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Forum: Alzheimer

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Mein alter Herr Eberhard


Ich werde ab jetzt immer mal wieder – so es mir die Zeit und eine intakte Elektronik erlaubt – immer mal wieder unter diesem Thread (der dann ein Folgethread wird) berichten, wie es meinen Vater ergeht. Das scheint mit ein gutes Vorgehen zu sein, welches auch für den Experten eine zusammenhängende Schilderung des Krankheitsverlaufes bei Morbus Alzheimer darstellt. Vielleicht ist es anderen von Nutzen.


Noch zu Weihnachten 2005 konnte ich mit meinem Vater ganz normal über alles mögliche sprechen, es waren keine Ausfallserscheinungen ersichtlich. Dann wurde er über Neujahr in eine Klinik zur Behandlung verengter Beinarterien eingewiesen und bekam nach einer erfolglos verlaufenden Dilatation (ein Ballon war während des Eingriffs geplatzt) einen Bypass. Aus der Narkose erwacht, zeigte Vater starke Desorientierungserscheinungen, die tagelang anhielten. Wieder zuhause, suchte er seinen Hausarzt auf und machte einen Test bezüglich Demenz, der aber negativ verlief. Auch besserte sich sein Zustand schnell, so dass meine Mutter und ich der Ansicht waren, dass es wohl Nebenwirkungen der Narkose oder anderer Medikamente waren, die vorübergehend eine demenzartigen Zustand hervorgerufen haben könnten.


Im Sommer 2006 jedoch kam es zu ersten Auffälligkeiten bzgl. angeblicher Briefe, nach denen Vater fast das ganze Haus absuchte. Er war der irrigen Ansicht, seine Krankenkasse habe ihm geschrieben, er müsse fortan Medikamente aus dem Ausland beziehen. Es stellte sich dann heraus, dass es ein kurzer Artikel in der Zeitschrift seiner Krankenkasse war, in dem über Medikamente aus dem Ausland nur berichtet wurde ohne eine Handlungsanweisung zu enthalten. Darüber hat er sich dann wieder beruhigt. Wenig später hat er dann meine Mutter gefragt, wer das denn von der Verwandtschaft sei, der bei ihnen zu Besuch ist. Damit war ich gemeint – sein Sohn. Selber darüber erschrocken, vergewisserte sich Vater über ein Hausarztbuch über Demenzen. Dann aber schien wider eine ganze Zeit lang Ruhe zu herrschen, alles verlief wieder normal.


Erst im Spätherbst 2006 fing es wieder an. Jetzt meinte Vater, fremde Menschen würden bei ihm in der Garage Dinge verstellen und sein Auto sei ausgetauscht worden. Wenig später meinte er das auch von seinem ganzen Haus. In Gesprächen hatte er zuweilen Wortfindungsprobleme, konnte aber das Gemeinte noch gut umschreiben. Alles in allem aber wirkte er noch überwiegend unauffällig bis auf diese „fixen Ideen“.


Im April 2007 wurde dann nach einem Besuch bei einem Neurologen mit anschließender Hirn-Tomografie vom Hausarzt die Behandlung mit einem Acetylcholinesterasehemmer begonnen. Diese Mittel bewirkte zwar keine Wunder, veränderte aber das Allgemeinbefinden meines Vaters merklich, so dass seine noch zu Ostern 2007 etwas stille und „muffelige“ Art verschwand und ich im Sommer einen fast wieder wie früher humorvollen Menschen vorfand. Leider blieben die fixen Ideen. Zwar erkannte er sein Auto und sein Haus wieder, hielt das nicht mehr für Dubletten, aber jetzt schlichen angeblich Diebe im Haus umher, die es vor allem auf sein Werkzeug abgesehen hatten. Vater begann jetzt mit sonderbaren Versteckaktionen und vieles, was sich einst in der Garage befand, kam auf den Dachboden. Selbst ein altes Kofferradio – an dem wohl kein Dieb seine Freude hätte – wurde versteckt.


Im November 2007 – letzten Monat – wurde Vater 80 Jahre alt und ich habe ihm einen neuen Rasierapparat, der in der Handhabung seinem alten entspricht, geschenkt. Machte er schon um seinen alten Rasierapparat, seiner Geldbörse und seiner neuen Brille einen grotesken Sicherheitskult (alles muss abends mit ins Schlafzimmer und mehrmals am Tage wird nachgesehen, ob es noch vorhanden ist), so steigerte sich dieses sonderbare Verhalten mit dem neuen Gerät noch. Zudem wiederholt Vater öfter eine Frage mehrmals hintereinander und wirkt allgemein unruhiger – jedoch nur selten nachts (manchmal steht er auf, weil er meint, zu Arbeit zu müssen). Man muss ihn auch oft mehrmals auffordern zum Essen zu kommen.
Alles das nervt zusehends meine 78-jährige Mutter und auch ich hatte schon Anwandlungen von Zorn in mir gespürt ob dieser vermeintlichen Sturheit und Begriffsstutzigkeit. Immer und immer wieder muss man sich selber sagen, dass dieses ja nicht absichtlich geschieht sondern Krankheit ist. Jedoch bleibt der langsam entstehende nervliche Schaden so oder so ein Schaden – ob Absicht oder nicht.


Ich versuche, meine Mutter zu bewegen, dem Hausarzt darüber Mitteilung zu machen und ggf. für Vater ein leichtes Neuroleptikum und für sich selber ein leichtes Tranquilanzium verschreiben zu lassen für Tage, an denen Vater besonders verwirrt ist. Aber meine Mutter hat einfach Angst, wenn beide beim Hausarzt sind, damit anzufangen, weil der alte Herr dann garstig und noch verwirrter reagieren könnte, denn m.E. schwindet bei Vater die Krankheitseinsicht („ist ja alles nicht so schlimm, ich kann doch noch so viel“). Tatsächlich ist Vater körperlich überwiegend noch fit für sein Alter, kommt noch gut mit Gartenarbeit, der täglichen Toilette und andere Routinen zurecht und verfügt auch noch über viele seiner langjährigen handwerklichen Fähigkeiten (hat noch vor kurzem in meinem Beisein einen Heizlüfter fachgerecht repariert). Uns was für mich besonders rätselhaft ist, ist die Tatsache, dass er manchmal noch weiß, was die Nachrichten vor kurzem gebracht haben, usw. Und dann wieder das Vielfachfragen mit ein und derselben Frage. Welch eine seltsame Krankheit! Bei Neorodegeneration erwartet man ja den irreversiblen Verlust der Erinnerungsfähigkeit, aber das dieses zuweilen wieder intakt sein kann, ist schon sehr merkwürdig. Offensichtlich laufen im Gehirn Kompensationsprozesse ab. Vielleicht kann daraus sogar ein neues Therapiekonzept erwachsen, wenn man dem mal näher nachgeht.


M.E. muss fachkompetente Pflegeunterstützung nicht erst einsetzen, wenn der Kranke sich nicht mehr alleine anziehen kann, usw. sondern bei diesen Krankheiten viel früher, denn es kann ja einer 78-jährigen, selber unter Hüftleiden, Katarakt und Glaukom leidenden Frau nicht zugemutet werden, sich Tag für Tag auch noch fortgesetzt „nerven“ zu lassen. Ich habe mittlerweile schon mehr Mitleid mit meiner Mutter als mit meinem Vater, zumal ich erste kleine Anzeichen einer egozentrischen und rücksichtlosen Wesensveränderung an ihm bemerke. Das könnte bedeuten, dass sich die Krankheit bereits zum OFC „vorgefressen“ hat. Wenn Vater zum „Phineas Gage“ werden sollte, wird eine Heimeinweisung nicht zu umgehen sein. Ich hoffe, dass es niemals dazu kommen wird. Es ist zum Verzweifeln.


Gruss
Egon-Martin

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leona
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Status: Senior Moderator

Hallo EgonMartin,
Ihre Geschichte könnte mit kleinen Varianten eine "Dublette" der unseren sein...bei meinem Vater wurde im März 2005 Demenz vom Typ der Alzheimer Art diagnostiziert. Die Entwicklung verlief sehr ähnlich Ihrer Schilderung.Auch er besserte sich im ersten Jahr mit dem ACH (Exelon in unserem Fall), fiel im Sommer 2007 aber rapide ab. Ich beobachte bei schlechtem Appetit, Zucker- und Flüssigkeitsmangel massive Verschlechterungen der Orientiertheit.
Seit 1.Oktober 2007 lebt er in einer Senioreneinrichtung in meiner Nähe. Dies war unvermeidbar, da Vater geschieden ist (meine Eltern sind jetzt beide 82)und ich ebenfalls allein lebe und berufstätig bin.Meine Mutter wäre aber auch außer Stande, dieser Krankheit Stand zu halten.
Portemonnaie, Brille, Rasierer (früher noch Führerschein und Ausweis)sind auch bei uns die entscheidenden Gegenstände - ständig "gestohlen", ständig versteckt und gesucht! Auch die Dubletten sind mir vertraut Zitat: "Ja, das sieht aus wie meine Wohnung, es ist aber eine andere.Es gibt inzwischen 4 Stück davon...muss ich die alle bezahlen?" Oder: "Von diesen Inges gibt es 8 Stück, die sehen alle gleich aus, haben alle den gleichen Beruf, aber nur die eine ist nett..."
Auch die Verkennung meiner Person ist mir inzwischen vertraut.Oft bin ich sogar "Sohn", statt Tochter (tatsächlich bin ich Einzelkind!)oder der Bruder Georg...beim ersten Mal ist man tief geschockt, schließlich lernt man damit zu leben.Und dann kommen wieder die Überraschungsmomente, wie bei Ihnen die Reparatur des Heizgerätes...ähnliches kenne ich auch.Melden Sie sich wieder EgonMartin,mich würde es freuen.Gruß, Leona

(1172 mal gelesen)
Status: Med-Insider SternSternStern

Hallo Leona,


vielen Dank für Ihre Zeilen. Sie zeigen mir einmal mehr, dass Krankheitsverläufe keine sonderbaren Einzelfälle sind, sondern fast schon Standard. Aber gerade in diesen vielfach – es gibt immer auch Ausnahmen – sich ähnelnden Abläufen, liegt ja auch große Hoffnung für die medizinische Forschung.


Was das betreute Wohnen anbelangt, so rate ich meinen Eltern jedes Mal, wenn ich sie besuche – ich wohne an einem entfernten Ort – auch von solch einer Möglichkeit Gebrauch zu machen. Immer wieder versichere ich ihnen, am Erbe nicht interessiert zu sein, so dass sie ihr Haus mit Garten verkaufen sollten, um vom Erlös noch gemeinsam einige (es mögen recht viele sein) schöne Jahre – von netten Fachkräften betreut – im betreuten Wohnen zu verleben. Es werden dort ja auch Ausflüge angeboten, so dass sie nicht von der Welt abgeschnitten wären. Aber mein Reden stößt nur selten auf Zustimmung, was ich angesichts des langen Lebens in Haus und Garten auch gut verstehen kann.


Ich selber habe mich jetzt vorzeitig pensionieren lassen - auch und vor allem, um öfter nach meinen Eltern schauen zu können. Ein Umzug zu ihrem Wohnort kommt aber derzeit noch nicht für mich in Frage, da mich hier noch Verpflichtungen binden.


Diese Schocks kenne ich, denn es ist etwas anderes, Demenzen bei entfernteren Verwandten oder Fremden zu beobachten als wenn es den eigenen Vater betrifft. „Mein Vater spinnt!“ – das schockierte mich anfangs sehr. Mein Vater, der Rationalist per excellence, ein sehr logisch denkender Mensch und nun zusehends logischen Argumenten nicht mehr zugänglich? Leider ist es so. Den letzte Funken Einsicht in Sachen Diebstahl durch fremde Leute hatte ich im letzten Sommer nur kurz noch vernommen. „Vielleicht bilde ich mir das alles ja nur ein“, sagte Vater eines Abends im Juli und kam am nächsten Tag doch wieder zu seinen absurden Standpunkten zurück. Nochmals einige Tage später darauf von Mutter und mir gemeinsam auf nicht existente Gestalten, die er meinte, gesehen zu haben, hingewiesen, reagierte er schroff mit einem Abwinken und verzog sich ins Schlafzimmer. Es hatte den Anschein einer schmollenden Verärgerung, ist aber vmtl. mehr als das. Ich vermute, dass hier ein großer Teil Verunsicherung mit hineinspielt und man muss achtgeben, mit nicht zuviel Opposition den Kranken nicht gänzlich verstummen zu lassen. Das hatte ich an meiner Großmutter (mütterlicherseits, die Eltern meines Vaters leben schon lange nicht mehr, waren aber nicht dement) erlebt, die an derselben Krankheit – allerdings erst mit 90 Jahren litt und bald in ein Heim kam. Oma saß manchmal den ganzen Abend still in ihrem Sessel und ich kann mir vorstellen, wie Opa, der zuweilen ein cholerisches Temperament aufwies, sie „bearbeitet“ hatte, um diesen Zustand hervorzurufen. Oma starb mit 93 und Opa mit 96 Jahren – Opa war geistig bis zuletzt fit und ich frage mich, wen ich genetisch mehr beerbt habe. Wenn aber derlei bei mir selber auftreten sollte, so dürfte dass vmtl. erst im hohen Alter geschehen, so dass bis dahin die Chancen auf Heilung oder Abbremsung dieser Krankheit sicher größer sind als derzeit. Ich rechne: Ein Viertel von Oma und eine Hälfte vom Vater. Das sieht nicht gut aus – 75 % ige Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs dieser Krankheit bei mir jenseits meines 70.Lebensjahres. Aber so simpel mag es dann doch nicht sein. Inwieweit man hier mit Mendel und Co argumentieren kann, ist sicher fragwürdig und wäre auch komplexer, als ich es hier angedeutet habe.


Auch versuche ich, nach Lösungen zur Heilung oder wenigstens Stillstandsmöglichkeiten bei Morbus Alzheimer zu fahnden, was als Laie natürlich ein schier aussichtloses Unterfangen ist. Man grast das Internet ab, bekommt falsche Hoffnungen vermittelt, widersprüchliche Aussagen, usw. Man liest sich in die Neurobiologie ein, sieht und hört Vorlesungen auf DVD und CD in der wahnwitzigen Hoffnung, als „blindes Huhn“ irgendwo ein Korn zu finden. Ich bin bis zur Quantenphysik gegangen und lese derzeit sogar die umstrittenen Thesen eines Chemikers, der Anhänger von Maharishi Yogis seltsamen Ansichten ist (K. Volkamer „Feinstoffliche Erweiterung der Naturwissenschaft“). VOLKAMER behauptet, sonderbare Materiezunahmen bis in den Milligrammbereich belegen zu können, die nach der zeitgenössischen Physik ein eklatanter Verstoß gegen die Energieerhaltung darstellen. Das umgeht er aber durch Aufstellen einer eigenen Great Unified Therorie (alles vereinheitlichenden Theorie). Pathological Physics (es gibt ja viele „Besserwisser“, die ständig die Fakultäten mit Widerlegungen der Relativitätstheorie und ähnlichem „bombardieren“)? Möglicherweise - aber ich habe das über 600 Seiten starke Buch noch nicht durchgelesen. Ich bin ja zu jeder Ketzerei bereit, wenn es nur weiter hilft. Selbst die von ROTH nachvollziehbar verworfenen Thesen von HAMEROF und PENROSE (Bewusstsein basiert auf Quanteneffekte in den Mikrotubuli) werde ich mir vornehmen, obwohl ich weiß, was Dekohärenz bedeutet. Werden nicht durch entartetes Tau-Protein die Mikrotubuli zerstört? Wie soll schon der Friedrich der Große gesagt haben? Verwegen sein – immer verwegen sein.


Realistischer ist freilich die Erwartung eines tauglichen Impfstoffes. Das Prinzip entspricht einer Methode, die schon im 18.Jahrhundert noch in völliger Unkenntnis von Viren, usw. angewendet wurde zur Immunisierung gegen Pocken. Man trainiert das Immunsystem an „Attrappen“, die dem Feind gleichen. Im Falle der Pocken waren es Kuhpockenviren, die den für den Menschen gefährlichen Pockenviren strukturell dermaßen ähneln, dass das Immunsystem diese erkennt und neutralisiert. Mittlerweile hat man viel Gerät und Erfahrung um eine Vielzahl von Viren erfolgreich bekämpfen zu können. Leider nicht alle, wie man an AIDS sieht, denn es gibt Viren mit einem erstaunlichen Veränderungspotential und wenn diese Viren das Immunsystem wie bei AIDS selber befallen, wird es schon arg brenzlig. Aber es müssen nicht unbedingt Viren sein, die das Immunsystem erkennen kann, d.h. wogegen es sog. Antikörper produziert. Es können auch Eiweißpartikel sein, womit wir bei Morbus Alzheimer wären. Im Prinzip geht man wieder so vor, wie in der Virenbekämpfung. Man bietet dem Immunsystem eine Attrappe an, in diesem Fall ein pseudotoxisches Protein, das in seiner Struktur z.B. dem Beta-Amyloid ähnelt. Das bewirkt, dass gezielt Antikörper gebildet werden können, welche das Amyloid entfernen. Soweit die Theorie. Die Praxis ist weit komplexer, denn man muss ja v.a. sicher sein, nicht mehr zu zerstören als zu heilen. Was passiert z.B., wenn auch lebensnotwendige Stoffe angegriffen werden? Löst man vielleicht gefährliche Autoimmunreaktionen aus? Tierversuche waren allerdings schon vielversprechend – beim Menschen aber scheint es derzeit noch zu große Risiken (z.B. gefährliche Hirnhautentzündungen) zu geben obwohl auch hier durch NITSCH (Uni Zürich) schon Erfolge vorliegen.


Aber wir dürfen doch Hoffnungen haben, denn jedes Jahr wird mehr erkannt. Zu Zeiten der Demenzerkrankung meiner Großmutter hatte man noch keine marktreifen Acetylcholinesterasehemmer, so dass der Krankheitsverlauf rapide war. Heute gibt es diese Medikamente und mehr. Man kann damit immerhin lindern und verzögern, d.h. Zeit gewinnen. Zeit – vielleicht auch für den großen Durchbruch nicht nur in der Behandlung sondern auch in der Heilung.


Gruss
Egon-Martin

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Status: Med-Insider SternSternStern

In diesem Fortsetzungsbeitrag (Folgethread) berichte ich über den Verlauf der Alzheimer Demenz bei meinem Vater.


Über die Weihnachtstage habe ich meine Eltern besucht und erlebte bei meiner Ankunft (am 22.12.07) eine Überraschung. Vater war in ausgezeichneter Stimmung, berichtete von einer kleinen Fahrradtour, die er am Vortrag in der Kleinstadt gemacht hatte. Er beschrieb dermaßen gut, wo er war, dass ich erst mal nachdenken musste, denn mir war dieser Bereich der Stadt nicht mehr ganz geläufig. Die Unterhaltung verlief bis in die späten Abendstunden normal. Am nächsten Tag hielt dieser nahezu gesunde Zustand bis zum Abend an. Dann kramte er auf einmal in seinen Fahrzeugpapieren herum und fand seine Versicherungskarte nicht in der Brieftasche. Er meinte, irgendjemand würde ihm schon seit längerem üble Streiche spielen und hätte die Katze gestohlen. Mutter sagte dann, dass er mal seine Geldbörse zeigen solle. Darin fand sich dann die besagte Karte. Statt aber darüber jetzt erfreut zu sein, wurde Vater etwas mürrisch, ging zur Garderobe und nahm sein Mütze. Auf meine Frage, wo er denn hin wolle, sagte er nur, er könne doch seine Mütze aufsetzen, wann es ihm passt. Er setze sie aber nicht auf sondern ging ins Wohnzimmer und erzählte mir wieder von den Dieben, die eine Großteil seines Werkzeuges gestohlen hätten und auch schon versucht hätten, im Schlafzimmer – wo er seit einiger Zeit seine beiden Rasierapparate aufbewahrt – einzudringen. Auf meine Frage, ob denn der neue Apparat, den ich ihm am 20.11.07 zum Geburtstag geschenkt hatte, noch vorhanden sei, antwortete er, der Apparat werde jeden Tag abgeholt und gereinigt. Dann folgte eine Diskussion über Verlegen und Diebstahl, während der ich den Fehler machte, zu sehr auf das Verlegen zu bestehen und vor Beschuldigungen zu warnen. Das hatte dann zur Folge, dass Vater eine ganze Zeit lang stumm mit mürrischem Gesicht und verschränkten Armen dasaß. Nach einiger Zeit taute er wider auf und meinte, dass er jetzt los müsse. Auf die Frage meiner Mutter nach dem Wohin, antwortete er, „ins Bett“ und dass er noch eine Weile dahin laufen müsse. Es gelang aber durch den Hinweis, das Schlafzimmer befinde sich doch im ersten Stock desselben Hauses, das zu klären. Am Heiligabend ging dann wieder alles nahezu normal zu – abgesehen von den kleinen Vergesslichkeiten, an die man sich schon gewöhnt hat. Spät abends meinte Vater dann, mit der Zentralheizung stimme was nicht und es werden heimlich Gas abgezapft. Mit dem Hinweis, die Anklage demnächst mal von eine Fachmann durchchecken zu lassen – das Gerät arbeitet wirklich nicht mehr ganz einwandfrei – war das dann erledigt. Am ersten Weihnachtstag kam ausgerechnet zur Mittagszeit eine Tante zu Besuch und brachte den gewohnten Rhythmus durcheinander. Das wirkte sich auf Vater negativ aus, so dass schon am späten Nachmittag unsinniges Reden auftrat und eine leichte Aggressivität. Am nächsten tag aber war das alles wieder wie weggeblasen. Ich unterhielt mich am späten Vormittag mit Vater über seine Ausbildungszeit zum Flugzeugbauer und wir sprachen über JU 52, Stukas, Messerschmidts und Heinkels. Vater erinnerte sich noch gut an seine Zeit als Segelflieger und dass durch den Krieg und den Zusammenbruch er seinen alten Traum, Flugkapitän zu werden, nie hat verwirklichen können.


Auf das Gespräch mit der Fliegerei habe ich Vater absichtlich gelenkt. Ich hatte wegen des kleinen Schocks, den ich wieder einmal nach dem „Absturz“ seiner Stimmung erlebt hatte (nach diesem überraschenden „Lichtblick“), darüber nachgedacht, wann und wie es mit dem unsinnigen Verdacht der Werkzeugstehlerei angefangen hatte. Es war die alte Bohrmaschine, die er früher immer liebevoll seine „alte Tante JU“ nannte, die zuerst abhanden kam (vmtl. hat er sie selber fortgeworfen und durch neues Gerät ersetzt, als er noch gesund war). Aus diesem Begriff heraus habe ich versucht, eine Assoziationskette zu seiner ganz frühen Tätigkeit zu analysieren. Tatsächlich kam es in den nächsten Tagen nicht mehr zu den üblichen Beschuldigungen. Allerdings irritieren ihn die langen Abenden und er will immer schon früh zu Bett und manchmal meint er auch, wir müssen jetzt nach Hause. Das hält aber immer nur kurz an. Allerdings gibt Mutter häufig nach und geht mit Vater auch relativ früh zu Bett (ca. 21h00), was sei zuweilen etwas ärgert, weil sei auch mal einen Film im TV sehen möchte, der später läuft.


Was ich getan hatte, nennt man Validation. Ich hatte mir eine CD und ein Buch von Naomi Feil besorgt. um mich darüber zu informieren. Das ist ein wenig wie simple Psychoanalyse indem es die noch intakten Erinnerungen nutzt, um dem Kranken Initiative zu ermöglichen, selbstständig zu erzählen und so unter Umständen auch auf mögliche Ursachen alter nicht verarbeiteter Dingen zu kommen. Es wird nicht heilen, kann aber m.E. eine Zeitlang begleitend eingesetzt werden, um Symptome zu mildern.


Ich bin jetzt wieder in meinem Haus, werde aber in wenigen Wochen wieder zu meinen Eltern fahren. Zwischenzeitlich werde ich versuchen, Vater über das Telefon weiter zu validieren. Meiner Mutter habe ich erst mal eingeschärft, „Warum-Fragen“ nicht mehr zu stellen und Vater auf keinen Fall wie ein kleines Kind zu behandeln (diese Fehler wurden bereist öfter gemacht), denn das zwingt Vater, Erklärungen zu bringen, die er nicht bringen kann, was dann zu Frustrationen führt, die dann in mürrischem Verhalten, usw. münden.


Wir müssen uns m.E. darüber im Klaren werden, dass wir es bei dementen Menschen NICHT mit Psychotikern zu tun haben (es sei denn, es gibt entsprechende Krankenvorgeschichten), auch wenn zuweilen paranoiaähnliche Symptome auftauchen, die im Notfall auch mit Neuroleptika zu behandeln sind. Zunächst sollte man aber immer, durch Validation oder ähnlichen Gesprächstherapien, versuchen zu helfen. Es ist m.E. ein tragischer Irrtum, hier alleinig einem materialistischen Reduktionismus zu huldigen – so wichtig dieser auch ist. Der Demenzkranke ist und bleibt bis zum Schluss eine bewusste Persönlichkeit, kann sich oft rudimentär noch fast bis zuletzt auf seine Weise mitteilen. Diese „seine Weise“ müssen wir lernen. Wir müssen uns dem Kranken anpassen – er kann sich uns nicht mehr anpassen (wer sind wir denn eigentlich, dass wir das überhaupt verlangen?). Ich gehe jetzt in leichter Anlehnung an R.D. Laing (der sogar in Psychosen oft mehr besondere Lebensstile sah statt Krankheiten) sogar so weit, dem Dementen eine gewisse Emanzipation zuzugestehen. Was ist denn „normal“? Dass sich Selbstmordattentäter mit ihren Opfern töten? Dass Eltern ihre Kinder verhungern lassen? Dass Politiker und Wirtschaftsbosse immer das Wirtschaftswachstum anbeten und dabei den Planeten ruinieren? Man könnte hierzu noch vieles schreiben, aber Nachrichten in den Medien teilen uns das ja täglich auch mit. Normalität ist eine Fiktion, eine Nur-Angepasstheit an bestehende Verhältnisse, die selber zutiefst krank sind.


Gruss
Egon-Martin

(1049 mal gelesen)
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Da habe ich ja offenbar, ohne es zu wissen, bei meinem eigenen Vater auch so etwas wie "Validation" betrieben.
Jedes Mal, wenn ich ihn besuche, krame ich seine alten Fotoalben hervor und betrachte mit ihm die teilweise uralten Bilder.
Es verblüfft mich immer wieder, wie viele seiner Erinnerungen dadurch wieder nach oben gespült werden.
Er ist zwar immer ganz erstaunt über die Alben, behauptet jedes Mal, diese vorher noch nie gesehen zu haben, aber, wenn er dann erst mal die Bilder betrachtet, fängt er an zu erzählen.
Zwar bringt er mittlerweile so einiges durcheinander, hat oft vergessen, dass etliche der abgebildeten Personen bereits tot sind, aber er weiß oft noch genau, um wen es sich handelt und in welcher Situation das jeweilige Foto gemacht wurde.


Einen schönen Jahreswechsel wünscht E. aus Berlin

(918 mal gelesen)
Status: Med-Insider SternSternStern

Hallo E. aus Berlin,


wichtig ist auch, für Erfolgserlebnisse bei dem Kranken zu sorgen, z.B. Lob für die Erinnerung an eine Zeit, die wir selber nicht erlebt haben. Der Kranke sollte sich hier ruhig als eine Art von Geschichtslehrer fühlen. Demenzkranke empfinden m.E. weit mehr als wir ihnen zutrauen. Man muss sie ernst nehmen und ihnen so lange wie möglich die Würde bewahren. D.h., die bei diesen Krankheiten (es gibt ja viele Demenzarten) auftretenden Fehlleistungen mit Erfolgen auf anderen Gebieten kompensieren, so lange das möglich ist. Ich bin erst dabei, das alles zu lernen, war zunächst fast nur naturwissenschaftlich orientiert.


Mein Vater hat in einem Gespräch zum erstenmal zugegeben, das er Angst vor dem Tod hat. Viele uns bizarr erscheinende Verhaltensweisen sind m.E. nichts anders, als diese Angst zu bewältigen. Ich versuche ganz vorsichtig, etwas aus dem ZEN-Buddhismus zu nehmen, das Hier und Jetzt als wesentlich zu sehen. Das geht vmtl. auch mit der Bibel, wo es heißt, sich nicht um den nächsten Tag zu sorgen. Trost spendet auch Dietrich Bonhoeffer


"Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr..."


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, verehrte E. sowie Dr. Spruth und allen ForumsschreiberInnen und LeserInnen ein gesegnetes und gutes neues Jahr 2008, das in ca. 11 Stunden beginnt!


Wir bleiben alle in Kontakt - niemand ist wirklich allein.


Gruss
Egon-Martin

(880 mal gelesen)
Status: Med-Insider SternSternStern

Zur Zeitdesorientierung, die sich langsam bei Vater ausbreitet, ist jetzt eine zeitweilige Raumdesorientierung im eigenen Haus (!) dazugekommen. Das teilte mir Mutter soeben am Telefon mit. Zur Zeit geht es aber wieder und Vater hat sogar ganz ordentlich den Tannenbaum abgebaut und Staub gesaugt. Am Telefon war Vater humorvoll und hatte kaum Wortfindungsstörungen, gab dann aber schnell an Mutter zurück. Nach wie vor irritieren mich diese scheinbaren Regenerierungen, die leider nie lange anhalten. Ein linearer und kontinuierlicher Niedergang von Neuronen findet offensichtlich nicht statt. Immer wieder scheint sich der Körper selber zu helfen, was ihm aber nur zeitweise und mit leider abnehmender Tendenz geklingt. Neulich hat ein Freund mir in einer eMail mitgeteilt, dass Alzheimer eine im Grunde rätselhafte Krankheit sei (sein Bruder ist Arzt).


Bis zur nächsten Meldung in diesem Blog-haften Thread, den ich versuche, kontinuierlich fortzuschreiben.


Egon-Martin

(813 mal gelesen)
Status: Med-Beginner Stern

Hallo, bei meinen Vater ist es genauso. Ich glaube bei ihm fing es schon vor zehn Jahre an. er veränderte sich, vergaß viel und vor allen er verdächtigte viele Leute des Diebstahls. I ntzwischen hat er fast kein Kurtzzeitgedächtnis mehr, vergisst alles, ind wandelt nachts umher verstellt alles und tagsüber weiß er von nichts mehr.Vom Arzt will er überhaupt nichts wissen.Meine Mutter ist 78 Jahre, hat Parkinson auch schon seit 10 Jahre. Ist vor kurzen gestürzt und ist ein Pflegefall.Sie kommt jetzt von der Reha heim. Ich mache mir Sorgen ob sie es mit Vater aushalt.Weil mein Vater manchmal agressiv ist, bezeichnet er sie als faul, weil sie nicht laufen kann. Ich habe mit dem Arbeiten aufgehört, weil ich Mutter helfen will.Grüße Angelika

(884 mal gelesen)
Status: Med-Insider SternSternStern

Hallo Angelika,


da scheint es gewisse Parallelen zu geben. Das liegt vmtl. in der Natur der Krankheit, die in gewisser Beziehung „standardisiert“ verläuft. Ich habe meiner Mutter empfohlen, beim nächsten Arztbesuch auch für sich ein leichtes Beruhigungsmittel verordnen zu lassen. Die Aggressivität meines Vaters hält sich Gott sei Dank noch in Grenzen, ist aber erkennbar. So macht er manchmal eine abwertende Handbewegung und stößt ganz im Gegensatz zu seinem früheren Benehmen ein eher volkstümliches Wort für Stoffwechselendprodukte aus, um dann schmollend in ein anderes Zimmer zu verschwinden. Meine Mutter und ich machten (und machen zum Teil noch) auch zu viele Fehler, die ein solches Verhalten möglicherweise provozieren. Diese Fehler bestehen v.a. darin, den Kranken immer wieder mit einer Realität zu konfrontieren, die er nicht mehr begreifen kann. Oder man ist überfürsorglich, behandelt den Kranken wie ein Kind. Alles das wirkt demütigend auf den Kranken, der sich sehr wohl noch seiner Würde lange Zeit bewusst ist und diese zu verteidigen sucht. Dazu kommt eine Todesahnung: Die ihm bekannte Welt geht langsam für ihn unter, die Orientierungspunkte brechen nach und nach weg. Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Tages in einem fremden Zimmer auf, es begegnen Ihnen Menschen, die sie nie zuvor gesehen haben und die Sprache und Schrift, der Sie dort begegnen, ist Ihnen auch fremd. So ähnlich dürfte sich ein Demenzkranker nach eine Zeit fühlen. Da bekommt es jeder mit der Angst zu tun und Angst führt oft zu aggressivem Verhalten oder Flucht.


Vom Arzt will Ihr Vater vmtl. nichts wissen, weil er tief in sich ahnt, was mit ihm los ist und er die Diagnose fürchtet. Für Ihren Vater ist Demenz vmtl. ein sehr negativer Begriff, den er mit „Verblödung“ oder "Verkalkung" verbindet. Keiner möchte für sich und andere als „blöde“ gelten. Vielleicht hilft es, wenn Sie Ihrem Vater schonend und geschickt erzählen, dass Leute wie Ronald Reagan, Helmut Schön, Herbert Wehner, Charlton Heston („Ben Hur“), Helmut Zacharias und vmtl. auch der große Philosoph Immanuel Kant im Alter an Demenz litten. Auch kann es ratsam sein, darauf hinzuweisen, dass Demenz eine inzwischen weit verbreitete Krankheit ist, wie unlängst sogar in der Illustrierte „STERN“ zu lesen war. Viele meiner ehem. Kollegen haben solch einen Fall in ihrer Familie. Anders gesagt – verzeihen Sie mir bitte diese Ausdrucksweise – Demenz wird mehr und mehr „gesellschaftsfähig“.


Den Vorwurf der Faulheit, den Ihr Vater gegen Ihre Mutter äußert, ist vmtl. eine Projektion. D.h., er ärgert oder ängstigt sich um seine eigenen Defizite und beschimpft diese in der Gestalt Ihrer Mutter. Projektionen kann man m.E. nur „knacken“, indem man den Menschen behutsam hilft, seine eigene Lage zu erkennen, was freilich bei Demenz besonders schwierig ist, da man nicht mehr von Lernfähigkeiten ausgehen darf. Wir haben hier m.E. außer Gott und den Ärzten nur einen Verbündeten: Die Vergangenheit. Demente Menschen verfügen noch lange Zeit über intakte Erinnerungen an ihre Vergangenheit. Also kann man versuchen, über biographische Daten das Problem zu lindern – gänzlich lösen wird man es nicht. Über biographische Daten des Kranken versuchen, das Selbstwertgefühl anzuheben, wäre z.B. eine Möglichkeit, den Patienten wieder etwas souveräner zu machen, so dass er von der Nörgelei wegkommt im Bewusstsein, in seinem langen Leben doch einiges Wichtiges geleistet zu haben ohne dem manches nicht ginge.


Naomi Feil hat in zig Jahren gute Erfahrungen gemacht mit einer Technik, die sie Validation nennt. Ich kann nur empfehlen, es damit einmal zu versuchen. Einfach mal bei einem Internet Buchvertrieb oder vorab schon mal bei Goggle nach dem Begriff „Validation“ oder „Naomi Feil“ suchen. Dann erfahren Sie schon einiges. Mehr kann ich z.Z. leider auch nicht anbieten, da auch ich erst am Anfang stehe und zulange nur auf die Neurobiologie geschaut habe – was natürlich auch sinnvoll ist (z.B. wachsam gegenüber evtl. neuen Therapien zu sein und auch auf Scharlanterie zu achten). Es gibt ja auch gute Seiten über Alzheimerinitativen, denen man wichtige Tipps entnehmen kann. Schauen Sie doch bitte auch mal, ob es in Ihrem Ort eine Demenz-Angehörigengruppe gibt mit Leuten, die schon viel erfahrener sind als ich es z.Z. bin.


Ich werde natürlich – so es mir die Zeit erlaubt – weiter hier berichten.


Liebe Grüße
Egon-Martin

(873 mal gelesen)
Status: Med-Beginner Stern

Hallo EgonMartin,



dein Bericht war für mich quasi wie ein Deja vu. Ähnliches habe und erlebe ich immer noch ebenfalls mit meinem Vater. Leider hat sich sein geistiger Zustand unheimlich schnell verschlechtert. Das heißt vom gelegentlich mal etwas verlegen bis zum sich nicht an sein eigenes Haus erinnern verging sehr wenig Zeit. Leider hat mein Vater auch ein unheimliches Misstrauen gegenüber allen anderen Menschen entwickelt. Egal ob mir gegenüber, oder seiner Frau, oder den Nachbarn, oder seinen Freunden. In seinen Augen möchten ihm alle etwas Böses. Am schlimmsten ist natürlich seine Familie, die ihn unbedingt in ein Heim einweisen lassen will, obwohl er ja nicht verrückt sei, dass sagt er immer. Schlimm sind auch die Dinge, die er inzwischen meint zu sehen, vorallem fremde Menschen, die ihm seine Besitztümer stehlen wollen. Früher habe ich immer noch den Fehler gemacht, zu versuchen ihm seinen Irrtum klar zu machen. Das hatte aber immer zur Folge, dass er recht ungestüm und aggressiv wurde. Seit ich dazu übergegangen bin, ihm einfach mal Recht zu geben, klappt es meist besser. Aber manchmal geht auch das nicht. Er hat meine Mutter schon öfter des Diebstahl beschuldigt und dann ich nicht einfach klein beigeben, und ihm zustimmen. Wo würde denn da meine Mutter bleiben, schließlich leidet ja auch sie extrem unter der schwierigen Situation. Allzu lange wird mein Vater wohl auch nicht mehr zuhause leben bleiben können, dass wäre für meine Mutter nicht tragbar. Zwar geht es meinem Vater momentan relativ gut, da er nochmal von den Medikamenten umgestellt wurde, und das Reminyl, das er jetzt bekommt deutlich besser anschlägt, als Exelon, das er vorher bekommen hat. Trotzdem werden wir über kurz oder lang über ein Pflegeheim nachdenken müssen. Davor graut es mit schon extrem. Immerhin ist das ja die größte Sorge meines Vaters in ein Heim zu müssen. Das ist schon alles ganz schön schwierig und verlangt ja allen beteiligten einiges ab, und es macht es vorallem schwierig auch die kleinen Lichtblicke nicht einfach zu übersehen. Aus diesen sollte man möglichst seine Kraft schöpfen.

Datum/Zeit von Autor Thema
03.12.07 14:23 EgonMartin Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
07.12.07 02:15 leona Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
07.12.07 18:26 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
29.12.07 13:16 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
09.02.08 17:15 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
28.03.08 22:39 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
28.03.08 23:08 leona Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
29.03.08 14:40 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
05.04.08 16:43 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
13.05.08 16:20 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
14.07.08 17:19 EgonMartin Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
14.07.08 17:55 leona Re: Mein alter Herr Eberhard - Folgethread
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