Startseite > Foren > Forum Alzheimer > Umzug ins Pflegeheim -Tipps erbeten
Hallo, liebe Mitbetroffene, ich brauche Euren Rat!
Mein Vater (87) leidet seit einigen Jahren an Alzheimer-Demenz.
Weder meine Schwestern noch ich können ihn pflegen, da wir weit weg wohnen (ich 600 Kilometer entfernt, meine Schwestern je etwa 150).
Seit dem Frühjahr 2006 wird er von einem sehr guten Pflegedienst betreut, doch so langsam aber sicher reicht das nicht mehr aus. Die Erkrankung meines Vaters ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass er sich selber gefährdet, er kommt nicht mehr mit den einfachsten Verrichtungen klar, er hat keinerlei Zeitgefühl mehr, hat Schwierigkeiten mit der Körperpflege und ist inkontinent (zum Teil allerdings als Folge einer Blasenkrebs-OP vor 15 Jahren). Schon mehrmals ist er nachts viel zu dünn bekleidet in seinem Wohnort umher gelaufen, einmal wurde er von der Polizei nach Hause gebracht.
Inzwischen hat uns der Pflegedienst dringlich empfohlen, unseren Vater ins Altenheim zu bringen. Und es ist wirklich ein unhaltbarer Zustand so. An den Wochenenden hat er zwar meist Besuch von meinen Schwestern oder mir, aber in der Woche ist er doch (von den wenigen Pflegestunden mal abgesehen) weitgehend unbetreut.
Seit etwa 3 Jahren isst er im kirchlichen Altenheim zu Mittag.
Er mag dieses Heim, das nur etwa 100 Meter von seinem Haus entfernt liegt, er verbringt dort freiwillig einen großen Teil seiner freien Zeit, ihm sind die Mitarbeiter sympathisch, findet das Essen gut - und doch wehrt er sich vehement dagegen, dort einzuziehen. Er weiß ja nicht, dass seine Geisteskräfte nachgelassen haben, glaubt, er könne vieles noch selbst regeln.
Nun haben wir endlich die Zusage des Altenheims, dass der am 2. Januar dort einziehen kann. So froh wir darüber sind, wir wissen nicht, wie wir unseren Vater davon überzeugen können, dass es sein muss.
Wie gesagt, der Einzug ins Heim ist absolut geboten und notwendig, eine weitere Verzögerung ist nicht mehr drin.
Bloß wie bekommen wir unseren Vater dazu, mitzumachen? Er ist nämlich mittlerweile auch relativ starrköpfig geworden.
Gibt es vielleicht Angehörige anderer Demenzkranker, die eine ähnliche Situation erlebt haben und mir raten können?
Bin für jeden Tipp dankbar.
Liebe Grüße aus Berlin
Liebe Berlin,
sollte euer Vater dem Heimaufenthalt nicht zustimmen, benötigt ihr eine Betreuungsvollmacht vom Amtsgericht der Stadt, in der er lebt.
In dem Antrag wird die Situation definiert, ein Neurologe oder Hausarzt stellt eine Diagnose (Demenz?)und ein Vormundschaftrichter genehmigt diese Betreuung.
Ihr könnt entweder gemeinsam oder einzeln die Betreuung übernehmen.
Es besteht auch die Möglichkeit einen neutralen Vormund zu beantragen(wird vom Gericht bestellt).
Letzteres würde ich jedoch möglichst noicht tun.
Erfahrungsgemäß bekommt ein solcher Betreuer eine Aufwandsentschädigung, außerdem können diese Betreuer, die mehrere Klienten haben, sich nie so intensiv bemühen.
Solltet Ihr also die Gefahr sehen, dass der Vater nicht ins Heim geht, so solltet ihr jetzt noch eine Betreuung beantragen,denn bis zur Erstellung dauert es ja auch etwas.
Im NOtfall kann man, glaube ich, eine befristete, kurzfristige Betreuung einrichte, wenn lötzliche Gefahr im Vollzug ist(nach Psych KG 19?
Ich hoffe ich konnte Ihnen damit weiterhelfen!
Für den Umzug wünsche ich Ihnen allen alles Gute und wenig STress!
becki
Hallo,
Ich rate von einer Amtsgerichts-Geschichte ab. Aber selber habe ganz schlechte Erfahrung gemacht.
Hol Dir lieber Rat bei der Alzheimerberatung vor Ort aber nicht das Amtsgericht!
Gruß Mareike64
Vielen Dank für Eure Anworten,
Betreuungsvollmachten besitzen wir, allerdings wurden diese nicht vom Amtsgericht bestätigt, aber sie tragen die Unterschrift meines Vaters(sehr krakelig).
Ob das wohl reicht?
Die Vollmacht, von einer meiner Schwestern ist sehr weit gehend und schließt nicht nur alle pflegerischen und persönlichen Belange meines Vaters ein, theoretisch könnte sie sogar für ihn einen Kredit aufnehmen.
Noch vertraut uns unser Vater weit gehend und bisher hat er meist unsere Vorschläge irgendwann angenommen, von daher hoffen wir nach wie vor, dass es ohne "Zwang" geht. Jedenfalls haben sowohl eine meiner Schwestern als auch ich selber für die erste Januarwoche Urlaub genommen, damit wir ihn beim Umzug ins Heim begleiten und ihm die Eingewöhnung erleichtern können.
Gott sei Dank bin ich mir mit meinen Schwestern absolut einig, das erleichtert so einiges.
Liebe Grüße aus Berlin
Guten Abend Berlin,
ich habe Ihnen bereits unter Privatnachricht geantwortet, möchte aber nochmal auf die Vollmachtsgeschichte eingehen.
Ich selbst bin auch im Besitz einer solchen Vorsorgevollmacht und mir wurde vom Amtsgericht bestätigt, dass dies völlig ausreicht.Die Amtsrichterin sah mit Hinweis auf dieses Papier von einer amtlichen Vollmacht ab - wies dies sogar energisch von sich und stellte mir stattdessen einen Beschluss für "Dritte" aus, die gefälligst die Vorsorgevollmacht anzuerkennen hätten.
Auch mein Vater hat nur "krakelig" unterschrieben und mit dem Beschluss zusammen hat bisher jede Einrichtung das Papier anerkannt - das Heim, die Bank u.a.
Ich wünsche Ihnen allerdings, dass Sie auf dem Wege vorankommen, den wir privat schon ausgetauscht haben - ohne Gewalt.
Alles Gute
Leona
Guten Abend Berlin,
noch ein Nachtrag -
ich habe etwas vergessen.
Rechnen Sie mit einer deutlich längeren Eingewöhnungszeit im Seniorenheim - eine Woche ist gar nichts, besonders bei einem Demenzpatienten. Ich bin den ersten Monat täglich hingefahren, das lief ganz gut.Doch sobald ich nur noch 2-3 Mal pro Woche kam, begannen auch die Schwierigkeiten.
Stellen Sie sich auch auf eine Verschlechterung des Zustandes ein - meistens geht es 2-3 Monate lang bergab - oft stabilisiert sich der Zustand dann aber wieder.
Für Demenzpatienten ist das Wegbrechen der vertrauten Umgebung -selbst wenn sie die vorher gar nicht mehr als solche erkannt haben- nun mal eine Katastrophe. Aber all das muss man u.U. hinnehmen, wenn es keine andere Lösung gibt.
Alles Gute
Leona
hallo,
ich mußte meine mutti im september 2006 auch in ein altenheim geben.wir haben es allerdings so gemacht,weil sie auch pertu nicht wollte.
ich habe meine mutti zu mir nach hause geholt und mit ihr ein paar schöne stunden verlebt.in der gleichen zeit hat mein bruder und mein mann alle sachen in das heim gebracht.am abend sind wir dann alle zusammen hingefahren und haben ihr erzählt das sie nur ein bis zwei wochen da bleiben soll,bis es ihr wieder besser geht.mittlerweile ist sie schon über 1 jahr da,ab und zu fragt sie noch nach ihrer wohnung,aber wir erklären es ihr dann,dass es nicht mehr geht.
eine betreuungsvollmacht oder generalvollmacht sollte unbedingt gemacht werden,da diese menschen nicht mehr alleine handeln können.
mfg.tina46
Liebe Berlin,
auch wir haben eine etwas schwammige Betreuungsbescheinigung von der Richterin erhalten. Unsere Mutter hatte uns 8 Jahre zuvor eigenhändig in einem Brief ans Amtsericht ernannt, für den Fall, dass........
Obwohl solche Erklärungen eigentlich jährlich bestätigt werden müssen, hat die Richterin diese mit Stempel und Unterschrift versehen. Bis vor einigen Wochen gab es damit auch keinerlei Probleme. Allerdings müssen wir jetzt eine erneute, offizielle Amtgerichtsbescheinigung einholen, weil das neue Heim, in das meine Mutter Ende Januar einziehen soll, diese nicht anerkennt.
Eigentlich finde ich das auch in Ordnung, denn die Missbrauchsgefahr bei Entscheidung nach Aktenlage ist ja wirklich gegeben.
Mit solchen Notlügen habe ich selber ein Problem, insofern haben wir da schon mit offenen Karten gespielt. Das hat beides vor und Nachteile und muss wohl jeder für sich entscheiden.
Wichtig ist, dass ihr selber eindeutig seid in eurem Entschluss!
Ich wünsche euch viel Kraft und Zuversicht! Wird alles irgendwie klappen!
Lieben Gruß
becki
Hallo nach Berlin,
wie ist die Lage inzwischen? Geht es voran - sprich: konnten Sie Ihren Vater überzeugen? Vermutlich hatten Sie stressige Feiertage - denken Sie daran, dass es wieder besser werden wird, wenn er sich erst einmal eingelebt hat. Versuchen Sie am Anfang häufig bei ihm zu sein, damit er spürt,dass Sie auch weiterhin für ihn da sind.
Viel Glück wünscht
Leona
Hallo Leona,
Danke der Nachfrage.
Noch liegt der "große Tag" vor uns, der Umzug ist für den 3.1 fest geplant, meine Schwester und ich werden gemeinsam versuchen, unseren Vater dabei zu unterstützen.
Im Moment bin ich ganz hoffnungsvoll, denn in einem lichten Moment hat mein Vater tatsächlich begonnen, ZU PACKEN, da er ja bald ins Heim umziehen werde.
Über die Feiertage war er bei meiner Schwester und da ist eigentlich auch alles recht problemlos gewesen.
Gestern, als ich ihn angerufen habe, wusste er allerdings nichts mehr von seinem geplanten Umzug.
Mal sehen, wie das alles wird. Ich melde mich am 7.1. wieder, wenn (hoffentlich) alles gut über die Bühne gegangen ist.
Liebe Grüße aus Berlin
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