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Forum: Arzneimittel & Arzneitherapie

Eröffnungsbeitrag des Themas:

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Autor
Datum
Gast777
  • (175 mal gelesen)
  • Status:

Hallo Frau Dr. Pipping,


ich bin heute im Zuge einer Diskussion mit der Aussage konfrontiert worden, dass mehr Jugendliche, die Antidepressiva nehmen, Suizid begehen als solche, die keine Antidepressiva nehmen. Nun ist mir schon klar, dass jene, denen Antidepressiva verordnet werden, vermutlich eher Probleme haben, die sie in den Suizid treiben. Allerdings war die Aussage so gemeint, dass Jugendliche größere Chancen hätten, zu überleben, wenn sie nicht mit Antidepressiva behandelt werden. Begründet wurde dies damit, dass dieJugendlichen in der Zeit ihr Selbstbild, ihre Identität aufbauen, und deshalb so empfindlich auf Eingriffe (eben durch Antidepressiva) reagieren. So recht glauben kann ich das nicht, zumal zumindest für Erwachsene ja gesichert ist, dass die Suizidrate durch Antidepressiva sinkt, aber dennoch würden mich Zahlen und Studien interessieren - nicht zuletzt auch, weil ich demjenigen auch gerne etwas entgegnen möchte, sofern er unrecht hat, was ich vermute.
Herzlichen Dank!

Antworten zu diesem Thema:

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Autor
Datum
Christiane24
  • (266 mal gelesen)
  • Status:

Hier ein paar Zahlen


Selbstmord: Alle 47 Minuten ein Fall in Deutschland
Freitag, 10. September 2004


Berlin/Genf (dpa) - In Deutschland nimmt sich alle 47 Minuten ein Mensch das Leben. Im Jahr 2002 habe es 11 163 Selbsttötungen gegeben, sagte der Vorsitzende der Initiativgruppe «Nationales Suizid- Präventions-Programm», Armin Schmidtke, am Donnerstag in Berlin anlässlich des internationalen Tages zur Verhinderung von Suizid (10. September). Weltweit sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund eine Million Menschen jährlich durch Selbsttötung - mehr als durch Krieg und Mord zusammen. Am meisten Selbstmorde verzeichnet die WHO in Osteuropa. Am niedrigsten sei die Suizidrate in Südamerika und den islamischen Ländern. Deutschland liege mit der Gesamtzahl der jährlichen Suizide etwas unter dem europäischen Durchschnitt, sagte Schmidtke. Innerhalb des Landes gebe es große regionale Unterschiede. So stehen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen von den Flächenstaaten bei der Zahl männlicher Selbstmorde an der Spitze. Nordrhein-Westfalen, Saarland und Berlin finden sich am unteren Ende der Skala. In der Geschlechter-Verteilung bringen sich WHO-Angaben zufolge mehr Männer als Frauen um. In Deutschland waren es 2002 rund 8 100 Männer und 3 000 Frauen. Jedoch unternehmen mehr Frauen einen Selbstmordversuch. Die Selbstmordrate steigt weltweit mit zunehmendem Alter. Diese Tatsachen spiegelt auch die deutsche Realität: Nach Daten des Suizid- Präventions-Programm waren 2002 rund 37 Prozent aller männlichen Selbstmordtoten in Deutschland älter als 60 Jahre. Hingegen mache diese Altersgruppe nur etwa 21 Prozent aller in Deutschland lebenden Männer aus. Rund 51 Prozent aller Selbstmörderinnen seien älter als 60 Jahre, obwohl der Anteil dieser Altersgruppe an der weiblichen Gesamtbevölkerung lediglich rund 28 Prozent betrage. Als alarmierend bezeichnete die WHO die Zunahme von Selbsttötungen unter jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. In Deutschland verüben die 15- bis 24-Jährigen 16 Prozent aller Selbsttötungen. Damit sei Suizid in Deutschland die zweithäufigste Todesursache unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, berichtete der Verein «Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche» am Mittwoch. Durch Suizid sterben demnach bundesweit fast so viele junge Menschen wie im Straßenverkehr. «Die WHO hält Suizid für ein großes, weltweites aber meist vermeidbares Problem», erklärte die UN-Organisation in Genf. Häufige Beweggründe für Selbsttötungen seien Armut, Arbeitslosigkeit, den Verlust eines nahe stehenden Menschen, Streit sowie Probleme am Arbeitsplatz oder mit der Justiz. Auch Suizidfälle in der Verwandtschaft, Alkohol- und Drogenmissbrauch, sexueller Missbrauch in der Kindheit, Vereinsamung und Krankheiten wie Depressionen oder Schizophrenie spielten eine Rolle. Zu den Faktoren, die vor Suizid schützen, zählt die WHO die eigene Wertschätzung der Menschen und soziale Beziehungen. Die Früherkennung von psychischen Störungen sowie deren angemessene Behandlung sei die wichtigste Präventionsstrategie. Viele Untersuchungen zeigten, dass in den vier Wochen vor dem Suizid Patienten häufiger als sonst ihren Hausarzt aufsuchten, die Neigung zur Selbsttötung aber nicht erkannt werde, sagte Schmidtke. Aufklärungs- und Schulungskampagnen führen zu einer deutlichen Verringerung von Selbstmorden und Selbstmordversuchen.



Wissenswertes über Selbstmord (Suizid)
Christiane Angermayr, Dipl.-Sozialpädagogin und Dr. Katharina Freche


Während der letzten 20 Jahre wurde eine steigende Anzahl von Suizidfällen in den meisten europäischen Ländern registriert. Fast jeder Mensch hegt im Leben einmal Selbstmordgedanken. In den Jahren 1995 bis 1997 erfasste das Statistische Bundesamt jährlich über 12 000 Selbstmorde im Bundesgebiet. Es sterben also 50 Prozent mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle. Die Dunkelziffer der Suizidversuche liegt aber 15- bis 30mal höher als die Zahl der Suizide.


Häufig stehen Suizidgedanken und Todeswünsche in Zusammenhang mit einer Depression. Der depressive Mensch leidet vor allem unter Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. In Zusammenhang mit einer Depression und Suizidgedanken stehen aber auch Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie die Erkrankung an Schizophrenie.
Wie erkennen Sie einen suizidgefährdeten Menschen?


Nehmen Sie jede Äußerung ernst, die eine Suizidankündigung zum Inhalt hat! Weitere Faktoren, auf die auf Sie achten müssen:
• Ordnen der persönlichen Dinge (wird oftmals von Angehörigen fälschlicherweise als positives Zeichen interpretiert)
• Soziale Isolation und Vereinsamung
• Chronische körperliche Krankheiten
• Hohes Alter
Emotionale Krisen können einen Selbstmord auslösen. Der Verlust nahe stehender Verwandter und Freunde, die Gefahr einer auseinander gehenden Ehe, schwer wiegende Probleme und Enttäuschungen am Arbeitsplatz oder in der Schule sowie eine ernsthafte Krankheit sind Beispiele.
Wie können Sie helfen?


Sprechen Sie den selbstmordgefährdeten Menschen direkt auf die Thematik an. Sie verhindern keinen Suizid, indem Sie das Thema vermeiden. Depressive und gefährdete Menschen sind dankbar, über Selbstmordgedanken und die zu Grunde liegenden Probleme reden zu können und sich damit zu entlasten.


Das heißt nun aber nicht, dass Sie die Stelle eines Psychotherapeuten übernehmen müssen. Sie sollten versuchen, den Betroffenen dazu zu bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Begleiten Sie die Person zum Arzt, zum psychiatrischen Notfalldienst oder in ein Krankenhaus. Sie können die Person auch vor sich selbst schützen, indem Sie die Polizei verständigen, die gegebenenfalls die Einweisung in ein psychiatrische Klinik veranlasst
Wie ist die Verteilung der Suizidrate in der Bevölkerung?


Männer begehen zwei- bis dreimal häufiger Selbstmord als Frauen. Letztere unternehmen dagegen mehr Selbstmordversuche. Suizid kommt in allen Altersstufen vor, jedoch selten bei Kindern. Frauen begehen meistens im Alter zwischen 40 und 50 Jahren Suizid, Männer in einem etwas höheren Alter.
Warum begehen ältere Menschen Selbstmord?


Verhältnismäßig viele ältere Menschen nehmen sich das Leben. Die Ursache hierfür mag sein, dass viele ihren Lebensmut verlieren, sobald sie älter werden. Sie verfallen in Depressionen und verlieren gleichzeitig an Widerstandskraft gegenüber den Einflüssen des täglichen Lebens.


Das Alter ist leider eine Lebensperiode, die in vielen Fällen von Isolation, Verlust des Ehepartners, Freunden oder der Familie geprägt ist. Es kann schwer sein, ein Dasein zu akzeptieren, das sowohl von gesundheitlichem, physischem als auch psychischem Rückgang geprägt ist.
Warum begehen junge Menschen Selbstmord?


Eine steigende Anzahl junger Menschen wählt Suizid als Lösung ihrer Probleme. Die Ursache hierfür mag einerseits in den ständig steigenden gesellschaftlichen Ansprüchen liegen, andererseits in der fehlenden Geborgenheit während der Kindheit. Arbeitslosigkeit, Alkohol und Drogen kommen hinzu.


Besonders gefährdet sind Alkohol- und Drogenabhängige, die sich durch ihren Missbrauch bereits in einer hoffnungslosen Situation befinden



Liebe Grüße
Christiane

Gast777
  • (59 mal gelesen)
  • Status:

Hallo Christiane,


vielen Dank für den ausführlichen Text - einiges davon war mir schon bekannt, aber eine Antwort auf die gestellte Frage habe ich auch in deinem Artikel nicht gefunden.

Christiane24
  • (46 mal gelesen)
  • Status:

Hallo


Sorry! Natürlich war es keine Antwort. Habe mich im Internet noch ein wenig umgeschaut, da mir eine derartige Aussage noch nicht untergekommen ist. Bin noch am suchen - nach einer Antwort, da mich das auch interessiert.


Antidepressiva: Beschleuniger für Suizidgefahr bei Kindern


Washington (dpa) - Die US-Gesundheitsbehörde FDA sieht bei der Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen eine erhöhte Selbstmordgefahr bei Kindern und Jugendlichen. FDA-Mitglied Thomas Laughren sagte am Dienstag (Ortszeit), klinische Studien zu neun der neuesten Antidepressiva hätten gezeigt, dass damit behandelte Kinder häufiger Selbstmordgedanken oder -versuche hätten. Nach Laughrens Einschätzung tritt die erhöhte Selbstmordgefahr bei 2 bis 3 von 100 mit Antidepressiva behandelten Kindern und Jugendlichen auf.


Quelle: Netdoktor.de vom 16.09.2004


[www.muekon.de]


[www.netzeitung.de]


[www.aerzteblatt.de]

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