Grippe oder Erkältung?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. September 2017)

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Grippe oder Erkältung? Die Symptome sind auf den ersten Blick ähnlich – jedoch gibt es zwischen Grippe und Erkältung gravierende Unterschiede. Während eine Erkältung zwar lästig ist, aber meist problemlos ausheilt, verläuft eine Grippe (Influenza) oft schwerer.

Erkältung, grippaler Infekt, Grippe: Was sich hinter den einzelnen Begriffen verbirgt, ist vielen Menschen unklar. Ein grippaler Infekt ist nichts anderes als eine Erkältung – und die hat nichts mit der echten Grippe zu tun. Vielmehr handelt es sich bei Grippe und Erkältung um zwei eigenständige Krankheitsbilder. Was umgangssprachlich eine Erkältung oder ein grippaler Infekt ist, sieht der Mediziner als banale akute Infektion der oberen Atemwege an. Anders die ernstzunehmende Grippe: Sie ist meldepflichtig, wenn das Influenza-Virus bei einer Person nachgewiesen wurde.

Sowohl die Grippe als auch die Erkältung werden durch Viren hervorgerufen. Die Beschwerden sind bei beiden Erkrankungen anfangs ähnlich. Unterschiede zeigen sich aber im Verlauf und in der Schwere des Krankheitsbilds:

  • Typisch für die Grippe – Mediziner bezeichnen sie auch als Influenza – ist ein heftiger und plötzlicher Beginn. Mehrere Symptome treten gleichzeitig und intensiver auf, als man es von einer Erkältung gewohnt ist. Husten, Fieber und Schmerzen sind typische Symptome einer Influenza. Das Fieber von mehr als 38,5 Grad Celsius kann über Tage anhalten. Darüber hinaus leiden Grippe-Patienten oft unter Appetitlosigkeit, Schüttelfrost und begleitenden Schmerzen. Hauptsächlich handelt es sich um Kopf-, Glieder-, Gelenk- und Muskelschmerzen. Auch Luftnot und massive Erschöpfung weisen auf eine echte Virusgrippe hin. Bis eine Grippe ausgestanden ist, dauert es oft erheblich länger als bei einer Erkältung.
  • Eine Erkältung wird auch grippaler Infekt genannt und beginnt wesentlich unspektakulärer als eine echte Grippe. Typischerweise treten die Symptome nacheinander auf beziehungsweise lösen sich ab. So kann zuerst der Hals kratzen, dann beginnt die Nase zu laufen oder die Nasenatmung ist behindert und schließlich folgt der Husten. Häufig bleiben Erkältungspatienten von Fieber verschont oder messen nur leicht erhöhte Temperaturen, die innerhalb weniger Tage zurückgehen. In der Regel sind alle Erkältungs-Symptome spätestens nach zwei Wochen ausgestanden.

Wichtig bei Erkältung und Grippe: Schonen Sie sich! © Jupiterimages/Pixland

Wichtig bei Erkältung und Grippe: Schonen Sie sich!

Grippe oder Erkältung? Unterschiede auf einen Blick

Symptome wie Schnupfen, Halsschmerzen und Husten sind sowohl für Grippe als auch Erkältung typisch – bei einer Grippe handelt es sich meist um einen trockenen Reizhusten ohne Schleim. Die Beschwerden bei einer Grippe treten im Gegensatz zur Erkältung sehr plötzlich auf und sind meist auch heftiger

Hinweise darauf, dass man an einer Grippe erkrankt sein könnte, können nicht nur die Symptome, sondern auch die aktuellen Daten zur Verbreitung geben: Grassiert momentan eine Grippeepidemie, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, an einer Influenza erkrankt zu sein, auch, wenn die Symptome vielleicht nicht deutlich ausgeprägt sind. Zudem spielt die Jahreszeit eine wesentliche Rolle. Während Erkältungen in erster Linie in der kalten Jahreszeit auftreten, wird die Grippe ganzjährig beobachtet – allerdings kommt auch sie im Winter häufiger vor.

Grippe oder Erkältung? Typische Symptome und ihr Vorkommen bei Grippe (Influenza) oder Erkältung:
  Grippe Erkältung
Atemnot und Brustschmerz häufig sehr selten
Kopfschmerzen häufig selten
Muskel-, Rücken- und Gliederschmerzen häufig selten
Fieber meist hoch, über 38,5°C meist mäßig, unter 38,5°C
Müdigkeit und allg. Krankheitsgefühl ausgeprägt mäßig

Grippe oder Erkältung: Was tun bei Grippe?

Grippe (Influenza) verläuft oft wesentlich ernster als eine Erkältung und erfordert dann eine rasche Therapie. In Deutschland sterben während einer Grippesaison jährlich mehrere tausend Menschen daran. Vor allem bei bestimmten Personengruppen ist es wichtig, so früh wie möglich zwischen Grippe und Erkältung zu unterscheiden. Hierzu zählen etwa alte Menschen und geschwächte Personen, die zusätzlich an anderen Krankheiten leiden. 

Bei leichten Grippeverläufen reicht es völlig aus, nur die Beschwerden zu behandeln. Hier helfen allgemeine Maßnahmen ("Hausmittel") sowie schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente, zum Beispiel Präparate mit Acetylsalicylsäure (ASS) oder die Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol. Neben den Schmerzmitteln können Sie je nach Symptomatik auch zu weiteren Mitteln wie zum Beispiel Nasentropfen greifen.

Vorsicht: Kindern mit viralen Infekten dürfen keinesfalls Salicylate (z.B. Acetylsalicylsäure) bekommen, da die Gefahr eines Reye-Syndroms besteht. Das Reye-Syndrom ist eine lebensgefährliche Erkrankung, in deren Verlauf es zu diffusen Hirn- und Leberschäden kommt. Kinder, die eine dauerhafte Salicylatmedikation erhalten, sollen deshalb regelmäßig gegen Grippe geimpft werden.

Halten Sie bei einer Grippe auf jeden Fall einige Tage Bettruhe und schonen Sie sich auch noch im Anschluss daran!

Video Grippe: Jedes Jahr im Winter

In schweren Fällen: Virustatika

Wenn eine Grippe voraussichtlich sehr schwer verlaufen wird oder wenn eine Person ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf hat, kann der Arzt Virustatika verschreiben. In der Regel kommen dabei sogenannte Neuraminidasehemmer zum Einsatz. Sie blockieren die Wirkung des viralen Enzyms Neuraminidase, welches für die Freisetzung neuer Viruspartikel aus infizierten Zellen verantwortlich ist. Damit verhindern die Medikamente, dass sich das Virus weiter ausbreitet.

Spätestens zwei Tage, nachdem die ersten Symptome einsetzen, sollte der Arzt Neuraminidasehemmer anwenden, damit die Medikamente ihre Wirkung voll entfalten können. In schweren Fällen kann gegebenenfalls auch nach diesem Zeitraum noch eine Behandlung mit diesen Medikamenten sinnvoll sein. Gegenwärtig kommen die Neuraminidasehemmer Zanamivir und Oseltamivir zum Einsatz. Oseltamivir, das im Gegensatz zu Zanamivir nicht als Pulver inhaliert werden muss, kann Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt hervorrufen (v.a. Übelkeit, Erbrechen). Zanamivir kann insbesondere bei Asthmatikern Anfälle auslösen.

Der Nutzen von Neuraminidasehemmern bei der Grippebehandlung ist umstritten: So verkürzt Oseltamivir die Dauer der Beschwerden nur geringfügig.

Wann Antibiotika?

Heute weiß man: Antibiotika haben bei akuten Atemwegsinfektionen wie der Grippe (Influenza) nur einen geringen oder gar keinen Nutzen, denn sie helfen in erster Linie gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren.

Ausnahme: Hat sich ein Grippepatient zusätzlich zur Influenza mit Bakterien infiziert (sog. Superinfektion), ist es gerechtfertigt und notwendig, entsprechende Antibiotika einzunehmen. Insbesondere Komplikationen, wie eine bakterielle Lungenentzündung, erfordern eine unverzügliche Antibiotikatherapie.

Grippe oder Erkältung: Therapie bei Erkältung

Wie auch bei der Grippe (Influenza) sind Antibiotika zur Therapie einer Erkältung nicht geeignet, da sie gegen Viren nicht wirken. Eine Erkältung geht in der Regel auch ohne eine spezielle Behandlung vorüber. 

Allgemeine Maßnahmen

Sie können einiges tun, um lästige Erkältungssymptome wie Schnupfen, Halsschmerzen oder Husten zu lindern beziehungsweise das subjektive Wohlbefinden zu steigern:

  • Schonen Sie Ihren Körper (etwa in Bezug auf Arbeit und Sport).
  • Manche Personen schwören auf das Einatmen von Wasserdampf, evtl. auch mit Zusätzen wie Kamille. Einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass das Inhalieren hilft, gibt es jedoch nicht.
  • Heiße Getränke wie Tee oder Milch mit Honig empfinden viele Menschen als wohltuend.
  • Verzichten Sie möglichst auf Rauchen.

Wie entsteht eigentlich eine Erkältung und was verursacht die Beschwerden? Unser Erkältungs-Video verrät es Ihnen!

Medikamente

Es gibt auf dem Markt zahlreiche Mittel gegen Erkältung, die das Krankheitsgefühl und Hals- oder Kopfschmerzen lindern. Abschwellende Nasentropfen oder -sprays erleichtern die Atmung und helfen bei Ohrenstechen. Sie sollten diese Produkte jedoch nicht länger als eine Woche am Stück verwenden, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden. Mit Vorsicht sollten solche Säfte allerdings bei Kleinkindern und bei Personen mit Asthma angewendet werden, da diese den Schleim nicht so leicht aushusten können.

Gegen Kopf- und Gliederschmerzen sind beispielsweise Präparate mit Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen wirksam. Acetylsalicylsäure ist nicht bei fieberhaften Erkrankungen bei Kindern geeignet, da bei ihnen eine gefährliche Nebenwirkung die Folge sein kann: das sogenannte Reye-Syndrom. 

Antibiotika helfen bei akuten Atemwegsinfektionen nur bedingt oder gar nicht. Antibiotika wird der Arzt nur dann verschreiben, wenn der Betroffene zusätzlich zur Erkältung an einer bakteriellen Infektion leidet

Alternative Heilmittel

Zahlreiche alternative Heilverfahren wie zum Beispiel die Phytotherapie, Homöopathie oder Akupunktur werden sowohl zur Behandlung als auch zur Abwehr von Erkältungen eingesetzt. Ob sie wirklich helfen, wird häufig diskutiert und ist nicht erwiesen. Besprechen Sie den Einsatz alternativer Heilmittel am besten mit einem Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker, der mit der jeweiligen Methode vertraut ist!

Grippe und Erkältung vorbeugen

Sowohl Grippe- als auch Erkältungsviren verbreiten sich per Tröpfcheninfektion – beim Husten oder Niesen gelangen die Erreger in die Luft.

Generell gilt daher:

  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände!
  • Direkter Körperkontakt, etwa beim Händeschütteln oder bei einer Umarmung, erhöht das Risiko, sich anzustecken. Bei einer Grippe- oder Erkältungswelle sollten Sie den Kontakt minimieren.
  • Lassen Sie benutzte Taschentücher nicht herumliegen, um andere Menschen nicht anzustecken.
  • Bedecken Sie beim Niesen und Husten Ihren Mund, z.B. mit dem Ellenbogen – aber möglichst nicht mit der Hand.

Grippe vorbeugen

Die beste Möglichkeit, einer Grippe vorzubeugen, ist die Grippeschutzimpfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt eine Impfung für folgende Personengruppen:

  • Personen über 60 Jahre
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (zweites Trimenon), bei erhöhter Gesundheitsgefahr wegen einer anderen Grunderkrankung schon ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung infolge eines Grundleidens; dazu zählen z.B. Personen mit chronischen Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten, chronischen neurologischen Erkrankungen wie multipler Sklerose, Immunschwäche oder einer HIV-Infektion
  • Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen
  • Personen mit erhöhter Gefährdung, z.B. medizinisches und pflegendes Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr
  • alle, wenn "eine intensive Epidemie aufgrund von Erfahrungen in anderen Ländern droht" oder wenn ein neuer Virustyp zu erwarten ist und es hierfür schon einen Impfstoff gibt

Und auch potenzielle Überträger, die intensiven Kontakt mit sogenannten Risikopersonen haben, sollten sich impfen lassen. Zu den Risikopersonen zählen vor allem Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen (z.B. dialysepflichtige Nierenschwäche), bei denen eine Impfung möglicherweise nicht ausreichend Wirkung zeigt. 

Wenn man die Schutzimpfung verpasst hat oder sich aus bestimmten Gründen nicht gegen Grippe impfen lassen kann, wird der Arzt in bestimmten Fällen eine vorbeugende Behandlung mit antiviralen Medikamenten empfehlen. Eine solche Behandlung kann sinnvoll sein, wenn eine ungeimpfte Person Kontakt zu einem Grippekranken hatte. Grundsätzlich gilt aber: Die Grippeschutzimpfung ist immer die Maßnahme der ersten Wahl.

Gefährdete Personen sollten die Grippeschutzimpfung jährlich erneuern, da die Influenza-Viren ständig ihre Struktur ändern. Eine Impfung schützt bis zu 9 von 10 aller Geimpften vor einer Grippe oder mildert den Verlauf einer Erkrankung deutlich.

Wenn Sie sich impfen lassen möchten, sollten Sie dies vor Beginn der Grippesaison tun – vorzugsweise im Oktober bis November.

Erkältung vorbeugen

Einer Erkältung können Sie zwar nicht sicher vorbeugen. Sie können aber einiges tun, um Ihr Immunsystem zu stärken, so zum Beispiel mit ausreichend Bewegung, gerne an der frischen Luft! 

Regelmäßige Saunagänge halten die Immunabwehr des Körpers ebenfalls fit. Meiden Sie möglichst den Kontakt mit Erkälteten (z.B. in überfüllten Wartesälen zur Winterzeit).

Beachten Sie: Die Grippeschutzimpfung schützt nur vor der echten Grippe (Influenza) und nicht vor einer Erkältung.

Ein Mann steht in Sportkleidung auf einer Wiese und boxt in die Luft. © Jupiterimages/Digital Vision

Stärken Sie Ihre Abwehr!

Grippe oder Erkältung: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 8.8.2017)

Robert Koch-Institut: Merkblätter für Ärzte: Influenza: Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren (Stand: 12.12.2016)

Epidemiologisches Bulletin, Nr. 34/2016: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Stand: August 2016. Robert Koch-Institut, Berlin (29.8.2016)

RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten: Influenza. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 20.12.2013)

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Neuraminidase inhibitors for preventing and treating influenza in healthy adults and children. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 1. Art. No.:CD008965 (18.1.2012)

Stand: 25. September 2017

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