Osteopathie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (18. April 2014)

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Die Osteopathie ist eine Heilmethode, bei der alle Anwendungen – zur Diagnose (Befunderhebung) und zur Behandlung – nur mit den Händen (manuell) geschehen. Entsprechend macht sich auch die sogenannte manuelle Therapie verschiedene osteopathische Verfahren zunutze.

Die Osteopathie basiert auf folgenden Grundannahmen:

  • Die Beweglichkeit aller Körperstrukturen ist Grundlage für einen gesunden Körper – das heißt: Jede Veränderung der Beweglichkeit führt zu einer Funktionsstörung.
  • Der Organismus ist eine funktionale Einheit: Struktur und Funktion hängen voneinander ab.
  • Der Körper verfügt über Selbstheilungskräfte, die man durch Reize von außen anregen kann.

Die Osteopathie geht also davon aus, dass ein Organismus nur dann gut funktioniert, wenn alle Körperstrukturen beweglich sind: Eine eingeschränkte Beweglichkeit führt zu Funktionsstörungen. Dies betrifft nicht nur Gelenke und Muskeln, sondern auch alle inneren Organe, Nerven, Sehnen und Bänder – auch wenn die Bewegung nur minimal und im Alltag kaum zu spüren ist: Die Nieren beispielsweise bewegen sich mit jedem Atemzug etwa anderthalb Zentimeter aus der Mittellage auf- und abwärts. Zusammengerechnet ergibt das eine Strecke von etwa 500 Metern, die sie täglich zurücklegen.

Ziel der Osteopathie-Behandlung ist es daher immer, Störungen und Blockierungen im Körper – vor allem im Bereich des Bewegungsapparats – zu erkennen und zu behandeln.

Außerdem sieht die Osteopathie den Körper als Einheit, in der sich alle Strukturen, Muskeln und Organe gegenseitig beeinflussen. Ist eine Körperfunktion eingeschränkt, kann dies nach Vorstellung der Osteopathen also in einer ganz anderen Körperregion Beschwerden hervorrufen. Aufgrund dieses "ganzheitlichen" Therapieansatzes ist es in der Osteopathie üblich, immer den gesamten Menschen zu untersuchen. Oft behandelt der Osteopath auch Körperregionen, die beschwerdefrei sind und auf den ersten Blick nicht mit den aktuellen Beschwerden zusammenhängen.

Dabei bezieht eine Osteopathie-Behandlung nicht nur Gelenke, Bänder und Muskeln ein, sondern auch die inneren Organe, die Faszien (Bindegewebshüllen) und das Nervensystem. Dies soll Störungen im Gefäßsystem beheben, damit Körperflüssigkeiten wie Blut, Lymphe und Hirnflüssigkeit (Liquor) ungehindert fließen können. Angestrebtes Ziel ist es, zunächst die Funktionen im behandelten Bereich und anschließend im gesamten Körper zu verbessern.

Der Begründer der Osteopathie ist der US-amerikanische Arzt Andrew Taylor Still (1828–1917): Er untersuchte den Zusammenhang zwischen den Fehlstellungen der Knochen (griech. osteon = Knochen) und den daraus folgenden Leiden (griech. páthos = Leiden, Krankheit). Dabei beobachtete er vor allem, wie sich die Fehlstellungen auf die weichen Gewebe – wie die inneren Organe, Faszien (Bindegewebshüllen), Nerven und Gefäße – auswirken. Sein Schüler William Garner Sutherland (1873–1954) erweiterte das Therapiekonzept der Osteopathie um die sogenannte kraniosakrale Osteopathie. In den 1940er Jahren entwickelten Osteopathen Stills Behandlungskonzept weiter zur viszeralen Osteopathie.

Entsprechend unterscheidet die Osteopathie drei Systeme:

  • Parietales System: Hierzu gehören der Halte- und Stützapparat mit Skelett, Muskeln, Bändern und Faszien (Bindegewebshüllen).
  • Viszerales System: Dies umfasst die inneren Organe im Brust-, Bauch- und Beckenraum mit allen dazugehörigen Gefäßen, Nerven, Lymphbahnen und Faszien.
  • Kraniosakrales System: Es besteht aus dem Schädel (lat. cranum), dem Rückenmarkskanal und dem Kreuzbein (lat. sacrum) mit den dazugehörigen Strukturen wie Hirnhäuten und Hirnflüssigkeit.

Dennoch lassen sich die parietale, die viszerale und die kraniosakrale Osteopathie nicht getrennt voneinander betrachten, weil sie funktionelle und anatomische Gemeinsamkeiten haben.