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Hallo, nun weiß ich nicht mehr weiter und brauche Hilfe von Euch. Meine Mutti befindet sich z.Z. in einer psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses. Die Diagnaose "Alzheimer" wurde vor 6 Jahren gestellt und seitdem ließ sie sich nicht mehr untersuchen. Seit einem halben Jahr bin ich nun Betreuer und versuche mein Bestes. Der Klinikaufenthalt ist notwendig, um ihre derzeitige Verfassung zu diagnostizieren und sie neu mit ihren Tabletten einzustellen. Jetzt ist es soweit, Heimunterbringung. Sie sagt bei jedem Gespräch,daß sie wieder nach Hause will und weint bitterlich.Wie soll ich ihr begreiflich machen, daß sie nicht mehr nach hause kann?


Hallo CHRIE,
das ist ein bisschen wenig, um hier einen Rat zu geben. Will sie nach Hause zu ihren Eltern oder möchte sie in ihre jetzige Wohnung ? Wie lange ist sie schon im Krankenhaus ? Es könnte auch bedeuten, dass sie einfach dort weg will. Erkennt sie noch ihre Lieben ? Was sagt der Neurologe ? Bekommt sie ein Medikament gegen ihre "Depression", das Weinen ? Kommt sie dann in ein Heim, in dem es eine gute Betreuung für Demenzkranke gibt ?
Alle anderen Möglichkeiten sind ausgeschöpft (Tagesbetreuung, betreutes Wohnen... ) ? Wenn sie noch versteht, dass sie in ein Heim soll, ist es wirklich schwierig. Hat sie noch einen Ehemann ?
Gruß Marge
P.S.: Es gibt hier im Forum schon sehr viele Beiträge zum Thema Heimunterbringung. Stöbern Sie noch ein wenig.
Danke für Ihre Antwort.Hier die weiteren Informationen:Sie lebt allein, mit einem Hund in Ihrem Haus und nach dem Tod meines Vaters 1998 entwickelten sich messihafte Züge. Sie konnte einfach nichts mehr wegwerfen. Als die Demenz diagnostiziert wurde, bekam sie auch mit dem Aufräumen nichts mehr auf die Reihe.Alle Versuche,sie ins betreute Wohnen oder in eine Tagespflege zu bekommen, scheiterten an ihrem Nein. Dieser Krankenhausaufenthalt dauert jetzt schon 2 Wochen, vom Arzt am Telefon weiß ich, daß sie jetzt optimal eingestellt ist und man im Moment nichts weiter tun kann. Nächste Woche kann ich erstmals persönlich mit einem Arzt sprechen. Sie hat immer gesagt,wenn sie mal in ein Heim muß, bringt sie sich um. Sie ist der Meinung, daß sie gut alleine leben kann und noch alles alleine kann. Dies ist aber nicht der Fall, sie kann sich noch nicht einmal mehr eine Schnitte schmieren, körperlich schon, aber sie weiß nicht mehr richtig, wie es geht. Nach außen wirkt sie stark, Fremde würden auf den ersten Blick nicht erkennen, was mit ihr los ist. Sie erkennt mich noch, weiß aber nichts mehr von ihren Enkeln und oft auch nichts mehr von ihrer Familie.Aber sie weiß eben immer noch, wo sie ist und das macht es mir so schwer, sie in ein Heim zu geben.


Liebe Chrie!
Wie wurde Ihre Mutter denn die Jahre über betreut? Könnte jemand ins Haus ziehen?
Ganz klar ist, dass ein solch eingeschränkter Mensch unmöglich noch alleine leben kann. Wenn es keine Möglichkeit gibt, dass jemand sie betreut (was wohl meistens besser ist, aber das muss dann wahrscheinlich ganztägig sein), haben Sie ja gar keine andere Wahl, als das Heim.
Ich habe darin keine eigene Erfahrung, höre aber immer wieder, dass es wichtig ist, selbst trotzdem soviel wie möglich von der Betreuung zu übernehmen - man kann nicht davon ausgehen, dass das Heim alleine das gut leisten kann/wird. Eine Bekannte hat z.B. in dem Heim ihrer Mutter eine ehrenamtliche Tätigkeit übernommen. Das hatte große Vorteile auch bei der Betreuung der Mutter.
Aber für Sie ist ja wohl nicht die Frage, ob Heim oder nicht, sondern wie es gelingen soll - oder? Haben Sie eins in Aussicht? Könnte man vorgeben, dass nun eine Art Reha notwendig ist und sie dann direkt vom Krankenhaus aus dorthin fahren, in der Hoffnung, dass sie sich einlebt? Ist das Heim in Ihrer Nähe? Gibt es jemanden, der Zeit hat, die Mutter zumindest am Anfang täglich ein paar Stunden zu begleiten? Könnte Sie ihren Hund mitnehmen - das sollte wohl Bedingung sein.
Auf die Einsicht bei Ihrer Mutter können sie krankheitsbedingt sicher nicht bauen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass sie in dem Heim Ruhe und Sicherheit findet und es dann vielleich sogar zu schätzen weiss.
Nur ein paar Gedanken - eher "ins Blaue hinein".
Wünsche Ihnen, dass Sie zusammen mit dem Arzt eine gute Lösung finden.
VG, Eva Franziska
............................................................................................................................................................................................................................................. Mein Steckbrief (Stand September 2010): Mutter, 86, betreut von mir (Tochter), 52, selbstständig. Keine weiteren Verwandten; Wohnen im selben Haus; Schweregrad: Anfang mittleres Stadium; Verstärkte Auffälligkeiten seit zirka 2006 nach Narkose wegen Arm-OP. Therapie nach Diagnose seit August 2009: Citalopram 20mg, Aricept 5mg, 2x/Woche Krankengymnastik wegen Gang-Ataxie; 1x/Woche tiergestützte Ergotherapie mit Hirnleistungstraining; 1x/Woche Begeitung bei kurzen Spaziergängen mit Gesprächaustausch (diese Dame begeleitet meine Mutter auch zur Physiotherapie und singt oft danach noch mit ihr). Ich versuche hauptsächlich mit Hilfe integrativer Validation (Nicole Richard) die Grundstimmung zu stabilisieren.

"Jetzt ist es soweit, Heimunterbringung. Sie sagt bei jedem Gespräch,daß sie wieder nach Hause will und weint bitterlich.Wie soll ich ihr begreiflich machen, daß sie nicht mehr nach hause kann?"
Mit Logik oder Einsicht ist wirklich nichts zu erreichen. In drei Fällen habe wir diese Problem zusammen mit den Angehörigen wie folgt gelöst:
1. Schritt: nach dem Krankehausaufenthalt - es ist noch eine Reha in Form von betreutem Wohnen notwendig (re-finanziert über Verhinderungspflege ggfs. zusammen mit der Betreuungspauschale).
2. Schritt: emotional auf eine Verlängerung hin gearbeitet.
3. Schritt: ich kann als Tochter/Sohn aus beruflichen nicht mehr auf dich aufpassen ............... oder was auch immer zur persönlichen Situation passt.
In der Realität zog sich das natürlich mit einer Menge von Argumentations-Facetten hin - bis hin zum Nervenkrieg. Das "ich will nach Hause" wird nie vergehen - aber das Leben hier in der WG wird heute von allen akzeptiert. Sie engagieren sich - jeder auf seine Weise und nach seinen Möglichkeiten.
Eines muss man als Angehöriger lernen (oder wieder erlangen) - eine Entscheidung zu treffen und diese dann auch durch zu stehen. Habe leider in diesem Jahr auch anderes kennen gelernt, wo die Nachfolgegeneration sich nicht durchgesetzt hat - gesetzlicher Betreuer und dann begann das Drama.
1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.12.10 09:26.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Ich weiß,dass ich für meine Mutter stark sein muß, weil sie es nicht mehr kann. Ich habe mir alle Mühe bei der Auswahl des Heimes gemacht. Man kann nur hoffen, dass es die richtige Wahl ist. Sie hat noch ihren Hund, den sie da mitnehmen darf, natürlich nicht ins Haus und er wäre für alle Patienten da, aber ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung ist. Ich denke immer noch, ich kann sie doch nicht ihrer Freiheit berauben und für sie bestimmen, wo sie zu wohnen hat, aber in meinem Inneren weiß ich auch, dass es einfach notwendig ist. Sie wird mich beleidigen und beschuldigen und sagen, dass ich es nun endlich geschafft habe, sie in ein Heim "zu stecken". Diese Traurigkeit und die Schuldgefühle werden wohl so schnell nicht vergehen.
Hallo CHRIE,
ich weiß wie du dich fühlst. Glaube mir es geht allen Betroffenen so. Diese Krankheit höhlt den Menschen aus. Es existiert nur mehr der Schein einer Hülle/Persönlichkeit. Du brauchst dir keine Vorwürfe machen, du hast das in deiner Situation Beste gemacht.Eine andere Möglichkeit gibt es nicht auf Dauer. Du kannst nur als Begleiter fungieren. Wenn du die Beiträge von Ischwalm in diesem Forum nachverfolgst und nachliest, wird dir sehr viel mehr an Hintergrundinformation zuteil.
Bei mir funktioniert die Noch-nicht -Heimunterbringung meiner Mutter seit 3 Jahren eigentlich nur deshalb noch, weil ein fester Stamm von 2 Verwandten und weiteren 3 "Betreuern" mich entlasten. Ansonsten würde man aufgefressen von 24-Stunden Rundumversorgung und die Krankheit schreitet ja ständig voran.Man läuft ihr im Prinzip immer hinterher. Worüber du dir jetzt Gedanken machst, wird in1/2 Jahr-2Jahren reine Makulatur sein.
Sei einfach Du selbst. Das hat nichts mit Eigensüchtigkeit zu tun.Wenns Dir gut geht, geht es deiner Mutter auch gut.


Hallo CHRIE,
geben Sie sich und ihr mindestens ein halbes Jahr. Ihre Entscheidung hört sich richtig an. Es gibt eben manchmal keine andere Alternative.
Diese Zeit ist wirklich furchtbar und ich gewöhne mich nie daran. Aber ich stelle für mich persönlich nach 9 Monaten fest (so lange ist meine Mutter jetzt in einem Seniorenheim), dass meine Mutter viel besser damit zurechtkommt als ich. Sie werden sehen, sie wird ihre eigenen Strategien entwickeln, sich einzuleben (zu überleben) und wenn sie Sie manchmal braucht, um ihre Enttäuschung und Wut loszuwerden, dann ist es eben so und dann halten Sie es einfach aus. Wir wären ja auch traurig.
Ich bin das erste halbe Jahr jeden Tag zum Heim gegangen, tue ich bis auf zwei Tage in der Woche immer noch. Heute sagt meine Mutter abends "du kannst ruhig gehen, ich weiß ja, dass du wiederkommst". Und ich weiß dann, es hat sich gelohnt. Abende mit Weinen gibt es auch noch, aber dann warte ich einfach und bleibe noch etwas. Kann eine halbe Stunde später wieder anders sein.
Ihre Mutter wird nur Vertrauen durchs TUN/ERLEBEN erlangen, nicht durch Versprechungen und Erklärungen. Sie werden das beide schaffen, ganz ruhig und behutsam.
Gruß - Marge


Liebe Chrie!
Nun mussten Sie für die Mutter entscheiden, was das Beste ist. Und wenn es das Beste ist, dann ist es auch richtig. Optimal ist gar nichts im Leben. Es gibt immer Hoch und Tief, Leid und Freude. Das wird kommen - dennoch, wenn Sie sicher sind, dass es anders nicht geht, dann können Sie auch sicher sein, dass es richtig war, auch wenn es zunächst schwierig anläuft.
Dass sie ihren Hund mitnehmen darf, spricht auch für das Heim - finde ich. Soweit ich das mitbekommen habe, ist es am besten, wenn man häufig vor Ort ist und mithilft. Zur optimalen Traumpflege ist meist keine Kapazität vorhanden, aber durch ein gutes Miteinander, kann es doch gelingen.
Ich war zutiefst erschrocken, als mir eine Mitarbeiterin einer großen Schwerst-Demenzpflegestation mitteilte, dass nur zirka 5% der Angehörigen ihre Verwandten besuchen. Ich will das auf keinen Fall bewerten, es können viele Ängste dahinter stecken. Oft geht auch eine lange zermürbende Geschichte voraus, wo der Betreuer - am Ende seiner Kräfte - nur noch die Flucht ergreift.
Da ist es doch besser, man regelt die Heimunterbringung, wenn man noch genug Kraft hat, unterstützend mitzuwirken.
Ich wünsche Ihnen, dass die Mutter sich doch bald einlebt und kann mir gut vorstellen, dass Ihre Mutter es später zu schätzen weiß, so wie es Marge beschrieben hat.
LG, Eva Franziska
............................................................................................................................................................................................................................................. Mein Steckbrief (Stand September 2010): Mutter, 86, betreut von mir (Tochter), 52, selbstständig. Keine weiteren Verwandten; Wohnen im selben Haus; Schweregrad: Anfang mittleres Stadium; Verstärkte Auffälligkeiten seit zirka 2006 nach Narkose wegen Arm-OP. Therapie nach Diagnose seit August 2009: Citalopram 20mg, Aricept 5mg, 2x/Woche Krankengymnastik wegen Gang-Ataxie; 1x/Woche tiergestützte Ergotherapie mit Hirnleistungstraining; 1x/Woche Begeitung bei kurzen Spaziergängen mit Gesprächaustausch (diese Dame begeleitet meine Mutter auch zur Physiotherapie und singt oft danach noch mit ihr). Ich versuche hauptsächlich mit Hilfe integrativer Validation (Nicole Richard) die Grundstimmung zu stabilisieren.
Hallo chrie,
nach zweijähriger Betreuungserfahrung kann ich Ihnen nur einen Tipp geben: Informieren Sie sich regelmäßig über die Medikamente die man Ihrer Mutter verabreicht. Die beste Pflege und Betreuung in einer Einrichtung ist für die Katz wenn die Ärzte die Bewohner medikamentös "abschießen", die Pfleger sind verpflichtet die verschriebenen Medikamente zu geben. Die Betreuer/innen aber haben Einfluß. Versuchen Sie mit den behandelnden Ärzten zu sprechen, fragen Sie nach Nebenwirkungen, googeln Sie diese Medikamente. Jeder Patient hat das Recht einer Behandlung zuzustimmen oder sie abzulehnen. Da Ihre Mutter das nicht mehr kann, ist es die Aufgabe des Betreuers. Das wird in Pflegeeinrichtungen von den behandelnden Ärzten oft ignoriert, da befindet sich der Patient in einem rechtsfreien Raum - meine Sicht der Dinge.
Ich habe schon einige neue Bewohner in Pflegeeinrichtungen erlebt, die bei ihrer Ankunft quietschvergnügt waren, man konnte sich mit ihnen unterhalten, sie haben sich normal bewegt und nach einigen Wochen trippelten sie oder waren mit einem Rollator unterwegs, auch die Kommunikation wurde immer schwieriger.
Wenn man auf dieser Station ist, entsteht der Eindruck, dass alle Bewohner die gleiche Krankheit haben, nämlich Parkinson. Das ist aber nicht der Fall, ich habe erfahren, dass viele Bewohner die gleichen Medikamente erhalten und eine Nebenwirkung sind Trippelschritte.
Ich telefoniere den Ärzten hinterher, ich habe versucht Termine in der Pflegeeinrichtung mit den Ärzten zu vereinbaren, es funktionierte nicht. Ich werde nicht informiert über die verschriebenen Medikamente und deren Nebenwirkungen. Mein Vater, dessen Betreuerin ich bin, ist privat versichert, d.h. ich erhalte alle Rezepte um sie zu bezahlen und erhalte auf diesem Weg die notwendigen Informationen, ich laufe immer hinterher. Wichtig sind auch Gespräche mit den Mitarbeitern der Pflegeeinrichtung, die übrigens auch verpflichtet sind Sie über die Medikamente die Ihre Mutter bekommt zu informieren. Ich habe schon erlebt, dass man das sehr widerwillig gemacht hat oder aber keinen Zugriff auf die Daten hatte.
Mein Vater wurde von vier Ärzten behandelt, einem Neurologen, einem Psychologen, einem Internisten und einem Urologen, da hatte ich ganz schön zu tun. Kooperativ war nur der Urologe und der Internist.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mutter alles Gute und passen Sie auf sich auf!
Schöne Grüße, siebenzwerge
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