Schmerztherapie: Entspannung, Biofeedback & Co.

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (18. April 2017)

Im Rahmen einer psychologischen Schmerztherapie muss es nicht immer gleich eine Psychotherapie sein. Manchmal hilft es schon, bestimmte Techniken zu erlernen, um mit dem Schmerz besser umzugehen. Diese Techniken können Teil einer Therapie sein, sie können aber auch einzeln zum Einsatz kommen.

Progressive Muskelentspannung

Wer unter Stress steht, spannt seine Muskeln an – wer dagegen mental abschalten kann, der entspannt zugleich seine Muskeln. Diese Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche macht sich die progressive Muskelentspannung nach Jacobson zunutze. Der Anwender spannt dabei einzelne Muskelgruppen für einige Sekunden an, um diese danach wieder bewusst loszulassen. So lernt er, sich in Stresssituationen gezielt zu entspannen. Die Progressive Muskelentspannung ist relativ leicht zu erlernen: Nach einigen Wochen intensiven Trainings ist es meist möglich, Stress "auf Kommando" abzubauen, indem die Muskeln einfach entspannt werden.

Autogenes Training

Diese Art Selbsthypnose ist eine Methode zur Selbstentspannung und Selbstwahrnehmung. Mithilfe von Autosuggestion ("Meine Hand wird ganz schwer", "Ich bin ganz ruhig") versucht man, körperliche Prozesse wie Atmung oder Herzschlag zu beeinflussen. Damit das autogene Training einen Effekt hat, bedarf es einiger Übung. Es empfiehlt sich, die Übungen zunächst unter Anleitung durchzuführen.

Entspannungsmethoden wie das autogene Training können Teil einer Schmerztherapie sein. © iStock

Entspannungsmethoden wie das autogene Training können Teil einer Schmerztherapie sein.

Imaginative Verfahren

Mithilfe von Vorstellungen (sog. Imaginationen) kann man die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Mit Imaginationen können beruhigende Bilder gemeint sein, aber auch Musik, Berührungen, Gerüche oder ein Geschmack. So stellt sich der Patient zum Beispiel vor, an einem Ort zu sein, in dem er absolute Ruhe und Geborgenheit empfindet. Dies kann ein bekannter oder ein fiktiver Ort sein. Auch ist es möglich, sich den Schmerz bildlich vorzustellen und dieses Bild zu verändern, um so auf die Schmerzintensität einzuwirken. So kann man den Schmerz etwa in Gedanken kleiner werden lassen.

Hypnose

Hypnose gilt als wirksames Verfahren zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen. Der Hypnotiseur versetzt seinen Patienten in Trance. In diesem Zustand der tiefen Entspannung kann das Gehirn Informationen besonders gut verarbeiten. Durch innere Bilder, die während dieses Zustands suggeriert werden, kann man den Schmerz beeinflussen. So kann sich der Patient etwa vorstellen, dass seine Bauchschmerzen einen großen Stein darstellen, der immer mehr zusammenschrumpft, sodass der Schmerz abnimmt. Durch Hypnose kann zudem erreicht werden, dass der Anwender sich von seinem Schmerz besser distanzieren kann, indem er ihn als Beobachter wahrnimmt.

Biofeedback

Eine weitere Technik, die im Rahmen einer Schmerztherapie Anwendung finden kann, ist das Biofeedback. Manchmal ist Biofeedback Teil einer Verhaltenstherapie. Ist dies nicht der Fall, muss der Patient die Kosten zum Teil selbst tragen.

Schmerzen können durch körperliche Erregung verstärkt oder ausgelöst werden – etwa, wenn eine Person unter Stress steht. Sinkt das Erregungsniveau, kann dies folglich den Schmerz lindern. Durch Biofeedback sollen körperliche Prozesse wie Herzschlag, Atemfrequenz oder Hautwiderstand bewusst gemacht werden.

Dafür schließt der Arzt Elektroden an den Körper an. Die gemessenen Daten werden dem Patienten über einen Bildschirm oder durch akustische Signale unmittelbar seh- oder hörbar gemacht. So kann die Person lernen, körperliche Anspannung besser wahrzunehmen und zu beeinflussen.

Ein Beispiel: Bei Rückenschmerzen kann die Anspannung bestimmter Muskeln am Bildschirm dargestellt werden. Stärkere Schmerzen gehen häufig mit stärkerer Verspannung einher. Der Patient kann nun üben, die Muskeln durch beruhigende Vorstellungen oder durch eine Entspannungsmethode gezielt zu entspannen.

Biofeedback kann als effektives Pendant zu einer medikamentösen Therapie angesehen werden. Allerdings bedarf es einiger Wochen des Trainings, bis Erfolge zu verzeichnen sind. Im Durchschnitt sind 20 bis 40 Sitzungen nötig. Um das Erlernte zu festigen, empfiehlt es sich, das Biofeedback hin und wieder in einer Sitzung aufzufrischen.

Den Schmerz annehmen: Achtsamkeit üben

Achtsamkeitsübungen wie das MBSR haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, auch im Hinblick auf die Schmerztherapie. Durch Achtsamkeitstechniken sollen die Patienten – vereinfach gesagt – lernen, den Schmerz im gegenwärtigen Moment achtsam und wertfrei anzunehmen und sich ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.