Anzeige

Anzeige

Probiotika: Wirkung von Probiotika

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (02. Juli 2014)

Probiotische Bakterien überleben die Passage durch den Magen mit seiner Magensäure sowie die Angriffe von Verdauungsenzymen und Gallensäuren im Darm in hoher Zahl. So können sie sich – laut manchen Experten – in der im Dickdarm vorhandenen Darmflora, die aus etwa 500 verschiedenen Arten an Mikroorganismen besteht, behaupten. Das soll gesundheitsförderliche Auswirkungen haben. Da sich Probiotika jedoch nicht dauerhaft ansiedeln, müssen probiotische Lebensmittel regelmäßig verzehren, um einen längerfristigen Effekt zu ermöglichen.

Probiotika werden verschiedene positive Effekte zugeschrieben. Studienergebnissen zufolge beeinflussen sie den Stoffwechsel im Darm günstig und führen dazu, dass nützliche Darmbakterien sich vermehren können. Probiotika stellen zum Teil auch Abwehrstoffe her und können so möglicherweise bei der Erregerabwehr helfen. Sie geben außerdem Stoffe ab, von denen die Darmschleimhaut profitiert. Im Tierversuch konnte diese sich durch Probiotika schneller erneuern.

Beschleunigte Darmpassage

Die Zeit, die der Nahrungsbrei von der Aufnahme der Nahrung bis zur Ausscheidung benötigt, bezeichnet man als Transitzeit. Wer eine eher langsame Verdauung und dadurch eine längere Transitzeit hat, kann diese mithilfe bestimmter Probiotika möglicherweise beschleunigen und somit einer "trägen Verdauung" entgegenwirken. Einzelnen Studien zufolge können probiotische Bakterienkulturen dazu beitragen, dass die Nahrung den Darm bei einer langsamen Verdauung schneller passiert. Nach 14-tägigem Verzehr eines bestimmten probiotischen Lebensmittels mit Bifidobakterien verkürzte sich beispielsweise laut einer Studie die Transitzeit bei über 60-Jährigen um bis zu 40 Prozent.

Hilfe bei der Erregerabwehr

Die Darmwand stellt eine mechanische Barriere für Mikroorganismen dar. Nur winzige Moleküle wie Nährstoffe, Elektrolyte und Wasser sollten sie im Idealfall überwinden können. Bei einigen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie Colitis ulcerosa) ist die Zellschicht der Darmwand jedoch "durchlässiger". Krankheitserreger oder ihre abgegebenen Gifte können dadurch leichter eindringen und gesundheitliche Probleme hervorrufen. Für bestimmte Probiotika (Lactobacillus casei DN-114 001) konnte im Experiment gezeigt werden, dass sie den Zellverband der Darmwand stärken und die Barriere dadurch besser "abdichten".

Die Darmflora stellt außerdem bereits selbst einen Schutz gegen Erreger dar. Etwa 500 Arten mit insgesamt mehr als 10 Billionen Mikroorganismen haben sich in einer gesunden Darmflora an der Darmwand angeheftet. Probiotische Bakterien sollen die gesunde Darmflora unterstützen können, indem sie es krankmachenden Eindringlingen zusätzlich erschweren, sich anzusiedeln.

Die Vielzahl an Bakterien in der Darmflora trainiert außerdem das darmeigene Immunsystem, das sogenannte GALT (gut-associated lymphoid tissue). Über 70 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Darm. Im Kampf gegen mögliche Krankheitserreger prüft das darmeigene Abwehrsystem ständig Zellbestandteile der in der Darmflora lebenden Bakterien sowie der Mikroorganismen, die mit dem Nahrungsbrei den Darm passieren. So bleibt es fit und kann im Fall einer Bedrohung rasch eingreifen. Einige Probiotika scheinen sich hier möglicherweise förderlich auf das Immunsystem auszuwirken – Experten nennen dies modulieren. Wie das genau geschieht, ist noch nicht im Detail erforscht.

Dass probiotische Lebensmittel unter Umständen einen positiven Effekt auf die Immunantwort haben können, scheint eine Studie mit älteren Menschen bekräftigen: Eine Gruppe der Studienteilnehmer nahm über mehrere Wochen zweimal täglich ein probiotisches Getränk mit Laktobazillen (Lactobacillus casei DN-114 001) zu sich; die Kontrollgruppe erhielt keine Probiotika. Nach vier Wochen wurden die Senioren gegen Grippe geimpft. Einige Wochen später untersuchte man die Antikörperlevel im Blut der Testteilnehmer: Probanden, die zuvor regelmäßig das probiotische Getränk genossen hatten, besaßen deutlich höhere Antikörperlevel und wiesen somit offenbar eine bessere Immunantwort auf.

Atemwegsinfekte

Probiotika beeinflussen möglicherweise auch den Verlauf von Atemwegsinfekten beziehungsweise Erkältungskrankheiten positiv. In Studien, in denen Kinder und ältere Menschen über die Wintermonate dreimal täglich einen probiotischen Milchtrunk (mit Laktobazillen) verzehrt hatten, traten solche Infekte etwas seltener auf. Bereits nach einer dreimonatigen Einnahme verliefen die Erkrankungen zudem um bis zu zwei Tage kürzer und milder. Allerdings konnte dies bislang nur für bestimmte Probiotika beziehungsweise bestimmte probiotische Produkte gezeigt werden.

Weniger Durchfall

Durchfälle, die durch bestimmte Bakterien, Viren (z.B. Rotaviren) oder andere Gründe verursacht werden, treten mithilfe bestimmter Probiotika beziehungsweise probiotischer Produkte seltener auf oder dauern kürzer.

Nach einer Antibiotika-Therapie etwa ist die Darmflora häufig aus dem Gleichgewicht geraten. Denn die Antibiotika töten nicht nur die Krankheitserreger, sondern auch viele Bakterien aus der Darmflora. In der Folge kann es zu Durchfällen kommen, weil sich unerwünschte Eindringlinge nun leichter ansiedeln können. Probiotika können unter Umständen helfen, die Darmflora wieder aufzubauen und die Durchfalldauer zu verkürzen. Vor allem probiotische Laktobazillen scheinen hier hilfreich zu sein.

Auch für Personen, die Beschwerden in Verbindung mit Reizdarm auftreten, können Probiotika hilfreich sein. Insbesondere, wenn es im Rahmen des Reizdarm-Syndroms häufig zu Verstopfung kommt.

Weiterhin Forschungsbedarf

Zur genauen Wirkungsweise von Probiotika besteht weiterhin Forschungsbedarf. Einige Wissenschaftler bezweifeln, dass die tägliche Einnahme von Probiotika (z.B. in Form von probiotischen Milchprodukten) überhaupt einen Einfluss auf die Darmflora haben kann. Sie glauben, dass die Zahl der probiotischen Bakterien im Lebensmittel viel zu gering ist, um Effekte auf die etwa 10 Billionen Mikroorganismen im Dickdarm auszuüben zu können.

Bei Studien zur probiotischen Wirkung muss man zudem immer berücksichtigen, dass jeder probiotische Bakterienstamm einzigartig ist – daher lassen sich die Ergebnisse einer einzelnen Studie mit einer bestimmten probiotischen Kultur nicht zwangsläufig auf alle erhältlichen Probiotika übertragen.



Anzeige