Narkose: Risiken und Komplikationen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (17. April 2013)

Durch die Kombination moderner Medikamente und hochwertiger Überwachungsgeräte sind Narkosen heute sicher und schonend, sodass Nebenwirkungen und Komplikationen selten auftreten.

Allgemeinanästhesie (Vollnarkose)

Eine relativ häufige Nebenwirkung einer Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) ist Übelkeit (Nausea) mit oder ohne Erbrechen. In Anlehnung an die englische Bezeichnung post operative nausea and vomiting (vomiting bedeutet Erbrechen) sprechen Ärzte auch von PONV. Übelkeit und Erbrechen treten nach etwa jeder vierten Vollnarkose auf.

Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für diese Nebenwirkung:

  • Frauen
  • Kinder
  • Jugendliche
  • Nichtraucher
  • von Reisekrankheit Betroffene
  • Personen, die nach einer Operation schon mal PONV hatten

Auch die Art und Dauer der Narkose sowie die verwendeten Narkosemittel spielen eine Rolle.

Mit bestimmten Medikamente lässt sich die Wahrscheinlichkeit, dass PONV nach einer Vollnarkose auftritt, senken. Sie hemmen die Region des Gehirns, die die Übelkeit auslöst. Zu den gängigen Wirkstoffen zählen Gegenspieler des Histamins (Histaminantagonisten, Antihistaminika), der Wirkstoff Dexamethason und der Wirkstoff Ondansetron.

Weitere Nebenwirkung einer Vollnarkose sind:

  • vorübergehendes starkes Muskelzittern und Kälteempfinden nach der Operation
  • Fehlintubation (selten): der Beatmungsschlauch (Tubus) wird statt in die Luftröhre in die Speiseröhre oder über die Luftröhre zu tief in einen der großen Äste der Luftröhre (Hauptbronchien) eingeführt.
  • Schäden an Zähnen, Zahnfleisch, Lippen oder Kehlkopf und Stimmbändern

In seltenen Fällen kommt es bei einer Vollnarkose zu einer sogenannten Aspiration. Dabei gelangt Mageninhalt über die Speiseröhre in Luftröhre und Lunge. In der Folge kann sich eine Lungenentzündung (Pneumonie) entwickeln. Durch bestimmte Maßnahmen lässt sich das Risiko für eine Aspiration minimieren:

  • Vor einer Vollnarkose sollte der Betroffene für mindestens sechs Stunden nichts essen sowie für etwa vier Stunden nichts trinken.

Eine Ausnahme stellt stilles Wasser dar, das schluckweise bis circa eine Stunde vor der Operation getrunken werden darf, vor allem, wenn man eine Beruhigungstablette erhält (sog. Prämedikation). Dies sollte man mit dem Narkosearzt besprechen.

Regionalanästhesie

Komplikationen und Nebenwirkungen treten bei einer Regionalanästhesie nur äußerst selten auf.

Die häufigste Nebenwirkung ist Blutdruckabfall (bei Spinalanästhesie und Periduralanästhesie). Vereinzelt kann es zu Blutungen, Blutergüssen oder Infektionen an der Einstichstelle kommen. Ebenso sind Nervenverletzungen möglich.

Darüber hinaus lösen in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente (Lokalanästhetika) kommen: Schwindel, Unruhe und sehr selten zu einem Krampfanfall. Beruhigungsmittel, die der Patient im Rahmen der sogenannten Prämedikation erhält, können das Risiko für diese Nebenwirkungen senken. Als Nebenwirkungen am Herz sind Herzrhythmusstörungen möglich.

Allergische Reaktionen sind bei den heute verwendeten örtlichen Betäubungsmitteln sehr selten. In Einzelfällen können sie jedoch zu einem anaphylaktischen Schock führen. Hierbei handelt es sich um einen medizinischen Notfall, auf den der Arzt umgehend reagieren muss. Er stoppt die Zufuhr des Betäubungsmittels und leitet Maßnahmen ein, um den Kreislauf des Patienten aufrechtzuerhalten.