Kleines Blutbild: Bedeutung von Hämatokrit und Erythrozytenzahl

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Oktober 2015)

Hämatokrit

Der Hämatokrit-Wert ist der Anteil der Blutzellen am Gesamtblut, also das Verhältnis von festen zu flüssigen Blutbestandteilen. Der Hämatokrit-Wert sagt etwas über die Fließeigenschaften des Bluts aus. Dabei gilt: Je höher der Hämatokrit, desto "dicker" das Blut, was die Fließeigenschaft verschlechtert. Ein kleines Blutbild kann dem Arzt damit Hinweise darauf geben, ob das Blut zu "dick" ist – dann können sich leicht Blutgerinnsel bilden.

Die Normalwerte des Hämatokrits sind stark alters- sowie geschlechtsgebunden und hängen von der Menge der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ab, da die Erythrozyten den größten Anteil der Blutzellen ausmachen. Wenn der Arzt ein kleines Blutbild auswertet, ist es daher wichtig, dass er diese Faktoren berücksichtigt.

Erythrozyten (rote Blutkörperchen) beziehungsweise Retikulozyten

Ein kleines Blutbild gibt außerdem Auskunft über die Menge an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und damit verbunden über die Sauerstoffversorgung des Körpers.

Die Erythrozyten enthalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der für die Sauerstoff- und Kohlendioxidbindung an die roten Blutkörperchen zuständig ist. Das Hämoglobin bindet den eingeatmeten Sauerstoff in den roten Blutkörperchen. Die Erythrozyten können ihn dadurch im Körper verteilen. Somit hängt die Sauerstoffversorgung des Körpers stark von der Anzahl der vorhandenen roten Blutkörperchen ab. Umgekehrt beeinflusst auch die Sauerstoffversorgung die Konzentration der Erythrozyten: Gelangt wenig Sauerstoff in den Körper, bildet dieser vermehrt rote Blutkörperchen, damit mehr Sauerstoff transportiert werden kann.

Illustration: Rote Blutkörperchen. © Jupiterimages/Hemera

Erythrozyten

Die Erythrozyten werden beim Erwachsenen im roten Knochenmark gebildet und durchlaufen auf ihrem Weg zum "reifen" Erythrozyten mehrere Entwicklungsstadien. Neben den "fertigen" Erythrozyten ist deren letzte Vorstufe ebenfalls im Blut nachweisbar – die Retikulozyten. Ergibt ein kleines Blutbild, dass viele Retikulozyten im Blut vorhanden sind, bedeutet dies, dass der Körper aktuell viele Erythrozyten neu bildet.

  • Erhöhter Erythrozyten-Wert (Polyglobulie): Eine Erhöhung des Erythrozyten-Werts ist meist auf Sauerstoffmangel zurückzuführen. Bei Sauerstoffmangel bildet der Körper vermehrt ein Hormon, das sogenannte Erythropoetin. Dieses regt das rote Knochenmark an, damit es neue Erythrozyten bildet. Der erhöhte Anteil an Erythrozyten soll hierbei den Sauerstoffmangel ausgleichen. Die Ursache des Sauerstoffmangels kann ganz natürlicher Art sein; beispielsweise erhöht sich der Erythrozytenwert bei einem Aufenthalt im Hochgebirge, da die Luft dort weniger Sauerstoff enthält. Aber auch Erkrankungen, zum Beispiel Lungen- und Herzkrankheiten, können die Sauerstoffversorgung des Körpers verschlechtern, was den Erythrozyten-Wert ebenfalls ansteigen lässt. Eine sogenannte Pseudopolyglobulie liegt dann vor, wenn aufgrund großer Flüssigkeitsverluste, wie beispielsweise bei starkem Durchfall oder Erbrechen, der prozentuale Anteil der Erythrozyten im Blut gestiegen ist. Die tatsächliche Anzahl der Erythrozyten ändert sich hierbei nicht.
  • Verminderter Erythrozyten-Wert (Anämie, Blutarmut): Es gibt zwei Hauptursachen für Blutarmut (Anämie):
    • Anämie aufgrund von Blutverlust: nach Operationen, bei stark blutenden Wunden oder Ähnlichem
    • Anämie aufgrund verminderter Erythrozytenproduktion: Der Körper benötigt zur Herstellung von Erythrozyten Stoffe wie Eisen, Vitamin B 12 und Folsäure, welche dem Körper in kleinen Mengen durch die Nahrung zugeführt werden müssen. Insbesondere die Eisenaufnahme (Eisenmangelanämie) ist häufig gestört, sei es durch falsche Ernährung oder Störungen der Eisenaufnahme im Darm. Auch bei dauerhaften Blutverlusten, zum Beispiel bei entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen (wie Morbus Crohn) benötigt der Körper vermehrt Eisen, um die "verloren gegangenen" Erythrozyten zu ersetzen. Ebenso ist während der Schwangerschaft und der Stillzeit der Eisenbedarf der Mutter erhöht.