. Die Fäden, die i. d. R. bei Schieloperationen verwendet werden, resorbieren sich erst nach einiger Zeit, weshalb es zu einem Fremdkörpergefühl kommen kann. Je weniger Sie Ihre Augen bewegen (Lesen), desto schneller wird sich das Operationsgebiet erholen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sollten Sie sicherlich auch noch einige Tage mit dem Duschen vorsichtig sein. Vom Autofahren würde ich persönlich so lange abraten, wie Sie einen Verband tragen müssen. Zwar haben Sie vermutlich auch nach der OP kein räumliches Sehen, aber durch den Verband fehlt Ihnen das periphere Gesichtsfeld, was im Strassenverkehr gefährlich werden kann. Zur lokalen Behandlung des OP-Gebietes werden Sie vermutlich ein Kombinationspräparat aus Tropfen (für den Tag) und Salbe (für die Nacht) bekommen. Diese Medikamente sind im Allgemeinen hoch wirksam und helfen ggf. auch gegen evtl. Schmerzen. Viel Erfolg!
Danke,das hat mir sehr geholfen und mir einen Teil meiner Angst genommen.
Noch eine Frage:
so wie ich das jetzt rausgelesen habe,ist das Akkommodieren nach der OP nicht mehr möglich/notwendig.
ist es dann so,dass ich zwar unscharf sehe,aber je länger ich die brille nicht trage,desto "besser" sehe ich?und ist es sehr ungewohnt sich an den neuen Umstand zu gewöhnen?
Ich habe das Problem seit ich denken kann und ich kann mir nicht vorstellen,dass ich dann (im besten Fall) wirklich nicht mehr schiele.Ich habe schon seit immer sehr große Probleme Menschen in die Augen zu sehen weil ich mich schäme.das kommt bei vielen sehr unhöflich und eingebildet an und dadurch hatte ich auch öfter mal probleme in der Schule,Arbeit...
Zwar führe ich seit langem eine beziehung aber ich kann nicht mal mit ihm über das Thema reden weil es mir viel zu unangenehm ist.
deshalb ist es für mich so unantastbar,dass das bald alles vorbei ist.
Deshalb auch die viele Fragerei :D


Das ist ein Missverständnis. Akkommodation ist ein Mechanismus des Auges, sein optisches System auf unterschiedliche Objektentfernungen einzustellen. Gleichzeitig hat dieser Mechanismus Einfluß auf die Augenstellung. Die Akkommodation jedoch kann dazu benutzt werden, eine vorhandene Weitsichtigkeit in bestimmtem Umfang zu kompensieren. Das soll aber natürlich keine Normalsituation werden. Ihre Fehlsichtigkeit sollte mit einer Brille (oder ggf. Kontaktlinsen) korrigiert werden, da eine ständige übermäßige Akkommodation auch zu erheblichen Beschwerden führen kann. Deshalb wird einer Schieloperation eine Dosierung zu Grunde gelegt, die denjenigen Schielwinkel beseitigt, der unter Tragen einer notwendigen Korrektur (!) messbar ist. Danach werden Sie auch natürlich weiterhin akkommodieren (auch mit Brille), wenn Sie Dinge in unterschiedlichen Entfernungen (insbesondere in der Nähe) scharf sehen möchten, aber erheblich weniger, als wenn Sie keine Brille tragen würden.
Also: Sie sollten sich von dem Gedanken befreien, die Brille nicht mehr tragen zu müssen! Das trifft nicht zu. Was durch eine OP angestrebt wird, ist ein optimaler Zustand mit (!) Brille. Das Schielen wird aber wieder zunehmen, wenn Sie die Brille absetzen.
nun gut,dass ich weiterhin brille tragen muss weiß ich.aber ich kann auf kontaktlinsen zurückgreifen und zu hause ohne brille rumlaufen.
heißt das, dass alles wiederkommt wenn ich keine korrektur trage?
Uii,jetzt bin ich durcheinander.
also,ich habe damals bei der untersuchung in göttingen eine neue brille verschrieben bekommen die ohne prismen und somit auch nach der OP tragbar ist.mit der brille an sich habe ich keine Probleme,aber ich habe mir schon erhofft auch ohne brille ohne schielen zu sehen.
denn ich gefall mir ohne brille wesentlich besser als mit brille.naja,wo man ja wieder bei Kontaktlinsen wäre :-)
ich hatte damals auch kontaktlinsen und das hat absolut nicht geklappt da das schielen sehr aufgefallen ist weils ja bekanntlich keine prismen für KL gibt.
Also:wenn ich regelmäßig Brille bzw. KL trage,kann ich rein theoretisch schon davon ausgehen dass das schielen so gering ist,dass es kaum noch auffällt,selbst wenn ich etwas fokussiere?!
ich danke Ihnen für Ihre Geduld "strabologe".


Ja, das ist korrekt und Ziel der Schiel-OP. Sie können als Alternative natürlich auch Kontaktlinsen benutzen, wenn Sie diese vertragen. Das Ergebnis sollte hinsichtlich des Schielens gleich sein. Irgendeine Form der optischen Korrektur wird aber immer notwendig bleiben. Mit Prismen hat dies nichts zu tun. Sie sollten nach einer OP eigentlich keine Prismen benötigen. Die Genauigkeit einer Schiel-OP liegt in Abhängigkeit von verschiedenen Parametern bei etwa 1-1,5°. Es wird also vermutlich ein Restschielwinkel bleiben, der jedoch kosmetisch in der Regel unauffällig ist.

Hallo,
ich selber habe vor drei Jahren auch eine Schiel-Op hinter mir, allerdings schielte ich von klein Auf nach außen. Eine Brille hierfür hatte ich nie verschrieben bekommen, auch nicht diese Pflaster-Therapie. Für diese Entscheidung meines damaligen Augenarztes gab es ebenfalls kein Verständnis.
Die OP wurde bei mir notwendig, weil ich kein Bild mehr mit meinen Augen zusammen bringen konnte - was immer störender wurde.
Bei mir wurde das schlimmere Auge korrigiert - ambulant. Nach einem Tag kam das Pflaster ab. Im ersten Moment war mir etwas schwindelig, aber das verging sehr schnell, nachdem ich mich an das neue Sehen gewöhnt hatte. Das Auge wurde absichtilich überkorrigiert, da das nach Außen-Schielen wohl eher zurück kommen kann, als bei einem Auge, was nach innen schielt.
Da ich so keine Sehschwäche habe, bekam ich vor der OP eine Fensterglas-Brille verordnet mit einer Prismenfolie, damit sich mein Gehirn an das korrigierte Bild gewöhnen konnte. Nach der OP bekam ich eine halbe Prismenfolie (dieses Mal nach außen korrigierend) verordnet, da ich weit "richtig" gesehen habe, aber nicht nah. Das hat sich dann aber nach kurzer Zeit gegeben, so dass ich die Folie hinterher nicht mehr benötigt habe. In der ersten Zeit bekam ich Augentropfen für den Tag, und eine Augensalbe für die Nacht verordnet.
Die Fäden "kratzten" in den ersten beiden Tagen im Auge, es war aber nicht sehr störend. Schmerzen hatte ich nicht, eher ein leichtes Druckgefühl, wenn ich das Auge dann doch etwas überlastet hatte - aber nie absichtlich.
Kontrolluntersuchungen nach der OP sollte man wahrnehmen - dafür sollte ich zu meinem Augenarzt gehen. Da dieser aber gerade zu der Zeit beim Ärztestreik mitgemacht hatte, bin ich dafür ins Krankenhaus, wo ich operiert wurde.
3 D - Bilder konnte ich noch nie erkennen, und kann es auch heute nicht. Aber mein Sehen ist viel besser geworden, ich kann jetzt vernünftig sehen.
Wenn du operiert wirst, lässt du dich am Besten von Jemanden abholen. Mir war durch die Narkose ziemlich schlecht (falls du ambulant operiert wirst)
Lass es machen! Ich habe diesen Schritt nicht bereut, und wenn es noch mal nötig werden sollte, würde ich diese OP auch noch mal über mich ergehen lassen.
Ich wünsche dir viel Erfolg für deine OP!
Liebe Grüße,
anja
Danke für deine Schilderung Anja,so etwas beruhigt mich immer sehr.
Ich habe lange Zeit eine Brille mit Prismen gehabt,dann Kontaktlinsen (natürlich ohne Prismen) und dann wieder eine mit Prismen und seit 6 Monaten eine Brille ohne Prismen.Der Arzt sagte ohne Prismen ist besser weil ich dann nach der OP keine neue brille brauche.
Aber von Prismenfolien wurde mir nichts gesagt.Ist das schlimm?oder variiert das von Patient zu Patient?
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