Physiotherapie (Krankengymnastik): Anwendungsgebiete

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Juni 2015)

Das Einsatzgebiet der Physiotherapie (Krankengymnastik) in der Medizin ist sehr groß. Von der Orthopädie über die Neurologie bis hin zur Psychiatrie: Fast jede medizinische Fachrichtung setzt die Physiotherapie als ergänzendes Verfahren ein, um akute oder chronische Krankheiten zu behandeln.

Am häufigsten behandeln Physiotherapeuten Krankheiten aus dem Fachbereich der OrthopädieRückenschmerzen belegen dabei den ersten Rang. Außerdem spielen physiotherapeutische Maßnahmen bei folgenden orthopädischen Therapieverfahren und Krankheitsbildern eine maßgebliche Rolle in der (Nach-)Behandlung:

In der Neurologie (Nervenheilkunde) ist die Physiotherapie ein wichtiger Behandlungsbaustein. So dienen bei Parkinson und multipler Sklerose Verfahren wie die Bobath-Methode und die Therapie nach Vojta unter anderem dazu, Alltagsfertigkeiten wie etwa Gehen, Stehen und Greifen dauerhaft zu erhalten. Bei einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Schlaganfall helfen krankengymnastische Übungen, verloren gegangene motorische Fähigkeiten so weit wie möglich wiederherzustellen.

Eine Krankengymnastik hilft einem gehbehinderten Patienten. © Jupiterimages/Creatas Images

Physiotherapie verordnen Ärzte zum Beispiel nach einem Kreuzbandriss.

Und auch in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) kommt die Physiotherapie zum Einsatz. Sie hilft Kindern mit Entwicklungsstörungen, wie sie beispielsweise bei einer autistischen Erkrankung oder bei geistigen Fehlentwicklungen auftreten können. Diese Jungen und Mädchen sind häufig von motorischen Störungen betroffen. So fällt einigen Kindern etwa das Balancieren schwer. Manche haben auch Schwierigkeiten damit, die Bewegungen von Armen und Beinen zu steuern. Ihnen helfen physiotherapeutische Maßnahmen, ihre Körperbewegungen besser zu koordinieren und die Wahrnehmung für den eigenen Körper zu verbessern.

Bei Frühgeborenen sind einerseits Muskel- und Nervensystem noch nicht ausgereift, andererseits ist die Schwerkraft für sie nach der Geburt eine große Herausforderung, sodass Fehlhaltungen leichter entstehen können. Die Physiotherapie unterstützt Frühgeborene in ihrer Entwicklung und hilft unter anderem dabei, Fehlhaltungen der Babys vorzubeugen.

In der inneren Medizin unterstützt die Physiotherapie die Behandlung bestimmter Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Mukoviszidose. Hierzu existiert ein eigenes Verfahren: die sogenannte Atemtherapie. Mithilfe der Atemtherapie lernen zum Beispiel Asthmatiker bestimmte Atemtechniken, die ihnen bei Zuständen der Atemnot helfen können. Zudem können Physiotherapeuten eine verschleimte Lunge "ausklopfen" und das Abhusten erleichtern.

Neben Atemwegserkrankungen verordnen Ärzte physiotherapeutische Maßnahmen zudem bei folgenden Krankheitsbildern:

Darüber hinaus kann die Physiotherapie auch in der Psychiatrie die Behandlung entscheidend unterstützen. Sie nutzt dabei die enge Verzahnung von Körper und Psyche. So fällt es zum Beispiel vielen depressiven Menschen oftmals schwer, sich zu motivieren und aktiv zu werden. Das verschlechtert meist ihre Stimmung. Hier kann die Physiotherapie entgegenwirken, indem sie den Betroffenen mit gezielten Maßnahmen dazu motiviert, sich mehr zu bewegen und den Alltag aktiver zu gestalten.

Bei Menschen mit Schizophrenie kann die Physiotherapie in einigen Fällen die Behandlung unterstützen. So zum Beispiel, wenn in der akuten Phase eine Bewegungsstarre eintritt (sog. katatoner Stupor): Den Erkrankten gelingt es dann nicht mehr, sich zu bewegen, obwohl sie bei vollem Bewusstsein sind. Der Physiotherapeut kann mit bestimmten Methoden helfen, die Bewegungsstarre teilweise zu lösen.