Startseite > Foren > Forum Alzheimer > Was tun bei Unruhe, Ängsten und Weinen?
Hallo Forumsmitglieder,
habe schon einige male über den Zustand meiner Mutter in diesem Forum berichtet. In der letzten Zeit hat sich der Zustand weiter verschlechtert bzw. es treten andere Symtome auf. Meine Mutter weint ständig, sagt sie habe Angst und ist Tagsüber sehr nervös, was sich durch umherlaufen in der Wohnung äußert. Alle möglichen Veruche sie abzulenken schlagen nicht an. Meine Mutter geht 3 Tage die Woche in eine Tagespflege,dort scheint es ganz gut zu klappen,wirkt schon mal etwas nervös, hat aber dort nach Aussagen des Pflegepersonals keine Panikattaken. Hat jemand ähnliche Erfahrung gemacht? Kann uns jemand einen Ratschlag geben? Sind zur Zeit ziemlich ratlos.Sind dankbar für alle Tipps.
Gruß Leonore


Hallo Leonore,
mein Vater hat sich oft in seinem eigenen Haus nicht mehr wohlgefühlt. Am Ende hat er es gar nicht mehr erkannt und wollte nur noch weg. Seit dem 30.11.09 befindet er sich im Heim. Das Heim hat mehrere Aufenthaltsräume und lange barrierefreie Flure, ist gut erleuchtet, usw. Dort fühlt er sich wohler als im vergleichweise beengtem Haus, mit dem dunklen Flur und den Schrägen im OG. Erinnert fast ein wenig an Platzangst. Demenzen weisen oft eine Vielzahl von Symptomen auf, die für sich betrachtet, eigene Krankheiten wären. Aber eine Demenz ist fast immer nur eine Demenz und nur sehr selten eine echte Psychose, bipolare Depression, usw. Ein Mediziner hat einmal gesagt, eine Demenz vom Alzheimertyp sei wie ein Chamäleon, das viele Farben zeigt aber doch immer nur ein Chamäleon bleibt.
LG
Egon-Martin
Liebe Leonore,
wir hatten recht gute Erfolge mit dem homöopathischen Mittel Neurexan, dass bei meinem Vater zu einer größeren Entspanntheit und Ausgeglichenheit führte. Einen Versuch wäre es doch wert - Sie sollten es allerdings konsequent und gegenläufig zu anderen Medikamenten geben, also mit einigen Stunden Abstand. Nebenwirkungen gibt es keine.
Außerdem hat sich Musiktherapie bei Ängsten Demenzkranker sehr bewährt, auch dies würde ich ausprobieren. Vielleicht gibt es eine Musikrichtung, die Ihre Mutter bevorzugt.
Viel Erfolg wünscht Leona
Liebe Forumsmitglieder,
vielen Dank für die Ratschläge. Habe schon von dem Mittel Neuroxan gehört, werde ich mal im Auge halten. Morgen haben wir einen Termin bei einem anderen Neurologen, mal sehen was der sagt. Zur Zeit nimmt meine Mutter noch Axura, vieleicht ist es besser auf ein anderes Mittel umzusteigen. Der bisher behandelnde Neurologe wollte ja keinerlei Demenzmittel mehr einsetzen. Werde dann weiter berichten.
Gruß Leonore
An alle Forumsmitglieder,
waren heute beim Neurologen mit meiner Mutter, der ist jedoch auch der Meinung, in diese Stadium der Krankheit ( Diagnose: Ausgeprägte Demenz) würden Antidementiva nichts mehr bringen.
Auch ist er der Meinung das wahrscheinlich Axura keine Wirkung mehr hat. Gegen die Unruhe und Ängste hat er Risperidon verschrieben. Dieses erhöht jedoch die Gefahr eines Herzinfarkts.
Ich habe jetzt schon mehrfach gelesen das eine Umstellung auf ein anderes Antidementiva evtl. Verhaltensauffälligkeiten mindern kann. Hat damit jemand Erfahrung? Wenn ja, mit welchem Mittel? Warum verschreibt man in solchen Fällen Beruhigungsmittel? Der Arzt meint , dies wäre ein Versuch. Warum wird nicht ein anderes Antidementivum versucht?
Der Lebensgefährte meiner Mutter, meine Schwester und ich sind verzweifelt. Was können wir jetzt noch tun? Bleibt letzlich nur noch das Heim?
Gruß Leonore
Liebe Leonore,
"..warum wird kein anderes Antidementivum versucht?"
Ich befürchte, aus Budgetgründen. Es ist auffällig, dass nur ein Bruchteil der Demenzkranken überhaupt mit einem Antidementivum versorgt wird und dass es bei den fortgeschritteneren Fällen ratzfatz gestrichen wird, ungeachtet der Tatsache, dass sich der Zustand dann rasant weiter verschlechtert. Es ist ein Politikum, ein Problem unserer Gesellschaft, die ihre "nutzlosen" Mitglieder ausgrenzt. Die alten, kranken Menschen haben leider keine Lobby, die auf die Straße geht und die Verhältnisse anprangert.
Letztlich ist alles eine Frage des Geldes. Bitten Sie um ein Privatrezept und das Antidementivum wird verschrieben. So sind die Verhältnisse.
Resigniert
Leona


Hallo Leonore,
fragen Sie bitte den Arzt, ob zusätzlich auch ASS (Aspirin 100 mg) und vielleicht ein Blutdrucksenker verordnet werden können, dann besteht ein gewisser Schutz vor Infarkten.
Risperidon gering dosieren (0,5 bis 2 mg, wobei ich von der 2 mg-Dosis abraten möchte, da das schon ziemlich viel - die Maximaldosis - für einen Demenzkranken ist).
Risperidon ist überdies kein Beruhigungsmittel, sondern ein sog. atypisches Neuroleptikum, das aber geeignet ist, Wahnsymptome zu mildern. Bei meinem Vater (1 mg pro Tag) hat es gut geholfen, die wieder stark aufgetretenene Weglauftendenzen zu mildern. Vor dem Risperidon lief er v.a. gegen Abend immer im Flur hin und her und rüttelte an der Haustürklinke, schimpfte vor sich hin und verfiel dann in ein Jammern bevor sich der Zustand dann - oft nach Stunden - wieder entschärfte. Das wurde mit Risperidon merklich gelindert. Dafür kam dann eine ungeheure Nachtunruhe mit viel Wandern im Haus, unverständlichem Reden, wiederholten monotonen Scheinhandlungen, ztw. Harninkontinenz, usw.
Antidementive hatten übrigens auf Vater keinen antipsychotischen Effekt. Die ersten Halluzinationen bekam er 2 Monate, nachdem er mit dem Reminyl begonnen hatte. Aber die kognitiven Fähigkeiten und die Stimmungen waren dadurch länger stabil. (Die Halluzinationen hätte Vater vielleicht sowieso gehabt - man kann das jetzt nicht mehr nachvollziehen.)
Dauermedikationen müssen auch vom Arzt überwacht werden, z.B. durch mehr oder weniger engmaschige Blutuntersuchungen, usw.
LG
Egon-Martin
Hallo Leonore, habe Ihren Bericht gerade erst gelesen.. Zum Thema Angst und weinen kann ich nichts sagen, doch zum Thema Unruhe.
Mein Vater hat seit ca. 3,5 Jahren Alzheimer. Das ständige Umherlaufen bekann schon sehr früh. Wir haben alles probiert, hömop. Mittel, schwache Medis, starke Medis. Nichts hat geholfen. Die Ärztin sagte es gäbe leider Alzheimer Patienten mit dieser Lauftendenz. Am Anfang konnten wir ihn noch ablenken. Setzen Sie sich mal mit ihrer Mutter hin und schauen Fotoalben an, das hat eine Weile geholfen. Aber inzwischen gar nichts mehr. Er steht sogar vom Essenstisch auf und läuft rum. Von einem Zimmer zum anderen und wenn er rum ist, fängt er von vorne an.
Uns wurde gesagt es könne sich legen, doch auch nach 3 Jahren hat es sich nicht gelegt. Bei uns kommt auch noch die Weglauftendenz dazu. Die Wohnungstür ist schon lange zugeschlossen und der Schlüssel wurde versteckt.
Ich drücke Ihnen die Daumen das vielleicht bei Ihrer Mutter ein Medikament anschlägt oder es sich von allein verliert wenn er in die nächste Phase kommt.
Lg Simone


Hallo Leonore,
wie mobil ist sie noch? Was ist mit Autofahren ? Meine Mutter liebt, es auf dem Beifahrersitz vor sich hinzudämmern und sagt hinterher immer, dass das ein schöner Ausflug war. Wenn sie gut drauf ist, erkennt sie auch Stätten ihrer Kindheit wieder. Natürlich ist das ein bisschen zeitaufwändig, aber wenn gar nichts mehr geht, packe ich sie ins Auto und fahre herum. Ich kann mich dabei ausruhen ;-). Manchmal steigen wir aus und laufen ein bisschen, aber bis zu drei längere Spaziergänge machen wir sowieso.
Wir nehmen meine Mutter zu allem mit, um ihr das Gefühl von Aktivität zu geben, sie tut ja nichts mehr. Von einem aktiven Leben zu einer Krankheit mit Unruhetendenz, wo sollen sie hin mit ihrer ganzen Energie ? Und dann sollen sie auch noch nachts durchschlafen ?
Ich nehme sie mit, wenn ich nur tanken fahre, etwas aus der Reinigung abholen muss, selbst in den Keller, um Wasserflaschen zu holen, Vogelfutter im Hof/Garten auszustreuen etc.
Nicht verzweifeln, die "Langsamkeit entdecken".
Noch etwas, unsere ganz, ganz persönliche Erfahrung: je weniger Medikamente, desto besser. Eines gegen die Demenz (Minidosis) und ein Bedarfsmedikament gegen die Angst. ABER, das haben wir einfach ausprobiert.
Die Unruhe lässt später nach. Sie ist niederschwelliger, wenn der Tag gut (aktiv aber nicht hektisch) gelaufen ist.
Gruß - Marge


Liebe Marge,
tolle Idee mit der kleinen privaten "Demenzreisegesellschaft".
Meine Mutter hat große Ängste rauszugehen, nichtmal zum Kaffee bei Nachbarn traut sie sich, zu den Therapeuten kommt sie mit, aber das ist ja wieder eher mit etwas Stress verbunden.
Wenn ich einen Aufhänger finde, will ich eine solche Schönwetterfahrt mal versuchen, z.B. zum Entenfüttern fahren oder so.
Wünsche Ihnen gute Fahrt.
LG, Eva Franziska
| Datum/Zeit | von Autor | Thema |
|---|---|---|
| 03.01.10 11:55 | Leonore | |
| 03.01.10 15:01 | EgonMartin | |
| 03.01.10 21:08 | leona | |
| 05.01.10 20:32 | Leonore | |
| 06.01.10 16:04 | Leonore | |
| 06.01.10 16:39 | leona | |
| 06.01.10 18:12 | EgonMartin | |
| 13.01.10 21:17 | Simone1970 | |
| 19.01.10 09:30 | marge09 | |
| 19.01.10 13:54 | Eva Franziska | |
| 19.01.10 15:46 | kondor | |
| 19.01.10 14:13 | Eva Franziska | |
| 04.02.10 13:24 | giraffe1202 |
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