Künstlicher Darmausgang: Formen des künstlichen Darmausgangs

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (07. Oktober 2014)

Ein künstlicher Darmausgang (Enterostoma, Anus praeter) kann entweder vorübergehend oder dauerhaft gelegt werden:

  • Ein vorübergehendes Enterostoma dient dazu, bestimmte Darmabschnitte zeitweilig zu entlasten. Auf diese Weise kann zum Beispiel Gewebe nach einer größeren Operation geschont werden. Nach einer gewissen Zeit – wenn die Wunde verheilt ist und sich der Patient erholt hat – verlegt der Chirurg den Darmausgang an seinen ursprünglichen Ort zurück und der Stuhl gelangt wieder auf natürlichem Wege nach draußen.
  • Der dauerhafte Anus praeter hingegen ersetzt den natürlichen Darmausgang permanent.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, um einen Anus praeter zu legen. Mediziner unterscheiden den endständigen vom doppelläufigen Darmausgang.

Ein endständiger künstlicher Darmausgang ist häufig sinnvoll, wenn der Anus praeter permanent bestehen bleiben soll. Nachdem er den kranken Teil des Darms entfernt hat, führt der Chirurg das noch verbleibende Ende über eine künstlich geschaffene Öffnung in der Bauchdecke nach außen, aus welcher der Stuhlgang entweichen kann. Dies geschieht, indem der Operateur die obere Darmschlaufe hervorzieht und an der Bauchdecke mithilfe von Nähten befestigt. Den nicht mehr aktiven Teil des Darms verschließt er oder entfernt ihn.

Für einen doppelläufigen Darmausgang zieht der Chirurg eine Darmschlinge durch die Bauchdecke an die Körperoberfläche. Anschließend schneidet er die Schlinge auf. Die beiden entstandenen Öffnungen befestigt er nebeneinander an der Bauchdecke. Aus der oberen Öffnung kann der Stuhl entweichen. Die untere Öffnung führt keinen Stuhl mehr ab und wird somit entlastet. Sie hat also vorübergehend keine Funktion, der Arzt kann aber später beide Darmenden leicht wieder miteinander verbinden. Doppelläufige Stomata bleiben oft nur vorübergehend bestehen und können später – meist nach circa drei Monaten – wieder rückgängig gemacht werden. Sie kommen zum Beispiel zum Einsatz, um bestimmte Darmbereiche nach einer Operation im Bauchbereich vorübergehend zu schonen.

Vor einer geplanten Operation wird der Mediziner den Patienten ausführlich informieren und beraten. Mit einem wasserfesten Stift zeichnet der Arzt die Lage des späteren künstlichen Darmausgangs ein.

Um vor und nach der Operation nicht auf sich gestellt zu sein, kann ein sogenannter Stomatherapeut dem Patienten zur Seite stehen. Ein Stomatherapeut ist meist eine Krankenschwester oder ein Pfleger mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation. Er hilft dem Betroffenen dabei, mit der neuen Situation umzugehen und zeigt ihm beispielsweise, wie er das Stoma pflegen muss oder wie man die Stomabeutel wechselt.