Ich habe ja schon ab und an mal im Thread " Alzheimer und Plfegeheiim- Erfahrungen" geschrieben. Nun denke ich aber, das das was mich jetzt bedrückt nicht dort rein passt. Mein Vater(67J.) hat seit einigen Jahren Alzheimer, allerdings wurde es erst am Anfang dieses Jahres von einem Arzt diagnostiziert. Über Jahre blieb es relativ gleich oder nur ganz gering schlechter. Im Januar hatte er ,bedingt durch seine weigerung zur Dialyse zu gehen, einen schlimmen Schub bekommen und seitdem kann man regelrecht zusehen, wie es ihm von Woche zu Woche schlechter geht.Gerstern wollten wir ihn wieder besuchen und kamen ins Heim, wo man uns gleich sagte, das er schon vielfrüher zur Dialyse musste, weil er keine Luft mehr bekommen hat. Also fuhren wir dort hin und es bot es uns ein Bild des grauens. Allein der Anblick, ihn an dieser Maschiene angeschlossen zu sehen, er war ja nun auch noch an ein Atemgerät angeschlossen. Sein unsicherer Blick sagte mir, das er nicht wusste, wer wir sind.... Dieses Gefühl hatte ich zum erstenmal. Es tat so sehr weh...Er war so hilflos...Ich habe Angst...Angst davor ihn auch zu verlieren. Erst im März diesen Jahres mussten wir Abschied von meiner Schwiegerma (60J.) nehmen. Aber auch Angst davor, ihn genauso lange leiden zu sehen wie sie....Die ganzen Jahre dachte ich immer, das ich auf der Sonnenseite des Lebens stehe. Nie ist uns was schlimmes passiert. Und jetzt , in den letzten 2 jahren gab es nur Schicksalsschläge...Warum????
Hallo H.W.Papa,
das sind ja wieder mal schreckliche Nachrichten. Ist die Diagnose denn auch sicher? Wo wurde Ihr Vater untersucht? Das Symptom der plötzlichen Bewegungsunfähigkeit hatten wir hier ja schon mehrfach - unter anderem vor 3 Wochen auch bei meinem Vater - und es war in der Regel eine vorübergehende Erscheinung (zumindest für den Moment), die auf schlechte Versorgung, Flüssigkeitsmangel und Medikamentenunverträglichkeit zurückzuführen war. Dies würde ich erst einmal abzuklären versuchen. All diese schrecklichen Neuroleptika (zur Beruhigung und Sedierung) haben grausige Nebenwirkungen und helfen dem Demenzkranken eher nicht. Sie helfen den personell unterbesetzten Heimen und Kliniken und den gesunden Betreuenden, die ungewöhnlichen Verhaltensweisen der Dementen besser zu ertragen. Ich finde, das ist kein Weg - und halte es mit Kants kategorischem Imperativ: Was du nichts willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu...
Klären Sie zunächst einmal, unter welcher Medikation ihr Vater steht, fragen Sie, ob sein Zustand mit diesen Medis in Verbindung stehen kann (lesen Sie sich vorher im Netz schlau), ob sie nicht sogar Parkinson begünstigen oder provozieren.
Ich weiß, es ist unglaublich schwer, man rennt gegen Wände, man wird kraft- und hoffnungslos und fühlt sich unendlich ausgeliefert. Trotzdem - Kopf hoch und durch! Nehmen Sie nicht alles hin, denn wir selbst sind die Alten von morgen.
Viel Kraft wünscht Leona
viele ihrer Gedanken hatte ich auch schon. Als erstes möchte ich sagen,das mein Vater nach absetzen von dem MedikamentHaloperidol wieder einigermaßen laufen kann. Allerdings nur mit Hilfe.
Ob es sich bei ihm wirklich um Parkinson handelt, wage ich zu bezweifeln. Sogar der Dialyse-Arzt äusserte die Vermutung, das es sich bei dem extremen zittern des Armes um eine Nebenwirkung des Medikamentes " Haloperidol" handelt. Es begann kurz nach beginn der Medikamentengabe. Es schränkt meinen Vater so sehr ein, das er allein nichtmehr in der Lage ist, eine Tasse in die Hand zu nehmen. Spezielle Untersuchungen wurden meines Wissens nach nicht gemacht. Noch nicht. Ich habe mir fest vorgenommen, den Hausarzt meines Vaters um ein persönliches Gespräch zu bitten, um dann mit ihm nochmal alles genau zu besprechen. Leider werden wir durch das Heim ja nur unzureichend informiert. Wir bekommen die meißten Informationen eigentlich immer nur durch Zufall mit. Obwohl ich mich shcon mehrfach darüber beschwert habe,ist eine Besserung immer nur von kurzer Dauer.
Mir tun wirklich die Menschen leid, die niemanden haben aus der Verwandtschaft, die sich um sie kümmern.
Und gefallen lassen, tu ich mir das nicht. Schon im Kampf um das menschenwürdige Sterben meiner Schwiegerma, habe ich gelernt stark zu sein.
ich erlaube mir mal, Dir ein wenig zu sekundieren und verweise auf die sog. extrapyramidalen Störungen, die besonders bei klassischen Neuroleptika vorkommen können, wozu auch Haloperidol (Haldol) zählt.
Der Film "Das weiße Rauschen" erzählt von einem Studenten, bei dem eine vmtl. latente Psychose durch einen sog. Pilztrip (vmtl. Psilocybin) manifest wird und der nachher sein Zimmer zerlegt auf die Suche nach den Ursachen widerlicher Stimmen, die er immer intensiver wahrnimmt. Das führt dann zur Aufnahme in die Psychiatrie und dort sieht man in einer kurzen Szene, wie er nahezu gehunfähig ist durch die Verabreichung vmtl. starker Dosen klassischer Neuroleptika.
Besser scheinen daher die sog. atypischen Neuroleptika zu sein, die derartige Störungen kaum verursachen sollen. Derlei sollte aber auch möglichst niedrig dosiert werden, denn auch dazu gibt es warnende Stimmen wie diese hier:
Das scheint mir zwar nicht ganz frei von Ideologie zu sein und daher vielleicht etwas übertrieben, aber man sollte es sich immer überlegen, ob man derlei anwendet. Falls notwendig - vielleicht auch bald bei meinem Vater wegen Halluzinationen, usw. - dann nur streng überwacht und niedrigst dosiert.
Mein Vater war wieder im Krankenhaus. Er ist vor kurzem Nachts aus dem Bett gefallen und hatte sich den 4 Lendenwirbel gebrochen. Nun ist er schon wieder aus dem Bett gefallen und die Fraktur ist wieder akkut. Wir wurden diesmal benachtichtigt, allerdings nach einem Vorfall, der eigentlich nicht passieren dürfte. Jedenfalls ist das meine Meinung.Man hat aus dem Heim eine Nummer angerufen und hat auf das Band gesprochen...." Ihr Vater ist heut Nacht leider wieder aus dem Bett gefallen und wir mussten ihn erneut ins KH bringen. Bitte melden sie sich doch bei uns." Leider war diese Nummer nicht von uns , sondern von einer Dame, wo der Vater vor kurzem verstorben ist. Das muss man sich mal vorstellen. Erst als diese Dame dann im Heim anrief, um zu sagen , das es sich hier wohl um eine Verwechselung handeln muss, merkten sie es und riefen hier an.Er ist am Freitg aber schon wieder entlassen worden. Das Zittern der Hand und auch die ausdruckslosen Gesichtszüge sind so gut wie weg. Er konnte sogar wieder etwas lachen. Traurig ist aber trotzdem, ihn so zu sehen....
Hallo H.W.Papa,
natürlich ist es traurig, ihn so zu sehen, muss er jetzt im Bett bleiben?
Hat er einen Ausstiegsschutz?
Die Verwechslung ist ja wirklich toll, sicherlich auch für die Dame die angerufen wurde...
Alles Gute, Flieder
Hallo Flieder....
nein, er darf herum laufen. Allerdings hat er jetzt einen Gehwagen. Und ein Gitter hat er auch nicht am Bett, denn er würde versuchen( und wahrscheinlich auch schaffen) oben drüber zu klettern und dann noch tiefer fallen. Ich weiß auch nicht, wie man das am besten und menschlichsten regelt. Einerseits war auch mein erster Gedanke, da es ja nun shcon das zweitemal war, das er rausgefallen ist, ein Gitter an sein Bett zu machen, aber andererseits leuchtet mir das mit dem rüber klettern auch ein. Sollte man ihn zur eigenen Sicherheit vielleicht doch zumindest über Nacht mit Medikamenten ruhig stellen?Bis jetzt war der Bruch ohne Folgen,aber was, wenn er das nächstemal unglücklicher fällt und eine Lähmung oder sonstiges bleibt...? Ich weiß einfach nicht mehr, was gut für ihn ist...Was ist richtig und was falsch? Ich weiß im moment einfach garnichts mehr...
das ist ja schon mal schön, wenn er sich bewegen kann. Ich weiß auch nicht, wie man das am besten mit dem Bett regelt, da haben sich andere sicherlich schon unendlich mehr Gedanken gemacht, vielleicht kann jemand einen besseren Tipp geben?
Ich könnte mir vorstellen, dass man nicht ein komplettes Gitter an die Seite macht, sondern so wie heutzutage bei Stockbetten auf Schiffen nur ein kleiner, niedriger Teilsteg (d.h. nur an einem kleinen Teil der Seite, ca. 40cm lang), da fällt man dann normalerweise nicht drüber, kann sich aber aus dem Bett bewegen, d.h. er müsste nicht klettern. Die Frage ist aber, ob er nicht überhaupt schlaftrunken (oder medikamententrunken) leicht zum Stürzen neigt, wenn er nachts das Bett verlässt. Jedenfalls ist es bekanntermaßen eine schlechte solchen Menschen auch noch zusätzlich stark beeinträchtigende Sachen zu geben; im Falle des Falles sind sie dann noch sturzgefährdeter und es tut ihnen insg. nicht gut. Aber es gibt bei unruhigen Schläfern (wegen Tag-Nacht-Störung, psychotischen Anwandlungen, schlechte Nerven) schon Möglichkeiten, z.B. spezielles Antidepressivum in niedriger Dosierung abends, es gibt hier spezielle, oder/und allgemein auch noch Baldrian in konstanter Dosis, nicht nur fallweise, sonst beeinträchtigt dies wieder den Stoffwechsel (nichts anderes von Ärzten einreden lassen bzgl. Einnahme). Aber ich vermute, zumindest bei meinem Vater ist bzw. war es so (wird gerade weniger), dass die Menschen wenn sie den Drang haben zur Toillette zu gehen, dies automatisch zum Aufstehen führt.
Kopf hoch, es hilft nicht total zu verzweifeln (ich kenn das mit den Ängsten und Nöten), es hilft nur vorwärts zu schauen bzw. die Situation bestmöglichst zu meistern.
Herzliche Grüße, Flieder
Liebe H.W.Papa,
seit heute bin ich in der gleichen Situation wie Sie - Vater ist gestürzt, hat am Auge eine Platzwunde und soll in den letzten Tagen kaum gegessen und getrunken haben. Warum das Personal das nicht in den Griff bekommt, weiß ich nicht - ich bin an einer Grippe erkrankt und konnte für einen längeren Zeitraum nicht persönlich (10 Tage etwa) bei Vater vorbei schauen. Heute nun erhielt ich die Nachricht, dass man ihn ins Krankhenhaus gebracht habe.
Was blieb mir übrig, als trotz der Grippe hinzufahren. - Die ersten Aussagen der Ärzte: Austrocknung und Unterernährung...und das passiert in einer 8köpfigen Wohngemeinschaft, wo man mir ständig erklärt, mein Vater esse gut und ausreichend....zum Gewicht konnte man mir komischerweise nie etwas Genaues sagen - wie auch immer - jetzt ist er in der Klinik, auf einer Inneren Station (Geriatrie und Neurologie gibt es da nicht) und hängt an der Infusion, die man ihm aber erst legen konnte, nachdem man ihm Dipiperon gegeben hatte - vorher habe er sich nichts machen lassen, habe die Nadel wieder rausgerissen etc.
Ich war bis eben im Krankenhaus - Vater war minimal ansprechbar, war schwer zu verstehen, schien mich aber zeitweise zu erkennen. Die Situation ist - ich finde keine Worte dafür -
Ich darf eben nicht krank werden - sonst geht Vater zu Grunde. Aber was heißt das?
Ich kann mit dieser Last alleine nicht mehr leben.
Mein Sohn ist in Urlaub - die jungen Menschen fragen nicht danach, ob man klar kommt oder nicht. Ich weiß nun ebenso wenig, wie es weitergehen kann wie sie - nun ist Vater also wieder drauf, auf dem Beruhigungsmittel und das wird sein Bewusstsein und seine Bewegungsfähigkeit nicht verbessern.
Ich fühle mich nur noch unendlich leer.
Ich denke an Sie. Leona