Szintigraphie: Durchführung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. November 2014)

Radiopharmaka

Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, denn: Vor ihrer Durchführung bekommt der Betroffene zunächst einen bestimmten schwach radioaktiven Stoff mit einer Spritze über die Blutbahn verabreicht – ein sogenanntes Radiopharmakon. Dieses Radiopharmakon besteht aus einem Trägerstoff, der radioaktiv markiert ist. Als Trägerstoffe werden Substanzen verwendet, die der Körper leicht aufnimmt und in den Stoffwechsel einschleust – beispielsweise Eiweiße oder Salze. Die radioaktive Markierung des Trägerstoffs bezeichnet man als Tracer. Dieser sendet eine Strahlung aus, mit deren Hilfe sich der Weg des Tracers im Körper verfolgen lässt – so kann der Arzt den Trägerstoff im Körper lokalisieren. Es gibt auch Tracer, die ohne Trägerstoff eingesetzt werden, beispielsweise radioaktiv markiertes Jod bei einer Schilddrüsenszintigraphie.

Es stehen verschiedene Radiopharmaka für szintigraphische Untersuchungen zur Verfügung – welches zum Einsatz kommt, hängt davon ab, von welchem Körperbereich beziehungsweise welchem Organ der Arzt ein Bild (sog. Szintigramm) erstellen möchte: Für jeden Zweck ist ein ganz bestimmtes Radiopharmakon geeignet. Der Stoffwechsel des Menschen oder die Zusammensetzung des verabreichten Stoffs führt dazu, dass sich das Radiopharmakon in dem jeweils zu untersuchenden Bereich beziehungsweise Organ anreichert beziehungsweise der Körper es dort einbaut oder verarbeitet. Damit sind die bei der Szintigraphie verwendeten Radiopharmaka – anders als die radioaktiven Substanzen, die zum Beispiel bei der Durchführung vieler Röntgenuntersuchungen zum Einsatz kommen – keine Kontrastmittel.

Wie viel Zeit eine Szintigraphie beansprucht, ist ebenfalls unterschiedlich: Vor Beginn der eigentlichen szintigraphischen Untersuchung liegt eine unterschiedlich lange Wartezeit. Die meisten Radiopharmaka brauchen einige Stunden, um sich vollständig im Körper zu verteilen – erst dann erstellt man das Szintigramm. Da der Körper die radioaktive Substanz meist über die Nieren ausscheidet, empfiehlt es sich, viel zu trinken und öfters auf die Toilette zu gehen: So verhindern Sie, dass sich der radioaktive Stoff in der Harnblase ansammelt, und verringern außerdem die Strahlenbelastung.

Gammakamera

Die eigentliche Szintigraphie, die ein Bild von der Verteilung der zuvor verabreichten Stoffe im Körper liefert, erfordert zur Durchführung eine technische Ausrüstung: Diese besteht aus einer besonderen Kamera – der Gammakamera – und einem angeschlossenen Computer.

Die zur Szintigraphie verabreichten schwach radioaktiven Stoffe zerfallen im Körper und senden dabei Gammastrahlen aus. Die Gammakamera kann diese vom Körper ausgehende Strahlung erfassen: Hierzu verfügt sie über einen oder mehrere Messköpfe (sog. Detektoren). Ein angeschlossener Computer wandelt die so erfassten Daten dann in ein Bild um: Dieses mithilfe der Gammakamera erstellte Szintigramm zeigt, wie sich der radioaktive Stoff in der untersuchten Region verteilt. Unterscheidungen zwischen Bereichen mit hoher und geringer radioaktiver Aktivität ermöglichen dann diagnostische Rückschlüsse auf den Stoffwechselvorgang und somit auf mögliche krankhafte Veränderungen.

Während dieser eigentlichen Szintigraphie sitzen oder liegen Sie vor beziehungsweise unter der Gammakamera. Manchmal befinden sich neben oder unter der Liege zusätzliche Aufnahmegeräte. Die meisten Szintigraphie-Geräte sind offen, weshalb sich auch die meisten Menschen mit Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie) problemlos szintigraphisch untersuchen lassen können. Eine Ausnahme bildet die Kombination der als SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) bezeichneten Szintigraphie-Form mit der Computertomographie: Während deren Durchführung liegen Sie in einer kurzen Röhre.