Vaterschaftstest: Theoretische Grundlagen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (27. Februar 2014)

Ein genauerer Blick auf das menschliche Erbgut hilft dabei, einen Vaterschaftstest beziehungsweise eine Abstammungsbegutachtung besser nachvollziehen zu können: Im Zellkern jeder menschlichen Körperzelle befinden sich die gesamten Erbanlagen (Gene) einer Person. Diese sind auf zweimal 23, also auf insgesamt 46 Chromosomen verteilt, während die Keimzellen (Samen- und Eizellen) von Mann und Frau jeweils nur 23 Chromosomen – also den halben Chromosomensatz – aufweisen.

Chromosomen bestehen aus einem Doppelstrang der Desoxyribonukleinsäure (DNS, engl. DNA). Dieser Doppelstrang ist auf bestimmte Eiweiße (Proteine, hier: Histone) aufgerollt und somit kompakt gewunden. Er setzt sich zusammen aus zwei DNA-Einzelsträngen, die räumlich wie ein Reißverschluss zusammen passen.

Man sieht eine blaugefärbte DNA-Doppelhelix © Jupiterimages/Hemera

Aufbau der Desoxyribonukleinsäure (DNA)

Ein einzelner DNA-Strang besteht aus einer Abfolge von Grundbausteinen (Nukleotiden), die sich jeweils aus einer von vier verschiedenen Basen, einem Zuckermolekül (Desoxyribose) und einer Phosphatgruppe zusammensetzen. Die Grundbausteine unterscheiden sich darin, welche Base sie tragen – in die DNA sind die Basen

  • Adenin (A) und
  • Thymin (T) sowie
  • Guanin (G) und
  • Cytosin (C) eingebaut.

Sie sind als Informationsträger mit Buchstaben oder Ziffern vergleichbar – ihre Reihenfolge auf dem DNA-Strang ist ebenso eine Information, wie es auch Wörter oder Zahlen sind. "Leser" der Basenfolgen, also des genetischen Codes, sind die sogenannten Ribosomen. Sie "übersetzen" die Information – also die Reihenfolge der Basen – in Eiweiße, wobei sie immer drei Basen (Triplett) als Code für einen Eiweiß-Baustein (Aminosäure) erkennen. Eiweiße (Proteine) sind für den Aufbau des Körpers und seine Lebensfunktionen sehr wichtig.

Der Mensch besitzt etwa 30.000 bis 40.000 Gene. Die relevante Erbinformation macht nur etwa zehn Prozent von den insgesamt 3 Milliarden Basenpaaren der DNA aus. Die übrigen 90 Prozent sind sogenannte nicht-kodierende DNA-Abschnitte. Während diese DNA früher als funktionslos ("junk-DNA") galt, geht man heutzutage davon aus, dass auch sie Informationen enthält und zum Beispiel das Ablesen der Gene steuert. Die nicht-kodierende DNA ist bei allen Menschen größtenteils ähnlich. Doch gibt es Bereiche mit deutlichen Unterschieden – Experten verwenden dafür den Ausdruck Polymorphismus (Mehrzahl: Polymorphismen).

Diese Bereiche der Erbsubstanze sind für den Vaterschaftstest wichtig, denn sie sind für jeden Menschen charakteristisch. Bei einer Vaterschaftsanalyse oder einem Identitätsnachweis untersuchen Genetiker die charakteristischen DNA-Abschnitte mit molekularbiologischen Methoden.