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Forum: Alzheimer

Eröffnungsbeitrag des Themas:

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  • (1830 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Hallo,
bei meinem Dad (66J) wurde vor ca. 1-1,5Jahren Alzheimer diagnostiziert. Er bekommt seitdem Aricept 10mg. Seit einiger Zeit ist er sehr unruhig, d.h. er bleibt nicht lange sitzen (vor ein paar Wochen war das kein Problem), verlegt Dinge bzw. versteckt sie. Mein Problem ist auch, dass meine Ma noch arbeitet, von 8:00 - 13:00 und er somit alleine ist. Dann verlässt er das Haus zu Fuß, geht im Ort spazieren und wir hoffen das er wieder nach hause findet. Wir haben auch einen Hund, der meistens darunter leidet, wenn er fast im 2Stunden-Takt Gassi gehen muss.


Ich wollte den HA fragen, ob er nicht das Medikament "Tavor" verschreibt, aber 1. ist der im Urlaub und 2. weiß ich nicht ob es was bringt.


Hat jmd. evtl einen Tip., sämtliche Hilfen die man den beiden anbietet, lehen beide ab.


lg rennsemmel

Antworten zu diesem Thema:

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  • (507 mal gelesen)
  • Status: Senior Moderator

Hallo rennsemmel,
der Hausarzt ist nicht der richtige Ansprechpartner und Tavor m.E. nicht das richtige Mittel. Besser ist, sie kontaktieren eine guten Neurologen oder eine Gedächtnissprechstunde. Telefonnummern und Adressen finden Sie unter www.deutsche-alzheimer.de. Weitere hilfreiche Seiten finden Sie unter dem ersten Thread "Informationen..." Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass jedes Beruhigungsmittel die Wirkung von Aricept mindert und so wie sie es beschreiben, kommt Aricept momentan ohnehin an seine Grenzen. Die bei Demenzkranken häufig eingesetzten Mittel sind Risperdal, Melperon, Haldol u.ä. Allesamt wirken sich auf die Mobilität des Kranken aus. Die Sturzgefahr steigt immens an, häufig beobachtet man eine Neigung - auch im Sitzen - nach einer Seite und eine gekrümmte Gesamthaltung, ebenso unvermittelte Zuckungen. Also überlegen Sie genau, was Sie tun. Besser wäre, den Bewegungsdrang und die Unruhe in Tätigkeiten zu kanalisieren - Gartenarbeit, Spaziergänge, Sport, Ballspiele. Haben Sie schon mal über eine Tagespflege nachgedacht? Dort beschäftigt man sich mit den Alzheimer Patienten und im besten Fall fördert man die vorhandenen Resourcen. Die für Gesunde anzuwendenen Tranquilizer
sind nicht unbedingt für Alzheimer Patienten geeignet und Tavor hat ein sehr hohes Suchtpotential. Es gibt heute bessere Mittel.
Ansprechparter ist - wie schon gesagt - der Neurologe oder eine entsprechende Institutsambulanz.
Mit den besten Wünschen, Leona

  • (458 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Danke für deine Antwort.
Das Problem ist bei der Beschäftigung: er macht das so 10min. dann ist ihm das zu langweilig. Der Neurologe meinte, dass das Aricept nicht mehr so wirken würde.
Die Tagespflege akzeptiert er nicht, will er auch nicht.
Dinge, die ihm vor ein paar Wochen noch Spaß machten, sind einfach weg.Neuoich hat er unser Aquarium versorgen wollen, hat dann durch eine Heizung,die er kaputt bekommen hat, einen Stromschlag bekommen. DAs sind nur Kleinigkeiten, aber es kann ja auch schlimmer kommen.
Er bleibt halt auch nicht mal 10min. vorm TV sitzen oder so.....
Ist alles etwas schwieirg und meine Ma macht alles alleine, sie will auch keine fremde Hilfe


lg rennsemmel

  • (430 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Hallo rennsemmel,


die Unruhe ist Teil der Erkrankung. Das Herumlaufenkönnen ist ein starkes Bedürfnis beim Erkrankten und fördert auch sein Wohlbefinden.
Das Entscheidende scheint mir zu sein, ob sich Ihr Vater noch verkehrssicher
verhält, was vermutlich der Fall ist. Dann würde ich schauen, ob man ihm in
die Jacke seine Adresse einnäht, so dass man damit die Sorge, dass er mal nicht
zurückfinden könnte, etwas reduziert.
Und dass der Hund damit arg viel auf Trab gehalten wird - nunja, das würde ich
als das zweitrangigere Problem ansehen.
Freuen Sie sich, dass Ihr Vater noch zu eigenständigen Spaziergängen im Ort
in der Lage ist. Sie tun ihm sicher gut.
Die Mobilität ist ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität und für den Krankheitsverlauf.
Ich würde das nicht ohne größere Not durch Psychopharmaka gefährden.

  • (380 mal gelesen)
  • Status: Med-Insider SternSternStern

Hallo rennsemmel,
Tavor macht abhängig! Im Laufe der Zeit verliert es die abschirmende/beruhigende Wirkung.
Tavor sollte nur bei einer bestehenden Krise und für kurze Zeit gegeben werden. Ein Facharzt ist diesbezüglich erforderlich.Lesen Sie bitte meine Beiträge im Forum, streben Sie eine fachärztliche Behandlung an. Bei Krankheitbedingter Unruhe gibt es ( in der richtigen Dosierung) viele Alternativen zu Tavor.
LG
Ischwalm

  • (359 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Hallo Ischwalm,


welche empfehlenswerten medikamentösen Alternativen zur Behandlung
von Unruhe sollen das denn sein?


Die Unruhe gehört nun mal zum Krankheitsbild der Demenz dazu.
Doch nur weil sie krankheitsbedingt ist, muss man sie doch nicht zwangsläufig
medikamentös zu unterdrücken versuchen?


Ich meine, durch die viele Bewegung "therapiert" der Kranke seine Unruhe doch
auch selbst. Nur wenn man sich sicher sein kann, dass den Kranken sein
Bewegungsdrang selbst sehr quält, wäre m.E. eine medikamentöse Behandlung zu
rechtfertigen.

  • (393 mal gelesen)
  • Status: Med-Insider SternSternStern

Hallo marlian,


Niederpotente Neuroleptika ist meine Antwort.
Bei Krankheitbedingter Unruhe mit psychotischer und/oder ängstlicher Symptomantik
können diese Medikamente für den Menschen und den pflegenden Angehörigen
eine große Hilfe sein.
Vermeiden Sie bitte eine " Verteufelung " von Neuroleptika. Fachärztlich kontrolliert und individuell dosiert sind diese Medikamente bei vielen Menschen hilfreich.
Man kann nicht alles mit Bewegung behandeln. Denken Sie auch an die Menschen mit GeheProblemen, schwerer Artrose, Rollstuhlfahrer usw.
Nach über 6000 Kontakten mit verschiedenen Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind/waren, kann man sicherlich zwischen einer " Ruhigstellung" und einer notwendigen
Neuroleptika-Behandlung unterscheiden. Natürlich mit der notwendigen Vorsicht.
LG
Ischwalm

  • (329 mal gelesen)
  • Status: Senior Moderator

Liebe marlian,
ich muss Ihnen Recht geben. Auch ich sehe den Einsatz von Neuroleptika an Stelle von Zuwendung und Beschäftigung als äußerst problematisch an. In den Skandinavischen Ländern macht man es uns nachahmenswert vor - dort könnten wir viel lernen. Es gibt regelrechte "Alzheimer Dörfchen", wo alles behindertengerecht hergerichtet ist. Die Menschen können ihren Möglichkeiten entsprechend sich geschützt bewegen, in ihre jeweilige Welt eintauchen, verlieren Ängste, fühlen sich angenommen. Man stimmt alles auf die noch vorhandenen Fähigkeiten der Betroffenen ab - Nahrung, die Möglichkeiten diese aufzunehmen, die Geschmacksvorlieben, die bevorzugte Musik - eben einfach alles, was dem Alzheimer Erkrankten noch Genuss und Freude bereiten könnte. In unserem Land gehen wir - mit einigen Ausnahmen - den "kalten Weg". Der demente Mensch ist der Gesellschaft nicht mehr nützlich - also wird er m.E. als überflüssiges, lästiges Anhängsel behandelt. Er soll möglichst wenig Arbeit machen, still sein, Ruhe halten - man gesteht ihm nicht zu, dass er noch tiefe Empfindungen hat, dass er Vorlieben und berechtigte Ängste hat, aber auch, dass er Freude, Geborgenheit, Zuwendung empfinden kann.


Unser Land hat eine traurige Tradition...an die ich hier gar nicht erinnern möchte, die mir aber bei vielen Einrichtungen und bei der Haltung vieler "Aufbewahrer" in den Sinn kommt.


Herr Schwalm führt gebehinderte oder anderweitig motorisch behinderte Menschen an - diese können ihrem Bewegungsdrang ja von der Sache her gar nicht mehr nachkommen.
Vielmehr habe ich erlebt, dass gerade durch die Neuroleptika die Alzheimerkranken in ihrer Motorik schwer gestört werden und dann erst ihre Fähigkeit zu sitzen, zu stehen, umher zu laufen nach und nach - manchmal auch sehr schnell - verlieren.


Ich lasse mich in dieser Sache auch nicht mundtot machen - ich bin ein Mensch, der aufmerksam hinschaut und ich habe in den letzten 5 Jahren viel Trauriges in dieser Richtung gesehen. Es gibt leider nur sehr wenige Einrichtungen, die den Bedürfnissen Demenzkranker wirklich gerecht werden.


Neuroleptika helfen in meinen Augen in erster Linie den Gesunden - den Pflegenden, den Betreuenden, den Angehörigen, die in ihrer (zugegebenermaßen verständlichen) Hilflosigkeit keine anderen Rat wissen. Und - man lässt sie in dieser Hilflosigkeit allein. Somit ist es ein gesellschaftliches, ein politisches Problem, das uns zunehmend einholen wird, denn die Anzahl der Demenzkranken steigt beständig an.


Der Demenzkranke kann sich nicht verändern - WIR müssen uns verändern.


Leona

  • (381 mal gelesen)
  • Status: Senior Moderator

Hallo Ingo,
habe dir eine PR geschickt! Postfach prüfen!
Gruß Leona

  • (365 mal gelesen)
  • Status: Med-Insider SternSternStern

Hallo,


ich bin für Zuwendung, Liebe und alles was ein kranker Mensch braucht.
Jede Alternative die hilft, jede Therapie die etwas bringt ist gut.
Ich spreche von schweren Folgeerkrankungen des demenzkranken Menschen wie Psychose
und Ängsten. Jede Meinung zählt. Manche Meinungen/Überzeugungen von Angehörigen
müssen auch hinterfragt werden
Für die Menschen sollten wir ruhig weiter disputieren!
LG
Ischwalm.

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