Orale Chemotherapie: Krebsbehandlung in Tablettenform

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (24. Juni 2015)

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Bei der oralen Chemotherapie nehmen die Krebspatienten die Wirkstoffe, die den Krebs bekämpfen sollen, in Form von Tabletten oder Kapseln ein. Eine orale Chemotherapie kann zum Beispiel bei Brustkrebs, Darmkrebs und Magenkrebs, aber auch bei vielen anderen Krebserkrankungen zum Einsatz kommen.

Orale Chemotherapie bedeutet, dass Betroffene die Krebsmedikamente zu Hause einnehmen können und nicht mehr an Termine im Krankenhaus oder in der Praxis gebunden sind.

Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass den Patienten ein fachkundiger Ansprechpartner fehlt, der sie bei Unsicherheiten beraten kann.

Was versteht man unter Chemotherapie?
Bei einer Chemotherapie verabreicht der Arzt dem Krebspatienten spezielle Medikamente (Zytostatika), die die Zellen im Körper am Wachstum hindern oder zum Absterben bringen. Dabei betreffen die Zytostatika nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Gewebe, das sich ähnlich schnell teilt wie Krebszellen – zum Beispiel Haarwurzelzellen.
Die meisten Patienten erhalten die Krebsmedikamente mittels Infusion in eine Vene. Von dort aus gelangen sie in den ganzen Körper. In einigen Fällen können Ärzte die Zytostatika allerdings auch in Tablettenform verabreichen – dann spricht man von einer oralen Chemotherapie.

Viele Patienten unterschätzen die orale Chemotherapie. Dies liegt zum einen daran, dass diese Therapieform nicht mehr unter der unmittelbaren Aufsicht von Ärzten stattfindet und zum anderen daran, dass die "Anti-Krebs-Tabletten" in den meisten öffentlichen Apotheken erhältlich sind.

Doch zu Unrecht! Orale Zytostatika sind stark wirksame Arzneimittel, die konsequent nach bestimmten Schemata eingenommen werden müssen und durchaus starke Nebenwirkungen haben können! 

Wichtig: Vor einer oralen Chemotherapie müssen sich die Patienten ausführlich von ihrem Arzt beraten lassen und sich strikt an die Dosierungsanweisungen halten! Einnahmefehler oder Wechselwirkungen mit frei verkäuflichen Präparaten, Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln können jeden Therapieerfolg gefährden. 

Richtig angewendet kann die orale Chemotherapie jedoch ebenso effektiv sein wie die Infusionstherapie in einer Klinik. 

In den letzten Jahren hat die orale Chemotherapie stark an Bedeutung gewonnen. Insbesondere weil immer mehr Krebsmedikamente mittlerweile auch in Tablettenform zur Verfügung stehen – zum Beispiel die neuartigen Kinasehemmer Imatinib für die Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) oder Sunitinib und Sorafenib für die Therapie von Nierenkrebs.

Der Vorteil: Da die orale Chemotherapie nicht per Infusion (d.h. als Tropf in die Vene) erfolgt, entfallen unangenehme Komplikationen durch den Venenkatheter, etwa eine Venenreizung.

Dennoch gibt es gerade in der Chemotherapie die meisten Krebsmedikamente noch immer nur als Infusionslösung – warum ist das so?

Dies hat vor allem zwei Gründe:

  1. Orale Zytostatika lassen sich nur schwer dosieren
  2. Einige Zytostatika gelangen über den Verdauungstrakt nicht in ausreichender Menge in die Blutbahn

Bei einer Infusion können Ärzte nicht nur die Dosierung und die Zusammensatzung der Krebsmedikamente individuell auf den Patienten abstimmen, sie können auch ganz genau festlegen, wie schnell oder wie langsam die Zytostatika in den Körper gelangen. Dabei berücksichtigt er zum Beispiel den Allgemeinzustand des Patienten, sein Körpergewicht und die Nierenfunktion.

Bei der oralen Chemotherapie ist die Dosierung etwas schwieriger. Der Grund: Wie schnell die oralen Krebsmedikamente über Magen oder Darm aufgenommen werden, ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt unter anderem davon ab, was der Patient zuvor gegessen hat. Fettreiche Nahrung zum Beispiel erhöht die Bioverfügbarkeit von Lapatinib bis auf das Vierfache

Zum anderen gelangen viele Zytostatika bei der oralen Chemotherapie nicht in ausreichender Menge in die Blutbahn und dadurch auch nicht an den Tumor, da sie zum Beispiel im Magen schon durch die Magensäure zersetzt werden. Um dieser "vorzeitigen Verdauung" entgegenzuwirken, bestehen einige orale Zytostatika aus einer chemischen Vorstufe des eigentlichen Wirkstoffs: Diese Vorstufe passiert den Verdauungstrakt unbeschadet. Darüber hinaus lassen sich einige orale Zytostatika in eine Kapsel verpacken – sie besitzen also eine Art "chemische Schutzhülle".