Präimplantations­diagnostik (PID)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (14. Februar 2013)

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Als Präimplantationsdiagnostik (PID) bezeichnen Fachleute genetische Untersuchungen an wenige Tage alten Embryonen, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden. Die PID erfolgt, bevor der Embryo in die Gebärmutter übertragen wird. Die Präimplantationsdiagnostik richtet sich an Paare, die Erbanlagen für schwere Krankheiten tragen und somit ein erhöhtes Risiko besitzen, dass ihre Nachkommen an einer Erbkrankheit leiden.

Mithilfe der Präimplantationsdiagnostik können Ärzte Embryonen beispielsweise auf Fehler an den Chromosomen untersuchen, die auf ein Risiko für eine Fehl- oder Totgeburt hinweisen. Die PID ist ein sehr umstrittenes, viel diskutiertes Verfahren.

In einer Abstimmung im Deutschen Bundestag am 7. Juli 2011 hatte sich die Mehrheit der Abgeordneten für eine eingeschränkte Zulassung der PID in Deutschland ausgesprochen. Bundestag und Bundesrat stimmten dem Gesetzentwurf Ende September 2011 zu, am 21. November 2011 wurde das "Gesetz zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik (PräimpG)" verabschiedet.

Das Gesetz verbietet die Präimplantationsdiagnostik grundsätzlich, erklärt die PID aber in zwei Situationen in engen Grenzen für ausnahmsweise zulässig:

  1. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Erbkrankheit.
  2. Mittels PID soll eine schwerwiegende Schädigung des Embryos entdeckt werden, die sehr wahrscheinlich zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen wird.

Praktische Bedeutung: Das Bundesgesundheitsministerium hat eine notwendige Rechtsverordnung erarbeitet. Diese regelt Einzelheiten, beispielsweise, in welchen Zentren die PID durchgeführt werden darf, welche Voraussetzungen diese erfüllen müssen und wie das Verfahren der Präimplantationsdiagnostik insgesamt abläuft. Für die genaue Umsetzung der PID sind dann die Bundesländer verantwortlich. Der im Juli 2012 vorgestellte "Entwurf einer Verordnung über die rechtmäßige Durchführung einer Präimplantationsdiagnostik (Präimplantationsdiagnostikverordnung – PIDV)" wurde am 14. November 2012 vom Bundeskabinett beschlossen. Der Bundesrat hat der Verordnung am 1. Februar 2013 zugestimmt. Ein Jahr später, am 1. Februar 2014, trat die Verordnung dann in Kraft, das erste deutsche PID-Zentrum wurde im März 2014 in Lübeck zugelassen. Die PIDV soll die im Gesetz enthaltenen grundsätzlichen Vorgaben, wie zu verfahren ist, umsetzen.

Die Konsequenz für Paare mit der Anlage für schwere Erbkrankheiten:

  • Sie dürfen die Präimplantationsdiagnostik aus juristischer Sicht unter strengen Bedingungen nutzen, um eine Schwangerschaft mit einem gesunden Kind anzustreben.
  • Praktisch lässt sich dies aber bisher bis auf wenige Ausnahmen nicht in die Tat umsetzen.

Zum Thema Präimplantationsdiagnostik gibt es sehr unterschiedliche Meinungen:

Befürworter der Präimplantationsdiagnostik argumentieren, dass zukünftige Eltern durch diese Untersuchung vor schweren körperlichen und seelischen Belastungen geschützt werden können. Ihr Argument:

  • Die PID ermögliche diesen Paaren eine Schwangerschaft mit einem nicht von der Erbkrankheit betroffenen Kind.
  • Dank der Methode ließen sich Fehl- oder Totgeburten und sehr späte Abbrüche einer Schwangerschaft vermeiden.

Zudem könne man die Eltern dank PID vor der Sorge und der psychischen wie physischen Belastung bewahren, die ein lebendes schwer krankes Kind mit sich bringe oder der Tod eines Kindes aufgrund einer Erbkrankheit. Nicht selten hätten Eltern bereits ein schwer krankes Kind zur Welt gebracht und unter Umständen bereits den Tod eines Kinds zu beklagen.

Gegner der Präimplantationsdiagnostik sehen folgende Punkte als Argumente, die PID zu verbieten:

  • Ihre Anwendung gefährde die Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt und erhöhe den sozialen Druck auf Eltern, ein gesundes Kind haben zu müssen.

Die Werteordnung des Grundgesetzes bestimme ausdrücklich, dass jeder Mensch den gleichen Anspruch auf Würde und die gleichen und unveräußerlichen Rechte auf Teilhabe besitze. Dieses Wertegefüge würde durch die Zulassung der PID nachhaltig beschädigt werden. Aus ethischen und gesellschaftspolitischen Gründen sei die PID daher abzulehnen.