Fruchtwasserunter­suchung (Amniozentese): Durchführung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (14. April 2015)

Vor der Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ist die Durchführung einer Ultraschalluntersuchung nötig: Deren Zweck besteht darin, die genaue Größe und Lage des ungeborenen Kindes und der Plazenta zu ermitteln. Erst dann findet die Fruchtwasserpunktion statt: Dazu führt der Arzt eine dünne Nadel durch die Bauchdecke der Schwangeren ein und schiebt sie vorsichtig bis in die Fruchtblase (Amnion) vor.

Diese Punktion geschieht unter sterilen Bedingungen und ist (ähnlich wie eine Blutabnahme) als leichtes Pieksen zu spüren – daher ist eine örtliche Betäubung zur Fruchtwasseruntersuchung nicht notwendig. Auch während der Fruchtwasserpunktion kontrolliert der Arzt ständig die Position der Nadel per Ultraschall, um zu verhindern, dass die Nadel den Fötus berührt oder verletzt. Durch die Nadel entnimmt der Arzt eine kleine Fruchtwassermenge (etwa 15 bis 20 Milliliter). Nach spätestens einer viertel Stunde ist der Eingriff in der Regel abgeschlossen.

Bei einer späten Fruchtwasseruntersuchung kann die Durchführung abweichen: Wenn die Amniozentese erst kurz vor der Geburt stattfindet, ist die Punktion auch durch den Gebärmutterhalskanal statt durch die Bauchdecke möglich.

Das zur Fruchtwasseruntersuchung entnommene Fruchtwasser enthält unter anderem Hautzellen des Fötus sowie abgelöste Zellen der Fruchtblasenwand. Die eigentliche Untersuchung des Fruchtwassers erfolgt im Labor: Dort züchtet man die Zellen aus der Fruchtwasserprobe an und vermehrt sie. Dies dauert etwa zwei bis drei Wochen – dann ist es möglich, die DNA der Zellen zu isolieren und auf Veränderungen zu untersuchen. Mithilfe dieser DNA-Analysen lassen sich verschiedene Chromosomenstörungen (z.B. Down-Syndrom) und Erbkrankheiten sicher diagnostizieren. Daneben kann die Amniozentese weitere Hinweise zum Gesundheitszustand des Fötus liefern: Bei einem Neuralrohrdefekt – zum Beispiel bei der Spina bifida (offener Rücken) – ist die Konzentration eines bestimmten Eiweißes (Protein) im Fruchtwasser erhöht.

Demnach liegt das Testergebnis frühestens zwei Wochen nach der Fruchtwasserentnahme zur Amniozentese vor. Um die Wartezeit zwischen Fruchtwasseruntersuchung und Ergebnis zu verkürzen, ist zusätzlich ein Schnelltest möglich: Dieser liefert schon nach etwa zwei Tagen Ergebnisse. Der Schnelltest kann aber nur die häufigsten Chromosomenabweichungen erfassen und ist weniger aussagekräftig als die klassische Untersuchungsmethode. Anders als bei der Fruchtwasseruntersuchung sind die Kosten für den Schnelltest außerdem in keinem Fall durch die gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt.