Spinalanästhesie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. Februar 2014)

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Die Spinalanästhesie ist eine Form der rückenmarksnahen Regionalanästhesie, bei welcher einzelne Nervensegmente betäubt werden. Dabei spritzt der Narkosearzt ein örtliches Betäubungsmittel, ein Lokalanästhetikum, in den Wirbelkörperkanal (Spinalkanal). Im Gegensatz zur Vollnarkose bleibt man während der Operation bei vollem Bewusstsein – der Patient kann aber ein Beruhigungsmittel einnehmen, sodass er die Operation nicht oder kaum wahrnimmt.

Im Spinalkanal befindet sich neben dem Nervenwasser (Liquor) das Rückenmark sowie von ihm abgehende Nervenfasern. In der Regel endet das Rückenmark auf Höhe des ersten bis zweiten Lendenwirbelkörpers. Daher spritzt der Arzt das Betäubungsmittel bei der Spinalanästhesie meist auf Höhe zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel, um eine Verletzung des Rückenmarks auszuschließen. Die auf dieser Höhe verlaufenden Nervenfasern (sog. Cauda equina) können der Nadel ausweichen.

Video: Spinalanästhesie – wie funktioniert sie?

Der Narkosearzt kann mithilfe der Spinalanästhesie ganz unterschiedliche Körperbereiche betäuben. Das Verfahren eignet sich für Operationen am Bauch (z.B. Kaiserschnitt), an der Hüfte, am gesamten Bein und am Fuß.

Ablauf der Spinalanästhesie

Zur Vorbereitung desinfiziert der Arzt die Einstichstelle am Rücken über der Wirbelsäule und spritzt ein örtliches Betäubungsmittel mit einer feinen Nadel in und unter die Haut. An dieser nun betäubten Stelle nimmt er die Spinalanästhesie mithilfe einer speziellen Kanüle (z.B. sog. Sprottenadel) vor. Er führt sie meist zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel am sitzenden oder auf der Seite liegenden Patienten ein und schiebt sie vorsichtig bis zum Wirbelkanal vor. Dort angekommen, verabreicht er das Lokalanästhetikum.

Anatomische Illustration über die Peridural- und Spinalanästhesie

Anatomische Grundlagen der Spinal- und Periduralanästhesie

Bereits nach etwa fünf bis zehn Minuten setzt die betäubende und Muskeln lähmende Wirkung ein. Welches Lokalanästhetikum der Narkosearzt für die Spinalanästhesie wählt, richtet sich unter anderem danach, welche Bereiche betäubt werden sollen (Ausdehnung) und wie lange die Betäubung anhalten soll. Dabei bestimmen mehrere Faktoren, welche Körperregion schmerzunempfindlich und gelähmt wird:

  1. die Eigenschaften des Betäubungsmittels (Menge, Dichte)
  2. die Höhe der Punktion (Wo führt der Arzt die Kanüle ein?)
  3. die Körperlage des Patienten nach der Einspritzung

Der Narkosearzt wählt Betäubungsmittel, Höhe der Einstichstelle und Lagerung passend zum Eingriff aus und steuert so die Spinalanästhesie. Je nach dem verteilt sich das Anästhetikum im Spinalkanal weiter nach oben oder unten und hemmt dort die Nervenaktivität. Was die Eigenschaften betrifft, unterscheiden Mediziner "isobare" und "hyperbare" örtliche Betäubungsmittel. "Isobar" bedeutet, dass es dieselbe Dichte (Schwere) wie Liquor hat, "hyperbar", dass es dichter und somit schwerer als Liquor ist. Hyperbare Betäubungsmittel sinken weiter im Spinalkanal herab.