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Forum: Alzheimer

Eröffnungsbeitrag des Themas:

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Autor
Datum
leona
(3690 mal gelesen)
Status: Senior Moderator

Hallo Dr.Spruth,


ich sehe Sie gerade online und hoffe,Sie können mir etwas zu dem genannten Neuroleptikum Ciatyl sagen. Ich habe meinen Vater(Alzheimerpatient seit 3 Jahren) seit einer Woche vom Pflegeheim in eine Wohngemeinschaft umgesiedelt. Die ersten Tage liefen überraschend gut. Gestern und vorgestern Abend gab es erste Probleme beim abendlichen Pflegeprogramm - er soll es abgelehnt und sich gewehrt haben (Pflegerin an Haaren gezogen). Nun tritt man (WG-Leitung) bereits nach einer Woche mit dem Wunsch nach dem Neuroleptikum Ciatyl an mich heran.


Dies sei angeblich "neu",gut zu dosieren und mache den Kranken wieder "glücklicher und zufriedener".


Meine Recherchen zu dem Mittel sagen mir etwas anderes.
Bitte geben Sie mir einen Rat oder eine Argumentationshilfe an die Hand. Ist Ciatyl nach Ihrer Erfahrung für Alzheimer Patienten geeignet? (Es liegt Bluthochdruck vor, Vater bekommt blutverdünnende Mittel und leidet unter Harnverhalten und - er ist alt.)


Danke für Rat und Hilfe,
Leona

Antworten zu diesem Thema:

Titel
Autor
Datum
leona
(684 mal gelesen)
Status: Senior Moderator

Hallo zusammen,
weiß keiner etwas zu diesem Medikament und seiner Verträglichkeit bei Alzheimer Patienten zu sagen? Mich würden Erfahrungen damit interessieren - auch bei jüngeren Patienten. Wer was weiß - bitte melden! Leona

(698 mal gelesen)
Status: Med-Junior SternStern

Hallo Leaona,


ich habe leider absolut keine Erfahrung damit; der Name des Präparates ist mir völlig neu. Ich hoffe, daß Dr. Spruth noch etwas dazu sagen wird - einstweilen schicke ich mal die Infos, die in der Gelben Liste zu finden sind. Es handelt sich um ein mittelpotentes Neuroleptikum:


Ciatyl-Z® 10 mg
Ciatyl-Z® 25 mg
Ciatyl-Z® 2 mg
Ciatyl-Z® Tropfen 20 mg/ml


Zuclopenthixol-2HCl
Zuclopenthixol
Bayer Vital


Zusammensetzung: -2mg Filmtbl./-10mg Filmtbl./-25mg Filmtbl.: enth.: 2,38mg/11,9mg/29,8mg Zuclopenthixol-2HCl entspr. 2mg/10mg/25mg Zuclopenthixol. Hilfsst.: mikrokrist. Cellulose, Glycerol, Lactose·1H2O, Macrogol 4000, Magnesiumstearat, Maisstärke, Hypromellose, Copovidon, hydriertes Rizinusöl, Talkum, Titan(IV)-oxid (E 171). Zusätzl. f. 10mg Filmtbl./-25mg Filmtbl.: Eisenoxid (E 172). -Tropfen 20mg/ml: 1ml Lsg. (= 20 Tropf.) enth.: 23,8mg Zuclopenthixol-2HCl entspr. 20mg Zuclopenthixol. Hilfsst.: Ethanol, ger. Wasser.


Anwendung: -2mg Filmtbl./-10mg Filmtbl./-Tropfen 20mg/ml: Psychomotorische Erregungszustände u. aggressive Verhaltensweisen b. Demenz. -10mg Filmtbl./-25mg Filmtbl./-Tropfen 20mg/ml: Akute u. chron. Schizophrenie, Manie, psychomotorische Erregungszustände b. geistiger Behinderung


Gegenanzeigen: Überempfindlichk. geg. Thioxanthene u. Phenothiazine, akute Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- u. Psychopharmaka-Intox.; Kreislaufschock, Koma, Leistungsvermind. hämatopoet. Systems, Phäochromozytom, Veränd. des Blutbildes.


Anwendungsbeschränkungen: Leber- u. Niereninsuff., schwer. Herzkrankh., bes. klin. relev. Herzrhythmusstör., Kombi m. mögl. QT-verl. Medikamenten, Mamma-Tumore, prolaktinabhängige Tumore, schw. Hypotonie u. Hypertonie, orthostat. Dysregulation, hirnorgan. Erkrank. u. Krampfanfälle i.d. Anamnese, M. Parkinson, Hypokaliämie, Glaukom, Harnverhalten, Prostatahypertrophie, Kdr., ältere Pat.


Schwangerschaft: Anw. nur bei zwingender Ind.


Stillzeit: Kontraindiziert.


Nebenwirkungen: Sehr häufig: Extrapyramidalmotor. Nebenw. wie Frühdyskinesien, Parkinson-Syndr., Tremor, Akathisie, Akkomodationsstör., Mundtrockenh., Schwindel. Insbes. zu Behandl.-Beginn: Müdigk. Häufig: Orthostat. Dysregulation, Blutdruckerniedrigung, Tachykardie, EKG-Veränd. (Erregungsleitungsstör.), Erhöh. des Augeninnendrucks, Obstipat. u. Miktionsstör., Übelk., Erb., Diarrhoe, Anorexie, Unruhe, Erregung, Depression, Kopfschm., Gewichtszunahme, Menstruationsstör., sex. Funktionsstör., Hautreakt. u. Photosensibilität (direkte Sonneneinstrahlung meiden!). Gelegentl.: Hypotonie (herabgesetzter Muskeltonus), cerebrale Krampfanfälle u. Gefühl verstopfter Nase. Selt.: Pigmenteinlag. in Kornea u. Linse, passagere Leberfkt.-Stör., Abflussstör. d. Galle, Gelbsucht, Benommenh., Lethargie, Exazerbation psychot. Sympt., Regulationsstör. d. Körpertemp. Zeichen v. Erregung u. Verwirrth., insbes. unter Komb. mit anticholinerg wirks. Subst. Sehr selt.: Lebensbedrohl. malignes neurolept. Syndr. (Fieber > 40°C, Muskelstarre u. vegetative Entgleisung, sof. Absetzen d. Medikation) sowie lebensbedrohl. paralyt. Ileus. In Einzelf.: Bein- u. Beckenvenenthrombosen, Leukopenie, Thrombopenie, Eosinophilie, Panzytopenie u. Agranulozytose; Vereinzelt Galaktorrhoe, Gynäkomastie u. Priapismus. Ferner: Stör. d. Glucosehaushalts, Lupus erythemat.-ähnl. Syndr., Hirnödem, Larynxödem, Asthma, Bronchopneumonie.


Wechselwirkungen: Analgetika, Hypnotika, Sedativa od. and. zentral dämpf. Medikam.: verstärkte Sedierung u. Atemdepression. Alkohol: wechsels. Wirkungsverstärk. Carbamazepin, Phenobarbital, Diphenylhydantoin, Rifampicin, Griseofulvin, Doxycyclin sowie Rauchen: Ciatyl-Z wird schneller verstoffwechselt. Antihypertensiva: Wirk. kann verstärkt werden. Die blutdrucksenk. Wirk. v. Guanethidin, Clonidin u. a-Methyldopa kann dagegen abgeschwächt werden. Propranolol, Chloramphenicol, Ovulationshemmer: d. Plasmaspiegel beider Medikam. können sich erhöhen. Dopaminagonisten: mögl. Wirkungsabschw. d. Dopaminagonisten. Pentetrazol: es kann zu zerebral. Krampfanfällen kommen. Die schwachen anticholinerg. Wirk. v. Ciatyl-Z können durch Anticholinergika verstärkt werden. Anticholinerge Antiparkinsonmittel: abgeschwächte Wirk. v. Ciatyl-Z. Piperazin-halt. Anthelmintika u. Metoclopramid: erhöht. Risiko extrapyramidalmotor. Nebenw. Verstoffwechselung trizykl. Antidepressiva kann verändert werden (erhöhte Plasmakonz.); die sich daraus ergebenden klin. Wirk. sind nicht vorhersehbar. Vorsicht b. Komb. m. MAO-Hemmern. Selt. unter Komb. v. Neuroleptika u. Lithium: schwere neurotox. Syndr. Lithium: vermehrte extrapyramidalmotor. Stör., Müdigk., Zittern u. Mundtrockenh. Epinephrin: Gefäßerweiterung, Blutdruckabfall, beschleunigte Herzfrequenz. Thioxanthene können in Verbindung m. Polypeptid-Antibiotika e. zentrale Atemdepress. verstärken. Die Reakt. auf d. Anw. v. Gonadorelin kann durch Ciatyl-Z abgeschwächt werden. Bei Op. sorgf. auf e. evtl. Hypotension achten! Die gleichz. Anwend. v. Arzneimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern können, sollten vermieden werden. Ergebnis e. Schwangerschaftstests kann verfälscht sein (falsch pos. Ergebnis).


Warnhinweise: -Tropfen 20mg/ml: Enthält 14,2 Vol.-% Alkohol. Ciatyl-Z® 2mg/10mg/25mg: Sollten b. hereditärer Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel od. Glucose-Galactose-Malabsorption nicht eingenommen werden.


Hinweise: Regelm. Blutbild- u. EKG-Kontr.! (Näheres s. Fachinfo.) Reaktionsvermögen kann beeinträchtigt werden! S. auch Hinw. am Anfang des Präparateteils.


Dosierung: Dos. u. Dauer d. Anw. richten sich indiv. nach Art u. Schwere d. Erkrank.-2mg Filmtbl.: 2-6mg (=1-3 Filmtbl.) tgl. -10mg Filmtbl.: 20-70mg (=2-7 Filmtbl.) tgl. -25mg Filmtbl.: B. akuten schizophrenen Psychosen u. Manien 25-50mg Zuclopenthixol (=1-2 Filmtbl.) tgl., b. Bedarf Steig. nach 2-3 Tagen bis zu einer Dos. v. 75mg Zuclopenthixol (=3 Filmtbl.) tgl. u. höher. Als Erhaltungsdos. b. chron. Verläufen: 25-50mg Zuclopenthixol (= 1-2 Filmtbl.) tgl. -Tropfen 20mg/ml: B. akuten u. chron. Schizophrenien u. Manien 20-75mg Zuclopenthixol (=20-75 Tropf.) tgl. Bei Unruhe- u. Verwirrtheitszust. b. senil. Demenz sowie Erregungszust. b. ereth. Schwachsinn: je nach Schweregrad 2-40mg Zuclopenthixol (=2-40 Tropf.) tgl. Die Tagesdos. kann als ED abends eingen. werden od. auf 2-3 ED. verteilt werden. Filmtbl. unzerkaut m. Flüssigk. einn., Tropf. können in Wasser verdünnt eingen., aber auch Speisen u. Getränken beigemischt werden.

(744 mal gelesen)
Status: Med-Junior SternStern

Hallo Leona,möchte ihnen meine Erfahrungen mit Citalogamma mitteilen.Mein Mann, 65 J.,bekommt es seit etwa 8 Wochen und ich habe positive Erlebnisse damit.Sicherlich haben sie meine Beiträge etwas verfolgt und wissen ,dass mein Mann aufgrund seiner starken Ängste vollgestopft wurde mit diversen Beruhigungsmittel.Habe dieses Elend nicht mehr mit ansehen können und habe diese Mittelchen(Melperon ,Bromazepam)langsam abgesetzt.Da bei meinem Mann zu den staken Ängsten auch noch depressive Verstimmungen dabei waren ,habe ich mit dem Neurologen über die Gabe eines Antidepressivum gesprochen.Er verschrieb ihm Citalogamma 20 mg.1 mal morgens.Meinem Mann geht es seit einiger Zeit besser,er kann sogar wieder etwas lächeln und sine großen Ängste sind kleiner geworden!
Viele Grüße von Kondor

(527 mal gelesen)
Status: Med-Junior SternStern

Hallo Kondor,


Citalogamma ist meines Wissens nicht dasselbe wie Ciatyl. Bei Citalogamma handelt es sich um einen sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), also ein Antidepressivum, dessen Wirkstoff Citalopramhydrobromid ist. Der gängige Präparatname ist Citalopram.
Bei Ciatyl hingegen handelt es sich um ein mittelpotentes Neuroleptikum mit dem Wirkstoff Zuclopenthixol-2HCl.


Genaueres kann aber sicher nur Dr. Spruth dazu sagen.


Petra H.

leona
(403 mal gelesen)
Status: Senior Moderator

Hallo petra,
vielen Dank für Ihre Hinweise. Dr.Spruth hat sich bisher noch nicht dazu geäußert.
In der Zwischenzeit geht es mit meinem Vater in der WG auf und ab, einen Tag läuft es ganz gut, dann wieder klagt das Personal, dass er sich verweigere und "aggressiv" würde, wenn man ihn waschen oder umziehen wolle...m.E. wird Vieles zu schnell als "aggressiv" interpretiert. Es wird viel zu wenig bedacht, dass die Situation völlig neu für meinen Vater ist und - wie würden wir Gesunde reagieren, wenn uns ein wildfremder Mensch auskleiden und waschen wollte? Ich würde es mir nicht gefallen lassen...und so stößt auch mein Vater die helfende Hand zurück, er versteht doch nicht, dass man ihm nur helfen will. - Offenbar ist auch der hohe Geräuschpegel in der WG ein Problem für ihn - alles ist enger beieinander, der Fernseher läuft (laut, da einige ältere Damen sehr schlecht hören, aber fernsehen möchten), gleichzeitig unterhalten sich andere miteinander, das Telefon klingelt, die Türklingel schrillt und das Personal ruft sich auch noch was zu...Vater hält sich oft die Ohren zu und verzieht das Gesicht. Nach der Monotonie im Heim ist das alles zuviel für ihn - eine Art Reizüberflutung, die ebenfalls "aggressives" Verhalten provozieren kann. Ich weiß momentan auch nicht weiter - fühle mich selbst nach dem neuerlichen Umzug erschöpfter denn je. - Ob Ciatyl hier eine Lösung sein kann - ich weiß es nicht, aber ich habe Zweifel.
Danke und Gruß
Leona

(547 mal gelesen)
Status: Med-Junior SternStern

Liebe Leona,


ich habe jetzt etwas zu Ciatyl herausgefunden. Um es gleich vorwegzunehmen: Es scheint nicht zur Behandlung Demenzkranker geeignet zu sein.


Ich zitiere Prof. Dr. Erich Grond aus seinem Buch "Pflege Demenzkranker", Brigitte Kunz Verlag, Schlütersche Verlagsgesellschaft 2005 (ISBN 3-89993-431-8):
Kapitel 10.4 "Welche Medikamente können helfen?" Seite 77:
"Anticholinergisch wirksame Medikamente dürfen demenzkranke Personen nicht einnehmen, weil nicht nur bei Alzheimer-Demenz, sondern auch bei anderen Demenzformen Acetylcholin fehlt. Anticholinergika sind trizyklische Antidepressiva wie Anafranil, Gemonil, Nortrilen, Tofranil, Amitriptylin oder Saroten, Doxepin oder Aponal oder Atangyl. Die trizyklischen Neuroleptika wie Truxal, Ciatyl, Fluanxol und die Phenothiazine wie Atosil, Neurocil, Taxilan, wirken auch anticholinergisch wie Parkinsonmittel und Spasmolytika. Anticholinergika können ein Delir, Verstopfung und Harnverhalt bei Prostata-Adenom auslösen, den Augeninnendruck bis zum Glaukom (grüner Star) und die Sturzgefahr erhöhen."


Ich fasse zusammen: Ciatyl wirkt anticholinerg und ist somit ungeeignet, weil bei allen Demenzformen ohnehin schon ein Mangel an Acetylcholin vorliegt. Das dürfte Ihre Frage wohl beantworten.
Ich werde Ihnen dazu noch sehr ausführlich schreiben in Ihrem anderen Thread: "Pflegeheime und Demenz - Erfahrungen".


Liebe Grüße,
Petra H.

(668 mal gelesen)
Status: Med-Senior SternSternSternStern

Sehr geehrte Leona,


die euphorische Beurteilung des Pflegepersonals bezüglich des genannten Medikaments teile ich nicht in dieser Form. Richtig ist, daß es zugelassen ist für die Behandlung von Erregungszuständen und aggressiven Verhaltensweisen bei Demenz. Aufgrund seines Nebenwirkungsprofils setze ich aber andere Präparate, wenn es nicht anders geht, lieber ein.


Mit freundlichen Grüssen,


Spruth

leona
(449 mal gelesen)
Status: Senior Moderator

Sehr geehrter Dr.Spruth,
können Sie etwas empfehlen? Bisher wurden bei meinem Vater (noch im Heim) Risperdal und Melperon eingesetzt. Beide führten zu massiver Immobilität mit Sturzgefahr. Er konnte nicht einmal mehr alleine sitzen und musste abgestützt werden. Selbst eine Reduzierung der Dosis auf 1,25 mg hatte noch diese durchschlagend negative Wirkung. Vielleicht liegt es an Vaters Gewicht (60 kg, manchmal weniger) oder daran, dass er nie in seinem Leben Medikamente dieser Art genommen hat.


In der WG haben wir zunächst auf alle Neuroleptika verzichtet. Er kann wieder selbständig laufen, sitzen, versucht sich sogar wieder an Treppen (was vor einem halben Jahr ohnehin kein Problem für ihn war). Meine Befürchtung ist, dass mit Einsatz neuer Beruhigungsmittel auch all die körperlichen und kognitiven Einschränkungen wieder kommen.


Das, was vom Personal als aggressiv empfunden wird, sind Zurückweisungen bei der Körperpflege und beim Kleiderwechsel. Er will niemand an sich heran lassen - schubst dann schon mal oder hält den Arm desjenigen fest. Auch mit Worten wird er dann heftig. Allerdings hat er noch nie jemanden geschlagen oder getreten oder mit Gegenständen gedroht.


Welches Mittel könnte hier helfen?
Es ist so furchbar viel Unwissen beim Betreuungspersonal vorzufinden - es fehlt die professionelle Distanz zu den Ereignissen, aber auch das Einfühlen in die Situation des Kranken. Ich bin mit meinen Kräften und meinem Latein am Ende - ich habe Broschüren und Infomaterial angeschleppt - aber ich befürchte, nur die wenigstens sehen mal hinein.


Ich kann das Wort "aggressiv" inzwischen nicht mehr hören - weil es m.E. nicht den Punkt trifft. Wenn ich nachfrage, was mit "aggressiv" gemeint ist, höre ich: er lässt sich nicht waschen, er will sich nicht umziehen lassen, er schubst, er hat mir in die Haare gegriffen, er ist mit Worten ausfallend geworden, er hat versucht, das Haus zu verlassen, er setzt sich nicht zu den anderen an den Tisch, er hat mich am Arm festgehalten und zurück gedrückt...usw.


Was kann ich tun? Ich kann meinen Vater ja nicht ständig umziehen lassen. Ich habe aber auch nicht die Kraft mich ständig mit dem Personal auseinander zu setzen.
Ratlos


Leona

(478 mal gelesen)
Status: Med-Insider SternSternStern

Hallo Leona,
wie geht es inzwischen? Natürlich kann Dein Vater wahrscheinlich sich wieder besser bewegen etc. weil er keine Neuroleptika bekommen hat. Du schreibst allerdings erstmalig, "sogar bei einer Reduzierung auf 1,25 mg", Reduzierung... wieviel hat er denn vorher an Risperidon bekommen? Ich hatte ja schon öfters früher berichtet, als mein Vater von 1mg auf 1,5mg gesteigert wurde, weil der tolle Arzt gemeint hat, wenn er jetzt noch komisch wäre, dann wäre die Dosis wohl noch zu gering.... falsch gedacht erstens, und zweitens mein Vater mutierte zum Roboter! Man darf nicht auf andere komplett schließen, aber dennoch nochmal für Dich, mein Vater erhält jetzt irgendetwas zwischen 0,5 und 0,7mg (wegen der Tropfen kann ich nicht mehr genau den mg-Rückschluss ziehen). Das ist anscheinend genug, um ihm zumindest die meisten Aggressionen und anderen schwere psychiatrischen Beschwerden zu nehmen, und trotzdem noch reaktions- und aktionsfähig zu bleiben. Dabei wiegt er aber so um die 100 kg, er ist groß und hat auch einige Kilos zugelegt. Das eben in Kombi mit dem Baldrian (und and.).
Ich meine damit, es gibt auch was dazwischen, zwischen Roboter und Wahnsinn... wenn ich es mal so lapidar ausdrücken darf, nämlich einen zwar gedämpften Zustand aber der Patient hat wieder die Ruhe sich mit der Umwelt zu beschäftigen und darauf einzugehen. Du hast vielleicht recht, dass das Wort Aggression in diesem Zusammenhang schlimmer klingt, als es für die Umgebung bedeutet, aber ich meine schon, dass das das Verhalten eines Patienten ist, der aufgrund seines "Nervenkostüms" negativ auf die Umwelt reagiert, nicht weil er will, sondern weil ihm das die Chemie nicht ermöglicht. Genauso ist es bei meinem Vater, wenn es ihm latent wieder schlechter geht. Derzeit ist es bei meinem Vater übrigens wieder sehr gut. Wenn du zusammen mit einem Arzt also entscheidet, doch wieder Neuroleptika einzusetzen, versucht es doch erstmal mit einer wirklich geringen Dosis über eine Zeitlang, man merkt die vollständige Wirkung sowieso erst nach ca. 2 Wochen. Wie dir auch schon geschrieben, natürlich ist es schade einem Menschen überhaupt solche Medis geben zu müssen, aber meine Meinung ist dass es nicht gesagt ist, dass er oder andere sich ohne diese Medis besser fühlen würden.
Liebe Grüße, Flieder

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