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Interview zum Thema Ernährung

Veröffentlicht von: Dr. med. Fabian Weiland (09. Juni 2010)

Im Gespräch mit dem Ernährungsexperten und Buchautor Uwe Knop

Regeln zur Ernährung gibt es zuhauf. Allerdings gehen die Meinungen auseinander, ob sie alle zweckmäßig sind und zu einem gesünderen oder gar längeren Leben verhelfen. Befürworter halten sich strikt an alle Tipps und gestalten ihren Speiseplan entsprechend der Vorgaben. Andere wiederum ignorieren sämtliche Empfehlungen und lassen sich von ihren Hunger- und Lustgefühlen leiten. Onmeda hat den Ernährungswissenschaftler und Buchautor Uwe Knop nach seiner Meinung gefragt und gängige Ernährungsregeln mit ihm diskutiert.

Uwe Knop

Uwe Knop (38) ist Diplom-Ernährungswissenschaftler und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im PR-Bereich der Ernährungs-, Medizin- und Pharmabranche. Knop ist daher bestens damit vertraut, wie durch die tägliche Veröffentlichung unzähliger Empfehlungen zu einer vermeintlich gesunden Lebens- und Ernährungsweise Meinungen in die Köpfe der Menschen gelangen.

Im Jahr 2009 veröffentlichte er das Buch "Hunger & Lust: Das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz" (www.echte-esser.de). Mit diesem Buch möchte Knop ein Gegengewicht zur "pseudowissenschaftlichen PR-Maschinerie" der Ernährungsforschung geben.

Knop empfiehlt in seinem Buch weder Produkte oder Therapien noch besondere Essformen. Sein Ziel ist es vielmehr, dass die Menschen ihrem eigenen Hunger- und Körpergefühl – von ihm als "Kulinarische Körperintelligenz" bezeichnet – wieder mehr Vertrauen schenken und sich weniger von außen, also der Öffentlichkeitsarbeit vieler Unternehmen und Institute, lenken lassen. Der Autor wirbt dafür, man solle alle Ernährungsregeln kritisch hinterfragen und sich als "mündiger Essbürger" seine eigene Meinung bilden.

Nicht zuletzt sieht Knop sein Buch als Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion zum Thema Ernährung, die sich nach seiner Ansicht derzeit in einer wissenschaftlichen Schieflage befindet.

Onmeda: Herr Knop, in Ihrem Buch ziehen Sie ein klares Fazit, indem Sie die Meinung vertreten, dass man getrost alle bisher geltenden Regeln in Sachen "gesunder Ernährung" vergessen könne. Stattdessen schlagen Sie vor, wir sollten uns von Hunger und Lust zum richtigen Essen leiten lassen. Überspitzt ließe es sich so deuten, dass die Ernährungswissenschaften bisher ausschließlich Unsinn hervorgebracht haben. Sind Sie tatsächlich dieser Meinung?

Uwe Knop: Die Ernährungsforschung sucht nach statistischen Zusammenhängen, liefert jedoch keine Beweise. Aber die Ergebnisse dieser Datenspielerei werden leider oft zur "öffentlichen Wahrheit", die dann in Ernährungsregeln wie "5 mal am Tag Obst und Gemüse" münden. Und das ist, Sie sagen es: Unsinn. Gerade erst wurde erneut und damit endgültig durch die weltgrößte laufende Ernährungsstudie EPIC bestätigt: Obst und Gemüse schützen nicht vor Krebs. Vergessen Sie am besten alle Regeln zur gesunden Ernährung, sie entbehren eines wissenschaftlichen Beweises.

Onmeda: Nun, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gilt vielen als seriöse Quelle bei Fragen rund um die Ernährung. Auch Onmeda greift im Übrigen immer wieder auf die unter anderem aus Studien abgeleiteten Tipps, Empfehlungen und Regeln der DGE zurück. Den Rat, man solle nur bei Hunger essen und dann ausschließlich das, worauf man Lust hat, sucht man auf den Internetseiten der DGE vergebens. Sehen Sie eine Chance, dass Ihr Ansatz dort erhört wird?

Uwe Knop: Diese Frage sollten Sie direkt der DGE stellen! Die Chancen, dass bei den dortigen Ernährungsforschern ein Umdenken stattfindet, stehen gar nicht schlecht.

Onmeda: Woraus leiten Sie das ab?

Uwe Knop: Die DGE hatte in einem Interview zu meinem Buch bestätigt: "Ganz grundsätzlich und für gesunde Menschen stimmt seine (Uwe Knop, Anm. der Redaktion) These vermutlich", so die DGE-Sprecherin Antje Gahl. Und weiter: Viele Menschen hätten allerdings den Zugang zum Hunger- und Sättigungsgefühl verloren. Und da schließt sich der Kreis: Wenn also die These, auf seine Gefühle Hunger und Lust zu hören, für die DGE grundsätzlich stimmt, das Problem aber darin liegt, dass viele Menschen ihre echten Hungergefühle nicht mehr kennen – dann scheint doch die Zeit gekommen, den Menschen anstelle "statistischer Empfehlungen" besser die Möglichkeit zu bieten, ihr Hungergefühl wieder zu entdecken.

Onmeda: Wie könnte das konkret aussehen?

Uwe Knop: Vielleicht sollte die DGE über eine Neuausrichtung ihrer Aufklärungskampagnen nachdenken: Wie wäre es mit Aktionen und Hilfestellungen, die den "Zugang zum Hunger- und Sättigungsgefühl" wieder ermöglichen? Denkbar sind Maßnahmen, die das Vertrauen in das eigene Körpergefühl stärken, die den Menschen "trainieren", den echten, den biologischen Hunger wieder zu spüren und vom hungerfreien Essen zu unterscheiden.

Onmeda: Mal von der DGE abgesehen: Gibt es schon "offizielle" Stellen, die dazu raten, stärker auf den eigenen Körper zu "hören"?

Uwe Knop:Ja, durchaus. Nach Meinung der Verbraucherzentrale NRW "hat es die Natur eigentlich wunderbar eingerichtet: Der Mensch soll essen, wenn er Hunger hat, und trinken, wenn er durstig ist. Und der Körper signalisiert, wenn er Nachschub braucht, und zeigt, wann er genug hat. Doch leider haben viele Menschen verlernt, auf ihren Körper zu hören ..."

"Werfen Sie alle Ernährungsempfehlungen über Bord"

Onmeda: Aber es kommt doch auch darauf an, was man isst, wenn der Hunger da ist. Einen Monat etwa andauernd Eier mit Speck zu essen, wäre doch nicht die Lösung. Es klingt so, als wollten Sie gleich alle Empfehlungen über Bord werfen.

Uwe Knop: Kein Mensch hierzulande wird einen Monat andauernd Eier mit Speck essen. Unser Körper braucht Abwechslung, er benötigt Vielfalt – und die holt er sich über Hunger und Lust auf unterschiedliche Nahrungsmittel zu unterschiedlichen Zeiten. Und ja, Sie haben Recht – es klingt nicht nur so, ich meine das auch so: "Werfen Sie alle Ernährungsempfehlungen über Bord". Warum? Ganz einfach: Für mein Buch habe ich den aktuellen Stand der Wissenschaft anhand von über 150 Studienergebnissen aus den Jahren 2007 bis 2009 kritisch analysiert – und kam zu der eindeutigen Erkenntnis: Es existieren definitiv keine wissenschaftlichen Beweise, dass dieses Essen gesund ist und jene Nahrung ungesund. Das sieht übrigens auch die DGE so: "Die Einteilung der Lebensmittel in gesund und ungesund hat keinen Sinn".

Onmeda: Aber die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat eine recht genaue Vorstellung, welcher Mix der richtige ist. Stichwort: vollwertige Mischkost, viel Obst und Gemüse, eher selten Fleisch, lieber mehr Fisch, weniger gesättigte, dafür aber mehr ungesättigte Fettsäuren und so weiter.

Uwe Knop:Diese Regeln aufzustellen, das ist ja auch eine der Hauptaufgaben der DGE – doch deshalb werden Ernährungsregeln nicht wahrer. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für irgendwelche Essempfehlungen. Egal, wie sie lauten und von wem sie kommen, für alle Ernährungsratschläge gilt: Sie sind und bleiben nicht mehr als vage, verallgemeinerte Vermutungen, die keine gesundheitliche Bedeutung für den einzelnen Menschen haben. Daher mein Rat: Vertrauen Sie nur Ihrem echten, körperlichen Hunger. Essen Sie nur, worauf Sie Lust haben und was Ihnen gut schmeckt. Wer außer Ihrem Körper soll wissen, was für Sie persönlich gutes Essen ist? Niemand. Hören Sie daher besser auf Ihre Kulinarische Körperintelligenz als auf erfundene Ernährungsregeln. Dann essen Sie so gesund, wie es Ihrem Organismus entspricht.

Onmeda: Warum glauben dennoch so viele Menschen an diverse Ernährungsregeln, obwohl deren endgültiger wissenschaftlicher Beweis fehlt?

Uwe Knop: Der Mensch wiegt sich gerne in Sicherheit und bevorzugt daher Rahmenbedingungen, in denen er sich zurechtfindet. Und wenn ihm die unzähligen Ernährungsberater und Diätassistenten in Wiederholungsschleifen vorpredigen "Obst und Gemüse, zucker- und fettarme Nahrungsmittel sind gesundes Essen, aber Pommes, Cola, Currywurst und alles mit viel Fett und Zucker sind ungesund", dann haben sie grobe Rahmenbedingen im Ernährungssystem geschaffen, in denen sich der Mensch in seinem Handeln erst mal sicher fühlt. Kauft er Obst und Gemüse, denkt er, ich tue das Richtige, denn es soll ja so gesund sein.

Bitte geben Sie uns ein paar Informationen zu Ihrer Person, damit wir Ihren täglichen Kalorienbedarf berechnen können.

In volle Jahren z.B. 28

In kg z.B. 60





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