Präimplantations­diagnostik (PID): Anwendungsgebiete

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (14. Februar 2013)

Mithilfe der Präimplantationsdiagnostik (PID) kann es gelingen, genetische Veränderungen zu entdecken, die auf eine zu erwartende schwere Erkrankung eines ungeborenen Kindes hindeuten. Beispiele für solche Krankheiten sind:

  • Muskeldystrophie vom Typ Duchenne,
  • Beta-Thalassämie,
  • Edwards-Syndrom (Trisomie 18, Chromosom 18 dreimal vorhanden),
  • Pätau-Syndrom (Trisomie 13, Chromosom 13 dreimal vorhanden),
  • Monosomie 21 (Chromosom 21 nur einmal vorhanden).

Experten sind sich einig, dass die Präimplantationsdiagnostik stets strengen Auswahlkriterien unterliegen muss, die für jeden Einzelfall konsequent geprüft werden müssen. Was erlaubt ist, regeln Gesetze. Keinesfalls dürfe die PID laut Fachleuten dazu missbraucht werden,

  • ein Kind ohne Krankheitsbezug lediglich aufgrund seines Geschlechts auszusuchen (sog. social sexing oder family balancing),
  • die Untersuchung vorzunehmen, weil die Eltern ein gewisses Alter überschreiten,
  • oder für reproduktionsmedizinische Maßnahmen im Allgemeinen zum Einsatz zu kommen.

Die Methode der Präimplantationsdiagnostik eignet sich – was das rein technische Vorgehen betrifft – für unterschiedliche Situationen (die gesetzlichen Bestimmungen außen vor gelassen):

  • Es besteht der Verdacht auf eine erbliche Krankheit, die in einem einzelnen Gen begründet ist, d.h., sie wird monogen vererbt.
  • Es besteht der Verdacht auf genetische Risiken für Krankheiten, die durch das Zusammentreffen vieler Ursachen (= multifaktoriell) bedingt sind.
  • Es besteht der Verdacht auf Chromosomenstörungen, entweder was ihre Anzahl betrifft (= numerische Störung) oder was ihren Aufbau betrifft (= strukturelle Störung).
  • Es geht darum, erwünschte genetische Merkmale festzustellen.

Manche Menschen befürchten, dass die PID Vorläufer einer Entwicklung hin zum sogenannten Designerbaby sein könnte. Diese Sorge ist laut Experten unbegründet, da sehr strenge Regeln und Gesetze definieren, für welche Paare eine PID überhaupt infrage kommt.

Außerhalb Deutschlands wird die PID in strengen Grenzen seit etwa 20 Jahren praktiziert. Nimmt man die internationalen Zahlen als Grundlage, bestünde in Deutschland bei circa 200 Paaren pro Jahr der medizinische Bedarf (und die juristische wie ethische Rechtfertigung), die Präimplantationsdiagnostik anzuwenden.