Schmerztherapie: Medikamentöse Schmerztherapie

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (18. April 2017)

Medikamente spielen in der Schmerztherapie eine besondere Rolle. Bei länger anhaltenden Schmerzzuständen können sie in Kombination mit anderen Behandlungsmaßnahmen dazu beitragen, schneller wieder körperlich aktiv zu werden und den Alltag zu bewältigen. Und bei akuten Beschwerden, zum Beispiel Spannungskopfschmerzen, können sie kurzfristig Linderung verschaffen.

Achten Sie darauf, Ihre Medikamente regelmäßig zu nehmen und ändern Sie die Dosis nicht eigenmächtig.

Die Bandbreite der medikamentösen Schmerztherapie ist groß. Auf dem Markt gibt es diverse Präparate mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Bei der Wahl der Medikamente ist unter anderem von Bedeutung, um welche Art Schmerz es sich handelt und wie stark der Schmerz ist. Oft kombiniert man verschiedene Arzneimittel, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Bis die richtige Kombination gefunden ist, kann unter Umständen etwas Geduld nötig sein.

Zu möglichen Medikamenten in der Schmerztherapie zählen:

  • Schmerzlindernde Wirkstoffe wie Paracetamol: Sie sind vor allem bei leichten Schmerzen geeignet. Paracetamol wirkt zudem fiebersenkend.
  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure oder Naproxen reduzieren Schmerzen und hemmen zugleich Entzündungsprozesse. NSAR sind daher gut zur Behandlung von entzündungsbedingten Schmerzen geeignet.
  • Opioide: Opioide wie z.B. Morphin zählen zu besonders wirkungsvollen Schmerzmitteln, die vor allem bei starken und chronischen Schmerzen Anwendung finden. Opioide verhindern, dass Schmerzsignale in Gehirn und Rückenmark weitergeleitet bzw. verarbeitet werden. Sie können z.B. bei Tumorschmerzen im Rahmen einer Krebserkrankung, aber auch bei anderen chronischen Schmerzzuständen eingesetzt werden. Je nach Wirkstoff sind die schmerzlindernden Effekte mehr oder weniger stark ausgeprägt. Insbesondere bei chronischen Schmerzen können "retardierte" (verzögerte) Darreichungsformen sinnvoll sein: Nach dem Schlucken des Medikaments – oder nach dem Auftragen eines Pflasters – werden die Wirkstoffe über einen bestimmten Zeitraum hinweg kontinuierlich im Körper freigesetzt, was eine gleichmäßige Schmerzlinderung über längere Zeit ermöglicht. Zu mittelstarken Wirkstoffen zählen Tilidin oder Tramadol. Stärker wirkende Opioide sind etwa Hydromorphon oder Levomethadon. Bei längerer Anwendung von Opioiden kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen. Daher wird der Arzt sorgfältig abwägen, ob sein Patient Opiode einnehmen sollte.
  • Pflanzliche Arzneimittel: Ergänzend zu anderen Therapiemaßnahmen haben sich bei entzündungsbedingen Schmerzzuständen manche pflanzliche Präparate bewährt. Hierzu gehören Extrakte aus Brennnesseln, Weidenrinde oder aus der Wurzel der Teufelskralle. Pflanzliche Präparate wirken nicht sofort, vielmehr baut sich ihre Wirkung nach und nach auf.
  • Pflaster mit Wirkstoffen wie Capsaicin und Lidocain: Lidocain ist ein lokales Betäubungsmittel, welches den Schmerz kurzfristig ausschaltet, beispielsweise bei Nervenschmerzen im Rahmen einer Gürtelrose. Capsaicin ist ein Scharfstoff, der in Chili-Schoten enthalten ist und als Pflaster aufgetragen gegen Nervenschmerzen helfen kann. Capsaicin reizt freie Nervenenden (Nozizeptoren), was sich zunächst in Form eines brennenden Schmerzes bemerkbar macht – langfristig wird die Erregbarkeit der Nervenenden jedoch herabsetzt, sodass Schmerzen reduziert werden.
  • Krampflösende Medikamente (Antikonvulsiva): Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin, die ursprünglich zur Therapie von Epilepsie entwickelt wurden, können bei bestimmten Schmerzzustände von Nutzen sein, insbesondere bei Nervenschmerzen.

Es gibt ganz unterschiedliche Medikamente, die gegen Schmerzen wirksam sein können. © iStock

Es gibt ganz unterschiedliche Medikamente, die gegen Schmerzen wirksam sein können.

In der Schmerztherapie finden manchmal bestimmte Antidepressiva Anwendung. Antidepressiva sind eigentlich zur Behandlung von Depressionen gedacht, in der Schmerzmedizin macht man sich ihrer Wirkung auf die Schmerzverarbeitung im Körper zunutze. In geringen Dosen blockieren antidepressive Wirkstoffe wie Amitriptylin unter anderem die Weiterleitung von Schmerzreizen.

Cannabis auf Rezept

Seit März 2017 können schwerkranke Schmerzpatienten Cannabis auf Rezept in der Apotheke bekommen – in Form von Tropfen, Tabletten, Öl oder Wachs. Voraussetzung ist, dass andere Medikamente nicht ausreichend geholfen haben. Zudem muss der Arzt der Meinung sein, dass Cannabis aller Voraussicht nach die Schmerzen erfolgreich lindern wird.

Nebenwirkungen beachten

Schmerzlindernde Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen zur Folge haben. Opiode führen zum Beispiel häufig zu Magen-Darm-Problemen wie Verstopfung. NSAR können insbesondere bei längerem Gebrauch schwere Nebenwirkungen wie Entzündungen oder Blutungen im Magen-Darm-Bereich auslösen. Wichtig ist, unerwünschte oder unerwartete Wirkungen mit dem Arzt zu besprechen und Schmerzmittel nicht über einen längeren Zeitraum hinweg eigenmächtig einzunehmen oder abrupt abzusetzen – Ihr Arzt kann gegebenenfalls nach verträglicheren Alternativen suchen.

Vorsicht bei der Selbstmedikation

Rezeptfreie Medikamente wie Kopfschmerztabletten sollten Sie ohne ärztlichen Rat nicht länger als zwei Wochen einnehmen. Bei starken Schmerzen gilt: Suchen Sie umgehend Ihren Arzt auf und versuchen Sie nicht, die Schmerzen auf eigene Faust zu betäuben.

Schmerz lindern durch Injektionen

Schmerzhafte Bereiche lassen sich mithilfe von Lokalanästhetika wie Lidocain kurzzeitig betäuben – etwa bei akuten Rückenschmerzen. Der Arzt spritzt das Medikament zum Beispiel in einen besonders schmerzhaften, verspannten Punkt (sog. Triggerpunkt).

Zudem ist es möglich, Schmerzimpulse gezielt zu durchbrechen, indem Betäubungsmittel oder entzündungshemmende Kortisonpräparate in die Nähe von übererregten Nervenfasern injiziert werden.

Bei starken Schmerzen: Schmerzmittelpumpe

Für Personen, die unter sehr starken Schmerzen leiden und bei denen herkömmliche Tabletten nicht ausreichen, kommt unter Umständen eine Schmerzmittelpumpe in Betracht, die kontinuierlich eine bestimmte Schmerzmittel-Dosis abgibt.

Der Arzt implantiert die Pumpe unterhalb des Rippenbogens. Das Schmerzmittel gelangt über einen dünnen Schlauch in einen Katheter, der sich im sogenannten Epiduralraum befindet. Der Epiduralraum ist ein kleiner Spalt, der sich im Bereich des Rückenmarks zwischen der Knochenhaut der Wirbelkörper und der Hirnhaut befindet.