Physiotherapie (Krankengymnastik): Bewegungstherapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Juni 2015)

Der Begriff Physiotherapie (Krankengymnastik) fasst eine Vielzahl von Methoden zusammen. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Bewegungstherapie, die früher mit dem Wort Krankengymnastik umschrieben wurde. Den Begriff "Krankengymnastik" sehen Fachleute heute allerdings aus zwei Gründen nicht mehr als zeitgemäß an: Erstens, weil das Verfahren weit mehr als gymnastische Übungen beinhaltet. Zweitens, weil die Behandlung nicht nur für kranke Menschen gedacht ist, sondern auch zur Vorbeugung von Erkrankungen eingesetzt werden kann.

Zur Bewegungstherapie zählen unter anderem folgende physiotherapeutische Verfahren:

  • Bewegungsbäder
  • Gangschulung
  • manuelle Therapie
  • Therapie nach Bobath
  • Therapie nach Vojta
  • Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF)
  • Krankengymnastik am Gerät
  • Atemtherapie


Manuelle Therapie

Die manuelle Therapie dient dazu, Funktionsstörungen des Bewegungsapparates zu erkennen und zu beheben. Der Physiotherapeut behandelt den Betroffenen mithilfe spezieller Handgriff- und Mobilisationstechniken. Beispielsweise bewegt er schmerzende Gelenke und Glieder ganz vorsichtig, um die Beweglichkeit zu verbessern und die Muskeln zu entspannen. Oder er entlastet eingedrückte Nerven durch leichten Zug an bestimmten Körperteilen. Darüber hinaus kann die manuelle Therapie nach Sportverletzungen wie zum Beispiel einem Kreuzbandriss helfen: Kräftigungs- und Koordinationsübungen stabilisieren das betroffene Gelenk und machen es belastbarer.

Therapie nach Bobath

Diese Therapieform entwickelte die Physiotherapeutin Bertha Bobath gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Neurologen Karel Bobath, Anfang der 1940er Jahre. Bei der Therapie nach Bobath vermittelt der Physiotherapeut natürliche körperliche Bewegungsabläufe. Dadurch versucht er, gestörte Bewegungsabläufe zu behandeln. Bei der Arbeit mit Kindern gilt als wichtiger Baustein die Elternarbeit: Der Physiotherapeut leitet die Eltern dazu an die natürlichen Bewegungsabläufe auch im Alltag zu fördern. Beispielsweise lernen die Eltern, das Kind richtig zu halten oder hinzulegen. Bei Erwachsenen verordnen Ärzte die Therapie nach Bobath in erster Linie bei neurologischen Krankheiten, zum Beispiel:

Therapie nach Vojta

Dieses Verfahren geht auf den Neurologen Václav Vojta zurück. Bei der Therapie nach Vojta stimuliert der Physiotherapeut bestimmte Reizpunkte am Körper. Durch Druck auf diese Reizpunkte in bestimmten Ausgangsstellungen löst er angeborene Bewegungsmuster aus, insbesondere das "Reflexkriechen" oder das "Reflexdrehen". Dieses Vorgehen hilft Betroffenen mit einer Hirnschädigung und Koordinationsstörungen: Sie können beispielsweise verloren gegangene Bewegungsmuster wieder lernen. Das Verfahren nach Vojta setzen Physiotherapeuten sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen ein.

PNF

PNF steht für: Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation. Dahinter steckt der Ansatz, die Wahrnehmung von Bewegungen und Körperhaltungen (= Propriozeption) zu verbessern und das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nerven (= neuromuskulär) zu optimieren. Das Ziel: Vor allem alltägliche Bewegungen wie etwa Treppensteigen, Gehen oder Stehen sollen dem Übenden durch leichter fallen, wenn Muskeln und Nerven besser zusammenarbeiten (sog. Fazilitation). Darüber hinaus hilft die PNF bei Schluck- oder Atembeschwerden, die beispielsweise aufgrund eines Schlaganfalls oder bei Morbus Parkinson auftreten.

Atemtherapie

Die Atemtherapie kann bei Erkrankungen der Atemwege zum Einsatz kommen, die von starkem Husten, Auswurf und Atemnot begleitet werden. Zu solchen Erkrankungen zählen vor allem:

Verengte und verschleimte Atemwege erschweren die Atmung der Betroffenen. Hier setzt die Atemtherapie an: Sie bietet Hilfe beim Husten und löst das Sekret, das sich in den Luftwegen und der Lunge angesammelt hat. Darüber hinaus erleichtern atemtherapeutische Techniken ganz grundsätzlich das Atmen. Eine bessere Atmung versorgt den Körper mit mehr Sauerstoff. Dadurch verfügen die Erkrankten in Beruf und Alltag über mehr Energie. Benötigt der Betroffene ein Atemgerät, kann er mithilfe der Atemtherapie die richtige Anwendung lernen.

Krankengymnastik am Gerät (KGG)

Bei der Krankengymnastik am Gerät (KGG) nutzt der Physiotherapeut das Wissen aus der Trainingslehre unter medizinischen Gesichtspunkten. Die Krankengymnastik am Gerät ist zum Beispiel nach einem Kreuzbandriss ein Mittel der Wahl. Der Betroffene kann mithilfe dieser Methode die Funktionen der Muskeln, Bänder und Sehnen verbessern, die das Kniegelenk stabilisieren. Neben Sportverletzungen hilft das physiotherapeutische Gerätetraining auch bei chronischen Beschwerden wie dauerhaften Rücken- und Muskelschmerzen.