Liebe Susanne,
nicht jeder Alzheimer Kranke zeigt die gleichen Symptome, den gleichen Verlauf. Wenn die Symptome auftreten, in euerem Fall ist die Orientierung zu den Nächsten betroffen und ich wette, auch die räumliche, dann kann man von einem anfänglichen Mittelstadium ausgehen. Der Erkrankte kann aber noch viele Jahre Lebensqualität vor sich haben. Meidkamente heute halten nicht ein generelles Fortschreiten, aber sie verzögern den Verlauf, zum Teil bessern sie sogar über ein Jahr.
Wie es weiter geht ? Dein Grossvater wird irgendwann jegliche Orientierung verlieren, Raum, Zeit, Person, auch zu seiner eigenen Person und deswegen benötigt er gute, verständnisreiche Begleiter, die wissen, das dein Opa niemals etwas aus Planung und Boshaftigkeit macht, sondern das es eine Krankheit ist, die ihn Stück für Stück Fähigkeiten verlieren lässt...zum Schluss die Sprache und die motorischen Fähigkeiten....wer lange mit Alzheimer lebt, wird zwangsläufig zum Schwerstpflegefall, wobei dieses für die betroffenen Angehörigen oftmals leichter zu ertragen ist, als die vorgehende Unruhe und Aufregungen, die miteinhergehen und mürbe machen. Du solltest mit deiner Oma reden, wo ihre Belastungsgrenzen liegen. Wichtig wäre sich rechtzeitig noch umfassender zu informieren. Es gibt über die Deutsche Alzheimer Ges. jede Menge kostenfreie Broschüren, es gibt gute Bücher und es gibt vielleicht eine Selbstshilfegruppe vor Ort, wo deine Oma Kontakt mit anderen Betroffenen erhält, Dieser Weg kann sich lohnen, nicht nur um praktische Hilfen zu erörtern, sondern auch um einer sozialen Vereinsamung deiner Oma entgegenzuwirken, die oft da entsteht, wo man den Kranken nicht mehr unbeaufsichtigt lassen kann.
Überlegt rechtzeitig welche Hilfen aus der Pflegekasse beantragt werden können, um zumindest eine stundenweise Entlastung für die Oma zu schaffen. Überlegt, wer noch innerhalb der Familie oder Freunden zu einplanbarer Hilfe bereit wäre.
Eine entspannte Pflegesituation hilft auch dem Opa, sich wohler zu fühlen und glaube mir, natürlich ist man mit der Diagnose noch sehr empfänglich, und traurig, für das Unwahrscheinliche, was mit einem passieren mag. Angst bekommt man, Depressionen haben alle Kranken...stelle dir vor, es ist wie ein Tunnel in den man fällt und das Licht wird immer schwächer. Es ist wichtig, deinem Opa immer wieder das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, egal was er macht und sagt und tut., Er tut es immer aus der Sicht, es richtig gemeint und gedacht zu haben. Vielleicht hilft es deiner Oma schon, nicht dem Gefühl nachgeben zu müssen, alles richtig stellen zu müssen, was sie für normal hält.
Gerade am Anfang tun Gesunde sich schwer, anzuerkennen, das Diskussionen ....ich bin aber deine Frau, statt zu sagen, aha, ja dann, wer bin ich denn ? ...wegzugehen auf einen Spaziergang, wenn es nicht ihre Wohnung ist, wiederzukommen und Opa hat das vergessen.....mitzusuchen, zu sagen, dann gehen wir nachher auf die Polizei und sagen was gestohlen wurde....
dieses Mitspielen muss gelernt werden, leider mühsam und deswegen wäre es wichtig, das Oma Kontakte zu anderen bekommt.
Deine Oma muss leider mit vielen
Veränderungen umgehen, die Krankheit akzeptieren, wenn man das kann, sie darf keine Scham haben, weil ihr Partner auch für Dritter erkennbar "wunderlich" wird.
Gute Informationen findest Du unter www.alzheimerforum.de über den klassischen Krankheits
verlauf, aber auch Tipps zur Beantragung von Pflegestufen, alles Mögliche, bis hin zu Berichten betroffener Angehöriger, Empfehlungen für Bücher und Broschüren, Adressen von Selbsthilfegruppen.
Es ist sehr hoch anzurechnen, wenn Du deiner Oma und dem Opa helfen willst und sei es als Beraterin. Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht zu traurig gemacht, deine Fragen sind ein guter Anfang. Ihr seid nicht die Einzigen in Deutschland, deren Schicksal plötzlich diesen Namen hat.
Herzliche Grüsse
Auguste D.