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Forum: Arzneimittel & Arzneitherapie

Eröffnungsbeitrag des Themas:

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Sehr geehrte Experten,


ich nehme mit großem Erfolg seit ca. 5 Wochen Fampyra 10 mg.
Alle Symptome haben sich gebessert (Laufen, Kraft, Ausdauer, Fatigue, Uhthoff, Tagesschwankungen, Wetterfühligkeit usw.)


Ich (51) habe chronische MS seit ca. 2000, Medikation momentan keine.


Das einzige Problem mit Fampyra für mich waren die ersten zwei Wochen, dass ich starke Schlafstörungen hatte. Wenn überhaupt konnte ich nachts 3-4 Stunden schlafen, meist gar nicht. Eine Änderung der Einnahmezeit, es muss alle 12 Std. genommen werden, hat nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Ich habe dann nach Rücksprache mit meiner Neurologin, die sich mit dem Medikament noch nicht so gut auskennt, da es erst kürzlich zugelassen wurde, die Dosis reduziert und nehme nun seit ein paar Tagen nur noch eine Fampyra 10 mg morgens ein. Die Tages-Höchstdosis beträgt 20 mg.


Momentan habe ich den Eindruck, dass ich einen besseren Effekt mit der 20-mg-Dosis hatte, aber eben um den Preis des Schlafentzuges. Schlafen kann ich mit der Einnahme von nur einer Tablette à 10 mg morgens wieder gut.


Ich wiege knapp unter 50 Kilogramm und kann nicht verstehen, dass ich die gleiche Menge eines Medikamentes benötige, wie z.B. ein doppelt zu schwerer Mensch.


Können Sie mir einen Rat geben? Es ist doch nicht so, dass Fampyra erst einen gewissen Spiegel aufbauen muss wie die meisten Antidepressivas, oder täusche ich mich da?


Spricht etwas dagegen, abends nach 12 Stunden eine Tablette zu teilen und zu den 10 mg morgens noch eine halbe Tablette à 5 mg zu versuchen? Ich weiß, dass man die Tabletten eigentlich nicht teilen soll/darf, da dadurch die Retardierung zerstört wird und ich peinlich genau auf den 12 Std.-Rhythmus achten muss.


Durch das Teilen der Tablette wird doch nur der Wirkstoff sofort nach Einnahme im Körper freigesetzt und nicht zeitverzögert abgegeben, was der eigentliche Sinn einer Retardierung ist, oder verstehe ich das falsch?


Ich weiß von anderen MS-Betroffenen, denen 15 mg des Wirkstoffes von Fampyra vollkommen ausreichen. Sie nehmen allerdings den Wirkstoff als 4-Animopyridin ein, den sie sich in Apotheken fertigen lassen, also ohne Retardierung.


Über einen Rat von Ihnen würde ich mich sehr freuen und bedanke mich im Voraus für die Beantwortung meiner Anfrage.



Mit freundlichen Grüßen

Antworten zu diesem Thema:

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  • (274 mal gelesen)
  • Status: Med-Insider SternSternStern

Guten Tag,


ganz schwierige Fragen. Wie Sie schon sagten, ist das Präparat (nach anfänglicher Verweigerung der Zulassung) nur mit Einschränkungen zugelassen. Eine Information dazu von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft wurde erst vor kurzer Zeit (30.11.2011) herausgegeben. Auch sie enthält nur die Ihnen schon bekannten Basisinformationen.


Zu Ihren Fragen (die ich aus o. g. Gründen nur zum Teil beantworten kann):


1. Den Sinn der Retardierung haben Sie völlig richtig wiedergegeben.


Der Aufbau eines "Spiegels" ist bei den meisten Medikamenten nötig. In diesem Falle scheint die Retardformulierung eine besonders bedeutsame Rolle zu spielen, denn genau sie wurde von der Firma Arcorda Therapeutics INC in den USA entwickelt und in den Handel gebracht. Die klinischen Studien wurden m. E. nur mit dieser galenischen Aufbereitung durchgeführt. Auf sie zu verzichten hieße, ein nicht geprüftes Risiko einzugehen.


2. Das Gewicht bestimmt die Dosierung häufig - aber nicht in allen Fällen. Bei bestimmten Substanzen geht man z. B. von der Körperoberfläche aus, bei anderen (wie z. B. niedermolekularen Heparinen) verzichtet man auf beides. Das resultiert aus der pharmakokinetischen Vorstellung, daß der Wirkstoff sich nicht gleichmäßig in allen sog. "Kompartimenten"(Verteilungsräumen) verteilt. Hohes Körpergewicht resultiert aus vermehrtem Fettanbau. Fett ist aber ein Gewebe, das nur wenig durchblutet wird und für die Verteilung des Wirkstoffes keine große Rolle spielt und schon gar nicht für dessen Metabolismus.


Als Faustformel habe ich mir gemerkt: "Der 100-kg-Mann braucht mehr als der 50-kg-Mann, aber auf keinen Fall das Doppelte".


Das alles sind aber nur Näherungswerte, die allerdings auf klinischer Erfahrung beruhen. Will man es exakt wissen, bleiben nur Bestimmungen der Wirkstoffspiegel im Plasma.


Sie sehen: ein sehr kompliziertes Thema - besonders in diesem Fall. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein bißchen mehr Klarheit geben.


Alle guten Wünsche für Sie


---MarcEN---

  • (159 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Vielen lieben Dank für Ihre Antwort!


Ich habe es schon befürchtet, dass man diese Frage momentan nicht abschließend klären kann. Trotzdem haben Sie mir sehr weitergeholfen.


Ich wünsche Ihnen einen schönen 4. Advent und eine besinnliche, ruhige Weihnachtszeit! :-)


Mit herzlichen Grüßen
Frosch2012

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