Kaiserschnitt: Anwendungsgebiete

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (20. Juni 2016)

Ein Kaiserschnitt kann geplant oder ungeplant erfolgen.

Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt können sein:

  • eine Erkrankung der Mutter, die Mutter oder Baby während einer normalen Geburt gefährden oder die Mutter bei der Geburt zu sehr anstrengen würde, wie zum Beispiel Krampfleiden, bestimmte Augenerkrankungen, Herzfehler, Gestosen oder sonstige Allgemeinerkrankungen
  • hohes Infektionsrisiko für das Kind, wenn etwa die Mutter an Herpes genitalis oder HIV erkrankt ist
  • Mehrlingsschwangerschaften, bei denen mindestens ein Kind ungünstig liegt – es ist aber auch möglich, dass ein Zwilling auf normalem Weg geboren wird und der zweite per Kaiserschnitt zur Welt kommt
  • Entwicklungsstörungen des Babys
  • eine Enge des mütterlichen Beckens (Schädel-Becken-Missverhältnis)
  • eine vor dem Muttermund liegenden Plazenta (Plazenta praevia)
  • Querlage des Kindes
  • ausdrücklicher Wunsch der werdenden Mutter (Wunschkaiserschnitt)

Auch eine Beckenendlage (Steißlage) kann einen Kaiserschnitt erforderlich machen. Es gibt aber auch Kliniken, in denen Kinder in der Steißlage auf normalem Weg zur Welt gebracht werden können. In einigen Fällen kann das Baby vor der Geburt auch über eine sogenannte äußere Wendung in die Schädellage gedreht werden. Ob eine dieser Möglichkeiten im individuellen Fall in Frage kommt, wird vom Frauenarzt im Vorfeld gründlich untersucht und entsprechend eingeschätzt.

Ein ungeplanter Kaiserschnitt kann notwendig werden bei:

  • plötzlichen Komplikationen während der Geburt, wie Fieber oder Blutdruckschwankungen bei der werdenden Mutter
  • Gefährdung des Kindes durch eine Notfallsituation, wie zum Beispiel einen Nabelschnurvorfall oder eine vorzeitige Plazentaablösung, oder durch sonstige Sauerstoffmangel-Situationen, die im Kardiotokogramm (CTG) oder durch eine Mikroblutuntersuchung erkannt werden können
  • unzureichendem Geburtsfortschritt (Wehenschwäche)
  • einer Enge des mütterlichen Beckens (Schädel-Becken-Missverhältnis), die im Voraus nicht absehbar war

Manche Indikationen, also Entscheidungsursachen, werden von den Ärzten unterschiedlich bewertet: So ist zum Beispiel die Steißlage für viele Gynäkologen ein Grund für einen Kaiserschnitt, besonders wenn es sich bei der werdenden Mutter um eine Erstgebärende handelt, während andere Ärzte in der gleichen Situation durchaus eine normale Geburt befürworten. Ähnliches gilt für Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften.

Die medizinische Notwendigkeit des Kaiserschnitts in Geburtssituationen, die eine Gefährdung für Mutter oder Kind darstellen, ist unbestritten. Immer öfter wird jedoch auch der Kaiserschnitt als Alternative zu einer natürlichen Geburt angeboten (Wunschkaiserschnitt). Die Vorteile sind in erster Linie bessere Planbarkeit für die Mutter und häufig niedrigere Kosten für die Kliniken. Durch einen Kaiserschnitt entstehen außerdem bei der Geburt weniger Schmerzen – jedoch dauert es dafür länger, bis die Kaiserschnittnarbe verheilt und es kann zu Wundschmerzen und Komplikationen mit der Narbe, besonders in Folgeschwangerschaften, kommen.

Ein Wunschkaiserschnitt sollte daher ganz genau abgewogen werden.