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Forum: Alzheimer

Eröffnungsbeitrag des Themas:

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  • (2053 mal gelesen)
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Hallo alle zusammen, ich war schon solange nicht mehr hier drin, das ich nicht mal mehr meinen Benutzernamen wusste.. sollte mich noch jemand kennen, bei uns schreitet die Zeit rasend schnell voran.


Mein Vater, inzwischen 65 hat seit nunmehr 3,5 Jahren Alzheimer, ich hatte damals hier gefragt wer mir einen Rat gegen die Unruhe geben kann, er sitzt nie still und läuft auch immer weg. Jetzt steht bei uns das nächste Thema an und ich brauche Eure Hilfe.. die Unruhe hat er nach wie vor, kein Medikament ob pflanzlich oder starke Medis vom Doc nix hat geholfen.


Jetzt lässt das Schluckverhalten so langsam nach. Wenn er trinkt behält er das Wasser ganz lange im Mund ohne zu schlucken und weil er dann keine Luft mehr bekommt verschluckt er sich und läuft blau an. Jetzt wurde meiner Mutter gesagt sie soll mal über eine Magensonde nachdenken. Haben aber schon viele negative Sachen gehört, natürlich wollen wir ihn auch nicht verhungern oder verdursten lassen. Was sollen wir nur tun?


Wer hat auch diese Erfahrungen gemacht und kann uns einen Tip geben?


Vielen , vielen Dank
Simone70

Antworten zu diesem Thema:

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  • (646 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Liebe Leona,


meine Mutter hat sich sehr über ihre Grüsse gefreut, ich habe ihr Ihre Zeilen wieder vorgelesen. Ihr kamen gleich die Tränen. Sie sagte es tut unheimlich gut mit jemanden zu kommunizieren der weiss wie es einem geht, ob hier im Forum oder in ihrer Selbsthilfegruppe.


Ich gebe Ihnen Recht wie sie im ersten Absatz geschrieben hat ... als ob man einfach den Angehörigen sterben lassen könnte. ... Die Ärzte sind da wahrscheinlich abgestumpft.


Wir hatten heute wenigstens mal eine positive Nachricht. Meine Mutter hat für meine Oma (86) eine Wohnung im betreuten Wohnen gefunden. Denn meine Oma wurde auch noch durch meine Mutter betreut. Mit einkaufen, putzen, Ärzte fahren etc. deshalb ist sie auch manchmal ganz schön mit der Kraft am Ende. Ich höre es immer nur an ihrer Stimme am Telefon und es tut mir weh nicht bei ihr zu sein. Doch was soll man machen, ich habe meine Tochter und meinen Mann hier und natürlich die Arbeit, doch es zerreisst mir jedes Mal das Herz wenn ich es so an der Stimme raushöre.


Mein Vater ging bis Dezember 4 Mal und ab letzte Woche jetzt 5 Mal in die Tagespflege. Er wird morgens halb zehn abgeholt und nachmittags ca. 15.00 - 15.30 Uhr wieder heimgebracht, das entlastet meine Mutter schon etwas. Und wir glauben auch das er sich dort wohlfühlt, zumindest redet man sich das wahrscheinlich auch selber ein. Demnächst möchte sie mal eine Woche zu uns kommen und sie sucht ein Heim was meinen Vater aufnimmt mit der Weglauftendenz, doch das ist nicht so einfach, die Heime nehmen solch einen Patienten nicht.


Die Wohngemeinschaft wo ihr Vater ist, ist das auch wie ein Heim? Jeder hat dort sein Zimmer zum schlafen, aber tagsüber sind alle zusammen?


Da Sie auch das Weglaufproblem hatten, hat sich das von alleine gelegt? Oder mit Medikamenten? Bei uns hat kein einziges Medikament geholfen, weder das pflanzliche noch richtige Hämmer.


Vielen Dank das Sie auch immer so schnell antworten, das tut sehr gut..


Liebe grüße
Simone

  • (161 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Liebe Eva Franziska,


vielen Dank für den Tipp mit dem Logopäden. Meine Mutter hat sich heute gleich erkundigt ob es bei ihr einen in der Nähe gibt und hat einen gefunden.


Vielleicht kann man doch noch selbst etwas machen.


Ich hoffe nur das die Pfleger in der Tagespflege dann einiges mit übernehmen werden, denn mit dem Essen ist es dort auch nicht so. Meine Mutter war letzte Woche dort, weil mein Vater sein Medikament vergessen hatte und als sie kam, sassen alle Patienten beim Essen. Meinem Vater hatten sie ein ganzes Brot auf den Teller gelegt, er wusste gar nicht was er da machen sollte. Meine Mutter schneidet es immer in ganz kleine Vierecke (wie bei einem Kind). Aber ich denke sie haben dort zu so etwas keine Zeit.


Lg Simone

  • (140 mal gelesen)
  • Status: Senior Moderator

Liebe Simone,


bei meinem Vater war das Weglaufen phasisch. Als er noch in seiner Wohnung lebte, kam es meistens abends über ihn. Er rief an (ich wohnte unweit von ihm) und erklärte mir, dass er nun "mal nach Hause" ginge. Das war für mich der Startschuss sofort zu ihm hinzufahren...so ging es manche Nacht. Vater ließ sich nicht überzeugen, dass er bereits in seiner Wohnung sei, also zogen wir uns oft an und ich ging mit ihm ein oder zweimal um den Block, um dann wieder an seiner Tür anzukommen... Manchmal schaffte ich es mit einem Trick: Vater war immer sehr hilfsbereit und verantwortungsbewusst. Ich erklärte ihm, die Wohnung gehöre mir (es war natürlich seine) und ich wäre sehr beruhigt, wenn er dort die Nacht verbringe und auf alles aufpasse. Das hat oft gewirkt. Morgens war er oft viel orientierter und es ging wieder.


Das Weglaufen im Heim (in dem er leider 7 Monate war), geschah unabsichtlich. Seinen Aussagen nach wollte er nur einen Spaziergang machen oder etwas einkaufen, einmal auch "seine Mutter besuchen" (die längst nicht mehr lebte und auch 800km weit weg begraben ist). Er fand dann einfach nicht mehr zurück und ging verloren. Das geschah im Heim 5 Mal. Man sedierte ihn dann, was ihm die Gehfähigkeit entgültig raubte. Die Mobilität kam nie mehr zurück, deshalb würde ich dringend von Beruhigungsmitteln abraten. Der Drang zu Gehen bleibt ohnehin - und dann kommen durch diese Mittel noch schwere Stürze dazu.
Es hilft nur, gemeinsam mit dem Kranken viel zu laufen und nach Möglichkeit eine Wohnform zu suchen, wo freies Bewegen möglich ist. Leider gibt es das viel zu selten - was unbegreiflich ist, denn das Phenomen ist ja die Regel bei den immer mehr zunehmenden Demenzerkrankungen.
Das Problem "Kurzzeitpflege" kenne ich gut, auch mein Vater wurde aus diesem Grunde meist nicht genommen. Er war deshalb nur 2x in einer solchen Einrichtung.
Bei Vater verlor sich dieser Drang - aber es dauerte schon 9 - 12 Monate. Dazu kam dann die Immobilität, die wie eine schwere Schuld auf meiner Seele lastet, denn ich habe keine bessere Möglichkeit für ihn gefunden und konnte die Beruhigungsmittel auch erst zu spät abwehren. Wenn man die Institution und die Ärzte gegen sich hat, ist es sehr, sehr schwer - man müsste den Betroffenen nach Hause holen und selbst pflegen, aber das war mir als alleinerziehende Mutter nicht möglich. Ich musste auch für unseren Lebensunterhalt aufkommen und konnte nicht rund um die Uhr für Vater da sein. Ich weiß auch nicht, ob ich die immer intensiver werdende Pflege körperlich hätte bewältigen können - wohl eher nicht.


Die Wohngemeinschaft war und ist ein Kompromiss. Es ist menschlicher als im Heim - es ist eine große Familie. Leider - wie ich schon schrieb - auch mit Mängeln. Jeder hat sein eigenes individuell eingerichtetes Zimmer. Wohnraum, Küche, Wintergarten, Bäder und Terrasse werden gemeinsam genutzt. Es leben 8 alte Menschen dort, deren Demenz unterschiedlich weit fortgeschritten ist. Mein Vater ist derzeit das schwächste Glied.
Das Problem mit dem Essen kenne ich auch nur zu gut...ganz besonders schlimm ist es in Krankenhäusern. Wenn man dort nicht täglich zum Füttern kommt, verhungert der Angehörige.


In der WG läuft das unterschiedlich gut. Der eine Mitarbeiter kommt besser klar, ist gewissenhafter als der andere. Aber man muss auch selbst häufig anwesend sein. Das gehört dazu.
Trotzdem können Sie sich vorstellen, dass zwei Betreuer auf 8 alte Menschen eine andere Situation darstellen als 2 auf 38, wie es am Wochenende z.B. im Heim war.


Wenn Sie mehr über unsere Geschichte wissen wollen, lesen Sie einmal in den folgenden Thread hinein:


[http://www.onmeda.de/foren/forum-alzheimer/pflegeheime--und--demenz---erfahrungen/1443502/read.html]


Um die Unruhe, die möglicherweise zum Weglaufen führt, ein wenig einzudämmen, empfehle ich Ihnen nochmal Neurexan oder auch aus der Homöopathie Chamomilla D200 oder Ignatia D200.
Probieren Sie es aus - verkehrt machen können Sie damit nichts.


Das Weglaufen geschieht ja nicht, um uns zu ärgern. Es ist der verzweifelte Versuch des kranken Menschen, seine Welt wieder zu ordnen und zu begreifen...ich habe mich oft gefragt, wie einsam ein Mensch sein muss, der "zu Hause" nicht mehr findet und welche Angst das auslösen muss.


Melden Sie sich gerne bei mir, wenn Sie Fragen haben - egal um was es sich handelt. Nach 5 Jahren mit dieser Krankheit hat man nahezu alles schon einmal mitgemacht.


Ich wünsche Ihnen und allen Beteiligten Mut, Kraft und ein bisschen Erfolg bei der altenativen Behandlung.


Herzlichst


Leona

  • (153 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Hallo Simone,


ich bin nicht sehr oft hier und habe heute mal wieder etwas Zeit zum Stöbern in diesem Forum.
So habe ich Ihre Frage hier gefunden.
Also diese Frage stand vor gut einem Jahr bei mir auch im Raum.
Obwohl die Ärzte meiner demenzkranken Mutter eigentlich nur noch Tage geben haben, hatten sie bei mir angefragt, ob sie eine Magensonde legen dürften.
Meine Mutter hatte die zur Demenz gehörigen Ausfälle, sprich, nicht mehr richtig essen, nicht mehr richtig trinken können und somit war eine Medikamentengabe fast ausgeschlossen.
Meine Meinung war aber nach einer kurzen Überlegungszeit für die Legung der Sonde gefallen.
Die Überlegung war einfach, selbst wenn sie nur noch Tage hätte, so konnte aber wenigstens über die Sonde Schmerzmittel und Beruhigungsmittel gegeben werden, die somit auch ein würdevolles Sterben ohne Schmerzen und Unruhe ermöglicht hätten.
Heute bin ich mehr als froh darüber, daß ich den Ärzten zugestimmt habe.
Wie ich schon in einem anderen Beitrag berichtet habe, hat sich der Gesundheitszustand meiner Mutter verbessert.
Meine Meinung ist, daß jeder Mensch, egal wie alt er ist, egal wie krank er ist, ein Recht auf Leben hat und ohne Magensonde wäre es ein Hunger- und Dursttod mit Schmerzen und dadurch auch eine ausgelöste Unruhe gewesen.
Ärzte haben mir gesagt, an Alzheimer stirbt man nicht. Lediglich der Verstand und Motorik nimmt ab.
Aber ich habe meiner Mutter wieder einiges lernen können und ihr somit auch wieder mehr Lebensqualität gegeben. Ich weiß zwar nicht, ob sie es auch so sieht, aber anmerken kann ich es ihr.
Also sage ich immer wieder zu einer Magensonde ja.
Es ist einfach eine Lebenshilfe, genau wie ein Rollstuhl oder ein Blindenstock u.a.
Ich sehe es auf keinen Fall als eine lebensverlängerte Maßnahme an.
Denn wenn es Zeit wird zu sterben, stirbt auch ein Mensch, der noch normal über den Mund seine Nahrung zu sich nimmt.
Und genauso wird ein Mensch mit Sonde sterben.
Jedenfalls ist das meine Auffassung.
Und zusätzlich habe ich durch die Sonde mehr Zeit für sie und kann mich mit ihr intensiver beschäftigen als stundenlang vor ihr zu sitzen und sie zu nerven, daß sie essen und trinken soll.
Also ich sehe die Sonde auch als eine enorme Hilfe in der Pflege an.
Ich empfinde die Sonde besser als eine ewige Infusionsnadel, worüber ja ansonsten sonst eventuelle Medikamente gegeben werden müssten.
Meine Mutter bemerkt die Sonde nicht. Sie hat dadurch keine zusätzlichen Schmerzen.
Dies waren für mich nämlich auch wesentliche Punkte für die Zustimmung.
LG EllenMaria

  • (173 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Hallo,
bin soeben auf das Forum gestoßen und hab mir alle Beiträge hier im Thread durchgelesen. Heute wurde mir schmerzlich klar, dass das Thema Magensonde ja oder nein bei meinem Vater in Kürze zu entscheiden ist. Ich stand vor 2 Jahren fast schon einmal vor der Entscheidung und ich muss sagen, ich bin nach wie vor dagegen. Ich willl meinen Vater nicht verhungern und verdursten lassen, will ihm aber auch Verlängerung des "Lebens" nicht zumuten. Vorige Woche hatte er einen akuten Infekt und es sah einige Stunden nicht gut aus...ehrlich gesagt, ich hätte ihm gewünscht, dass er erlöst wird...aber, es schien noch nicht an der Zeit zu sein. Die Demenz ist vorallem muskulär sehr fortgeschritten, er kann nur noch die Arme ein wenig bewegen, noch nicht einmal im Bett kann er sich drehen. Vor 2,5 Jahren haben wir ihn in ein Heim gegeben müssen, da wir mit seiner Pflege überfordert waren. Im Heim läuft es auch nicht optimal, ich als Tochter empfinde die Situation als zunehmenden Alptraum!!!
Kann mir jemand hier Erfahrungswerte geben, wielange eine Ernährung ohne Magensonde (noch kann er schlucken) möglich sein wird? Vielen Dank und Grüße, Murmel

  • (217 mal gelesen)
  • Status: Med-Beginner Stern

Die Entscheidung "PEG ja oder nein" birgt immer auch viele ethische Probleme, die man gerade bei Demenzerkrankten schwer beurteilen kann, wenn man nicht weiß was er selbst dazu denkt.
Als Pflegekraft tendiere ich eher dazu, keine PEG einzusetzen, sondern der Krankheit ihren Lauf zu lassen. Es gibt viele Möglichkeiten, kleine Tricks, Demenzsymptome zu lindern und hinauszuzögern, Tatsache ist jedoch, daß Betroffene oft nicht mehr essen und schlucken können. Solange wie möglich würde ich Lieblingsgetränke andicken und löffeln, dies ist zeitaufwändig, nicht so appetitlich aber wirksam. So erreicht man dann auch evtl. die notwendige Flüssigkeitszufuhr. Sollte dies nicht mehr möglich sein, der Betroffene isst aber noch, kann man sich weiterhin mit subcutan-Infusionen weiterhelfen lassen. Diese sind umkompliziert anzubringen und beeinträchtigen den Betroffenen nicht (abends im Bett angebracht).
Die Bedenken, jemanden verhungern oder verdursten zu lassen, treten automatisch auf, dem entgegenzusetzen sind aber auch die Rechte auf Selbstbestimmung körperliche Unversehrtheit und Würde.

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