Schmerztherapie: Psychotherapie

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (18. April 2017)

Eine umfassende Schmerztherapie kann auch psychologische Elemente beinhalten. Gerade wenn Schmerzen sich verselbständigt haben und chronisch geworden sind, können entsprechende psychologische Angebote dem Patienten eine Stütze sein. Zudem nimmt die Psyche ein Stück weit Einfluss darauf, wie stark wir einen Schmerz empfinden. In manchen Fällen hat ein Schmerz sogar eine rein psychische Ursache.

Schmerzen beeinflussen die psychische Verfassung – und umgekehrt kann die Psyche Schmerzen verstärken oder aufrechterhalten. Daher kann psychologische Unterstützung einen wertvollen Baustein der Schmerztherapie darstellen.

Wenn chronische Schmerzen so belastend sind, dass das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt ist, kann man eine Psychotherapie in Erwägung ziehen. Psychotherapie ist nicht gleich Psychotherapie. Zum einen muss man unterscheiden zwischen ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten:

  • Ein ärztlicher Psychotherapeut ist ein Mediziner mit einer Weiterbildung zum Psychotherapeuten. Er darf in seiner Eigenschaft als Arzt Medikamente verschreiben, z.B. Antidepressiva.
  • Ein psychologischer Psychotherapeut ist dagegen ein Psychologe, der sich entsprechend weitergebildet hat. Er darf keine ärztlichen Leistungen erbringen und keine Medikamente verabreichen.

Einige Psychotherapeuten haben eine zusätzliche Weiterbildung zum Schmerzpsychotherapeuten absolviert. Sie haben sich auf die psychologische Unterstützung von Schmerzpatienten spezialisiert.

Zum anderen gibt es unterschiedliche Therapierichtungen: Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für

Im Rahmen von kostenlosen Probesitzungen haben Sie die Möglichkeit, sich mit der jeweiligen Therapiemethode vertraut zu machen und Ihren Therapeuten kennenzulernen. Wenn Sie merken, dass "die Chemie nicht stimmt", können Sie nach spätestens fünf Sitzungen den Therapieplatz wechseln.

Eine Psychotherapie kann dabei unterstützen, mit dem Schmerz besser umzugehen. © Jupiterimages/iStockphoto

Eine Psychotherapie kann dabei unterstützen, mit dem Schmerz besser umzugehen.

Kognitive Verhaltenstherapie

Bei der psychotherapeutischen Behandlung chronischer Schmerzzustände ist insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie beliebt. Anhänger der Verhaltenstherapie gehen davon aus, dass sich die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen eines Menschen gegenseitig beeinflussen – und Schmerzen verstärken oder mindern können. Einige Beispiele:

  • Eine Person, die sich sehr gestresst fühlt, spannt unter Umständen unbewusst bestimmte Körperpartien an – etwa die Kiefermuskeln. Dies kann bestehende Schmerzen weiter verstärken. Hormonelle Ausschüttungen, die bei starkem Stress entstehen, können die Schmerzanfälligkeit erhöhen. Umgekehrt kann sich eine entspannte innere Haltung positiv auswirken.
  • Wenn eine Person aus Angst vor weiteren Rückenschmerzen eine Schonhaltung einnimmt und alle körperlichen Aktivitäten meidet, kann dies die Schmerzen unter Umständen verschlimmern.
  • Menschen, die sich keine Pause gönnen und unbedingt "durchhalten" wollen, riskieren, dass sich ein bestehender Schmerz manifestiert.

Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen können Schmerzen positiv und negativ beeinflussen.

In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, ungünstige Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und diese in kleinen Schritten gezielt zu verändern, um den Schmerzverstärker auszuschalten. Zu erkennen, dass man dem Schmerz nicht passiv ausgeliefert ist, bringt vielen Patienten schon ein Stück weit Erleichterung – ebenso wie sich darauf zu besinnen, die Aufmerksamkeit wieder auf positive Dinge zu lenken. In kleinen Rollenspielen kann das Erlernte geübt werden.

Die Verhaltenstherapie gilt bei chronischen Schmerzen als besonders erfolgversprechend. Aber: Welche Psychotherapie die beste ist, kommt auf den Einzelfall an. Für manche Personen sind andere Therapien besser geeignet, beispielsweise eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie.

Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Anhänger der Psychoanalyse beziehungsweise der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie gehen davon aus, dass unbewusste Konflikte, die oft in der Kindheit entstanden sind, mit aktuellen psychischen oder körperlichen Problemen in Verbindung stehen.

Bei einer chronischen Schmerzsymptomatik könnte es beispielsweise wichtig sein, ob bestimmte Ereignisse in der Vergangenheit zu Mustern geführt haben, die die Beschwerden begünstigt haben.

In der Psychoanalyse will man durch freie Gespräche und Assoziationen dem – meist unbewussten – zugrunde liegenden Konflikt auf die Spur kommen und diesen bearbeiten. Die Therapie nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und kann einige Jahre dauern. Die kürzer andauernde tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie lehnt an die Auffassungen der Psychoanalyse an, jedoch steht die aktuelle Problematik mehr im Vordergrund.