Startseite > Foren > Forum Arzneimittel & Arzneitherapie > Umstellg. von Cipralex auf Citalopram
Sehr geehrte Frau Doktor Pipping,
seit ca. zwei Jahren nehme ich tgl. eine Tablette (20mg) CIPRALEX (in Kombination mit LEVECTIRACETAM, Dosis 2x1000mg). Beides ist mir von einem Medikamentenspezialisten der UK Bonn verordnet worden, da ich nach Entfernung eines Hirntumors unter epil. Anfällen leide. Ich bin mit der Wirkung der Medikamente mehr als zufrieden.
Bei meinem letzten Besuch in Bonn Anfang vergangener Woche verschrieb der Arzt mir wieder beide Medikamente (Zuzahlung für mich bis dato ledigl. 5€ für das CIPRALEX). Als ich zwei Tage später mit dem Rezept in die Apotheke ging, folgte das "böse Erwachen": Ich sollte plötzlich für CIPRALEX (300 Stück) mehr als 600€ Eigenleistung erbringen. Abgesehen davon, dass mir der Grund hierfür nicht klar ist, ist es mir finanziell auch nicht möglich, zumal ich beide Medikamente bis an mein Lebensende werde nehmen müssen. Nach meinem Anruf verschrieb man mir in Bonn ersatzweise CITALOPRAM, und mir stellen sich jetzt die Fragen:
- Ist die Wirkung die gleiche?
- Ist mit evtl. Gewichtszunahme (die sich unter CIPRALEX eindeutig nicht einstellte) zu rechnen?
- Kann ich CITALOPRAM, wenn meine CIPRALEX in ca. drei Wochen aufgebraucht sind, "nahtlos" und in gleicher Dosierung weiternehmen?
Für eine baldige Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichen Grüßen
ChrissieM


Hallo Chrissie,
die beiden Stoffe sind sich chemisch sehr ähnlich: das Citalopram ist ein Razemat, Cipralex ein Enatiomer (also eine Art chemisches Spiegelbild).
Das Wirkungs-/Nebenwirkungsprofil ist also vergleichbar.
Die aktiven Hauptmetaboliten (also die Stoffe, die für die Wirkung verantwortlich sind) sind beim Citalopram allerdings geringer (vielleicht weiß ein User in welchem Ausmaß?).
Die Konsquenz wäre also eine evtl. höhere Dosierung. Einzelheiten konnte ich in der Literatur leider nicht finden.
Gruß
---MarcEN---



Hallo,
über den Unterschied zu Citalopram kann ich nichts sagen. Falls Sie aus irgendeinem Grund bei Cipralex bleiben wollen/müssen: Das Mittel wird von diversen Firmen als preisgünstigerer Import angeboten (nach wie vor aber rezept- und somit apothekenpflichtig). Hier mal 2 PZN für Packungen mit 100 Filmtabletten zu 20mg:
7073752 (Preis 172,18)
5745986 (Preis 150,87)
Die Preise gelten für "Kassenrezept incl. 5€ Zuzahlung", sind jetzt aus dem Webshop der "Bodfeld-Apotheke". Immer noch viel Geld, aber doch etwas erträglicher.... Vielleicht kann Ihre Apotheke vor Ort diese (Re)importe ja auch besorgen.
Grüße,
th.
Hallo Marc,
vielen Dank für Ihre Antwort - jetzt bin ich ein ganzes Stück klüger. Muß mich jetzt nur noch schlau machen, ob eine Dosiserhöhung angeraten ist. Mir geht es mit der Medikamenten-Kombination von KEPPRA (Levetiracetam) und CIPRALEX derzeit eigentlich gut, und ich möchte natürlich, dass das so bleibt
- zumal ich beide Medis wohl bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag werde nehmen müssen...
Nochmals DANKE + Liebe Grüße von
Chrissie
Hallo Thomas,
danke für Ihren Tipp. Werde jedoch wahrscheinlich (auf Anraten meines behandelnden Neurologen) auf CITALOPRAM umsteigen. Das ist zuzahlungsfrei (bis auf die üblichen 5€). Denn in Anbetracht der Tatsache, dass ich CIPRALEX noch über einen nicht absehbaren Zeitraum werde nehmen müssen, erscheint mir die Eigenleistung zu dem Re-Import immer noch recht hoch.
Trotzdem Danke für Ihre Mühe.
LG
Chrissie




Reimporte sind derzeit nicht lieferfähuig. Selbst direkte Bestellung beim Importeur ist nicht möglich. Leider! Ob und wann sich die Lage ändert kann niemand sagen. Also zugreifen wo es noch bestände gibt.
LG
LaSa




Der Unterschied in der Dosierung ist 1:2, also 10mg Cipralex entsprechen 20mg Citalopram.
Dadurch das Escitalopram(Cipralex) das S-Enantiomer(ist praktisch im Citalopram auch verfügbar) und das Gegenstück(R-Enantiomer) fehlt, zeigen sich etwas weniger Nebenwirkungen.
[quote=MarcEN]Die aktiven Hauptmetaboliten (also die Stoffe, die für die Wirkung verantwortlich sind) sind beim Citalopram allerdings geringer (vielleicht weiß ein User in welchem Ausmaß?).[/quote]
stimmt so nicht! Beide Stoffe sind gleich vorhanden. Doch bei 20 mg Citalopram sind 10mg R-Enantiomer und 10mg S-Enantiomer(Cipralex). Von daher folgend die halbe Dosis beim Cipralex. OK?
LG
LaSa
Hallo zusammen,
möchte mich an dieser Stelle einmal "kollektiv" bei allen bedanken, die sich hier "meinen" Kopf zerbrechen (@Labersack: Ein besonderes DANKE!!!). Die bislang in so kurzer Zeit eingegangenen Antworten haben mir bereits sehr weitergeholfen. Leider kann ich als "Med-Newbie" nicht so recht Gleiches mit Gleichem vergelten - sollte jedoch irgendwer Fragen zu Gehirntumoren und/oder Epilepsie haben, kann ich vielleicht weiterhelfen?
LG von Chrissie
Hallo,
Sie können vermutlich nach Absprache mit Ihrem Arzt von Cipralex(R) zu Citalopram wechseln.
Grundsätzlich kann ich zu Escitalopram (Cipralex) nochmals kurz erklären: Seit Juli 2011 gibt es einen Festbetrag für Präparate, die Citalopram enthalten. Escitalopram ist der wirksame Teil zweier äußerst ähnlicher Stoffe, die das Citalopram bilden. Der Gesetzgeber hat entschieden, nur noch den Preis für Citalopram zu erstatten, das bewährt und preiswert und schon lange auf dem Markt ist.
Für Escitalopram ist das Patent relativ neu, der Preis viel höher. Wird nun ausdrücklich weiter Cipralex (R) verordnet, so ist die Differenz zwischen Festbetrag und Preis für Cipralex nun vom Patienten zu zahlen oder er sollte auf Citalopram umgestellt werden. Der Hersteller hat angekündigt, den Preis für Cipralex (R) nicht zu senken. Die etwas günstigeren Reimporte waren schnell ausverkauft.
Diese Prozedur gibt es auch für andere Wirkstoffe. In Absprache mit dem Arzt ist aber eigentlich immer eine Lösung in Form einer Alternativverordnung zu finden.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Heike Pipping
Sehr geehrte Frau Dr. Pipping,
danke für Ihre Antwort. Werde von CIPRALEX auf CITALOPRAM umstellen und mit der UK Bonn vorher abklären, ob ich die Dosis nun verdoppeln soll/muß.
Meine Sorge ist, dass CITALOPRAM nicht die gleiche (sehr gute) Wirkung wie CIPRALEX hat - und (wie schon in meiner "Frage-Mail" geschrieben) dass durch die Umstellung mein Gewicht steigt (kann ich nun wirklich nicht gebrauchen)!
Telefoniere seit Tagen von "Pontius nach Pilatus": Apotheke: Verweist mich an Krankenkasse - Krankenkasse: Verweist mich an Hersteller LUNDBECK - LUNDBECK: verweist mich an Gemeins. Bundesausschuß, UA Arzneimittel. Jeder schiebt dem anderen die Verantwortung zu, und der Patient schaut wieder einmal "in die Röhre".
Danke Ihnen dennoch für Ihren Rat!
Mit freundlichen Grüßen
ChrissieM
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