Künstlicher Darmausgang: Leben mit künstlichem Darmausgang

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (07. Oktober 2014)

Der Gedanke, einen künstlichen Darmausgang (Enterostoma, Anus praeter) tragen zu müssen, löst bei vielen Menschen Unbehagen aus – insbesondere dann, wenn der Anus praeter ein Leben lang bestehen bleiben soll.

"Werde ich in meiner Ernährung eingeschränkt sein? Kann ich meinen Hobbies weiterhin nachgehen? Ist mein Sexualleben beeinträchtigt?" Solche oder ähnliche Fragen stellen sich viele Patienten. Belastend ist für manche auch die Vorstellung, die Ausscheidungen nicht mehr selbst kontrollieren zu können und direkt mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Auf der anderen Seite kann ein Stoma unter Umständen eine Erleichterung sein – etwa, wenn man aufgrund einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung jahrelang unter Durchfall gelitten hat.

Normalerweise schränkt ein künstlicher Darmausgang in puncto Ernährung die Lebensqualität nur gering ein. So müssen die Betroffenen in der Regel keine Diät halten. Zu Beginn ist es jedoch ganz normal, dass der Stomaträger bestimmte Speisen noch nicht so gut verträgt. Beim Essen sollte man austesten, welches Nahrungsmittel verträglich ist und kleine, regelmäßige Portionen bevorzugen.

Die Ernährung mit einem Stoma richtet sich zudem danach, wo sich das Stoma befindet: Bei einem Ileostoma, also einem künstlichen Dünndarmausgang, ist es etwa besonders wichtig, reichlich Flüssigkeit aufzunehmen. Zudem ist auch eine zusätzliche Salzzufuhr notwendig – 6 bis 9 Gramm am Tag sollten es sein. Zum Vergleich: Ein gesunder Mensch benötigt nicht mehr als 5 bis 6 Gramm Salz pro Tag. Den erhöhten Salzbedarf können Menschen mit Ileostoma leicht durch zusätzliches Salzen der Speisen decken, aber auch mithilfe von Fleisch- und Gemüsebrühen oder isotonischen Getränken. Bei einem künstlichen Dickdarmausgang, dem Colostoma, kann der Wasserverlust sehr hoch sein, wenn ein großer Teil des Dickdarms entfernt werden musste. Durch Traubenzuckerfuhr kann der Flüssigkeitsverlust ein wenig reduziert werden.

Darüber hinaus muss ein Anus praeter nicht bedeuten, künftig auf Intimitäten verzichten zu müssen. Wer offen mit dem Partner redet und ihm und sich Zeit gibt, sich an die Situation zu gewöhnen, kann eventuelle Ängste ausräumen.

Stomaträger zu sein ist vor allem eine Gewöhnungsfrage. Mit ein wenig Erfahrung gehört ein künstlicher Darmausgang schon bald zum Alltag und muss nicht zwangsläufig zu Einschränkungen führen.

Das Bild zeigt einen älteren Mann beim Arzt. © Jupiterimages/iStockphoto

Insbesondere direkt nach dem Eingriff hat der Patient noch viele Fragen. Ein Stomatherapeut hilft, diese zu klären und sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Stomatherapeuten nehmen den Patienten die Angst vor einem Stoma. Sie zeigen ihnen schon vor dem Eingriff, wie man das Stoma angemessen pflegt und was man als Stomaträger beachten muss. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen oder therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Gut zu wissen: Unabhängig von der dahinterstehenden Erkrankung ist die Lebenszeit mit einem künstlichen Darmausgang nicht verkürzt!