Depressionen bei Kindern und Jugendlichen: Anzeichen erkennen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (19. Juli 2017)

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Nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche können an Depressionen erkranken. Eine Depression kann sich bei jungen Menschen ganz anders äußern als bei einem Erwachsenen – und so bleibt die Erkrankung oft lange Zeit unerkannt. Doch wie kann man als Eltern "normale Pubertätskrisen" oder eine vorübergehende kindliche Traurigkeit von einer behandlungsbedürftigen Depression unterscheiden?

Ist mein Kind depressiv? Oder handelt es sich "nur" um eine Phase, die wieder vorübergeht? Diese Frage stellen sich so manche Eltern. Gerade in der Pubertät sind Stimmungsschwankungen, launisches Verhalten oder eine kurzzeitige Traurigkeit ganz normal – sie gehören zur alterstypischen Entwicklung einfach dazu. Wenn bestimmte Beschwerden aber über Wochen oder Monate hinweg anhalten, könnte es sich um eine Depression handeln.

Ob schlechte Noten, Mobbing in der Schule, der Verlust eines Elternteils, Liebeskummer oder Gewalt im Elternhaus: Es gibt viele Faktoren, die für junge Menschen eine so starke Belastung darstellen, dass sie psychisch krank werden. Darüber hinaus spielen auch genetische Komponenten eine Rolle. Bestimmte körperliche Erkrankungen oder Medikamente können ebenfalls eine depressive Episode verursachen.

Selbst kleine Kinder im Vorschulalter können schon an Depressionen leiden – im Pubertätsalter steigt das Erkrankungsrisiko noch deutlich an. Schätzungen zufolge haben zwischen 3 und 10 von 100 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren eine Depression, bei den Vorschulkindern ist etwa 1 von 100 Kindern betroffen.

Als typische Symptome einer Depression – egal, in welchem Alter sie auftritt – gelten

  • Freudlosigkeit / eine gedrückte Stimmung,
  • Interessenverlust und
  • ein verminderter Antrieb.

Aber: Solche Anzeichen für Depressionen sind bei Kindern und auch bei Jugendlichen oft von anderen Beschwerden überlagert, etwa von körperlichen Symptomen wie Bauchschmerzen. Oder aber die möglichen Anzeichen werden als alterstypisch angesehen, zum Beispiel als "normales" launisches Verhalten im Rahmen der Pubertät

Woran erkenne ich eine Depression bei Kindern und Jugendlichen?

Beachten Sie: Eine Depression hat viele Gesichter. Die folgenden Beispiele sind nur einige mögliche Anzeichen einer Depression, die in bestimmten Altersgruppen häufig auftreten. Wenn Sie solche Symptome über mehrere Wochen hinweg bei Ihrem Kind beobachten, könnte dies auf eine Depression hinweisen, aber auch andere Ursachen haben.

Die Symptome einer Depression können ganz unterschiedlich sein. Achten Sie auf mögliche Anzeichen. © iStock

Die Symptome einer Depression können ganz unterschiedlich sein. Achten Sie auf mögliche Anzeichen.

Depressionen bei Kindern im Vorschulalter

Bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren stehen häufig Symptome im Vordergrund wie:

  • körperliche Beschwerden, z.B. Schlafstörungen, Bauchschmerzen
  • erhöhte Ängstlichkeit
  • aggressives, rebellisches Verhalten
  • Gefühle von Hoffnungslosigkeit
  • Äußerungen, dass keiner für sie Zeit habe

Auch Kinder unter drei Jahren können depressive Symptome zeigen. Sie wirken traurig, weinen häufig, sind teilnahmslos, haben keine Lust zu spielen oder sind leicht reizbar. Manche Kinder sind übertrieben anhänglich oder leiden unter Schlafstörungen. Darüber hinaus weisen sehr kleine Kinder oft Verzögerungen in der Entwicklung auf, so lernen sie z.B. erst spät laufen oder sprechen.

Depressionen bei Kindern im Schulalter

Bei Schulkindern im Alter zwischen 6 und 12 Jahren können Anzeichen auftreten wie:

Depressionen bei Jugendlichen

Bei Jugendlichen kann eine Depression dahinterstecken, wenn der Heranwachsende über einen längeren Zeitraum

  • plötzlich viel schlechtere schulische Leistungen erbringt
  • keinen Antrieb mehr hat, lustlos ist
  • geliebte Hobbies und Aktivitäten aufgibt oder vernachlässigt, weil sie ihm keinen Spaß mehr machen
  • Stimmungsschwankungen hat
  • sich von Gleichaltrigen und von der Familie abschottet,
  • häufig Alkohol trinkt und / oder Drogen konsumiert
  • sich selbst verletzt
  • sich plötzlich ganz anders verhält als vorher
  • über psychosomatische Beschwerden wie etwa Kopfschmerzen klagt
  • keinen Appetit mehr hat und an Gewicht verliert
  • Schlafstörungen hat
  • das Selbstvertrauen verloren hat
  • Suizidgedanken geäußert hat

Mein Kind ist möglicherweise depressiv – was tun?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind an einer Depression erkrankt sein könnte, scheuen Sie sich nicht, das Gespräch mit ihm zu suchen. Haben Sie auch nach dem Gespräch noch den Eindruck, dass Ihr Kind depressiv ist, sollten Sie einen Mediziner zurate ziehen. Erste Anlaufstelle kann etwa der Kinder- oder der Hausarzt sein. Dabei ist wichtig, dass der Arzt auch mögliche körperliche Ursachen für die Symptome ausschließt – denn bestimmte Erkrankungen können depressive Beschwerden auslösen, so etwa eine Schilddrüsenunterfunktion.

Im Anschluss an die körperliche Untersuchung ist ein Experte gefragt, zum Beispiel ein Psychiater oder ein Psychologe, der auf die Behandlung von Kindern spezialisiert ist (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut bzw. Kinder und Jugendpsychiater). Er versucht, im Gespräch mit dem Kind oder Jugendlichen behutsam herauszufinden, ob eine Depression im Spiel ist. Eine alternative Anlaufstelle kann zum Beispiel der Schulpsychologe sein.

Je früher Sie und Ihr Kind professionelle Hilfe suchen, desto besser. © iStock

Je früher Sie und Ihr Kind professionelle Hilfe suchen, desto besser.

Eine Depression lässt sich im Allgemeinen gut behandeln – vor allem, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Menschen, die in jungen Jahren depressiv sind, entwickeln auch als Erwachsene eher eine psychische Erkrankung. Mit einer frühen Behandlung kann dieses Risiko vermindert werden. Nicht zuletzt ist eine frühzeitige Therapie auch wichtig, um möglicherweise ein Leben zu retten, denn: Eine Depression, egal ob bei Erwachsenen oder Kindern, ist auch mit einem erhöhten Selbstmordrisiko verbunden.

Weiterführende Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Depressionen

Selbsttest Depression

Forum Kinderentwicklung & Elternsorgen (expertenbetreut)

Quellen:

Online-Informationen des Deutschen Bündnisses gegen Depression e.V.: www.buendnis-depression.de (Abrufdatum: 5.5.2017)

Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e. V. www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: 17.3.2014)

Depressionen: Symptome bei Kindern sind anders als bei Erwachsenen. Online-Informationen der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (Stand: 18.6.2013)

Stand: 19. Juli 2017


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