Vorsorgeunter­suchungen für Kinder: U1 bis U3

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (14. Oktober 2016)

U1

Die erste Untersuchung erfolgt innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt des Kindes. Das Neugeborene wird gewogen, gemessen und alle lebenswichtigen Funktionen werden anhand des sogenannten Apgar-Tests überprüft (U1). Die amerikanische Anästhesistin Virginia Apgar entwickelte 1963 dieses Punktsystem für Neugeborene. Der Kinderarzt beurteilt dabei den Gesundheitszustand eines Neugeborenen anhand von fünf entscheidenden Aspekten. Die deutschen Anfangsbuchstaben der fünf Merkmale ergeben den Namen APGAR:

  • A = Atmung
  • P = Puls (Herzschlag)
  • G = Grundtonus (Muskeltonus)
  • A = Aussehen (Hautfarbe)
  • R = Reflexe

In der folgenden Tabelle sind die einzelnen Beurteilungskriterien mit der dazu gehörigen Punktebewertung aufgeführt.

Merkmal 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
Atmung fehlt flach, unregelmäßig gut, Schreien
Puls nicht wahrnehmbar langsam (unter 100) über 100
Grundtonus schlaff wenige Beugungen der Extremitäten aktive Bewegung
Aussehen blau, blass Körper rosa, Extremitäten blau vollständig rosa
Reflexe keine Reaktion Schrei kräftiger Schrei

Für die Merkmale werden jeweils 0 Punkte (Merkmale fehlen), 1 Punkt (Merkmale nicht ausgeprägt) oder 2 Punkte (Merkmale gut vorhanden) vergeben und in das Untersuchungsprotokoll eingetragen. Die optimale Punktzahl liegt bei neun bis zehn Punkten pro Erhebungszeiten. Beurteilt wird nach Erhebungszeiten von einer, fünf und zehn Minuten nach der Geburt. Zeigt das reife Neugeborene, das heißt mit mindestens 37 vollendeten Schwangerschaftswochen, keine Auffälligkeiten und hat es sich gut angepasst, bleibt es auf der Wöchnerinnenstation bei der Mutter oder darf bei ambulanten Geburten mit nach Hause genommen werden.

Ebenso wird bei der ersten Vorsorgeuntersuchung das Blut der Nabelschnur untersucht. Die Untersuchung erlaubt Rückschlüsse darauf, ob das Kind während der Geburt immer ausreichend mit Sauerstoff versorgt worden ist. Gleichzeitig saugt der Arzt das verschluckte Fruchtwasser ab und überprüft dabei, ob Nase und Speiseröhre frei sind.

Um möglichen inneren Blutungen vorzubeugen, bekommt das Neugeborene Vitamin K-Tropfen. Alle Neugeborenen haben außerdem den Anspruch auf einen Hörtest zur Früherkennung von Hörstörungen, der bis zum dritten Lebenstag erfolgen sollte.

U2

Die zweite Untersuchung (U2) findet zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag statt. Frauen, die ambulant entbunden haben, machen entsprechend früh einen Termin mit ihrem Kinderarzt aus (Fragen Sie nach: Einige Kinderärzte bieten für die U2 Haustermine an!).

Bei dieser sogenannten Neugeborenen-Basisuntersuchung untersucht der Kinderarzt das Baby erneut von Kopf bis Fuß. Er tastet die Organe ab, kontrolliert Hüften und Wirbelsäule und prüft Darmausgang, Geschlechtsorgane, Sinnesorgane, Motorik beziehungsweise Reflexe und das Nervensystem. Manche Ärzte führen bereits jetzt eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte durch, um eine Hüftdysplasie auszuschließen. Sie kann aber auch erst bei der U3 gemacht werden.

Außerdem informiert der Arzt die Eltern bei der U2 über eine mögliche Rachitis-Vorbeugung in Form von Vitamin D-Tabletten. Rachitis ist eine Stoffwechselstörung vor allem bei Kindern, die unter anderem durch Vitaminmangel hervorgerufen wird.

Auch die Einnahme von Fluorid-Tabletten zur Zahnhärtung ist Gegenstand der U2. Fluoride sind Spurenelemente, die den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Kariesbakterien machen. Um Karies vorzubeugen, gibt man Babys bereits Fluorid, bevor die ersten Zähne durchbrechen.

Zudem wird auch bei der U2 Vitamin K gegen mögliche Blutungen verabreicht.

Erweitertes Neugeborenen-Screening: Zusätzlich erfolgt eine Blutuntersuchung. Dadurch lassen sich eventuelle angeborene Stoffwechselstörungen wie Phenylketonurie, Galaktosämie, Arginin-Succinurie und Leucinose aufdecken. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion und Mukoviszidose können bereits jetzt erkannt und somit frühzeitig behandelt werden. Für die Untersuchung wird ein kleiner Blutstropfen aus der Ferse oder aus der Handrückenvene entnommen und im Labor untersucht.

Vitamin K

U3

Die Vorsorgeuntersuchung U3 erfolgt in der vierten bis fünften Lebenswoche (1. Monat). Dabei untersucht der Kinderarzt die Organe und die körperliche Entwicklung und achtet besonders auf den Ernährungszustand und das Gewicht des Kindes. Darüber hinaus testet er die Augenreaktionen und das Hörvermögen und überprüft, ob ein Hörtest für Neugeborene durchgeführt und bei auffälligem Befund wiederholt wurde. Auch Kopfumfang und Größe werden erneut ermittelt und die Reflexe werden geprüft.

Wenn bei der U2 die Hüftgelenke noch nicht untersucht wurden, steht nun die Ultraschalluntersuchung der Hüfte an. Eine eventuell angeborene Fehlstellung, genannt Dysplasie, lässt sich im Säuglingsalter noch leicht und meist ohne operativen Eingriff korrigieren. Zudem erhält das Kind nochmals Vitamin K gegen mögliche Blutungen.

Schließlich informiert der Arzt die Eltern bei der U3 nochmals über alle notwendigen Impfungen sowie über Ernährung, Vorbeugung des plötzlichen Säuglingstodes und über Unfallverhütung.

Erweitertes Neugeborenen-Screening: Wurde bei der U2 die Blutuntersuchung noch nicht vorgenommen, kann diese nun nachgeholt werden. Dabei lassen sich eventuelle angeborene Stoffwechselstörungen wie Phenylketonurie, Galaktosämie, Arginin-Succinurie und Leucinose aufdecken. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion und Mukoviszidose können bereits jetzt erkannt und somit frühzeitig behandelt werden. Für die Untersuchung wird ein kleiner Blutstropfen aus der Ferse oder aus der Handrückenvene entnommen und im Labor untersucht.