Mammographie: Mammographie-Screening

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. November 2013)

Als Mammographie-Screening bezeichnet man eine regelmäßig vorgenommene Röntgenuntersuchung der Brust, die dazu dient, Brustkrebs möglichst früh zu erkennen. Früh entdeckter Brustkrebs lässt sich meist erfolgreicher und schonender behandeln. Das Mammographie-Screening kann jedoch nicht verhindern, dass Brustkrebs entsteht.

In Deutschland existiert ein bundesweites Programm, das Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre freiwillig wahrnehmen können. Dieses Mammographie-Screening-Programm richtet sich an Frauen, die keine Risikofaktoren für Brustkrebs haben, und ergänzt die "reguläre" jährliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung.

Frauen in der genannten Altersgruppe erhalten per Post eine offizielle Einladung zum Mammographie-Screening und damit einhergehend ein Merkblatt, das sie über die Hintergründe und den Ablauf informiert. Die Einladung geht von der sogenannten "Zentralen Stelle" aus, die Geburtsdatum und Anschrift der Frauen vom örtlichen Einwohnermelderegister erhält.

Das Merkblatt legt großen Wert auf die Entscheidungsfreiheit der Frauen: Sie sollen sich neutral über die Vor- und Nachteile des freiwilligen Programms informieren und dann aus eigenen Stücken entscheiden, ob sie am Mammographie-Screening teilnehmen möchten. Fakt ist: Jede Frau im Alter zwischen 50 und 69 Jahren hat alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs.

Unabhängig davon kann bei Risikopatientinnen und immer dann, wenn ein auffälliger Befund auftritt, öfter und sehr kurzfristig eine Mammographie angezeigt sein. Es spielt dann keine Rolle, ob schon wieder zwei Jahre verstrichen sind.

Das in Deutschland angebotene Mammographie-Screening-Programm erfüllt die Qualitätsbedingungen der "Europäischen Leitlinien". Das bedeutet unter anderem, dass:

  • Fachkräfte die Mammographie an streng kontrollierten, modernen Geräten durchführen.
  • jede Mammographie-Aufnahme von mindestens zwei Ärztinnen oder Ärzten begutachtet wird, die Mammographien von mindestens 5.000 Frauen pro Jahr beurteilen.
  • auffällige Befunde innerhalb des Früherkennungs-Programms von speziell fortgebildeten Ärztinnen und Ärzten abgeklärt werden.

Kosten

Bei einer Screening-Mammographie trägt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten. Privat Versicherte müssen ihren Versicherer fragen, ob die Mammographie-Kosten übernommen werden.

Ablauf

Die Untersuchung findet meist in einer sogenannten Screening-Einheit statt. Solche Einheiten gibt es in ganz Deutschland an vielen Standorten. In ländlichen Regionen kann die Mammographie mitunter in speziell dafür eingerichteten Fahrzeugen erfolgen ("Mammobil") – sie sind ebenso gut ausgestattet wie die stationären Einheiten.

Speziell fortgebildete und erfahrene Ärzte leiten die Screening-Einheiten. Die Untersuchung selbst, also die Röntgenaufnahme der Brust, machen medizinische Röntgen-Fachkräfte, die sich für das Mammographie-Screening-Programm qualifizieren müssen. Ein Gespräch mit einem Arzt ist nicht fester Bestandteil des Screenings. Hat eine Frau offene Fragen, kann sie aber auf Anfrage einen Arzt sprechen.

In den Tagen nach der Untersuchung werten zwei Ärzte unabhängig voneinander die Mammographie-Aufnahmen sorgfältig aus. Finden sie etwas Auffälliges, ziehen sie einen weiteren Spezialisten hinzu. Das Ergebnis der Auswertung erhalten die Frauen meist innerhalb von sieben Werktagen nach der Mammographie, Verzögerungen sind aber möglich.

Der Befund

In den meisten Fällen ergibt die Aufnahme keinen verdächtigen Befund, und die Frau erhält – sollte sie beim letzten Mammographie-Screening nicht älter als 67 Jahre gewesen sein – nach zwei Jahren erneut eine Einladung zur Mammographie.

Wichtig: Während dieser zwei Jahre kann trotzdem Brustkrebs entstehen (sog. Intervallkrebs), sodass die Frau sehr wohl weiterhin auf Veränderungen an ihren Brüsten achten sollte. Zudem kommt es in seltenen Fällen vor, dass die Ärzte Brustkrebs in den Aufnahmen übersehen beziehungsweise dass der Krebs in den Aufnahmen schlicht nicht sichtbar war. Daher gilt: Wenden Sie sich umgehend an einen Arzt, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt – warten Sie nicht bis zur nächsten regulären Untersuchung!

Mitunter kommt es vor, dass die Ärzte auf den Aufnahmen etwas entdecken, das sie weiter abklären oder beobachten möchten. Liegt ein solcher verdächtiger oder unklarer Befund vor, erhält die Frau erneut eine Einladung und wird, wenn sie einverstanden ist, weiter untersucht, etwa durch nochmaliges Röntgen oder eine Ultraschalluntersuchung. In manchen Fällen kann nur die feingewebliche Untersuchung (Histologie) Auskunft darüber geben, ob der Befund gutartig oder bösartig ist. Hierzu entnimmt der Arzt in örtlicher Betäubung mit einer Hohlnadel mehrere kleine Gewebeproben aus der Brust (sog. Stanzbiopsie). Speziell geschulte Pathologen untersuchen das Gewebe unter dem Mikroskop und stellen die Diagnose.

Bei fünf von sechs Frauen, bei denen ein auffälliger Befund vorlag, stellt sich heraus, dass kein Grund zur Sorge besteht. Die Mammographie wird dann meist erst nach zwei Jahren wiederholt – also im gleichen Abstand wie nach einem unauffälligen Befund.

Manchmal stellt sich heraus, dass eine bösartige Veränderung, also Krebs oder ein direkter Vorläufer, vorliegt. Der Arzt der Screening-Einheit bespricht dann das weitere Vorgehen (Welche Therapie kommt infrage? Möchte die Frau behandelt werden?) mit der betroffenen Frau und informiert ihren Hausarzt oder Frauenarzt. Oft handelt es bei dem entdeckten Tumor um einen sehr begrenzten Krebs der Milchgänge, das sogenannte duktale Karzinoma in situ (Abkürzung: DCIS). Ein DCIS entwickelt sich nicht zwangsläufig zu einem gefährlichen Tumor weiter. Es sollte aber in der Regel behandelt werden, da nicht vorhersagbar ist, ob es weiter wächst oder nicht.

Vor- und Nachteile

Das Mammographie-Screening hat Vor- und Nachteile, wie die meisten anderen medizinischen Verfahren auch. Um den teilnehmenden Frauen einen möglichst großen Nutzen zu bringen, sollten die Vorteile die Nachteile klar überwiegen. Allerdings kann es von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein, wie groß der Nutzen einer Mammographie ist. Dies liegt daran, dass Frauen mit vielen Risikofaktoren für Brustkrebs im Allgemeinen deutlicher von den Vorteilen des Mammographie-Screenings profitieren als Frauen mit sehr wenigen Risikofaktoren.

Letztlich muss jede Frau die Vor- und Nachteile für sich abwägen und dann entscheiden, ob sie am Mammographie-Screening-Programm teilnehmen möchte oder nicht.

Mögliche Nachteile:

  • seelische Belastung: Die Nachricht, dass ein auffälliger Befund vorliegt, kann sehr beunruhigend sein. Stellt sich später heraus – unter Umständen nach Entnahme einer Gewebeprobe –, dass der Verdacht unbegründet war, waren Sorge und Aufregung umsonst.
  • unnötige Therapie: Es kommt vor, dass ein Tumor gefunden und behandelt wird, der im weiteren Verlauf niemals Probleme bereitet hätte und ohne das Screening vielleicht gar nicht aufgefallen wäre.
  • längere Leidenszeit: Beim Screening werden auch bösartige Tumoren entdeckt und dann behandelt, die nicht mehr heilbar sind. Eine solche Therapie verlängert unter Umständen die Leidenszeit der Betroffenen, nicht aber die Lebenszeit.

Mögliche Vorteile:

  • schonendere Therapie: Früh entdeckter Brustkrebs lässt sich oft schonender behandeln als Brustkrebs, der sich schon weiter ausgebreitet hat. So gelingt es z.B., dass die Brust (zum Teil) erhalten wird und sich eine Chemotherapie eventuell erübrigt.
  • Heilung: Im Mammographie-Screening werden einige bösartige Tumoren in einem frühen, heilbaren Stadium der Erkrankung entdeckt. Ohne die Untersuchung wäre der Krebs wahrscheinlich nicht rechtzeitig gefunden worden und hätte letztlich zum Tod geführt.

Konkretes Zahlenbeispiel

Die Initiatoren des Mammographie-Screening-Programms haben ein Zahlenbeispiel erstellt, um die Vor- und Nachteile der Früherkennung mittels Röntgenaufnahme besser veranschaulichen zu können. Die statistischen Werte leiteten sie aus Erfahrungen aus anderen Ländern sowie aus wissenschaftlichen Untersuchungen ab. Wichtiger Hinweis: Im Gespräch mit Ihrem Frauenarzt können Sie den Nutzen der Mammographie für Ihren individuellen Fall erfragen und diskutieren.

Das Beispiel geht von 200 Frauen aus, die 20 Jahre lang jedes zweite Jahr am Mammographie-Screening-Programm teilnehmen.

Von diesen 200 Frauen

  • erhalten 140 Frauen in 20 Jahren keinen verdächtigen Befund.
  • 60 Frauen bekommen einen Befund, dem nachgegangen werden sollte.
    • Von diesen 60 Frauen erhalten 40 bei der ergänzenden Untersuchung Entwarnung,
    • 20 Frauen wird eine Gewebeentnahme empfohlen.
      • Von diesen 20 Frauen stellt sich bei 10 Frauen der Verdacht als unbegründet heraus.
      • 10 Frauen erhalten die Diagnose Brustkrebs im Screening.
  • Von den übrigen 190 Frauen erhalten 3 Frauen in den 20 Jahren zwischen zwei Screening-Runden ebenfalls die Diagnose Brustkrebs.
  • Von diesen insgesamt 13 Frauen mit der Diagnose Brustkrebs sterben 3 Frauen an Brustkrebs, 10 Frauen sterben nicht an Brustkrebs.
    • Von diesen 10 Frauen hätte 1 Frau ohne Mammographie zu Lebzeiten nichts von ihrem Brustkrebs erfahren, 8 Frauen wären auch ohne Teilnahme am Mammographie- Screening-Programm erfolgreich behandelt worden – ein Teil davon jedoch mit einer belastenderen Therapie.
  • 1 von 200 Frauen wird dank ihrer regelmäßigen Teilnahme vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt.
Illustration: Zahlenbeispiel zum Mammographie-Screening-Programm

Zahlenbeispiel zum Mammographie-Screening-Programm