Mistel und Misteltherapie: Anwendungsgebiete

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (16. April 2014)

Die Mistel ist in Europa eine seit langem als Heilmittel genutzte Pflanze. Die Anwendungsgebiete der Misteltherapie haben sich allerdings im Lauf der Zeit gewandelt.

In der Vergangenheit galt die Mistel in einigen europäischen Ländern für die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete als geeignet: So kamen Mistel-Präparate unter anderem als Herzmittel zum Einsatz – zum Beispiel zur Behandlung von Herzmuskelhypertrophie (= vergrößertes Herz) bei Klappeninsuffizienz, bei schwachem oder niedrigem Puls, gegen unregelmäßige Herztätigkeit, Herzrasen während des Geschlechtsverkehrs, Beklemmungsgefühle (als würde das Herz zusammengedrückt) oder Kribbelgefühle in der Herzgegend. Auch gegen Hysterie, Bewegungsstörungen (Chorea), Blutungen und Epilepsie sollte die Misteltherapie helfen.

Auch heute kommen Mistel-Extrakte in Deutschland traditionell gegen leichte Herz-Kreislauf-Beschwerden zum Einsatz – zum Beispiel gegen Bluthochdruck und seine Begleitsymptome (wie Kopfschmerzen oder Schwindel). Weitere Anwendungsgebiete der Misteltherapie sind Wechseljahrsbeschwerden sowie degenerative Gelenkentzündungen.

Etwa im Jahr 1920 kam für die Mistel ein weiteres Anwendungsgebiet hinzu: Damals führte Rudolf Steiner Mistel-Extrakte als ergänzende Mittel zur Krebsbehandlung ein. Seitdem spielt die Behandlung von bösartigen Tumoren mit Mistel-Präparaten in der anthroposophischen Medizin eine zentrale Rolle. Die Mistel soll bei Krebs vor allem das Immunsystem stärken und so die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen.

Heute ist die Misteltherapie bei Krebs das in deutschsprachigen Ländern am häufigsten eingesetzte Verfahren der Komplementär- und Alternativmedizin.

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Wirksamkeit der Mistel-Präparate bei der Therapie von Krebs jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen. Dies gilt auch für die anderen Anwendungsgebiete der Misteltherapie.