Strahlentherapie (Radiotherapie): Wirkung und Ziele

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (29. Januar 2013)

Die Strahlentherapie hat auf gesunde Zellen eine andere Wirkung als auf Tumorzellen. Diesen Effekt macht sich die Strahlentherapie zunutze.

Die Zelle ist das kleinste funktionsfähige Element in einem Organismus – und auch in jedem Tumor. Die meisten Zellen müssen ständig ersetzt werden. Dies geschieht durch Zellteilung. Bevor sich eine Zelle teilt, kopiert sich die im Zellkern befindliche Erbsubstanz (DNA) – somit entstehen nach der Teilung zwei funktionsfähige Zellen mit der identischen DNA.

Die in der Strahlentherapie verwendete Strahlung hemmt oder verhindert die Zellteilung im Körper – die Zelle stirbt irgendwann ab. Dass dabei vor allem Tumorzellen zugrunde gehen und weniger gesunde Zellen, liegt an einer Besonderheit: Jede Zelle ist in einem gewissen Maß dazu in der Lage, kleine Defekte zu reparieren. Bei gesunden Zellen ist dieser Reparaturmechanismus deutlich ausgeprägter als bei Tumorzellen, sie sind also widerstandsfähiger gegen Strahlung. Das heißt, bei einer Strahlentherapie nehmen zwar auch gesunde Zellen Schaden, sie können sich jedoch besser davon erholen.

Man sieht einen DNA-Strang © Jupiterimages/Hemera

Die Strahlentherapie wirkt, weil Krebszellen anders reagieren als gesunde Zellen.

Die Dosiseinheit für die Strahlung ist das Gray (Gy). Sie gibt an, wie viel Energie das bestrahlte Gewebe aufnimmt. Wie hoch die bei der Strahlentherapie verwendete Strahlendosis ist, hängt unter anderem davon ab, wie empfindlich der Tumor auf die Strahlung reagiert. Meist liegt die Dosis zwischen 40 und 70 Gray.

Zu Beginn der Therapie entscheidet der Arzt, wie hoch die Gesamtdosis sein soll. Um den Patienten zu schonen, wird die Dosis in mehrere Einzeldosen unterteilt, die in Abständen über mehrere Wochen hinweg gegeben werden. Die Gabe in kleinen Einzeldosen ist verträglicher und wird Fraktionierung genannt.

Ziele

Eine Strahlentherapie kann unterschiedliche Ziele verfolgen. Sie dient nicht nur dazu, den Patienten zu heilen, sondern soll auch Beschwerden lindern.

Die Strahlentherapie kann entweder als Einzeltherapie oder in Kombination mit anderen Therapieformen sinnvoll sein. Häufig wird sie in Begleitung zu Operation oder Chemotherapie angewandt (sog. additive Strahlentherapie).

Je nach Ziel unterscheidet man zwischen kurativer und symptomatischer beziehungsweise palliativer Strahlentherapie:

  • Die kurative Strahlentherapie hat das Ziel, die Krebserkrankung zu heilen, so z.B. bei einem Tumor, aber auch, um nach einer Operation einem Rückfall vorzubeugen (adjuvante Strahlentherapie).
  • Bei der symptomatischen oder palliativen Strahlentherapie ist das Ziel, Beschwerden zu lindern oder auch das Leben zu verlängern. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Vor allem Schmerzen können durch eine Strahlentherapie gut behandelt werden, so z.B. Knochenschmerzen durch Tochtergeschwulste.