Dioxin

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. Januar 2011)

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Dioxin machte zuletzt im Zusammenhang mit dem Dioxin-Skandal zur Jahreswende 2010/2011 von sich reden: Große Mengen mit Dioxin verseuchten Futtermittels gelangten in die Futtertröge mehrerer Zuchtbetriebe. Aus Fleisch und Eiern von mit verdächtigem Futtermittel gefütterten Tieren wurden Proben genommen und untersucht. Einige zeigten einen erhöhten Dioxingehalt. In Milch wurden keine erhöhten Werte gefunden.

Viele Menschen sorgten sich, da sie potentiell belastete Eier und Fleisch zu sich genommen hatten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) teilte mit, dass der kurzfristige Verzehr belasteter Tierprodukte keine unmittelbare Gesundheitsgefahr bedeute. Laut BfR sind gesundheitliche Auswirkungen erst dann zu erwarten, wenn die Dioxin-Konzentrationen im Körper eine kritische Höhe erreichen. Dies sei im aktuellen Fall sehr unwahrscheinlich. Das Besondere an Dioxin: Es reichert sich sehr gut im tierischen und menschlichen Fettgewebe an, da es einerseits sehr langlebig ist und andrerseits kaum abgebaut werden kann. Im Lauf des Lebens steigt daher die Dioxin-Konzentration im Körperfett.

Auch wegen dieser Eigenschaften sollte die Belastung mit Dioxin möglichst gering gehalten werden. Wer sein gesundheitliches Risiko abschätzen möchte, muss stets sowohl die Konzentration an Dioxinen in der Nahrung als auch die gewöhnlich von ihm verzehrte Menge der jeweiligen Lebensmittel beachten.

Hilfreich ist, die Bedeutung des Begriffs Dioxin zu kennen. Im allgemeinen Sprachgebrauch steht Dioxin als Sammelbezeichnung für zwei große Klassen chemisch ähnlicher Substanzen: die Dibenzo-p-dioxine (PCDD) und die Dibenzofurane (PCDF). Insgesamt umfasst die Gruppe der Dioxine über 200 Substanzen, die in sehr unterschiedlichem Maße giftig für den Menschen sind – einige können ab bestimmten Konzentrationen Krebs auslösen. Dioxine liegen stets als Gemische von Einzelverbindungen mit unterschiedlicher Zusammensetzung vor. Das giftigste Dioxin ist auch als "Seveso-Gift" oder "Seveso-Dioxin" bekannt, da es nach einem Chemieunfall im norditalienischen Seveso im Juli 1976 die Umwelt kontaminierte. Das Seveso-Gift heißt fachsprachlich 2,3,7,8 TCDD (TCDD = Tetrachlordibenzodioxin).

Es lässt sich nicht vollständig verhindern, dass Dioxin über Böden und Pflanzen in Lebens- und Futtermittel gelangt und in die Nahrungskette übergeht, der Mensch langfristig also zwangsläufig kleine Mengen an Dioxin über die Nahrung aufnimmt.

Menschen nehmen Dioxin zu 90 bis 95 Prozent über die Nahrung auf, vor allem über tierische Lebensmittel wie Fleisch, Eier oder Milch sowie die daraus hergestellten Produkte. Obwohl Fisch je nach Fettgehalt stärker mit Dioxinen belastet sein kann – unter anderem da Dioxin jahrzehntelang über Abwasser und Flüsse in hohen Konzentrationen in die Meere gelangte –, spielt er als Dioxinquelle eine kleinere Rolle, da die Deutschen eher wenig Fisch essen. Im Gemüse ist Dioxin mit wenigen Ausnahmen (Zucchini) kaum zu finden; Bioprodukte waren vom Dioxin-Skandal 2010/2011 höchstwahrscheinlich nicht betroffen.

Seitens des Gesetzgebers greifen Sicherheitsmechanismen, wenn der Dioxingehalt von Lebensmitteln die geltenden EU-Höchstgehalte überschreitet: Sie dürfen zum einen nicht mehr verkauft werden, zum andern können ausgelieferte Waren zurückgerufen und Betriebe gesperrt werden.