Startseite > Foren > Forum Alzheimer > Ciatyl für Alzheimer Patient geeignet?
Hallo Dr.Spruth,
ich sehe Sie gerade online und hoffe,Sie können mir etwas zu dem genannten Neuroleptikum Ciatyl sagen. Ich habe meinen Vater(Alzheimerpatient seit 3 Jahren) seit einer Woche vom Pflegeheim in eine Wohngemeinschaft umgesiedelt. Die ersten Tage liefen überraschend gut. Gestern und vorgestern Abend gab es erste Probleme beim abendlichen Pflegeprogramm - er soll es abgelehnt und sich gewehrt haben (Pflegerin an Haaren gezogen). Nun tritt man (WG-Leitung) bereits nach einer Woche mit dem Wunsch nach dem Neuroleptikum Ciatyl an mich heran.
Dies sei angeblich "neu",gut zu dosieren und mache den Kranken wieder "glücklicher und zufriedener".
Meine Recherchen zu dem Mittel sagen mir etwas anderes.
Bitte geben Sie mir einen Rat oder eine Argumentationshilfe an die Hand. Ist Ciatyl nach Ihrer Erfahrung für Alzheimer Patienten geeignet? (Es liegt Bluthochdruck vor, Vater bekommt blutverdünnende Mittel und leidet unter Harnverhalten und - er ist alt.)
Danke für Rat und Hilfe,
Leona



Sehr geehrte Leona,
es fällt schwer medikamentöse Empfehlungen (ohnehin verboten) zur Behandlung einer Symptomatik auszusprechen, die vermutlich auch durch nicht-medikamentöse Interventionen nachließe, wenn die Rahmenbedingungen diese möglich machten. Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie der Einordnung der Verhaltensweise Ihres Vaters als "aggressiv" kritisch gegenüber stehen. Ich würde sie eher als "unkooperativ" bezeichnen, was eine wesentlich andere Bewertung beeinhaltet. Manchmal steckt hinter einer solchen neben anderen in diesem Forum bereits diskutierten Ursachen (Scham, Gefühl der verletzten Würde,...) auch "einfach nur" eine Depression. Wurde das Vorliegen einer solchen schon erwogen bzw. schon einmal eine entsprechende Therapie eingeleitet (z.B. mit Citalopram,...)?
Bei "Aggressivität" hingegen, könnten nach Rücksprache mit dem behandelnden Gerontopsychiater (ich glaube, einen solchen brauchte es hier) als Mittel der zweiten Wahl auch bestimmte Antiepileptika versuchsweise eingesetzt werden (z.B. Valproat).
Mit freundlichen Grüssen,
Spruth
Hallo, Herr Dr. Spruth ,
kann das Medikament "Ciatyl" auch den Blutzucker bei einer vorliegende Diabetis beeinflussen ?
Habe schon in der roten und gelben Liste nachgeschaut , da stehen so ziemlich viele Nebenwirkungen
, aber eben nicht ob es sich auch auf dem BZ auswirken kann !
Würde mich über eine Antwort sehr freuen !
Mit freundlichem Gruß
Blumenkind 



Sehr geehrtes Blumenkind,
ich habe mir eben nocheinmal die Fachinformation des Präparates durchgelesen und dort ist etwas unpräzise formuliert von möglichen "Störungen des Glucosehaushalts" als sehr seltender Nebenwirkung (bei weniger als 0,01 % der Patienten) die Rede.
Mit freundlichen Grüßen,
Spruth
Hallo, Herr Dr. Spruth ,
vielen lieben Dank für die schnelle Antwort :-D
Mit freundlichem Gruß
Blumenkind
Hallo!
Ich habe ebenfalls Probleme mit dem Medikament Ciatyl...es handelt sich um einen 69-jährigen Bewohner unserer Demenz-WG, im fortgeschrittenen Stadium von Alzheimer. Bisher wurde er mit Melperon behandelt, dies zeigte jedoch nach 2 Jahren keine Wirkung mehr. Da der Herr einen starken Bewegungsdrang aufweist und so seine immerwiederkehrenden Atemwegsinfekte nicht auskurieren kann - zumal er keine ruhigen Nächte mehr hatte, bis hin zu Atemnot und totaler Erschöpfung - wurde von der Hausärztin Ciatyl verordnet. 4-4-4-8 Tropfen. Die ersten 6 Wochen schlief er nachts gut durch, jedoch litt er tagsüber abwechselnd an starker Unruhe und totaler Bewegungslosigkeit. Er neigt dazu, in verschiedenen Positionen zu verharren und zu verkrampfen, er ist dann nur sehr schwer aus dieser Lage zu lösen. Er spricht außerdem weniger und wirkt weniger wach. Seit ca. zwei Wochen hat ihn auch wieder die nächtliche Unruhe erfasst. Sein gesamtes Erscheinungsbild wirkt als habe er einen starken "Schub" bekommen, er hat die typische nach vorn gebeugte Haltung, einen schlurfenden Schritt und einen starren Gesichtsausdruck - all das war vorher nicht so.
Nun liegt uns viel an den ruhigen Nächten, da er bei seinem stark angeschlagenen Immunsystem mal zur Ruhe kommen muß, aber die Lebensqualität tagsüber lässt sehr zu wünschen übrig!!!
Wie beurteilen Sie die Situation? Gibt es Empfehlungen? Positive Erfahrungen mit Dosis - oder Med-Änderungen, gerade bei Bewohnern mit starker Unruhe?
Vielen Dank!!!
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